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14. November 2016 1 14 /11 /November /2016 09:53
Poesie des Alltags - Montagmorgen -

Montagmorgen. So mancher hat da ein flaues Gefühl im Magen, sie geht wieder los die Tretmühle. Bei mir ja nicht. Ich hab ja frei, schon lange. Aber manchmal sehne ich mich gerad nach dem Gefühl, ach...schon wieder Montag:) Ich bin ja nicht mehr jung, aber auch noch nicht alt, ich würd ja schon gern noch was tun. Tu ich ja auch, aber davon kommt halt nix in die Geldbörse,-) Ich meine, ich komme zu recht, aber anders wär auch nicht schlecht,-)

Also, räkele ich mich erst einmal lange herum, damit der verträume Zustand meiner Glieder und Seele sich langsam einen anderen Wohnort sucht. Am besten raus an die frische Luft. Balkontür auf und einmal tief durchatmen, das vertreibt alle müden Geister. Die Bäume werden langsam kahl. Bald ist der November wirklich ein November. Durch alle Äste und Zweige kann hindurchgeschaut werden. Winter, alles in einer Farbe. Da heißt es aushalten. Der nächste Frühling kommt bestimmt. Auch für mich, hoffe ich doch. Aber Winter ist ja auch schön. Draussen kalt, kurze Läufe durch die Natur und dann rein in die warme Stube. Tee, Musik, Buch, alles da, was das Herz begehrt,-)

Heute ist Waschtag. Für mich jedenfalls. Ich bin froh, denn in dem Haus, in dem ich jetzt lebe, gibt es eine Waschküche für alle. Find ich gut. Brauch ich son Ding nicht in der Wohnung herumstehen haben. Schon wegen dem ewig langen Gewurgel und Gebrumme,-) Ausser meiner Musik hab ich es gern, wenns still ist und ich die normalen Alltagsgeräusche wahrnehmen kann.

Also ab in den Keller, Bedienungsanleitung durchgelesen. Ach, wie einfach. Rein mit der Wäsch, Tür zu und 20 Minuten, dann ists sie schon fertig. Prima. Trockner gibts auch. Das geht ja alles mechanisch von der Hand, da kann ich wieder getrost weiter träumen:)

Ich bin ein wahrer Tagträumer. In die Welt gucken, sie anschauen und gleichzeitig eine eigene kleine Welt zusammenträumen, das find ich grossartig. Gut, ich gebe zu, immer geht das nicht. Im Strassenverkehr oder anderen gefährlischen Lebenssituationen, da paß ich schon auf, meistens. Manchmal gehts auch in die Hose,-) Aber das geht ja jedem so. Das Leben hat der Mensch halt nicht in der Hand. Was passieren soll passiert, da kannste noch so gut aufpassen.

Ich maschiere also wieder Trepprauf Richtung meiner kleinen Höhle, und seh ihn gar nicht, den Mann, dem ich schon unten im Hof von meinem Balkon aus zugeschaut habe, wie er das Laub im Garten zusammengekehrt hat. Ich war nämlich richtig neidisch,-) Ich mach das nämlich auch gern. Aber ich bin ja neu und kann nicht gleich den Besen in die Hand nehmen. Ich muss ja erst mal schauen, welche Hierarchien hier so herrschen,-) Ich will ja Niemand auf die Füße treten. Das kenn ich ja, ein Wort oder einen Schritt zu schnell und schon ist es da, das Fettnäpfchen. Ich meine, wenns passiert, passierts halt. Da kann sich ja keiner von freisprechen. Ich eben auch nicht. Aber ich will schon vorsichtig und aufmerksam sein. Das ist immer mein Bestreben. Manchmal geht halt der Gaul mit mir durch,-)

Also, ich lustwandele gemächlich die Treppe hinauf und da steht er plötzlich vor mir, der Mann, der, der das Laub kehrte. Ups, ich war so erschrocken, ich hab ihn echt nicht kommen sehen. Das sag ich ihm auch: Ups, ich hab sie gar nicht bemerkt, ich bin ein solches Träumerchen.

Er lächelt mich mit seinem freundlichen und warmen Gesicht an und sagt zu mir: Macht doch nichts, lächelt weiter, schaut mich an und sagt dann noch: Schön, dass sie hier sind in diesem Haus:)))

Für einen Moment steht die Welt still für mich. Er ist schon längst weitergegangen. Ich dreh mich noch mal um, schau ihm nach und versuche zu verstehen, was er da gesagt hat. Mir wird ganz warm, überall, sanft ist die Welt wieder einmal, zärtlich und freundlich. Endlich hab ich es begriffen und mein Lächeln will gar nicht mehr aufhören, ein frohes, heiteres und dankbares Lächeln. Da ist sie wieder, die Poesie des Alltags. So kann das Leben sein zwischen Menschen. So soll es immer sein. Es darf nicht aufhören, das schöne und gute Leben im Miteinander:) Und wenn, dann will ich auch gut damit umgehen können.

Und das an einem Montagmorgen. So darf die Woche immer beginnen:)

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