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28. September 2016 3 28 /09 /September /2016 16:09
Zooimpressionen


Manchmal überfällt mich eine Idee, dieses oder jenes zu tun, aber ich weiss nicht so richtig warum. Ein Impuls. Ich gebe gerne Impulsen nach, obwohl das manchmal sich auch als nicht gut erweist. Jedoch, immer nur vorsichtig durchs Leben zu gehen, wäre doch auch langweilig.

Am frühen Morgen diesen Tages bei meinen Runden im Schwimmbad hatte ich plötzlich eine dieser Ideen. Und wie so immer, überleg ich hin und her, warum, wieso, weshalb gerad dieses tun zu wollen. Dieses Mal hatte ich Glück. Ich erinnerte mich nämlich an einen Satz, den ich einmal in einem Buch las: Wer eine Stadt verläßt, sollte sich unbedingt immer mal den Zoo ansehen. Ich glaub, es war in dem Buch "Alle sterben, auch die Löffelstöre. Aber sicher bin ich mir nicht mehr. Ist ja auch egal. Die Sätze, die ich behalte sind mir wichtiger. Also, dachte ich, probier ich das doch mal aus. Warum nicht. So was mache ich öfter.)

Ich muss voranschicken, grundsätzlich besuche ich nicht gerne zoologische Gärten. Ich bin da zwiegespalten. Einerseits möcht ich schon gern ein mal so ein Tier von ganz nah sehen, andererseits überfällt mich immer auch eine gewisse Traurigkeit wegen der Unfreiheit, in der sie leben, sich nicht gemäß ihrem Naturell bewegen können.

Das Wetter versprach heute noch einmal so richtig golden herbstlich zu werden. Also machte ich mich auch gegen meine Zwiespältigkeit mit meinem Rad auf den Weg in den Frankfurter Zoo.

Jedenfalls hatte ich am Eingang angelangt auch eine gewisse Vorfreude auf diesen Besuch. Ich dachte, auf jeden Fall ist es ein schöner Spaziergang durch baum- und strauchbewachsene Alleen, deren Laub nun langsam anfing rostrot, gelb oder orange zu leuchten. Wie ich das liebe am Herbst. So begann ich also meinen Rundgang. Obwohl, ich halt mich nie an die vorgeschriebenen Empfehlungen, sondern laufe lieber planlos herum, auch wenn das nach sich zieht, dass ich an Stellen zwei oder gar drei Mal vorbeikomme. Das macht ja nichts. Es gibt immer Veränderungen, Begebenheiten, die vorher nicht zu sehen waren.

Als Kölnerin hab ich bei einem Zoobesuch immer dat Liedchen : "Ene Besuch im Zoo" im Kopf, das ist doch klar. Und in der ersten Strophe heißt es, wenn de rin küst, siehste de Kamele, nä wat sind die jroß...usw.usw.,-)..Hier im Frankfurter Zoo waren jedoch keine Kamele und das fand ich auch gut. Du willst ja nicht gleich von einem großen Tier überrascht werden, so dachte ich, lieber klein anfangen, wie im Leben auch, die kleinen Dinge sind es, aneineinadergereiht, die das große Ganze ausmachen,-)

Jedenfalls spazierte ich erst einmal gemütlich an einem See vorbei, auf dem ein Fischreiher seine Aufwartung machte und stolz und stark auf einem Felsen in der Gegend herumguckte. Ich beobachte gerne Fischreiher, sie sind manchmal auch am späten Abend hier am Mainufer zu sehen. Wie sie ewig lange regungslos verharren, den Blick stur gerade auf etwas gerichtet, was man selber nicht erkennen kann und dann plötzlich aus dem Stand einen Anflug starten Richtung Wasser und hinein und dann wohl sicherlich mit einem Fang im Schnabel ein Plätzchen zum Verzehren suchen. Das ist Meditation pur.

So stand ich eine Weile da, schaute ihm zu, bis ich direkt vor meiner Nase auf dem Brückchen, auf dem ich verweilte, plötzlich zwischen all den bewegungslosen herabgefallenen Blätter auf der Wasseroberfläche, ein einziges grosses Blatt sah, welches Dank eines ihm vorantreibenden Hölzchens frech an allen andern Blättern durch das Wasser schwamm. Mir gefiel dieses Bild des dahingleitenden Blattes, vorbei an allen anderen, bei denen keine Bewegung mehr geschah. Wie im Leben dachte ich. Manche Menschen leben so vor sich hin und keine Aktivität mehr in ihnen, so, als wenn sie sich aufgegeben hätten. Und vielleicht brauchen sie ja auch manchmal nur eine treibende Kraft, eine Hilfe, eine Stütze, die es ihnen möglich macht, sich wieder in Richtung Lebendigkeit zu bewegen. Naja, vielleicht ist das ja auch komisch, was ich manchmal so vor mich hindenke,-)...In diesem Moment hat es mir aber gefallen.

