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23. Januar 2017 1 23 /01 /Januar /2017 21:43

Kinobesuche sind einfach nur schön. Ich könnte geradezu jeden Tag ins Kino gehen, wenn ein entsprechender Film läuft. Ein Film muss so etwas wie ein geschriebenes Buch für mich sein. Ich muss beim Schauen das Gefühl haben, ich kann mich ganz in die Protagonisten, zumindestens in einem von mir ganz besonders ausgesuchten, hineinversetzen und mit ihm gemeinsam durch das Filmleben spazieren.
 
Das ist mir in dem Film des finnischen Regisseurs Juho Kuosmanen nun überhaupt nicht schwergefallen. By the way der Film hatte seine Premierte am 19. Mai 2016 bei den inetrnationalen Filmfestspielen in Cannes und wurde während des Filmfestes in München erstmalig in Deutschland vorgestellt. Schon im September darauf wurde bekannt, dass dieser Film für die Oscarverleihung 2017 als bester ausländischer Film nominiert wurde. Ich kann nur sagen, verdient hätte er es.
 
Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäkki, so der Titel des Films, zeigt die wahre Geschichte der  Boxerlegende Olli Mäkki, der als einziger je einen Europoatitel als Amateur und Profi für Finnland gewinnen konnte. Er lebt heute noch 8ojährig in Finnland und der 17.8.1962 ist jedoch sein denkwürdigster und glücklichster Tag im Leben seiner Boxerkarriere anzusehen.
 
Der Film wurde in schwarz-weiss gedreht, was ich sowieso sehr gerne mag, wie auch immer noch ganz altbacken schwarz-weiss-Fotos. Ich habe immer das Gefühl, dass durch das Wegfallen der Farben die Intensität des Films oder Fotos stärker ist, weil sich mehr mit den Protagonisten oder den Bildern des Films beschäftigt werden kann, ohne dass man abgelenkt ist durch die Schrillheit der Farben. Auch kommt er fast ebenso wie bei einem meiner Lieblingsregisseure, ebenfalls aus Finnland, Akki Kaurismäkki, ganz ruhig und still daher, ohne viel Dialoge und fängt durch Gestik und Haltung der Protagonisten die ganze Gedanklenwelt der selben ein. Ich mag das einfach, wenn an Gesichtern von Menschen abgelesen werden kann, was in ihnen möglicherweise vorgeht. Sicher, da kann auch daneben gelegen werden, meistens stimmt es mit meiner Wahrnehmung jedoch überein. Auch eine Filmmusik fehlt gänzlich, empfand das wohltuend.
 
Zudem bekommt der Zuschauer auch einen Eindruck vom früheren Finnland der 60er Jahre, die alten Autos, die biedere finnische Provinzmentalität der Menschen, die sich bis in die Gross- und Hauptstadt Helsinki hineinzieht. Wunderbar einfach. Natürlich auch einfach nur traumhaft die Bilder der weiten finnischen Seenlandschaften und Wälder. Sehr stimmungsvoll eingefangen vom Regisseur.
 
Zur Geschichte des Olli Mäkki. Er bereitet sich auf seinen grossen Weltmeisterschaftskampf gegen den us-amerikanischen Boxer Davy Moore vor. Ich bin ja eigentlich nicht so ein Boxkampfgucker, genauer gesagt, ich habe noch nie einen gesehen, also höchstens mal bruchstückweise und da war es mir immer gruselig beim Anblick der zerschundenen Köpfe und dem Taumeln der Sportler nach den Kampfattacken und dem schliesslichen völligen Zusammenbruch und am Ende am Boden liegenden Besiegten. Ne, grundsätzlich ist das nichts für mich. Es war jedoch die Vorankündigung des Films, Rezensionen und eben die Affinität zu Finnland, die mich eben doch in diesen Boxerfilm geführt haben. Ich hab es nicht bereut.
 
Der Olli ist ein stiller und einfacher Mensch, der in bescheidenen Verhältnissen lebt, aber eben ein grosses Boxtalent vorzuweisen hat. Amateurboxkämpfe sind aber etwas anderes, als eine Vorbereitung auf einen grossen Weltmeisterschaftskampf im Olympiastadium in Helsinki. Das wird ihm ganz schnell klar und auch zuviel. Er braucht Ruhe für seine Vorbereitung. Ausserdem kämpft er mit seinem Gewicht und das allerbeste eigentlich, was ihm in seinem Leben passieren konnte, er ist verliebt, in Raija, die ebenfalls aus seinem dörflichen Ort kommt. Nur paßt es gerade nicht in die Vorbereitung auf diesen grossen Kampf, das signalisiert ihm auch sein Trainer. Die Liebe kommt halt manchmal unverhofft und dazu dann mit einer Intensität, die nicht erwartet wurde.
 
Olli ist zwiegespalten, man sieht es ihm an, wie er mit sich kämpft. Er leidet und erkämpft sich einen gewissen Freiraum des Alleinseins mit sich, damit er sich in Ruhe seinen Vorbereitungen widmen kann. Nicht aber, bevor er zuvor noch einmal ausgebrochen ist, in sein Dorf fährt um Raija zu sehen, der er von seinen Zweifeln und Ängsten erzählt. Auch hier kein grosses Gerede von Beiden. Sie geniessen die kurze Zeit des Miteinanders und sehr einfühlsam zeigt der Regisseur, wie da zwischen den beiden eine Liebe webt, die fest und sicher ist. Zum Abschied sagt Raija ihm nur, letzten Endes ist der Mensch nur von seinen Vorstellungen enttäuscht, nicht aber vom Ausgang einer Sache. Das hat mir gefallen, weil eine Wahrheit darin liegt.
 
Ständig sind wir geneigt uns von einem bevorstehenden Ereignis schon eine Vorstellung zu machen und sind am Ende überrascht und enttäuscht, wenn sich diese Vorstellungen nicht als Ergebnis herausstellen. Dabei wäre es wichtiger gewesen, einfach nur zu schauen, was passiert und nicht seinen Projektionen nachzuhängen. Eine wichtige Botschaft des Films, so hab ich es jedenfalls empfunden.
 
Der Tag des grossen Kampfes kommt und schau daher, ich hab tatsächlich mitgefiebert mit Olli:) So kanns gehen:) Ich schreibe natürlich nicht, wie er ausgeht, dasm wäre ja doof:)
 
Aber der Film hat eine Poesie, die mir gefallen hat, auch die darin vorkommenden Protagonisten haben in mir eine gewisse Zärtlichkeit entlockt. Ich mochte sie. Er ist sehr zu empfehlen, vor allen Dingen gerade für die, die sich für den Boxsport interessieren, weil, auch wenn die Dinge sich zwischenzeitlich noch mehr geändert haben, was den Rummel und den Ruhm angeht, dfier Härte und die Disziplin im Sport, um zum Ziel zu gelangen, manchmal eben auch mit unlauteren Mitteln, gibt er einen kleinen Einblick über ein Sportlerleben und den Empfindungen wieder.
 

Ein gelungener Kinoabend, um so mehr, als dass ich sogar noch ein persönliches weiteres gutes Erlebnis hatte. Ich habe nämlich einen Job in diesem Kino angeboten bekommen, wenn auch nur aushilfsweise, aber ich fands lustig und werd mal drüber nachdenken:)

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Published by Fernweh - in filmkritiken
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