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28. Dezember 2016 3 28 /12 /Dezember /2016 17:31

Manche Menschen verschenken Gutscheine. Hab ich noch nie gemacht. Gutscheine zu verschenken finde ich eigentlich doof,-) Wenn Menschen nicht wissen, was sie anderen schenken wollen oder sollen, dann wäre es vielleicht das größte Geschenk, sich einmal Gedanken über den Menschen, den sie beschenken wollen oder sollen,zu  machen,-)
Das wäre natürlich mit Mühe verbunden gebe ich zu. Doch ohne Fleiß keinen Preis, so heisst es ja schon in einem guten alten deutschen Sprichwort,-)
 
Wobei, ich muss gestehen, ist der Preis ja gar nicht immer die Freude des Beschenkten über das Geschenk oder gar den Gedanken, die sich über ihn gemacht wurden. Es kann passieren, dass, so doll man sich auch Gedanken macht und etwas Passendes findet, nix rüberkommt von Freude und Dankbarkeit. Tja, dann stehste da und denkst, egal, einem geschenkten Gaul schaut man letztendlich immer noch nicht ins Maul:) Jedenfalls, du hast dir Mühe gegeben oder gemacht,-)
 
Ich schweife mal wieder ab, wie immer... Also Manche Menschen verschenken Gutscheine, da war ich stehengeblieben. Gutscheine für Buchhandlungen zum Beispiel, die find ich gut,-) Nicht wegen des Geschenkes an sich, sondern, weil eine kleine Buchhandlung auch von diesen Gutscheinen lebt. Und mir soll alles recht sein, was die kleinen, persönlichen Buchhandlungen im eigenen Wohnviertel am Leben erhält. Also, mir doch egal, dann sollen diese Menschen eben Gutscheine für schöne Bücher verschenken,-)
 
Jedenfalls es ist ganz sicher, dass es an diesen Weihnachtstagen sicher wieder recht viele dieser kleinen mit Geldbeträgen ausgestatteten Kärtchen für was auch immer gegeben hat, etwas verstohlen und verschämt überreicht oder einfach ganz radikal selbstbewusst unter den Tannenbaum gelegt,-) Also nur mal so nebenher bemerkt, ich habe keinen einen solchen bekommen und das ist auch gut so,-)
 
Und für diejenigen, die genau so einen Gutschein für ein Buch ihrer Wahl nun ihr eigen nennen dürfen und den Schritt in die Buchhandlung ihres Vertrauens machen, ohne vielleicht selber zu wissen, welches Buch les ich denn nun, eine kleine Empfehlung von mir:)
 
Ich schicke voraus, man muss sie mögen, ihr Leben, ihr Wesen, ihre Musik, ihre Kunst, ihr schrulliges Aussehen, also kurz gesagt, man muss alles an und von ihr mögen. So wie ich,-) Obwohl ich zugeben muss, selbstverständlich kenne ich sie nicht persönlich, schade eigentlich, würd ich gerne, aber so ist das Leben halt, ich bin ja nicht berühmt, daher werd ich auch nie in die Lage kommen, ihr einmal die Hand reichen zu können oder einfach mit ihr gemeinsam in einem Cafe, vielleicht auch in einem, das mein Lieblingscafe wäre, zu sitzen um gemeinsam schweigend in die Welt zu gucken und unseren Gedanken Raum zu geben, so wie sie es immer tat, Tag für Tag, eine gute Gewohnheit so erzählt sie in ihrem Buch.
 
Also gut, jetzt aber...vom wem ich hier schreibe, wollt Ihr  nun sicherlich wissen, ist ja auch verständlich,-)
 
Patti Smith! Was, Ihr kennt sie nicht? Dann wird es aber Zeit,-) Das Büchlein, das sie schrieb, kann Euch ein wenig helfen, einen kleinen Einblick in ihr Leben zu bekommen. Es ist nun keine direkte Biografie, sondern ein Büchlein voller Erinnerungen aus ihrem Leben, die ihr wichtig waren, in diesem Buch Revue passieren zu lassen.
 
Der Titel * M Train* Warum dieser Titel fragte ich mich. Eine Erklärung habe ich nirgendwo gefunden und sie mir daher selber gegeben,-) Ich bin son Typ,-)
 
Da im Englischen das Wörtchen für den Augenblick genauso wie im Deutschen mit einem *M* für *Moments* *Momente* beginnt, finden wir in ihrem Büchlein viele solcher Momente der Erinnerungen, denen wir bequem sitzend wie in einem Zug, folgen und geniessen können,-) So einfach mache ich mir das oft mit den selbstgemachten Erklärungen,-) *M Train*,-)
 
Und so reisen wir tatsächlich durch ihr Leben, ihrer Ehe mit ihrem viel zu früh verstorbenen Ehemann Fred Sonic Smith, den sie liebte und ihn schmerzlich vermisst, bis auf den heutigen Tag und mit dem sie ebenfalls in ihren gemeinsamen Ehejahren viele Reisen durch die Geschichte der Zeit gemacht hat, wie z.B. die Reise nach Französisch-Guyana, wo sie auf den Spuren Genets wandelte und sich an das unbekannte Schicksal vieler dort auf der Teufelsinsel inhaftierten Menschen und ihre Empfindungen erinnerte.
 
*Nichts lässt sich je wirklich ersetzen. Keine Liebe, kein Kleinod, keine einzige Zeile* so sagt sie über das Verlorene.
*Und ich bleibe zurück und sehne mich nach dem früheren Zustand der Dinge*

Das verstehe ich so sehr. Ich bin ebenfalls kein Ersetzungstyp, ich hänge treu an den Dingen und Menschen, die ich verloren habe.
 
