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12. November 2016 6 12 /11 /November /2016 10:07
Poesie des Alltags - Einkaufen -

Wenn ich so durch die Vororte einer großen Stadt spaziere, die Orte die sich anmuten wie kleinere Städte in der ganz großen, dann bin ich oft ein wenig traurig, wie das bunte Leben, das einem früher aus den Ladenlokalfenstern entgegenprallte, verschwunden ist. Damals gab es Hüte, Tontöpfereiporzelan, glitzernder Schnickschnack, sprich Schmuck, an dem so manches Frauenauge hängenblieb oder einfach hübsche Kleidung, für die es sich lohnte auch einmal in die Geldbörse zu greifen, obwohl eigentlich nichts gebraucht wurde. Und ja, natürlich, obwohl ich weiss, dass es sie schon lange nicht mehr gibt, die kleinen Tante-Emma-Läden, in denen der Kunde noch König war, wo sich Jung und Alt einfanden, nicht nur um einzukaufen, sondern auch ein Schwätzchen über dies und das, den eigenen Befindlichkeiten, den Neuigkeiten rund um den Ort und den Nachbarn, gehalten wurde. Es gab sie noch, die Zeit und die Lust, mit anderen Menschen zu erzählen, sie wahrzunehmen und sie ein wenig zu kennen, was das tägliche Leben doch auch erträglicher machte.

Und heute? Handyläden, Internetanbieter, Bäckereien, Apotheken und 1,00 Euro-Billigläden, nicht zu vergessen die Brillengeschäfte. Es scheint so, dass das Sehen weniger wird bei den Menschen oder es sind einfach zu viele Menschen geworden. Jedenfalls scheinen fast alle Brillen zu brauchen. Wobei das wirkliche Schauen gar nicht im Zusammenhang mit einer Brille steht. Das richtige Schauen ist etwas anderes. Dazu braucht es keine Brille,-) Jedenfalls, es bietet sich doch allgemein ein eher tristes Vororteinkaufsstrassenstrassenbild ab. Schönes Wort, gell:)

Gestern bei der Erkundung meines eigenen neuen Stadtteils, in dem ich jetzt lebe, habe ich tatsächlich ein paar Kleinode unter den Ladenschaufenstern gefunden. Da ist einmal der hübsche kleine Weinladen, urig mit viel Holz ausgestattet und die Flaschen der verschiedensten weinseligen Köstlichkeiten leuchten einem in bunten Flaschen entgegen, dazu all das, was gern zu einem Gläschen Wein genascht und verzehrt werden möchte. Der Laden ist proppevoll, so dass man etwas aufpassen muss, zwischen den Ständen und Regalen hindurch zu wandeln, aber das macht ihn gerade so gemütlich. Ich hab gar nicht gekauft, nur mal geguckt, ich gucke meistens nur, aber das macht ja nichts, irgendwann kauf ich ja auch mal was,-) Und wie es so meine Art ist, hab ich dem Ladenbesitzer, vielleicht war es auch nur ein Angestellter, ganz so neugierig wollte ich dann auch nicht sein, gleich gesagt, wie schön, dass es einen so hübschen Laden hier gibt. Da macht es doch Freude einzukaufen. Und Ahnung haben sie auch. Ahnung ist wichtig finde ich, denn in den meisten Geschäften, in denen man heute, für was auch immer, bedient wird, haben die Leuts keine Ahnung mehr von dem, was sie da eigentlich verkaufen. Ist so. Kann ich auch verstehen. Das Personal wechselt schnell, weil, lange kann das oft nicht ausgehalten werden bei dem Arbeitsklima unter grellem Neonlicht und Billiglohn. Ach, das ist allles so traurig.

Und ja, dann hab ich ihn gefunden, den Tante-Emma-Laden meines Herzens, das weiss ich jetzt schon. Es ist ein Bioladen, was auch sonst. Wenigstens die Alternativen bewahren sich noch ihren Stil, der ausgerichtet ist, auf erstens Kundenservice- und freundlichkeit und zweitens auf eine gemütliche Stätte, in die der Kunde gerne eintritt, um all den Verlockungen des Angebots zu erliegen. Ach, wie es schon duftete beim Hereinkommen, nach frischem gebackenem Brot, Käse- und Wurstköstlichkeiten, aber auch die Aromen von Tee und Oelen schwirrten durch die Luft. Es muss doch sinnlich hergehen beim Einkaufen finde ich. Nicht wie in den Supermärkten wo du, wenn Du den Laden betrittst, erst einmal von verwesendem und stinkingem Geruch der alten Pfandflaschen an den Rückgabebatterien empfangen wirst und das Obst- und Gemüse, das dort oft zumeist gleich am Eingang aufgestellt ist, moderig und etwas angefault in seinen Stellflächen dahindümpelt. Die machen das nur halbherzig dort. Ist so. Und wie soll auch dieses teils schon genmanipulierte, hochgezüchtete Zeugs denn auch noch riechen. Halte mal einen Apfel aus dem Supermarkt unter deine Nase oder einen vom Bauern, der die kleinen Bioläden noch beliefert, da merkst du einen Unterschied wie Tag und Nacht. Ist so.