Ausserdem hab ich noch bei meinem Rundumblick eine Stelle im Wasser entdeckt, direkt vor mir, die mir erst nicht aufgefallen war, weil die Konzentration auf das treibende Blatt mich ganz in Beschlag genommen hatte, in denen ein großer Schwarm kleiner roter Fische schwamm, die Köpfe fast aus dem Wasser gestreckt, zu mir hochblickend, als wenn sie etwas von mir zu erwarten hätten. Ich weiss nicht, was es für Fische waren, es stand ja auch nirgendwo,-) Wer interessiert sich auch sonst ausser mir schon an kleinen Fischen,-) Und klar war mir dann auch sofort, diese Zuwendung galt nicht mir als Person,-) sondern einfach nur als ein Mensch von Vielen, denn die Fische waren schlau,-), sie wussten genau, hier an diesem Ort fiel manchmal was für sie ab, Brotkrummen oder sonstige Leckereien. Ich griemelte amüsiert vor mich hin, streckte ihnen die Zunge raus und rief ihnen zu: Von mir jibbet nix,-) und zog weiter meines Weges,-)

Jetzt kamen die großen Wilden. Der indische Löwe, der prachtvoll majestätisch sein Haupt der Sonne entgegenstreckte. Schon schön anzusehen, dieses Prachtexemplar. Zufrieden sah der auch aus, dachte ich. So ein Löwe machts doch richtig, wenn der gefressen hat, ruht der einfach. Da kommt dann erst mal ganz lange nix,-) Nicht wie diese merkwürdigen kleinen Erdmännchen, die ich später sah, die ständig und immer wie wild in der Erde herumbuddelten. Ich weiß nicht wieso. Ob die einfach ihrem Naturell nachgingen und ständig und immer ihre unterirdischen Höhlen buddelten, weil sie sonst nix zu tun hatten, denn Höhlen auf dem kleinen Raum, wo sie sich verkriechen konnten, gab es ja genug. Eigentlich war ja nix mehr zu tun. Es soll ja auch Menschen geben, die niemals zur Ruhe kommen können. Warum? Keine Ahnung, sicherlich gibt es da viele Gründe. Ich gehöre dem Himmel sei Dank nicht dazu,-) Ich bin da eher wie ein Löwe,-)

Nach einer Weile kam ich an die Robbenklippen. Schön angelegt war das Terrain für sie, muss ich schon sagen. Eigentlich wie alle Gehege, recht liebevoll ge- und ausgestaltet waren, die ich bisher in Augenschein genommen habe. Eine wirklich kleine Oase dieser Frankfurter Zoo. Und an so einem Tag wie heute, wo nicht viel los war, weil, ist ja Alltag und der Normalmensch geht seiner Arbeit nach, kann sich hier richtig erholt werden, inmitten einer lauten von Autoschlangen überall umgebenden Stadt.

Ach, diese Robben sind auch einfach nur herrlich, denen kann ich auch stundenlang zu sehen, wie sie verspielt durch das Wasser gleiten, ihre Purzelbäume unter Wasser schlagen, sich drehen und wenden und ihnen angesehen werden kann, dass es ihnen einfach Freude macht, das sie gar nicht anders können. Da könnten wir Menschen uns auch mal was von abgucken, dachte ich noch so. Plötzlich stand ein junger Mann neben mir und sprach mich an, meinte, schön... nicht wahr. Er trug vor seinem Bauch seinen kleinen Sohnemann in einem Tragesack und erzählte mir, dass er mit all seinen Kindern, die beiden Größeren waren nun schon in Kindergarten und Schule, immer zwei, dreimal in der Woche in diesem Zoo herumspaziert ist. Er kannte alle Tiere und die Geschehnisse um sie herum und erzählte mir so dies und das. Zwischendurch fiel sein Blick immer wieder auf mein Emblem meiner Kapuzenjacke. Mir fiel das auf. Und siehe da, irgendwann fragte er mich plötzlich: Finisterre??? Nur ein Emblem oder waren sie dort? Klar sagte ich, gekauft in Finsterre nach Absolvierung des gesamten Jakobsweges:) Und so war unser Gespräch plötzlich ganz weit weg von Zoo und Tier. Und er offenbarte mir, irgendwann, wenn die Kinder mal aus einem gewissen Alter heraus sind, dann will er das auch in Angriff nehmen. Na klar, sagte ich ihm. Einmal im Leben muss ein solcher Weg gegangen werden. Egal welcher, es macht so viel mit dem Menschen und ich gab ihm alle meine Wünsche mit für die Zukunft. Schön war dieses nette Gespräch mit dem jungen Mann.