Wir reisen gleichzeitig mit ihr durch ein Stück Literatur- und Kunstgeschichte, in dem wir mit ihr einen Einblick erhalten in das Leben vieler bekannter, ihr seelenverwandter Künstler und Literaten, wie Sylvia Plath, Frieda Kahlo, Paul Bowles, Haruki Murakami, Bolano oder Philosophen wie Wittgenstein und Rimbaud, mit denen sie sich Zeit ihres Lebens  beschäftigt hat.
 
Auch viele persönliche kleine Schrulligkeiten erfahren wir, dass sie z.B. unglaublich gern Krimis geschaut hat, am liebsten Staffeln und Serien, dass sie sogar, wenn es ihr danach verlangte, einfach nach England flog, um an einem bestimmten Ort sich für einen Tag in ihrem Hotelzimmer einzuschliessen und alle diese Folgen in Wiederholungen
anzuschauen. Sie liebte Für alle Fälle  Fietz und die schwedischen Krimis. Mochte ich übrigens auch,-)
 
 
Und all dem kann man folgen, in den Erzählungen, die sie über das Leben der Menschen aus dieser Welt, aber auch in und durch die Fotos, die sie als passionierte Fotografin von all ihren Erlebnissen und Reisen zu den Orten dieser Menschen machte. Sie saß auf dem Stuhl, auf dem Bolano saß und seine Geschichten schrieb. Sie lag in Frida Kahlos Bett, als sie zu einer Reise in ihr Museum eingeladen war, um eine Rede über sie zu halten und es ihr an diesem Tag recht übel ging und die Museumsleiterin sie einfach in Kahlos Bett verfrachtete, in der sie Stunden schlief,-)
 
Oder dass sie 2007 eine Reise auf Einladung des CDC machte, einer etwas undurchsichtigen Gesellschaft, die als Ableger der Geowissenschaftsgemeinde fungierte und gerade 27 Mitglieder, verstreut in der ganzen Welt, zählte, um dort eine Homage an den verstorbenen Polar- und Meeresforscher Alfred Wegener zu halten. Dabei lernte sie unvorhergesehenerweise auch Bobby Fischer persönlich kennen. Lustig war, als sie die Anfrage seitens Fischers bekam, sich mit ihr zu treffen, wurde ihr von seiner Serite aus die Auflage gemacht, auf keinen Fall über Schach reden zu wollen,-) Fischer liebte übrigens Buddy Holly. Hab ich gar nicht von ihm gewusst,-) Ich mag ihn auch:)  Sie spielte selber kein Schach, liebte es aber wegen der Ästhetik des Spiels. Auch durfte sie den Tisch, an dem Bobby Fischer gegen Boris Spasky 1972 die Weltmeisterschaft austrugen, fotografieren, der damals noch im Keller des örtlichen Regierungsgebäudes vor sich hin dümpelte,-)

Aber auch, dass sie wilde Kaffeetrinkerin war. Ihr Tageskaffeetrinkenpensum beinhaltete oft an die 14 Tassen, ohne dass es ihr Schaden zugefügt hat, geschweige denn, ihr schlaflose Nächte bereitet hat.
 
Ich will auch nicht alles verraten, was es zu lesen gibt,-, sonst kauft ja Niemand mehr das Buch:) Jedenfalls die olle Patti ist mir ans Herz gewachsen, auch, weil, obwohl ich nicht berühmt bin, ich mich in vielen Dingen in ihr wiederfinde. Das ist für mich auch Sinn und Zweck beim Lesen einer Biografie über einen Menschen, dass ich Stückwerke finde, die mein eigenes Selbst und Leben bestätigen, damit ich mich nicht so allein in meiner Eigenbrödelei fühle,-) So zum Beispiel, dass sie ähnlich wie ich, sich manchmal an das Gelesene nicht erinnern bzw. davon erzählen kann, weil sie so in ein Buch eintaucht, dass sie Am Ende zwar mittendrin im Geschehen war, aber es nicht aussprechen kann:) Oder dass sie oft das Gefühl hat, sie lebt nur glücklich in ihren eigenen Wänden mit ihren Büchern:) Oder dass sie manchmal in gar aggressiver Weise beschliesst, wichtige Feiertage einfach mit sich allein zu verbringen, obwohl sie Angebote zu Hauf hätte, sich in Gesellschaft zu begeben:) Auch von Engeln tagträumte sie, was ich ebenfalls gerne tue:) Und manchmal begegnet mir auch einer,-)
 
Nun noch ein paar schöne Sätze aus ihrem Buch:)

 
 
*Wenn du niemanden hast, kannst du alle lieben*
*Wenn man niemanden hat, ist jeder ein möglicher Liebster*
*Wie kommt es, dass wir uns der Liebe zu einem Menschen erst richtig bewusst werden, wenn er nicht mehr ist*
*Sei sicher, dass du recht hast und mach weiter*
*Ich überlegte, was es hieß, sechsundsechzig zu sein,*
*Der Traum muss sich dem Leben fügen*
*Entdecke die Wahrheit deiner Situation. Mache dich unerschrocken auf den Weg*
*Im Lauf der Zeit werden wir oft eins mit denen, die wir früher nicht verstanden*
*Das Einsamste auf der Welt ist, darauf zu warten, dass man gefunden wird*
 
Viele schöne Sätze sind zu finden in ihrem Buch über ihr Erlebtes, worüber es sich lohnt, nachzudenken. EIn schönes Buch, ein gutes Leben, eine grossartige Künstlerin, für die es sich lohnt, ein wenig mehr über sie zu erfahren.
 
Viel Spaß beim Lesen:)
 
M Train - Erinnerungen -

Kiepenheuer & Witsch

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