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28. November 2016 1 28 /11 /November /2016 12:11
Alltagspoesie - Entschuldigung


Kinder sind einfach herrlich. Ohne Kinder wäre für mich jedenfalls das Leben ein großes Stück ärmer. Jetzt sind meine Kinder erwachsen, dennoch bleiben sie ja auch immer meine Kinder, so wie ich immer ihr Mutter bleibe. Da kannste nix dran ändern. Und das ist auch gut so:)

Jedenfalls, weil meine Kinder schon erwachsen sind, mache ich nichts lieber als Kinder zu beobachten in allen Lebenslagen. Kinder ziehen unweigerlich meinen Blick auf sich. Egal, wo ich mich befinde, auf der Strasse, in Cafes, in Geschäften, kurz überall einfach:)

Nun hat mir der Himmel zu meinem Glück auch noch einen Blick vom Balkon aus auf eine Kindertagesstätte geschenkt. Manche mögen ja sagen, auweia, da hast Du aber schön Lärm zu manchen Zeiten. Also, ich will mal was sagen, Kinderlärm ist für mich überhaupt kein Lärm, sondern wie Musik in meinen Ohren. Ich kann die Menschen nicht so recht verstehen, die Kinder als einen Lärmfaktor bezeichnen. Gut, es mag vielleicht ein paar wenige geben, an die der Nerv der Zeit schon ordentlich rüttelt. Ja, das verstehe ich. Dennoch, ist meine bescheidene Ansicht, sollten diejenigen etwas an dem Geschehen und an dem Ausgeliefertsein dieses Nerves ändern. Irgendetwas loslassen, sich nicht mehr gefangen nehmen lassen vom Übel des Nerves der Zeit,-). Ich meine, da geht doch immer was,-) Und schwupsdibubs geht ihnen ein Licht auf und sie merken, oha, das was ich dachte, mich empfindlich zu stören, war und ist gar nicht meinen Empfindlichkeitsnerv belästigend. Kann ja sein, oder?

Nun denn, ich schweife mal wieder ab, wie es so meine Art ist beim Schreiben jedenfalls:)

Also, ich habe diesen schönen Blick auf die Kindertagesstätte hinter meinem Haus von meinem Balkon aus. Da war ich ja stehengeblieben. Jetzt in der Witterungszeit des herannahenden Winters, wo die Temperaturen doch in den letzten Tagen sehr schwankend waren, sind die Pänz, wie die Kölner so schön und liebevoll sagen, gar nicht immer draussen. Schade, denk ich oft. Ob die das so wollen oder ob das die Ängstlichkeit der Betreuer innehat, dass sie vielleicht schnupfend von den Eltern abgeholt werden, wenn sie sie den Tag in ihren Freistunden draussen herumtoben lassen. Klar, verstehe, dann gibt es vielleicht Vorwürfe seitens der Elternschaft. Wie konnten sie nur...das wird ja gekannt, das Übel,-) Betreuer haben es oft schwer, was sie auch tun, es ist immer einer da aus der Elternschaft, der ihr Tun kritisiert. Kritisieren, des Deutschen schönste Leidenschaft,-) Wobei ich natürlich nicht verhehlen will, manchmal ist sie ja schon auch angebracht,-)

Also, heute aber, heute war eine kleine Schar der Pänz draussen auf dem davorliegenden Spielplatz ihres Kindergartenwohlfühlortes,-) Dick eingemummelt, hab ich genau beobachtet, Mützen, Schals, Handschuhe, Botzen, dick und wasserabweisend. Also, für den, der es nicht weiß, Botzen das sind Hosen, so werden die nämlich hier in Köln genannt.

Also wohlig warm und geborgen eingepackt tobten die dort draussen herum. Ich stand auf dem Balkon um eines meiner wenigen den Tag über rauchenden Zigarettchen zu genießen und beobachtete das muntere Treiben. Herjeh, ist das schön, sie hopsen, springen, lachen, tanzen, ja auch weinen zu sehen und zu hören. Das ganze pralle Leben kommt mir da entgegen. Ich könnte glatt vor Freude mit quitschen, ja nicht nur das, auch springen, tanzen, hüpfen und mich krümelig lachen:)

Plötzlich jedoch gab es ein Missverständnis wohl. Man kennt das ja, im Leben kommt das schon mal vor zwischen Menschen, so auch bei Kindern. Ein falsches Wort oder Handlung, schon schaut der eine dumm aus der Wäsche, fühlt sich beleidigt, gekränkt oder verärgert und alle Harmonie des Miteinanders ist verschwunden. Im günstigsten guten Falle wird das Problem ausgeräumt. Leider klappt das nicht immer und plötzlich sind die Wege getrennt, Schubladen geöffnet, einsortiert und bums aus die Maus,-) Schade, denk ich dann immer.

