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12. Dezember 2016 1 12 /12 /Dezember /2016 19:53


Schon wieder Montag, zu kurz die Zeit der Freiheit, so dachte ich heute Morgen als ich los maschierte. Aber wie sag ich mir immer vor, es gibt im Leben nichts Schöneres als wollen was der Mensch soll. Und ich soll und will ja auch,-) meinem schönen Dienst nachkommen. Hier und da zwickt es etwas nach den vielen Tagen, aber was macht das schon, ich denke mir immer, Roeschen sei guter Dinge und schau die Welt humorvoll und freundlich an, sie kann ja nix dafür, dass manches nicht so ist, wie du es gerne hättest,-) Also zwinkere ich den Nachbarn zu, so ich ihnen morgens begegne, schau nach rechts und links, was da so los ist, kaufe mir noch eine Zeitung und dann ab in die Bahn Richtung Arbeitsplatz.

Meistens ist die Bahn proppevoll. Ob du willst oder nicht, da musst du Nähe zulassen, es geht ja nicht anders. Meistens muss ich stehen, aber heute Morgen hatte ich Glück. Es waren zwei Reihen Sitzplätze frei. Sofort besetze ich einen Fensterplatz. Ich meine, nicht, dass ich auch stehen könnte, mach ich ja, bzw. muss ich ja oft, aber sitzend am Fenster nach draussen schauen, wenn die Bahn über die Rheinbrücke fährt und ich den Fluss sehen kann, mal im Nebeldunst, mal unter blauem Himmel und schon die Rheinschiffer fahren sehe, das macht mich einfach froh. Da kann ich nix dafür. Ich muss es einfach imemr wieder sagen,-)  Noch schöner ist es, wenn die Sonne schon herauslugt. Das kommt in dieser Jahreszeit leider selten vor.

Ich machte es mir gemütlich auf meinem Platz und plötzlich kommt da eine junge Frau mit ihrem ca. 5 Jahre alten Kind und setzt sich direktemong vor mich. Die Mutter wohl des Jungen musste noch Fahrscheine besorgen, daher sagt sie ihrem Kind, es solle brav sitzen bleiben und nicht aufstehen und weg gehen, weil die Bahn fährt und es könnte stürzen. Ach, waren nett anzusehen die Zwei.

Ich blieb da also allein mit dem Kind, das direkt vor mir saß, sich plötzlich umdrehte und mich aus seinen grossen Augen anschaute, eine ganze Weile, guckte es mich einfach an,-) Ich guckte auch einfach zurück, nur so, mit einem freundlichen Lächeln und auch ein wenig forschend,-) Überraschenderweise zog das Kind, ich glaub es war ein Junge, so genau kann man das gar nicht sehen manchmal, vor allen Dingen, es hatte so eine schöne volle Lockenpracht,-), sich plötzlich zurück, genauer gesagt, es rutschte ganz langsam hinter seinem Sitz nach unten,-) Verstecken wollte es sich wohl. Ich hab ihn mal gelassen, jedoch schnellte er plötzlich wieder hoch und da musste ich tüchtig lachen:) Das ganze Spiel wiederholte sich dann einige Male. Ich spielte einfach mit, wenn er ganz unten war, äugte ich über seinen Sitz und zwinkerte ihm zu und schwups schob ich mich wieder nach hinten. Herrlich war das. Wieder und wieder musste ich verschmitzt lachen:)

Plötzlich blieb er jedoch oben und schaute mich wieder an. Warum lachst Du, fragte er mich dann. Och, sagte ich ihm, weil es lustig ist, was wir machen. Es ist aber nicht zum Lachen meinte er. Huch, sagte ich zu ihm, für mich aber schon. Komisch, meinte er, wieso er nicht lachen könne und ich schon. Ja, so ist das eben manchmal, antwortete ich ihm. Was für den einen spassig ist, ist es für den anderen noch lange nicht. Das geht so bei den Menschen,-)

Ich dachte jetzt, das wars zwischen uns Zweien. Aber denkste, mit Kindern darf man so nicht rechnen. Die machen einfach weiter. Und so fragte er auch: Wieso ist das so zwischen den Menschen? Naja, antwortete ich ihm, die Menschen sind halt verschieden. Was ist verschieden, fragte er. Nun, antwortete ich wieder, schau mal, du bist klein und noch sehr jung und hast heut Morgen schon einiges erlebt und ich bin gross und schon recht alt und hab heut Morgen auch schon einiges erlebt. Und das, was man erlebt hat, macht es manchmal, dass man schneller lachen kann oder eben auch, dass man gar nicht lachen kann oder will. Das ist dann die Verschiedenheit zwischen dir und mir gerade jetzt an diesem Morgen und eben auch zwischen anderen Menschen.  Das ist ja auch in Ordnung, sagte ich ihm, es ist ja nicht schlimm, wenn du nicht lachen kannst, es ist aber auch nicht schlimm, wenn ich lachen muss, oder?

