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20. Dezember 2016 2 20 /12 /Dezember /2016 07:41
Ich geb es zu. Auch ich bin ein Gewohnheitsmensch in vielen Dingen. Ich finde mich wieder in Wiederholungen des Tagesablaufes. Ganz eigene kleine Momente der Dinge, die ich immer wieder tue, bevor mein Tag beginnt.
 
Fällt unverhofft ein Ereignis in mein Leben, dass das selbe anders gestaltet werden muss, dann schaff ich mir auch in dem Neuen meine kleinen Gewohnheiten. Ich bin son Typ,-)
 
Seit einiger Zeit habe ich das Glück wieder in meinem schönen Beruf zu arbeiten, wenn auch nur für eine gewisse Zeit, jedoch es ist beglückend. Nicht immer einfach, weil, Ihr wisst schon, die menschliche Zerbrechlichkeit nicht nur des Körpers, auch der Seele. Das Miteinander wiegt oft schwer, wenn es nicht leicht genommen wird. So ist das nun mal.
 
Jedenfalls, bevor ich abschweife komme ich zu meiner kleinen Gewohnheit, die mir den Arbeitsbeginn erleichtern soll.
 
Ich frühstücke daheim, immer, das ist doch klar. Ich bin nicht so ein Typ mit Kaffee to go und Brötchen auf der Hand zwischen Zuhause und Strassenbahn. Das würde mir im Traum nicht einfallen,-) Frühstück, dass ist für mich auch Wonne bei Kerzenschein in der  dunklen Jahreszeit, einer schönen Musik und einfach vor mich hindösen, während ich mein Vollkornbrot mit Honig oder das leckere Müsli genussvoll verspeise,-) Der Kaffee gehört dazu, wie das erste Glas warmes Wasser, dass ich nach dem Aufstehen aus der Leitung in mein Glas fliessen lasse, ein Brunnen ist ja nicht da und wenn, wäre das Wasser auch kalt und ich brauche doch das warme Wasser. Da bin ich mal wieder richtig froh über unsere Zivilisation, die es mir möglich macht, das warme Wasser, sofort,-)
 
Hab ich dann gefrühstückt, schaue ich mal, dank des technischen Fortschrittes, in meine virtuelle Welt, lese hier und da und mache auf meinen Schachbrettern einen Zug, der hoffentlich vielversprechend sein wird oder rufe Hallo, Hallo in die virtuelle Schachwelt hinein und begrüßte meine Mitspieler.
 
Die Zeit verfliegt dann wie im Fluge, bevor ich die Schritte raus in die rauhe Welt mache.
 
Meistens geb ich mir einen Schubs, wenn natürlich nur innerrlich, ziehe Wollmütze oder Kappe über den Kopf, den Schal um den Hals gewunden, den Mantel an, die Tasche umgezogen, nochmal geprüft, ob alles, was ich für den Tag brauche, auch sich darin befindet und schliesse die Tür auf, das Licht geht an, ich schliesse sie, adieu, meine kleine, warme, gemütliche, wonnige Roeschenwelt,-) Bis heute Abend auf ein Widersehen:)
 
Dann maschiere ich meine Strasse entlang, schaue wie immer nach rechts und links, die Fahrräder, Ihr wisst schon, die Strassenkunst, liegt immer noch da,-) Obwohl ein paarTage eine grosse Baustelle war an meiner Strasse, jedoch auch das hat ihre Ruhe nicht gestört. Die Besitzer, ich weiss es nicht, vielleicht sind sie krank oder tot. Möglicherweise sind sie gestohlen, die Fahrräder und werden nun vermisst. Vieles wird im Leben vermisst vom Menschen, nicht nur sein Rad. Das kann ja auch ersetzt werden. Anderes, was wichtig ist, nicht. So ist das nun mal.
 
Wenn ich zwei Strassenwege überwunden habe, stehe ich dann an der großen, breiten, am frühen Morgen schon stärker befahrenen und belaufenen Hauptstrasse meines Wohnviertels. Stehe direkt an der Ampel und schaue gegenüber auf die kleine Bäckerei. Es ist nicht so eine altbackene, gemütliche. Leider nicht. Es ist eine Aufbackbäckerei. Aber nun ist sie ja da und da nichts anderes vorzufinden ist, dachte ich am ersten Tag meines neuen Berufslebens, geh ich halt hinein. Es arbeiten ja Menschen dort und die wollen ja auch, das etwas gekauft wird. Sonst würde sie ja wieder schliessen müssen, die Bäckerei und dann hätten die Menschen, die dort arbeiten, keinen Job mehr. So muss ja auch gedacht werden.
 
