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24. Oktober 2016 1 24 /10 /Oktober /2016 08:50
Human - Dokumentarfilm

Ein Blick aus dem Fenster. Trübe Wolken am Himmel. Es schaute nach Regen aus. Manchmal hilft es nach schweren Momenten sich einfach zu bewegen, ganz woanders hingehen, sich einer Sache zu widmen, die einem hilft auch von all dem was gerade war, Abstand zu gewinnen. Was kann es da Besseres geben, als einen Kinobesuch.

Ich hatte eine kleine Rezension über den Film *Human* gelesen und auch den Trailer geschaut und war sogleich in den Bann gezogen, vor allen Dingen wegen der unfaßbar schönen Naturaufnahmen, die der Film zeigt. Der französische Fotograf und Journalist Yann Artrus- Bertrand hat einen Dokumentarfilm gedreht, in dem er durch die Welt gereist ist und Interviews mit über 2000 Menschen geführt hat. Der Film zeigt kleine Ausschnitte dieser Gespräche mit den Menschen verschiedener Nationen und Kulturen. Die Thematiken, die Fragen sind breit gefächert. Vom Sinn des Lebens, dem Glück, dem Leben und Sterben an sich, den erlittenen eigenen persönlichen Schicksalen der Menschen, der Armut und natürlich auch der Liebe. Unterbrochen werden diese Zeugnisse von wunderschönen Luftnaturaufnahmen.

Der Spaziergang zum Kino hat gut getan, obwohl es regnete und sich die Nässe etwas unangenehm anfühlte. Aber am Kino angelangt, mal wieder zu früh wie immer, hatte ich alles, was hinter mir lag, vergessen und nutzte die Wartezeit um einfach wie immer in die Welt um mich herum zu schauen. Und da stand sie plötzlich neben mir. Die kleine, hutzelige alte Dame. Wie sich später aus unserem Gespräch herausstellte, zählte sie schon 86 Lenze. Das sah man ihr gar nicht an. Einen ganzen und halben Kopf kleiner wie ich und ich bin ja nun schon nicht groß, mit ihrem dunkelgrauen Käppi, einer Jeans und Anorak angezogen sah sie aus wie ein junges Mädchen. Doch ja, ich sah auch das junge Mä#dchen in ihr. Das fand ich schön. Es gibt Menschen, die zwar alt werden, aber in ihrer Gestalt und ihren Gesichtern kann immer noch die Jugend abgelesen werden. Vielleicht heißt es daher auch Ewige Jugend. Und sie ist tatsächlich jung geblieben, diese kleine alte Dame. Sie sprühte so voller Lebensfreude und Antriebskraft. Zum Zahnarzt wolle sie, einen, den sie gut kennt und der an den Samstagen immer Sprechstunde hätte, das wäre sehr vorteiltaft, denn dann gäbe es keine langen Wartezeiten.

Und in der kurzen Zeit, in der wir beieinander standen, sie auf das Aufhören des Regens wartete, ich auf die Öffnung des Kinos, erzählte sie mir in Bruchstücken ihr Leben. Das sie es gut hatte, bei den Schwestern ihrer Mutter, die sie aufgezogen haben. Das sie hier in Frankfurt geboren wurde und niemals raus gekommen ist. Dass sie den Krieg gut überstanden hatte und dank der vielen Landschaftsgärtner und Bauern um Frankfurt herum, keine Not gelitten hat. Ihre Männer, zwei an der Zahl, habe sie verloren, sie hat sie sehr geliebt. Nun war sie die letzten 15 Jahre schon allein. Es hat sich nichts mehr ergeben mit einer nochmaligen Möglichkeit einer Zweisamkeit. Aber sie könne gut damit umgehen, sie lebe in einem Haus mit einer netten Hausgemeinschaft, vor allen Dingen der "Kümmeltürke", so sprach sie von ihm,-), sei ihr bester Freund und Nachbar. Wir mussten beide lachen bei dem Ausdruck. Ich erzählte ihr, dass mein Vater die türkischen Mitbürger auch immer so genannt hat. Nur bei ihm war es ein Schimpfen, bei der alten Dame war es eine zärtliche Liebkosung. Ich fand das schön:)

So war diese nette Begegnung mit der alten Dame eine wegweisende Einführung in den Film, den ich mir nun anschauen wollte. Denn auch dort wurde von Menschen ja das Leben erzählt. Wir verabschiedeten uns und sie gab mir mit auf den Weg, dass ich niemals das Lächeln verlieren sollte und den Dank an das Leben Tag für Tag. Und ein klein wenig erhob sie ihren Zeigefinger und meinte, liebe junge, Frau und schön das Rauchen sein lassen,-) Versprochen, sagte ich ihr noch,-)

Der Film hat versprochen, was ich von ihm erwartete und mir vorgestellt hatte. Ich hab mich berühren lassen von all den Lebensbeichten und Erzählungen. Vieles von dem, was gesagt wurde, habe ich selber auch erfahren oder im Laufe meines Lebens an Einsichten gewonnen. Dass das Glück oft nur Momente sind, aber dass es darum geht, zufrieden zu sein, mit dem, was ist. Dass Schweres überwunden werden kann, dass es Versöhnung gibt, auch wenn die Wunden immer bleiben und sie aufbrechen können, bei ähnlichen Erfahrungen in der Gegenwart, aber dass das nicht bedeutet, dass mit der Vergangenheit kein Friede geschlossen wurde.

Wenn so zugehört wird, was Menschen erleiden und dann sieht man, über was so manch ein Zeitgenosse sich aufregt oder herumnörgelt, dann wird man ganz still und denkt, du Narr, du hast dein Leben nicht begriffen. Ich möchte auch gar nicht so viel von dem erzählen, was gesagt wurde, sondern laß es offen, damit jeder, der sich den Film anschaut, seine ganz eigenen Eindrücke hat und sich genau von dem ansprechen läß, was ihm wichtig ist und war.

Der Film zeigt das Leben des Menschen, in seiner Individualität, aber auch in seiner Vielfalt, in all dem, was auf der Welt ist und herrscht vom Leben, Krieg, Zerstörung aber auch Paradiese. Und er läßt auf jeden Fall zurück, viel muss sich noch ändern überall. Und wenn Bertrand zwischen den Interviewsequenzen diese wunderschönen Naturaufnahmen zeigt, dann kommt der Gedanke einfach auf, dass es ein Muss ist, dass jeder Einzelne gefragt ist, daran teilzunehmen, diese Welt zu verändern, sei es in großen Aktionen oder einfach nur in seinem eigenen kleinen Lebensalltag. Jeder hat seinen eigenen Weg und sin eigenes Charisma, das er einsetzen soll.

Berührt, nachdenklich und erfüllt verließ ich das Kino. Zuhause bei meinen Recherchen über den Film hab ich noch entdeckt, dass man ihn bei you tube in der Originalfassung auch sehen kann. Es fehlen halt die deutschen Übersetzungen.

Ich gebe einen Link für alle Interessierten und zufällig in meine kleine Blogseite Hineinschauende:) https://www.youtube.com/watch?v=FLqft-ICVQo


Viel Freude beim Schauen!

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