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25. November 2016 5 25 /11 /November /2016 10:53
Ist das Kunst?

Ist das jetzt Kunst?

Also, ich bin son Typ. Ich fühle mich immer verantwortlich. Aus den Schuhen kann ich nicht raus, ist so! Also, wenn irgendwo was rumliegt, was da nicht hingehört, heb ich es auf. Ich kann da nicht anders. Oder, wenn ein Mensch einem andern was Unrechtes sagt, dann misch ich mich ein. Das ist nunmal so. Gut, ich gebe zu, manchmal fehlen mir glatt die Worte, dann muss ich erst mal nachdenken oder einen Schritt zurücktreten, aber es kommt schon was, immer, ganz gewiß,-)

Jedenfalls, in meiner Strasse, an der Ecke, da steht ein Laternenpfahl. Laternenpfähle sind ja oft die letzte Rettung für das Fahrrad. Denn Autos stehen überall rum, egal, auch da, wo sie eigentlich nicht hingehören oder stehen dürfen. Die kann ich dann ja nicht wegtragen,-) Aber wenn ich denjenigen sehe, wie er es da abstellt, an die Stelle, wo es nicht hingehört, dann ... Ihr wisst schon,-)

Also, an dieser Ecke, da, wo der Laternenpfahl steht, kam ich neulich, morgens in der Früh, vorbei und sah es. Das Fahrrad, lag da auf der Strasse, weggerutscht, umgefallen, wie es passiert ist, weiss ich ja nicht. Und nun ja, normalerweise pack ich sofort an, also, aufheben, richtig hinstellen, damit alles wieder seine Ordnung hat. Ich weiß auch nicht, was mich da geritten hat. Ein kurzes Stückchen weiter standen zwei Leute, die standen da und tratschten, dachte, hehe, die müssen das doch auch eigentlich sehen. Warum die denn nicht, muss ich wieder?

Also, es verhielt sich so, dass mich der Gedanke überfiel, jetzt, heute mal nicht, aufheben, hinstellen, der Ordnung halber wegen,-) Ich dachte, nö, lass mal, mal gucken, wie lang das so geht, mit dem Fahrrad, das da liegt,-) Gedacht, für richtig befunden und einfach mal weiter gegangen.

Als ich zurückkam von meinem Einkauf, lag es immer noch da. Oha, na dann, jetzt ziehste das durch Roeschen, so dachte ich und ging nach Haus. Abends dann, auf meinem täglichen noch einmal kleinen Rundgang vor dem Türe-zu-und draussen-bleiben-Welt-Gefühl, lag es immer noch da, unangerührt, wie bestellt und nicht abgeholt,-) Also, ich habe Geduld, ich hab da einen langen Atem.

Der nächste Tag. Ich traute meinen Augen nicht. Nicht nur, dass das Rad noch immer dort unangetastet vor sich hin dümpelte und in den Tag träumte, ne, da hatte doch einer den Mut, oder, hat das nichts mit Mut zu tun, ich weiss es gerade nicht, ich würde eher sagen, die Frechheit besessen, sein Fahrrad einfach auf das schon am Boden liegende draufzustelen. Es gibt einfach Dinge, die gibt es nicht, oder sollte es nicht geben. Ich meine, es sind ja nur Gegenstände. Aber auch Gegenstände wollen pfleglich behandelt werden, oder? Ich stand eine Weile da und sinnierte über die Gedankenwelt des Draufstellers. Vielleicht war es spät, Mitternacht oder früher Morgen. Er müde und deshalb keine Lust oder Kraft mehr, da erstmal Ordnung zu schaffen. Also, das Rad aufheben, es hinstellen, vernünftig, seins daneben, abschließen, einen Blick werfen und dann nach Hause gehen. Der Gedanke, dass er einfach keine Lust hatte, so ein, sch...was drauf mir doch egal-Gefühl besaß, wollte mir einfach nicht gefallen. Also, dem unbekannten Draufsteller gedanklich Wohlwollen nachsagend, schaute ich mir das eine Weile an.

Jetzt war es wohl auch für mich zu spät. Ich meine, aufheben, richtige Schritte zu tun, also das eine auseinanderposementieren von dem darunter liegenden, beide in eine gute Stellung bringen, damit sie ungehindert für den daherschreitenden Fussgänger ihren Platz machten und selber auch vor Beschädigung bewahrt wurden. Hm, was tun, dachte ich. Nun ja, ich entschied mich, abwarten und weiterTee trinken. Schauen was nun passiert,-) Mittlerweile fand ich es recht lustig, wenn auch ein klein wenig Empörung in mir mitschwang. So was, was es nicht alles gibt, mein letzter Gedanke und ging zu meiner eigenen Tagesordnung über, also weitergehen, erst mal nicht weiter kümmern, nur gucken:)

Das geht jetzt mittlerweile schon seit einer Woche so weiter. Ich tue einfach nix. Aber der, der Draufleger, hat in der Zwischenzeit was getan. Nämlich, sein Fahrrad wieder heruntergeholt von dem darunterliegenden und ist in seinen Alltag gefahren. Immer mal wieder, denn, so oft ich da vorbeikam, an der Ecke, lag das eine Fahrrad immer noch da, wie es eben da lag, von Anfang an und fristete seine eigene Fahrradrumliegeneinsamkeit und dann wieder stand das drauflegerangeschlossene Fahrrad wieder oben auf. Gibts doch nicht, jedes Mal mein Gedanke, als ich die aufgetürmten zwei Räder dort liegen sah. Die Welt ist ein merkwürdig Geschehen, wenn Menschen was tun oder nicht. Jedenfalls, das, was dabei herauskommt.

Jetzt sind es insgesamt drei Wochen her, seit ich dieses merkwürdige Treiben beobachte. Verändert hat sich immer noch nichts. Stutzig macht mich nur, dass der Besitzer des untenliegenden Fahrrades es wohl zur Zeit nicht braucht und daher gar nichts weiss von seinem schönen in der Strasseneckeneinsamkeit umgefallenen sein Dasein fristet. Und ein Wunder ist es wohl auch, dass alle Personen, die an diesem Schauspiel vorbeilaufen, wohl keine Motivation verspüren, irgendetwas zu tun. Und wie immer rätsele ich, ob wenigstens ein Gedanke daran verschwendet wird und nur die Lust fehlt, etwas zu tun oder ob mittlerweile die Leuts, so wie ich nun zu dem Schluss gekommen bin, denken, oha...das lassen wir mal so.

Das...lassen wir mal so...entstand nämlich irgendwann in mir...weil... ich dachte, wenn ich mir das Ganze von weitem und nahem so anschaue, dann hat es gar einen Kunstansatz. Ja genau, ich laß das jetzt mal so und tue weiter nichts dazu und denke...Ach schön, einfach Strassenkunst,-) Vielleicht ist es ja wirklich ein Künstler, der dieses Schauspiel dort veranstaltet,-) Weiss mans... Vielleicht kommt ja noch ein Drittes dazu...weiss mans,-) Ich werde dann auf jeden Fall berichten,-)

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