Dort ziehe ich dann an den Glasfenstern mit den ausgestellten Backwaren vorbei und suche nach dem, was mich verlangt. Ich verrate Euch auch, was es ist. Ein Rosinenbrötchen ist mein Favourit. Immer schon, seit Kindesbeinen an, liebe ich Rosinenbrötchen. Dazu einen heißen Kakao, manchmal auch noch einen zweiten Kaffee.
 
Sitz ich dann in meiner kurzen, kleinen Frühstückspause, die jedem meiner Kollegen gerade jetzt im Weihnachtsgeschäft vergönnt ist, verspeise das Mitgebrachte und labe mich an meinem Kakao. Warme Milch oder Kakao hat etwas Kindliches finde ich und ich möcht so gern auch ganz gross immer wieder mal Kind sein:)
 
Also, ich schnappe mir mit der großen Zange aus dem hochgeklappten Fenster das in der Reihe liegende Rosinenbrötchen, lege es auf mein dafür vorgesehenes Brettchen und trotte zur Kasse. Hinter den ausgestellten Backwarenauslagen kann ich den grossen Heizofen sehe, wo all die Aufbackware hinein und knusprig wieder herauskommt. Mit einer grossen Schaufel muss die Angestellte immer wieder nach dem Klingelton die Backbleche heraushiefen und in die Auslagen verteilen. Dazwischen aufräumen, sauber machen, Stühle rücken, Tische abputzen und natürlich die Kunden bedienen. Meistens ist sie ganz alleine, die Angestellte, in meiner Aufbackbäckerei.
 
Eine kleine, etwas ältere, aber drahtige Frau. Sie wirbelt hin und her zwischen all den zu erledigenden Tätigkeiten. Ich schau ihr, wenn Jemand vor mir ist, immer zu. Dann denke ich, auweia, auch ein schwerer Job, Tag für Tag, morgens ganz früh schon muss sie los. Und sie bleibt auch allein für ihre Tagesschicht von acht Stunden. Und mir ist klar, nein nicht nur klar, ich weiss es auch von anderen Angestellten aus Aufbackbäckereien, groß ist der Verdienst nicht für diese harte Arbeit. Ich finde jedenfalls, es ist eine harte Arbeit.

Und trotz der nicht einfachen Arbeit ist sie immer fröhlich. Ich hab sie noch nie anders erlebt. Manchmal pfeifft sie gar ein Liedchen oder findet freundliche Worte für den vor ihr stehenden Kunden. Ihre Begrüßungsworte sind zumeist aufmunternd und heiter. Jeden Tag, ich habe das bemerkt.
 
Neulich, als ich an der Reihe war, sagte ich ihr, sie sind ja am frühen Morgen schon fröhlich und gut gestimmt, trotz ihrer schweren Arfbeit. Ich bin son Typ, ich spreche die Menschen manchmal an und sage einfach, was ich denke. Meistens kommt das auch gut an,-) Da muss schon ein schwerer Miesepeter vor mir stehen, der mich dann etwas verblüfft oder gar missstimmig anschaut. Aber dagegen hab ich dann so meine ganz persönlichen Mittelchen,-)
 
Sie jedenfalls, meine Angestellte im Aufbackbäckerladen, antwortete mir schnell und nicht lang überlegt, na klar, sagt sie, was denn auch sonst. Die Arbeit muss mit Humor genommen werden. Sonst würde es sich ja schwerer gemacht, als es ohnehin schon ist. So geht es jedenfalls einfacher durch den Tag.
 
Recht hat sie, denke ich und sage es ihr auch. Schön, dass es Menschen wie sie gibt, sag ich ihr auch. Sie freut sich und gibt mir zurück, was ich ihr gegeben habe. Sie sind ja auch froh gestimmt und heiter, sagt sie zu mir und es ist auch schön, dass es Menschen gibt wie sie, die noch merken, dass hier Menschen sind:)
 
Dann zahle ich, wir gucken uns noch eine Weile an, dann wüschen wir uns einen guten Tag und Auf Wiedersehen bis Morgen.
 
Diese kleine morgendliche Gewohnheit liebe ich, bevor ich in die oft schon überfüllte Strassenbahn steige und mich der Menge überlasse, aus der ich dann an meiner Station herausfalle und meinen eigenen kleinen Weg zur Arbeit laufe.
 
Und...natürlich ist es so, dass wir uns nicht jeden Morgen das selbe erzählen, es sind immer andere kleine Sätze, die wir austauschen. Und das ist schön. Eine kleine Alltagspoesie der Gewohnheiten am frühen Morgen:)
 
Allen einen guten Tag:) Nehmt ihn mit Humor,-)

 

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