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30. September 2016 5 30 /09 /September /2016 14:09
Botschaften an Fremde!

Im Museum für Kommunikation in Frankfurt gibt es noch eine Sonderausstellung " Mit dem Strom und gegen die Zeit Treib_Gut Flaschenpost"

Ich habe schon einige Flaschen und diverse Treibgutstücke auf und in Seen, Flüssen und Meeren herumschwimmen gesehen, jedoch niemals bin ich in die Lage gekommen, einem der Stücke nahe bzw. es in die Hand zu bekommen.

Der Kölner Künstler Joachim Römer hat an die 2000 Botschaften bisher gesammelt. 400 davon zeigt er in dieser Ausstellung. Viele dieser Botschaften wurden in diversen Behältern im und am Rhein gefunden, ist ja klar. Römer hat über die Jahre hinweg ein gutes Gespür dafür entwickelt, wo diverses Treib_Gut angeschwemmt wird. Er kennt sich aus. Alle diese Botschaften handeln von allerlei Lebensgeschichten, Geständnissen, Einsichten, Reue, Hilferufe, Hoffnung, Hoffnungslosigkeit, manche von Suchenden nach einem Partner, aber auch einfach so dahinformulierte Gedanken, humvorvoll, ernst, konnte er in ihnen finden.

Als ich von der Ausstellung las, dachte ich, da musst du hin Roeschen, das ist was für Dich. Bin ich doch ein großer Fan des Geheimnisvollen, Unerwarteten, Schicksalshaften oder Zufälligem. Und selbst Botschaften, die mich berühren von Unbekannten, gehen nicht spurtlos an mir vorüber, denn sie bringen mich zum eigenen Nachdenken über dasmein Handeln Reden oder Erlebten. Es ist ein gutes Gefühl, wenn der Mensch weiß, egal, was passiert, Gutes oder Schlechtes, es passiert einem nicht allein, allen Menschen geht es so. Und Suchende sind wir doch alle nach etwas, letzten Endes nach der Wahrheit und dem Sinn des Lebens. Obwohl ich mittlerweile erkannt habe, dass der Sinn des Lebens nicht schwer zu finden ist, nämlich im einfachen täglichen Leben Tag für Tag, mit all dem, was damit zusammenhängt, Zufriedenheit, mal mehr oder weniger glücklich zu sein, Traurigkeiten anzunehmen und mit den sich oft auch entgegenstellenden Widrigkeiten klar zu kommen und das Beste draus zu machen. Ich bin halt einfach gestrickt,-)

Es ist eine hübsche, übersichtliche, kleine Ausstellung, die denke ich jedenfalls, auch Jedem gefallen wird,der sich aber vielleicht vorher noch nie Gedanken über Botschaften aus fremden Welten von fremden Menschen gemacht hat. Der vielleicht wie ich, zwar immer mal ein Treib_Gut an sich hat vorüberziehen gesehen, es jedoch nicht weiter vorgezogen hat, sich einmal damit zu beschäftigen.

Frisch poliert und ordentlich aneinandergereiht können die teilweise sehr hübschen Gefäße bewundert und bestaunt werden. Viele der Absender haben sich große Mühen gemacht, ihre kleinen Botschaften liebevoll zu gestalten. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Selten hat ein Mensch einfach so hineingesteckt und zu und ab. Da wurde vorher kreativ gestaltet, gemalt und geschnibbelt. Mich hat das berührt:)

Ein Text lautete: "Der größte Fehler war, Dich gehen zu lassen. Ich liebe Dich!"

Ich machte mir Gedanken über diesen unbekannten Menschen. Ob es ihm wohl geholfen hat, diese kleine Botschaft loszulassen und was er sich gedacht über den Menschen, der sie finden wird. Vielleicht irgendein Mensch, der gerade selber in Trennungsabsichten steht? Dem er sagen möchte, kämpfe um ihn/sie! Und war er nicht vielleicht blind für die Wirklichkeit? Ich meine, wenn ein Mensch gehen will, ist das doch meistens nicht mehr zu ändern, wenn die Absicht fest in ihm ist. Ist es nicht gar eine Form von Größenwahn von sich zu denken, man kann noch etwas dagegen tun, es irgendwie aufhalten? Ich glaub das nicht. Und fast stimmt es ja traurig an, dass dieser Mensch vielleicht gerade an dem Punkt, wo der Andere gegangen ist, erst feststellt, wie sehr er ihn oder dass er ihn überhaupt geliebt hat. Nun ja...viele Gedanken rühren sich da.

Ich will auch nur ein kleines Schmankerl als Beispiel geben. Es finden sich viele, viele andere Botschaften, die nachdenkenswert sind.

Wir leben in einem Zeitalter, wo uns das Internet Tausende Möglichkeiten bietet, uns Unbekannten zuzuwenden, mit ihnen zu kommunizieren, ihnen Fragen zu stellen, oder sich selber einfach nur mitzuteilen. Wir meinen, das ist ganz neu in dieser Welt. Jedoch zeigt uns die Ausstellung, dass es wohl schon immer so war, dass der Mensch nach Auswegen gesucht hat, nach Loslassen des Erlebten in der Hoffnung, irgendwo an einem anderen Ort wird es empfangen und es ist gar nicht so wichtig, ob dieser Empfänger gekannt wird.

Und es zeigte mir auch, dass Menschen, die so eine Möglichkeit wahrnehmen, wohl in ihrer eigenen kleinen Umwelt Niemandem das anvertrauen können, was wirklich in ihnen webt und arbeitet, sie traurig macht oder glücklich. Es gibt so wenig Menschen, denen wir zutrauen können, dass das, was wir sagen, auch wirklich für sie von Bedeutung ist. Vieles wird geredet, aber wenig wird gesagt, ist oft mein Denken. Und mit dieser Erkenntnis, die ja auch ein wenig traurig daherkommt, nutzt man einfach diese Möglichkeit, zumindestens loszulassen und vielleicht ist ja da draussen in der großen weiten Welt ein Mensch, der versteht, was man sagen möchte, wie es einem geht, wie man fühlt, lebt, leidet und sich freut und ja, ich glaube, dass es diesem Menschen helfen kann.

Und in all dem, wenn ein Mensch zu einem solchen Weg greift, liegt ja auch ein gewisser Zauber, eine Magie, etwas geheimnisvoll Webendes zwischen der Welt des Absenders und des Empfängers. Und letzten Endes ist es vielleicht genau das, was gewollt ist, dass aus diesem Zauber etwas Neues entsteht, an einem selber, beim anderen, bei dem es ankommt und dadurch Veränderungen des Lebens geschehen bei Beiden, auch wenn sie nie voneinander mehr erfahren werden oder sich gar begegnen. Weiß man´s?

Jedenfalls ein Leben, dass keinen Zauber mehr enthält, wäre doch sehr langweilig oder? Wenn wir nur noch das täten, was wir selber im voraus berechnen könnten? Wenn wir uns nicht mehr einlassen würden auf das ganz Unerwartete in unserem Leben! Ich denke jedenfalls so und ich glaube, die Menschen, die solche Treib-Güter versenden, sind ebenfalls solche Denker. Und es ist schön, dass ich nicht allein damit bin.

Also...Museum für angewandte Kunst, Frankfurt, Deutschherrenufer....Die Ausstellung läuft noch bis zum 16. Oktober. Lohnenswerte Stunden, die bewegen und nachdenklich stimmen.

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