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11. September 2016 7 11 /09 /September /2016 13:54
Ein unspektakulärer Spätsommersonntag

Vielleicht ist das heute ein letzter Sommersonnensonntag. Jedenfalls dachte ich das in dem Moment, wo ich aufwachte und in den blauen Himmel schaute. Keine Wolke am Himmel. Sehr verheissungsvoll. Ich kann das. Direkt in den Himmel schauen. Ich verdunkle mich meistens nie. Ich mag es, wenn ich aufwache, den Himmel sehen zu können.

Springausdembett, ne, das ist nichts für mich. Ich lieg erst mal so rum. Ich muss zu mir kommen, in den Tag hineinfinden. Die Gedanken kommen von allein.

Es ist ja Sonntag. Ich muss nichts, kann jedoch Vieles, das ist schön. Von der Strasse sind schon Geräusche der Autos und der Strassenbahn zu hören. Hin- und wieder klingt noch ein von der Nacht übrig gebliebener Schrei aus dem Ballermannviertel herauf. In dem seiner Haut möcht ich jetzt nicht stecken.

Jeden Morgen bedauere ich, mitten in der Stadt lebend, keine Vögelchen zu hören. Selten sind sie Gast in den Bäumen meiner Strasse. Denen gefällts hier auch nicht, denk ich.

Egal, es ist wie es ist. Mach was aus deinem Tag, denk ich, Roeschen. Frühstück ist doch ein guter Anfang. Und gucken was meine Leidenschaft macht. Das Schachspiel.

Aus den Zeitungen weiß ich, dass es viele Angebote gibt, hier in Frankfurt an diesem vielleicht letzten Sommersonnenstag. Dippemess, Ruderbootfest am Yachthafen, Ausstellungen. Es ist ja so viel. Der Mensch muss sich immer entscheiden. Da ich bei all diesen Angeboten jedoch immerr die Massen der Menschen vor Augen habe, die sich an so einem Tag durch diese Angebote wühlen, meide ich sie lieber.

Viel lieber nehme ich mir einen meiner liebsten Lebensbegleiter, mein Fahrrad, und radele los. Noch ist die Sonne nicht all zu heiß. Ein leichter Wind weht an den Ufern des Mains und im Schatten ist es wohlig auszuhalten bei der Fahrt. Eigentlich fahr ich drauf los, hatte gar keinen Plan. An mir vorbei ebenfalls die frühsonntäglichen Ausflugsradler mit ihren tollen Rädern, Rennräder, Bikes und andere wie neu ausschauende. Meins dagegen scheppert und klappert, aber es fährt, immerhin. Mir egal, denk ich.

Und am Ruderbootfest vorbei geht meine Fahrt dann Richtung Stadtwald. Genau, denk ich, das hast schon lang nicht mehr gemacht Roeschen. Auf zum Maunzenweiher. Idyllisch liegt der nämlich, ca. 2 Hektar groß, am südöstlichen Rand des Frankfurter Stadtwaldes. Früher war ich fast drei Mal die Woche dort. Ein wenig ist das eingeschlafen. Um so mehr freue ich mich, als ich die altbekannten Wege entlangradele, vorbei an dem Grillplatz, an dem sich fast zu jeder Jahreszeit Menschen aller Kulturen treffen, um Familienfeste zu begehen oder einfach nur mit Freunden zusammen zu hocken. Ich schau da gern immer hin, wenn ich vorbei komme. Ich kann mich erfreuen an dem gemeinschaftlichen Miteinander der Menschen, ohne eine Spur von Wehmut zu empfinden, dass ich ja allein bin. Jedenfalls hier in Frankfurt. Ich weiß nämlich auch, dass alles menschliche Miteinander auch immer kompliziert werden kann. Zumeist hab ich da keine Lust drauf. Ist so.

Und nach einer nicht so langen Fahrt komme ich an. Das Schild Maunzenweiher steht sogar noch dort. Ich weiß nicht, wie oft das schon geklaut wurde. Hier sollen ja die Katzen des Nachts versammelt gewesen sein und ihr Miauen und Maunzen soll bis weit gehört worden sein. So kommt ein Teich zu seinem Namen.

