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27. Januar 2017 5 27 /01 /Januar /2017 09:12

Nun heisst es Abschied nehmen. Schön war die Zeit. Ich bin ja ein Spätzünder. In allem.
 
Am Heiligen Abend hatte ich ihn erst bekommen. Den Baum. Den Weihnachtsbaum. Das Töchterlein hold, hat ihn am Vormittag besorgt. Mutter musste ja noch ihren Dienst absolvieren.
 
Ja...der Dienst, der hat mir ein wenig die Adventszeit gestohlen. Die Freude war schon da. Doch richtig verinnerlichen konnte ich es nicht im Getriebe der grossen weiten Buchwelt.
 
Zu Hause dann, mit Hingabe und Gemütlichkeit behangen. Den Baum. Mit roten und grünen Kugeln, silbernen Glöckchen und kleinen silbernen Kugeln. Die Kerzenhalter dran, auch eine elektrische Lichterkette, geb ich zu. Ständig können die Wachskerzen nun ja nicht an sein. Und ich liebte es, am Morgen und am Abend, wenn es noch dunkel war oder die Dämmerung heraufzog, das er mir Licht spendete.
 
Weihnachtszeit. Ich mag sie so gern. Glaube hin oder her, es ist eine besondere Zeit der Vorfreude auf den Tag des Glanzes. Die Familie kommt zusammen. Entfernungen werden überwunden. Alle freuen sich und es gibt gemütliches Zusammensitzen und klönen. Alles wird ausgesprochen. Selbst Köpfe werden gewaschen,-) Ich kann das gut annehmen, ich weiss ja, von wem es kommt:)
 
Schon nach dem 2.ten Weihnachtstag, der Alltag zwischen  den Jahren hatte begonnen, sah ich sie liegen. Ganz Schnelle waren da am Werk. Hatten es hinter sich gebracht, diese Zeit. Merkwürdig, dachte ich. So ist der Mensch, von einem zum nächsten. Nichts wird wirklich verinnerlicht, das Auge, das Herz, der Geist will nicht lang verweilen, unruhig ist der Mensch.
 
Mir taten sie leid. Die Bäume. Da so kurz danach schon liegend auf dem Strassenasphalt.
 
Da war ich froh, immer, wenn ich heim kam und den meinen sah, in meiner Ecke stehen. Da ging mir das Herz auf. Und nun ruhte auch bei mir ja wieder die Buchweltdienstzeit und die Stunden, Tage waren ganz die meinen. Jetzt begann sie erst für mich. Die Weihnachtszeit. Also, nur ich und der Baum, der Weihnachtsbaum,.)
 
Jeden Morgen, wenn ich aufstand, mein erster Gang zu den Streichhölzern, ein Kerzchen nach dem anderen entzündet. Mir wurd ganz warm im Herz und auch im Geist.
 
Irgendwann verlor ich den Mut, sie weiter anzuzünden, die richtigen Wachskerzen. Ein wenig Angst schlich sich doch ein wegen der Gefahr eines Brandes. Egal, dann eben nur die Lichterkette.
 
Und nun ist Ende Januar, der 27.te genau. Und ich werd wohl heute endlich Abschied nehmen. Nicht nur vom Bäumchen, sondern auch von den Momenten der Gemütlichkeit des Kerzenscheins am Baum.
 
Doch habe ich in all der Zeit, wo er mit Beistand leistete in meinem Heim, ich und er, ganz allein, verinnerlicht, was er mir erzählte vom Leben.
 
Dass es ein Warten gibt, für dass es Geduld braucht. Dass dieses Warten auf etwas eine Vorbereitung ist, eine Entwicklung. Dass es sich lohnt, dass Warten, das Schauen, das Hinhören, das Achten auf alles, was geschieht.
 
Und ist es da, das, auf dass gewartet wurde, wird es beschmückt mit Freude, Fröhlichkeit und Seligkeit. Dann tanzt die Seele Walzer, manchmal auch Rock´n Roll. Beschwingt geht es dann weiter durch das Leben. Auf zum nächsten Erwartenden. Das Leben ist Bewegung. Stillstand bringt nicht weiter.
 
Und den Glanz, der verinnerlicht wurde, ist die Hilfe für den nächsten Weg, der zu gehen ist. Du hast noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, wurde mir neulich gesagt. Ich hoffe doch, dass es eine selbsterfüllende Prophezeiung ist. Es soll noch viel Zeit sein, bis dahin, dem Ende der Fahnenstange. Und auf dem Weg dorthin soll es noch viele bunte Farben und Lichter geben.
 
Und ist es dann wirklich irgendwann erreicht, das Ende der Fahnenstange, dann weht sie da oben, ganz leise und sanft mit ihrer ganzen Pracht. Das Leben. Mein Leben, so wie es war. Ich kann dann wohl zufrieden sein. Ich hoffe es jedenfalls. Ja sagen, zum Gehen, herunterziehen, meine Fahne und Platz machen für die nächste Helle Fahne.
 
Und so sag ich jetzt auch Auf Wiedersehen du kleines Bäumchen. Lieb warst du mir in einer langen Zeit. Auch wenn die Leuts manchmal ein wenig komisch geguckt haben, als ich erzählte, bei mir, da stehst du noch. Das war mir egal. Ich war Dir treu, wie immer allem, dem ich zugewandt bin. Und erst wenn die Zeit da war, bin ich gegangen und habe los gelassen. So wie mein Bäumchen jetzt. Ich lass es los.
 
Ganz langsam und sorgsam, Kugel für Kugel wieder hinein in die Weihnachtstüte, die Lichterkette abgehangen, die Wachskerzenhalter gesäubert fürs nächste Jahr. Auch Abschiede wollen sorgsam durchgeführt werden.
 

Schön war´s mit dir:) Abschiede tun weh, sie machen jedoch Platz für Neues.

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