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10. Oktober 2016 1 10 /10 /Oktober /2016 16:35
Spaziergang am Main

Die Leuts sagen immer, och, du bist immer so allein, das ist ja traurig. Ich versteh das gar nicht. Ich blase ja keinen Trübsal, also, ich nicht aus mir heraus. Wenn, dann kommt der von aussen angeblasen, da muss ich dann durch, wie jeder, ist doch ganz normal. Trübsal kannste auch zu Zweit blasen,-)

Ich kann mit jedem Tag was anfangen. Es gibt doch so viel Schönes neben den Pflichten. Ausserdem will ich ihn ja gar nicht immer bewußt füllen, sondern manchmal auch einfach nur die Zeit fühlen,-)

Heute z.B. da schien die Sonne nochnal so richtig herrlich am Himmel und ich dachte, raus an den Main Roeschen. Wer weiß, vielleicht ist das ja ein letztes Mal für Dich. Alles kann das letzte Mal sein.

Es ist recht kühl, ich hab die Nase aus dem Fenster gehalten, da muss der rote Mantel her, der von vor Jahren, der immer noch lebt und den ich immer noch liebe. Angezogen, Schal umgebunden, Kamera eingepackt und raus gehts.

In der Woche ists schön am Main, es sind nicht all zu viele Menschen unterwegs. Ein paar Spaziergänger, so wie ich, Jogger, Radfahrer, denen oft im letzten Moment ausgewichen werden muss. Manche kommen da angebraust. Die verwechseln das Mainufer mit ner Rennstrecke. Hey, ruf ich manchmal, fahr doch auf den Feldberg du Depp, da kannste dich beweisen und markier hier nicht den dicken Radmann. Ich bin son Typ, frech wie nix, manchmal.

An der Alten Brücke angekommen seh ich die Graugänse, die über die Jahreszeit hier ihr Domizil haben. Im Frühjahr stolzieren sie mit ihrer Nachkommenschaft dort herum, dass es eine wahre Pracht ist. Da können sie angeriffslustig sein. Zu knuddelig sind die Kleinen immer. Und es ist schön, mitzuverfolgen, wie sie heranwachsen. Um Nahrung brauchen die nicht zu fürchten. Es gibt immer Leuts die was bringen, obwohl es eigentlich verboten ist. Und basch erstaunt seh ich auch die alte Dame. Lang hab ich sie nicht gesehen. Ich glaub, es war im letzten Winter. Sie hatte es auch schwer. Augenoperation, konnte kaum noch sehen. Aber jetzt gehts wieder, erzählt sie. Ihre einzige Freude am Tag, das Füttern der Graugänse. Sie hat für manche einen Namen, kennt sie genau. Ich find das drollig. Ich schau ihr eine Weile zu, mache ein paar Fotos und laufe meiner Wege weiter.

Lastkähne sind unterwegs. Ich schau denen gerne zu. Bleib stehen oder setze mich auf eine Bank und beobachte sie, wie sie mal schnell, mal langsam an mir vorüberziehen. Studiere die Namen, die sie ihrem Schiff gegeben haben und überlege, was sie wohl damit verbunden haben. Es ist ja nicht immer eindeutig. Prinz Wilhelm, klar, der kommt aus den Niederlanden, oder Charles, ein Engländer, bestimmt,-) Oft fantasiere ich mir auch ein wildes romantisches Dasein auf so einem Schiff zusammen. Macht ja nix. Ich weiss schon, dass die Realität ganz anders ausschaut. Ich habs mir erzählen lassen. Aber viele Schiffer sagen, sie möchten nichts anderes machen. Ich verstehe das. Unterwegs sein ist schon was Feines.

Am Maincafe sitzen die Menschen und genießen das Draussen noch einmal. Sogar die Liegestühle sind aufgestellt für ganz harte Sonnenanbeter. Ich schmunzele vor mich hin und erfreue mich an den Menschen, die die Möglichkeit haben, dieses ihr Tun an einem normalen Wochentag erleben zu können. Ich kann es ja auch,-)

An der Friedensbrücke finde ich dem Arbeiter auf dem Denkmalsockel wieder anders geschmückt. Beim letzten Mal war es noch ein Hinweis auf die große TTIP-Demonstration. Nun ist es ein Hinweis auf eine Laufveranstaltung. Schnell noch ein Foto für meine Sammlung und auf der Brücke stehend lass ich den Ausblick auf Main und Panorama auf mich wirken. Es ist schon schön das Mainufer, klein, aber fein.

Auf der anderen Seite stehen die Tischtennistische verwaist herum. Niemand mehr da, der spielt. Schade! Auch der Spielplatz ist leergefegt. Ich habe die Bilder vom bunten Treiben im Sommer vor Augen. Alles hat seine Zeit.

Und endlich finde ich auch noch ein Bänkchen für mich in der Sonne. Stillvergnügt sitz ich da und schaue den Menschen zu, die an mir vorüberziehen. Touristen, Schulklassen, oder einfach nur Arbeiter und Angestellte, die ihr Mittagspäuschen laufend oder sitzend auf einer Bank verbringen, wo sie ihren mitgebrachten Imbiss verzehren.