Ich bin also im wahrsten Sinne des Wortes lustgewandelt in dem gemütlichen Laden, bin hier und dort an diesem und jenem stehengeblieben, habe versucht mir alles zu merken, wo was zu finden und Neues zu entdecken ist. Meinen kleinen Einkaufskorb hatte ich auch schnell gefüllt, mit all dem, was ich im Kopf hatte und brauchte. Bei sinnlichen Genüssen erliege ich jedoch schneller der Versuchung etwas zu kaufen, was ich grundsätzlich gerade nun nicht brauchte. Ist so. Ist ja auch egal. Sie hat mir auf jeden Fall schon Vorfreude geschaffen, die Pfefferminzschokolade aus dem Fair-trad-handel und das kleine Fläschchen Pfefferminzoel, das ich mal kurz geöffnet hatte, um meine Nase dran zu halten, es sollte mir zu Hause ebenfalls Erleichterung für die geschundete Schnupfnase schaffen,-)

Beladen mit meinem Einkaufskorb ging ich Richtung kleine Ladenkasse, an denen schon drei andere Leute hintereinander aufgestellt waren. Ach, wie herrlich altbacken das dort voranging. Der Kunde stellt seinen Warenkorb auf den Kassentresen, packt gemütlich aus, während die diensthabende Kassiererin, in diesem Falle war es, glaub ich wenigstens, sogar die Ladeninhaberin selbst, eine herzerfrischend, arbeitssame und tüchtige ältere Frau, mit ruhigen und sicheren Händen das Warenkörbchen des Kundes nacheinander leerte und den Preis in die Registrierkasse eingab. Dann wurde ebenso gemütlich in die mitgebrachte Einkaufstasche verstaut und in aller Seelenruhe nach der Geldbörse gesucht. Nicht so wie im Supermarkt, wo du schon mit deiner Geldbörse wie mit einem geladenen Revolver vor der Kassiererin stehst, wenn dein Einkaufsgut in rasender Geschwindigkeit auf dem Warenfliessband an dir vorübereilt, um dann mit einer Hand schon flück in die Tasche, die meistens nicht vorhanden ist und daher in den Plastikbeutel eingepackt wird, weil die hinter Dir Wartenden schon halb fluchtartig mit einem Auge auf ihre kleinen Dinger starrend, mit dem anderen schon am Türausgang sich befinden und mit den Gedanken sowieso schon bei dem sie zu erwartenden Abenteuer sind, wenn das, woran sie beim Abenteuer denken, überhaupt als solches angesehen werden kann. Aber der Mensch glaubt ja Vieles, was ihm eingebläut wird,-)

Jedenfalls, vor mir war noch eine junge Frau, die in dem von mir beschriebenen Procedere ihre Lebensmittel einpackte und dann zahlen wollte. Sie suchte und suchte nach ihrer Geldbörse. Wir Hintenanstehenden hatten Geduld und ich muss sagen, ich fieberte schon richtig mit ihr, dachte, auweia, vielleicht hat sie sie verloren oder ist ihr gestohlen worden. Weis mans... Jedenfalls nach gefühlten 10 Minuten musste sie das Handtuch schmeissen. Die Geldbörse war nicht aufzufinden. Was mach ich nun, sagte sie zu der Ladenbesitzerin, die tatsäclich die Ladenbesitzerin war, wie ich in der Zwischenzeit aus mir zufliegenden Gesprächsfetzen mitbekommen hatte. Ach, das ist doch kein Problem sagte sie ihr. Gehen sie ruhig nach Hause, schauen gut nach, sicher wird sie dort, wie es manchmal geschieht, liegengeblieben sein, auf dem Küchentisch oder dem Garderobenschrank und dann ist alles gut. Sie machen sich es dann gemütlich und kommen morgen in aller Ruhe wieder und können dann zahlen. Kein Problem. Jösses...Große Erleichterung bei der Kundin, aber auch bei mir, denn, wie ich sagte, ich war schon etwas mitfühlendangespannt,-)

Und über alle Gesichter leuchtete ein frohes Lächeln, eine Herzlichkeit, eine Selbstverständlichkeit des Entgegenkommens, das es nur so knisterte in dem kleinen Laden, so empfand ich das jedenfalls. Ach, das war schön. Da war sie wieder, die Poesie des Alltags,-) Ich werd mich hier wohlfühlen, nicht nur hier, sondern überall, weil, schon diese kleinen Gegengewichte verzaubern die Welt noch ein wenig.

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