Jedenfalls da unten war auch was los. Ich weiss es gar nicht so genau. Die Entfernung ist dann doch zu weit weg, als dass ich es genau mitbekommen habe. Ich hörte nur plötzlich: Du Doofer!..Ich spiel nicht mehr mit Dir! So what,-) Ich konnte mir ja ein Schmunzeln nicht verbeissen. Oha dachte ich, will doch mal sehen, wie es jetzt weitergeht mit denen Zweien da. Ob da jetzt richtig was abgeht, so mit Puffen und Drücken und Schubsen. Kinder sind ja so, da geht das schnell und plumps liegt einer auf dem Rücken und der anderen oben auf.

Aber denkst was, ne, gar nix ging, bzw. es ging doch was. Sagte der *Doofe* zum `*Beschimpfer* doch glatt: Entschuldige bitte, herjeh, auch noch das Wörtchen *bitte* hinterdrein, ich konnte es kaum fassen. Entschuldige bitte, sagte er, ich wollte das nicht, es ist mir nur so rausgerutscht, ich dachte, ich dürfte das jetzt, ich mach das auch nicht wieder. Genauso kamen seine Worte hier oben bei mir an. Na gut, sagte das ihn vorher mit *Doofer* beschimpfende Kind, fangen wir noch mal an:)

Cool, genau, das Wörtchen kam mir in diesem Moment in den Sinn, obwohl ich ja nicht so ein Verfechter dieser coolen Wörter bin,-), aber manches hängt halt doch drin, da kann ich mich manchmal nicht vor verwehren. Plötzlich ist es da, das Wörtchen und macht mit mir was es will. Also, cool fand ich das von dem Kind. Echt richtig fein, nett, freundlich, liebevoll, versöhnlich und entgegenkommend. So einfach kann es gehen. Ein kleines Wörtchen, in diesem Falle *Entschuldigung* kann das Leben zwischen zwei Menschen eben verändern. Wo vorher noch Gram und Ärger hausierten, ziehen wieder Freundlichkeiten und weiteres Miteinander ein. Das ist schön. Ist doch eigentlich kein Problem oder?

Für uns Erwachsene wohl schon, jedenfalls sehr oft, so erlebe ich das wenigstens, auch im Rückblick aufs Leben, das ich schon hinter mir habe. Ein einfaches kleines Wort, dennoch oft sehr schwer auszusprechen. Ich weiss nicht genau, woran es wohl liegt. Der Stolz? Das Eingeständnis, dass man sich gegenüber ja erst mal selbst zulassen muss, die Scham, dass man etwas Falsches gesagt oder getan hat? Vielleicht ja auch beides zusammen. Möglicherweise kommt ja auch an einem Missverständnis zwischen zwei Menschen heraus, dass dem einen am anderen gar nicht so viel liegt. Es hatte sich vielleicht so ergeben, dass zusammen etwas gemacht wurde in der Arbeit, der Freizeit, da kommt das schon mal vor. Begegnungen, die flüchtig sind und denen oft nicht ausgewichen werden kann, weil, die sind einfach da, die Menschen und es muss sich mit ihnen zurechtgefunden werden, ob man will oder nicht, sonst gehen die Dinge halt nicht, die man an diesen Orten verrichten will.

Ich denke jedoch, es ist wurscht, wo und wie Begegnungen zustandekommen. Sind sie da, stehen sich zwei Menschen mit Gedanken, Gefühlen und einer Lebensgeschichte gegenüber, von denen wir ja zumeist nicht all zu viel wissen. Und da ist es m.E. nie zu viel, dieses kleine, einfache Wörtchen einfach auszusprechen: Entschuldigung, für dieses oder jenes...Es reisst soviele Barrieren ein, finde ich. Und es macht so viel möglich für die Zukunft. Und wenn dann, so wie es mir hin- und wieder schon einmal passiert ist, entgegenet wird: Es gibt nichts zu entschuldigen. Ach, dann ist es ja um so schöner:)

Also, die Pänz sind dann mittlerweile wieder in ihr warmes Häuschen verschwunden, Mittagessen, rief eine der Betreuerinnen und auch ich habe mich wieder, immer noch schmunzelnd, in meine warme Stube zurückgezogen. Schön war dieses kleine Erlebnis am heutigen Montagmorgen und eine Alltagspoesie all zu mal.

Entschuldigung! Geht ganz einfach:) Von Kindern können wir viel lernen:)

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