Am Eisernen Steg angekommen beschließe ich wieder die Seite zu wechseln, um dann ins Sachsenhäuser Viertel zu gelangen, um meine Einkäufe zu tätigen. Auf dem Steg ist immer was los.Dort stehen die Leute und machen ihre Selfies oder lassen sich fotografieren. Manche mit dem Akkordeonspieler, der so schöne Melodien zum Besten gibt, mal melancholisch leise dahinwimmernd, mal eine kleine Polka, das man Lust hat, einfach drauf los zu hüpfen und zu springen.

Ich will auch ein Bild von mir und dem Hintergrund des Mains mit Domspitze wegen der Erinenrung und frage zwei alte Damen, ob sie ein Foto machen können,-) Es bleibt ja nie bei der Frage nach dem Foto, es folgt immer auch ein kleines Schwätzchen. Die beiden alten Damen sind so nett. Eine kommt aus der Schweiz und besucht die andere. Ich erkläre ihr meine Kamera und sie legt los. Leider klappt das nicht. Wir gucken alle doof vor uns hin,-) bis ich merke, ich habe ihr den falschen Knopf gezeigt. Jösses, ruf ich, wie blöd bin ich denn,-) und alle drei brechen wir in lautes Lachen los:) Wo ich herkomme, fragen sie mich. Isch bin ein kölsches Mädscher, erzähl ich ihnen. Und da wollen sie natürlich gleich ein Fotos von uns Dreien, schon müssen wir noch einen Vierten fragen. Das nehm ich mit, sagt die Schwitzerin, da kann ich sagen, ich hab ne Kölnerin kennengelernt:) Das sollen ja Frohnaturen sein,-) Einen Lacher gibts noch, als ich gefragt werde, was ich denn hier in Frankfurt mache. Studieren? Ich lache los, nein, sag ich, die Zeit liegt schon hinter mir,-) Am Ende sing ich ihr noch das Liedchen von der Frau Stirnimaa und sie muss feststellen, ich kanns besser als wie sie,-) Vergnügt waren wir und schön war es, wir wünschen und alles Gute für die Zukunft und jeder geht seiner Wege:)

Am Sachsenhäuser Krankenhaus angekommen geh ich endlich mal in diesen komischen Handyladen und frage, wo die schöne Bäckerei geblieben ist, die hier sonst drin war. Das wollt ich schon immer mal machen. Ich hab da so gern gesessen bei Kaffee und Kuchen. Alles verschwindet und Niemand interessiert es. In Köln sagen die Leuts ja: Wat fott is, ist fott. Aber ich bin da meist nicht zufrieden. Ich will immer wissen, warum. Hat sich nicht gelohnt, sagt mir die Dame im Laden. Schade! Immerhin gibts ne Filiale, sie sagt mir wo.

Am Plätzchen, da wo das Bänkchen steht, sitzt auch mein alter Mann. Keine Sonne, sagt er, leider. Für ein Zigarettchen reicht es. Da sitzen wir wieder und schauen gemeinsam in die Welt vor uns. Am Main war ich, erzähl ich ihm. Schade, sagt er, bis dahin komm ich nicht mehr. Vorbei, alles vorbei, sagt er. Ja, stimmt, erwidere ich, es geht alles vorbei im Leben. Dann sind wir wieder still und lauschen dem *Alles vorbei* nach. Als ich aufbreche, wirft er mir eine Kusshand hinterher:)

Der Einkauf ist gemütlich im Bioladen meines Vertrauens. Ich geh jeden Tag, damit nichts umkommt... Anhäufen mag ich nicht. Wie mit allen Dingen. Ausserdem kann ich dann jeden Tag neu entscheiden, wonach mir ist. Ein Zuckerstückchen muss heut her nach diesem schönen Nachmittag. Zuhause, gleich, da freu ich mich, da mach ichs mir gemütlich.

Aber erst noch in den Buchladen meines Vertrauens. Der Lesestoff ist zu Ende gegangen. Ausserdem muss ich mit meinem Buchhändler über das so schöne Buch vom Kirchhoff plaudern. Ich werd ihn vermissen, den Buchhändler meines Vertrauens. Er ist auch Radelfan. Wir hatten immer ein schönes Schwätzchen. Schade, dass er kein Personal brauchte.
So das Buch gepackt und ab nach Hause:) Ein schöner Nachmittag!

Und nun sitz ich wieder hier, erzähl das alles in die weite große virtuelle Welt. Und noch ist der Tag ja nicht zu Ende. Es gibt noch das Schach, die Musik und das Buch oder vielleicht sogar ein schöner Film. Ich bin mir nie selbst langweilig,-)
Ach, ich bin ganz froh, dass ich nicht nur "eine" sondern so viele Freuden am Tag erleben darf. Ich weiss, auch mir kann es geschehen, dass es schnell nur wenig oder gar eine wird. Jedoch will ich nun nicht unken, sondern den Rest des Tages heiter genießen:)

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