Und da ist auch schon mein Bänkchen. Ich sage immer "mein", obwohl es mir natürlich nicht gehört. Doch da sitzt schon Jemand. Eine Frau. Gemein, denke ich. Um diese Zeit in der Früh.

Dieses Mal scheue ich mich nicht, sie zu fragen, ob es sie stört, wenn ich mich dazu setze. Sie schaut so aus, als wenn sie nicht viel reden würde, daher wage ich es. Sie hat ihren Hund dabei, der liegt unter der Bank und knurrt mich an. Die ist ziemlich dick, die Frau, denk ich. Nein, sie ist unglaublich dick. Sofort rattert es in meinem Kopf, wieso, weshalb, warum. Egal. Nicht mein Leben.

Sie hat den Hund beruhigt und ich darf mich setzen. Ach, schön ist das. Eine wirkliche, kleine Oase. Ausser ihr, neben mir, Niemand da. Der Hund liegt jetzt verschlafen unter mir. Ach, ich könnt jetzt auch, einfach da so rumliegen und noch ein Nickerchen machen. Dicke Libellen umschwirren mich und ich erinnere mich an den ganz besonderen Septembertag vor vielen Jahren, als ich auch dort sitzend, die letzte Sommersonne des Jahres geniessend , wie sich die Libellen auf eine Stelle meines Schuhs versammelt hatten, weil genau dort die Sonneneinstrahlung am wärmsten war. Das war so schön. Ich hab mich nicht bewegt. Es hat mir so ein Gefühl des eins sein mit allem gegeben. Jetzt aber schwirren und brausen sie umher, weil Sonne noch überall ist. Ich werde wiederkommen, ganz bestimmt. Ich möchte das noch mal erleben. Manches im Leben will man gerne noch einmal erleben, manches lieber nicht. Meistens sind es die kleinen Dinge. So wie dieses Geschehen. Bei mir jedenfalls.

Enten sind dieses Mal nicht da und auch die Fischreiher haben sich nicht auf den beiden kleinen Bauminseln mitten im Teich versammelt. Jedoch die Fische springen lustig aus dem Wasser und lassen kleine Wellenkreise zurück. Hübsch ist das anzusehen. Jedes Leben hat seine eigene Fröhlichkeit.

Zwischendurch reden wir doch ein paar Worte miteinander, die Frau und ich. Erzähle ihr, dass ich schon lang nicht mehr hier war. Sie hatte neulich Urlaub, da war sie jeden Tag da. Ach, sagte ich, ein Urlaub am Maunzenweiher? Sehr unspektakulär und musste innerlich griemeln. Ja, sagte sie, aber sehr erholsam war es. Das glaubte ich ihr sofort. Das Erleben ist nicht immer mit Ferne verbunden. Das ist auch meine Erfahrung.

Der Hund sei schon alt. Zwischendurch steht er immer mal wieder auf, legt sich in die Sonne, kommt wieder zurück, wenn er genug hat, steht wieder auf, will etwas trinken, ist aber wasserscheu. Bloß nicht die Pfoten ins Wasser. Trinken tut er auch nicht viel, ein Schlapp und gut ist. Genügsam so ein Tier,-) Ich will auch genügsam sein, denk ich, das Leben ist dann so viel einfacher.

Als sie gehen, die Frau und ihr Hund, zieh ich mein Büchlein aus der Tasche und versinke in Truman Capotes "Die Grasharfe" Ach, ein so hübsches Büchlein, so dass ich Raum und Zeit um mich herum vergesse.

Als der Magen knurrt, packe ich alles ein, setze mich wieder aufs Rad und fahre heim. Mittlerweile füllt sich der Stadtwald mit den Menschen. Kindergetobe, Hundebellen und Gehopse überall. Ich bin froh, jetzt wieder in meine Höhle zu kommen.

Zu Hause gibt es Pasta. Lecker. Frische Tomaten, Oliven, Chilli, Ingwer dazu viel Olivenoel, fertig.

Zufrieden leg ich mich aufs Sofa und denke, wie unspektakulär Roeschen dein letzter Sommersonnentag,-)

Und warum ich das jetzt aufschreibe? Weil es so unspektakulär ist,-) und doch so erlebnisreich. Ihr müsst es nur finden:)

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