Weiter gings und endlich war es so weit. Da sind se ja, die Kamele. Ich mag Kamele so was von. Zwei standen gemütlich herum, beschnupperten sich gegenseitig und eines lag da wie tot auf der Seite und hielt wohl seinen Mittagsschlaf. Huch, sagte plötzlich eine ältere Dame neben mir. Ist der tot? Das sieht aber merkwürdig aus. Ich beruhigte sie und erklärte sie, Kamele schlafen oft so. Ach ja, meinte sie, das habe sie ja noch gar nicht gewusst. Ja, sagte ich, entweder sie liegen auf ihren eingezogenen Pfoten oder sie rollen sich auf die Seite. Warum auch nicht, machen wir ja auch;-) Entweder liegen wir auf dem Bauch, die Hände und Füse gestreckt oder rollen uns auf die Seite. Ich bin ja mehr der Seitenlieger,-) Und schwupps die wupps waren wir in ein Gespräch über eine gute Lage beim Schlafen:) So kanns gehen, auch in einem Zoo. Nein, dazu kam natürlich, dass sie mir erzählte, dass sie sehr gerne Tiersendungen im Fernsehen sieht und dass sie so gern mal einen Elefanten richtig von Nahem sehen würde und ihn vielleicht auch mal anfassen möchte. War ja klar, dass ich dann nicht an mich halten konnte und ihr erzählte, ich wäre schon mal auf einem geritten und sogar gebadet hätte ich mit ihm. Also, ich kann nix dafür, aber sie beneidete mich in dem Moment ein wenig, das sagte sie auch. Ich hab natürlich Einhalt geboten und gesagt, dafür habe sie sicherlich auch ganz andere schöne Dinge in ihrem Leben erfahren und erlebt. Wohl wahr sagte sie und erzählte mir dann auch Einiges, aber das würde jetzt hier zu lang werden.

Wir meinten dann Beide abschließend, ach diese Tierwelt ist doch schon ein großes Wunder. Mir kam dann noch der Gedanke, früher, als die Welt noch geheimnisvoller war, weit weg von uns, da saßen wir, ich jedenfalls, als Kinder an unseren Büchern, schauten uns die Bilder an und träumten uns dahin, wo sie war, diese schöne Welt, die wir gerne einmal besuchen würden oder den Tieren, denen wir gerne mal auf freier Wildbahn begegnen würden. Früher, so sagte ich, da wollten die Menschen den Wundern noch wirklich begegnen, wer es nicht mehr aushielt, der machte sich auf den Weg, einem zu begegnen, einem Wunder. Heute holen wir uns die Wunder nach Hause durchs Fernsehen und Internet. Und wir meinen dann, eines der Wunder begriffen zu haben. Da machen wir uns nur was vor. Nur wer ein Wunder wirklich selbst berührt, weiss was es ist. So ist das! Da rück ich nicht von ab,-) Wir recht sie haben, meinte dann die ältere Dame. Immerhin:)

Nun waren fast 3 Stunden vergangen, so viel hatte ich noch gar nicht gesehen und dennoch war es so reich an Erlebtem. Daher gehorchte ich meinem knurrigen Magen, gönnte mir eine Portion Pommes mit Majo,-), setzte mich auf einen Felsen vor den Robbenklippen und schaute während des Essens den vorbeispazierenden Menschen zu. Und was soll ich sagen. Auch ein schöner Zoo dieser Anblick, weiter will ich mich dazu nicht äußern,-) Aber vielleicht wird sich mein geneigter Leser meiner kleinen Impressionen denken können, was ich meine. Ich muss ja auch nicht alles verraten, was ich denke,-)

Mir hats gereicht für heute. Vielleicht geh ich noch einmal durch diese liebevoll gestaltetete Tierwelt. Auch wenn ich den Gedanken hatte, natürlich ist das schon einmal ein wichtiges Fundament eine liebevolle Umgebung zu haben. Für Mensch und auch für Tier. Aber für Beide darf nicht fehlen, was wirklich von existenieller Wichtigkeit ist, nämlich die Möglichkeit, ein Stück Freiheit zu leben und die Liebe derer, mit denen sich Beide umgeben.

Ich radelte zurück in meinen Frankfurter Vorort, setzte mich in mein Liebslingscafe, aß ein Riesenstück Schokoladentorte mit einem Latte Macchiato und las in meinem vorher erworbenen neuen Buch von Friedrich Ani "Der einsame Engel"... So ein schöner Ausklang des Tages, dachte ich. Und nun sitze ich hier zuhause, schreibe meine Gedanken auf, die mir gleichzeitig Reflexion des Erlebten sind und fühle mich wohl in meiner Haut und mit mir. Ich fühle mich nie einsam, dem Himmel sei Dank. Es gibt so viel Schönes auf der Welt und in der kleinen Welt in mir:)

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