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26. Oktober 2016 3 26 /10 /Oktober /2016 10:13
Der Tag hat eine Melodie

Der Oktober ist schon novemberlich. Auch das Klima scheint seiner Zeit voraus zu sein. Nicht nur der Mensch will ständig seiner Zeit voraus sein.

Dabei ist Verweilen in der Gegenwart so erlebnisreich. All die Gedanken die kommen und von dir selbst und dem Leben in der Welt erzählen. Hinhören ist eine Kunst, schwerer als das Reden. Es kann so viel und doch nichts gesagt werden.

Gestern kam mir der Gedanke, ein ganzer Tag kann eine Melodie sein. Wenn all die Stimmen, die eigene, die der Anderen, die Töne, die jede Verrichtung macht, die du in Angriff nimmst, oder einfach von aussen in deine Stille eindringen, eine Tonart hätten, in moll oder dur, dann hätte jeder Tag eine andere Melodie. Und wenn all die Melodien deiner Tage am Ende zusammengefügt würden, dann wäre das eigene Leben eine grosse Symphonie,-) Schade, dass wir sie nicht hören können, unsere ganz eigene Lebenssymphonie. Aber vielleicht werden wir sie ja hören im Klang des Dahinschwebens unserer Seele, wenn sie eintritt in das große Ganze der Ewigkeit. Weiß mans...Es ist schön, nicht zu wissen.

Unser Leben ist ja so zugeschnitten, dass normal all diese Töne gar nicht mehr wahrgenommen werden, weil Jeder ständig von A nach B hetzt, Aufgaben zu erfüllen hat, oder auch aus eigenem *freiem* Willen irgendeiner Sache hinter her rennt.

Der Mensch ist ein merkwürdig Tier,-) Der Unterschied zwischen Plattwurm und ihm ist gar nicht mal so groß,-)

Manchmal habe ich solche Tage, da will ich keine Musik hören, die ja sonst zumeist mein täglicher Tagesbegleiter ist.


Ich weiss das schon, wenn ich morgens erwache. Heute nicht. Ich liege dann und lausche den Geräuschen, die von der Strasse zu mir hochdringen. Ein Quitschen der Strassenbahn in den Gleisen, ein Wummern der Autos, wenn sie über die Ignatz-Bubis-Brücke mit hoher Geschwindigkeit daherpreschen, ein Hupen, die Haustüre, unten, die zuschlägt, weil ein Nachbar in die Welt hinausgeht. Dann weiss ich es, heute will ich auf alles nur hinhören ohne eine Störung zu haben, die mich dran hindert.

Dann stehe ich auf und lausche dem zarten Rascheln der Bettdecke, die ich von mir streife, das Wuschen meiner Pantoffeln, wenn ich meine Füße in sie schiebe, das schramm-schramm, wenn die Pantofeln über den Linoleumboden laufen mit meinen Füßen drin. In der Küche angekommen, drehe ich den Wasserhahn auf und höre dem zischenden Wasserlauf aus dem Hahn zu.

Das Klappern meiner Espressomaschine, wenn ich sie aufdrehe und das Schracheln des Kaffeelöffels, mit dem ich den duftenden Kaffee aus der Kaffeedose schöpfe. Das Peng, wenn ich sie auf die Herdplatte stelle, das Plopp, wenn der Herdknopf angedreht wird. Klirren und Klappern meines Geschirrs, das ich auf meinem Frühstückstisch anrichte. Die Kühlschranktür macht einen dumpfen Ton, wenn ich sie öffne.

Und so könnte ich immer weiter erzählen, von all den Tönen, die ich im Laufe des Tages in meiner Stube höre. Denn manchmal gibt es solche Tage, da geh ich auch nicht nach draussen. Da bleibe ich ganz für mich. Nur mit den Tönen des Lebens in mir und um mich herum.

Und wenn die Dämmerung langsam durch die Fenster in meine Stube schleicht und der Tag sich dem Ende neigt, dann ist in mir das ganz große Erleben des Tages, dass mich aus- und erfüllt hat. Die konzentrierte Aufnahme all dieser Tagestöne, ganz dabei gewesen zu sein, schenkt mir das Gefühl ganz da gewesen zu sein. Merkwürdig? Ist mir jetzt auch egal, obs einer versteht,-)

Ich habe jedenfalls wieder eine Melodie zu meiner grossen Lebenssymphonie hinzugefügt. Und jeder Tag hat ja seine eigene,-)

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