Also, ich war ja echt heilfroh, als er nach einer Weile des Nachdenkens, ich sah es ihm an der Nasenspitze an, meinte, nee, ist nicht schlimm und da musste selbst er auch wenigstens ein wenig lächeln. Das hat mich gefreut:) Aber seine Neugier war noch nicht beendet. Er fragte nämlich weiter,-) Wieso bist Du schon so groß und ich noch so klein,-) Fragen stellen die, diese Kinder,-) Ich kann mich fast gar nicht mehr so recht daran erinnern, wie es bei meinen eigenen war, daher genoss ich dieses kleine Zwiegespräch so richtig heute Morgen:) Nun ja, antworte ich ihm, schau mal, es ist noch nicht so lange her bei Dir, als Du aus dem Bauch Deiner Mama das Licht dieser Welt erblickt hast und auch noch nicht so lange her, dass du mit deinen zwei Beinen durch diese Welt maschieren kannst. Bei mir jedoch ist das schon soooo lange her und meine Beine maschieren schon so lange, dass sie manchmal schon recht müde sind,-)

Seine Mutter übrigens war immer noch nicht zurück, ich wusste auch nicht, was die eigentlich machte,-) aber mir war es gerade recht, dachte, wenn sie kommt, ist das schöne Gespräch vielleicht zu Ende:)

Er meinte nämlich wiederum nach einigem Überlegen, er wolle auch viel in der Welt herummaschieren, am liebsten auf die Berge. Ob ich schon mal auf einem Berg gewesen wäre, fragte er mich dann. Na klar, sagte ich ihm, schon auf vielen Bergen, ich bin ja schon alt und da haben die Beine schon einige Berge sehen können. Ich zählte ihm ein paar Berge auf, auf deren Gipfel ich schon war und wo die überall auf der Welt zu finden sind.

Meinst du, sagte er, ob ich die auch mal sehen kann, wenn ich gross bin. Na klar, sagte ich ihm, wenn du das wirklich willst, dann geht das auch. Alles was wir Menschen uns vornehmen und uns kein anderer daran hindert, das können wir auch tun.

Er dachte wieder eine Weile nach, so ging das nämlich zwischen uns, wir überlegten beide nämlich immer erst eine kleine Klitzeweile was wir dem anderen sagen wollten, und meinte dann, heute Morgen als er wach geworden sei, da wollte er auch am liebsten im Bett liegen bleiben, aber seine Mama hätte ihn daran gehindert. Er müsse jetzt aufstehen, er müsse jetzt in den Kindergarten, weil seine Mama bald zur Arbeit müsse. Das fand er doof. Also stimmt das ja meint er, dass alles was er wolle, eben manchmal nicht geht. Ne, sagte ich ihm, hab ich ja auch gesagt, manchmal machen andere Leute, in diesem Falle deine Mama es nicht möglich, dass er tun kann, was er wolle. Ich wäre ja heute Morgen auch am liebsten noch zu hause geblieben, aber meine Arbeit, mein Chef und meine Kollegen, die wären ganz schön sauer auf mich, wenn ich einfach nicht käme und ich muss ja auch arbeiten, sonst kann ich mir kein Brot und Milch und Butter und alles was ich so brauche, damit ich was zu essen hab, kaufen kann. Und deine Mama muss ja auch arbeiten, damitihr Beide was zu essen habt  und damit du grösser werden kannst und gesund bleibst und damit deine Beine vielleicht später dann mal auf die Berge können,-)

Also, ich sah ihm an, dass ihm das einleuchtete. Er sagte nämlich plötzlich: Du bist glaub ich ganz schön schlau! Huch, ich guckte verdutzt vor mich hin und sagte. Meinst Du? Na klar, sagte er, bohrte sich in der Nase und schaute aus dem Fenster. Ich schaute dann auch aus dem Fenster,-) Es gab aber nix mehr zu sehen, denn wir fuhren mittlerweile im U-bahnschacht. Die Zeit war während des Gespräches wie im Flug vergangen und wir beide hatten nicht mal bemerkt, so richtig jedenfalls, dass seine Mama nun auch neben ihm saß und uns Beiden zuhörte,-) Aber es hat uns überhaupt nicht gestört,-)

Die Stimme aus dem Lautsprecher kündigte meine Station an, an der ich aussteigen musste und ich sagte zu ihm, du, ich muss jetzt gleich aussteigen. Schade sagte er, du bist nett, kannst du nicht mal wieder mit der Bahn morgens fahren, dann könnten wir uns wieder hintereinander setzen:) Ich will nämlich auch so schlau wie du werden, meinte er, nickte versonnen mit dem Kopf und sagte dann ganz einfach: tschüss!

Ich versuch es mal, sagte ich ihm, wenn nix passiert, was mich daran hindert, dass ich es will,-) Ich hab genau gesehen, dass er verstanden hat, was ich ihm sagte. Er war nämlich auch schlau.

Dann stand ich auf, sagte auch tschüss, ging eine Stückchen, sah, wie er mir hinterherschaute und rief ihm noch zu: Man, du bist schon ganz schön schlau auch für dein Alter. Ich wünsch dir und deiner Mama einen guten Tag,-)

Dann stieg ich aus und marschierte fröhlich weiter an meinen Arbeitsplatz. Da wartete ich auf meine Kollegin, die war nämlich noch nicht da, aber sie hatte den Schlüssel und als sie kam, rief sie schon von weitem, mensch Roeschen du strahlst ja richtig, ist was passiert? Och, sagte ich ihr, ich habe Jemand kennengelernt gerade unterwegs auf der Fahrt hierher. Ach ne, meinte sie, sah er gut aus,-) Hm, fand ich schon, meinte ich, hatte so volles lockiges Haar und dunkle braune Augen, die blitzten wenn er mich anschaute und so ein unschuldiges Gesicht. Ausserdem war er sauschlau,-)  Ach, komm, meinte sie, das gibt es doch bei Männern gar nicht,-) Das alles zusammen,-)  Doch doch, meinte ich, er war ja noch klein,-) Und dann erzählte ich die ganze schöne Geschichte.

Also, ich will mal was sagen, wenn das keine Alltagspoesie war, dann weiss ich nicht, was Alltagspoesie ist,-) Mich hat jedenfalls dieses kleine Erlebnis am Morgen wieder glücklich gemacht. So ein Gespräch mit einem Kind kann mehr sein als jedes lange Gebrabbel mit einem Erwachsenen. So dachte ich und so ist es auch. Basta!,-)

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