Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
5. Januar 2017 4 05 /01 /Januar /2017 17:33

Pilgern - Sehnsucht nach Glück? So heisst die Sonderausstellung im Rautenstrauchmuseum Köln, die ich heute besucht habe. Die Suche nach dem Glück wurde mit einem Fragezeichen versehen. Ist das so? Suchen die Menschen nach Glück, wenn sie sich auf den Weg machen?
Diesen Gedanken nahm ich mit auf den Weg zur Ausstellung.
 
Ein wenig denkwürdig, wenn auch glücklich ist mein Weg zu dieser Ausstellung verlaufen. Bevor ich aufbrach, schrieb ich mir noch mit einer netten Userin auf meiner Schachseite und erzählte ihr von dieser Ausstellung. Dass es auch ein Grund dafür ist, sie zu besuchen ist, dass ich ja selber einmal diesen langen Pilgerweg nach Santiago de Compostella gelaufen bin. Sogar noch weiter, bis nach Finisterre, dem Ende der Welt. Im ganzen waren es 1020 km, die ich zu Fuss zurückgelegt habe mit meinem Rucksack. Und sicher, ja, ich war glücklich, nicht nur als ich am Ziel war, sondern auch schon auf dem Weg, wegen allem, dem Laufen, das Draussen in der Natur sein  und von den bewegenden Momenten beim Kennenlernen fremder Menschen und den Erzählungen aus ihrem Leben. Und ich habe damals auch gedacht, das ganze Leben ist ein Pilgerweg durch die Ereignisse und die Geschehnisse, manche sind glücklich, andere schmerzhaft. Aber gut, ich will nicht ausholen, ich habe genug zum Jakobsweg geschrieben. Wens interessiert, einfach mal in meinem Blog nachforschen. Jedenfalls war mein Start auf diesem Weg nicht der Hintergrund, dass ich Glück suchte.
 
Dieser mein Besuch heute zur Ausstellung war tatsächlich auch ein wenig wie ein Pilgerweg. Es fing schon direkt bei mir ums Eck auf der Strasse an, dort wünschte ich zwei alten Damen ein gutes neues Jahr und schon entwickelte sich ein kleines Gespräch,-) In der Strassenbahn ging es direkt weiter. Ein junges Päärchen mit Kinderwagen setzte sich direkt neben mich. Die Kleine im Wagen hieß Lotte:) Schöner Name sagte ich ihr, der Lotte:) und sie strahlte mich an, die Eltern auch:) Und schon kamen wir ins Gerede...dass ich auch so gern Omma werden würde, dass ich die beste Omma der Welt sein werde,-) und wie schön es ist, Kinder zu haben und so weiter und so weiter. Irgendwann sagte ich ihnen, ich geh jetzt ins Museum. Hihi, wir auch, antworteten sie. Ach, das ist ja ein Ding, erwiderte ich und fragte, in welches denn. In eine Pilgerausstellung. Hehe, da musste ich lachen und sagte, ich auch,-) Hahaha, das war lustig:) Wie auf dem Weg, nur da weiss man ja, dass alle auf dem Weg zu ein und dem selben Ziel sind. Ich erzählte ihnen, dass ich Santiago gemacht habe und erfuhr, sie, die junge Frau war auch, zwar nicht den ganzen, aber immerhin ein Teilstück dieses Weges gegangen. Ich fand das schön, so unverhofft mal wieder, nette Leute einfach so kennenzulernen und ohne Ängstlichkeiten und Scheu erzählen zu können.
 
Jedenfalls stiegen wir an der vorgesehenen Haltestelle aus und wollten eigentlich den Weg zum Museum gemeinsam laufen. Plötzlich ruft von hinten ein Mensch: Roeschen, Roeschen...Huch...dachte ich, was ist denn nun! Ich drehe mich um und da steht er vor mir, der alte Blogger vom Kölner Stadtanzeiger mit seiner angetrauten Ehefrau:) Da ist ja das Roeschen, sagte er:) Er meinte, in der Strassenbahn habe er schon zu seiner Frau gesagt, mensch, das ist doch das Röschen aus dem Kölner Stadtanzeiger,-) Wie kann sie denn hier in Köln sein, ich dachte, sie lebe in Frankfurt:) Also, ich wills mal sagen, wir sind uns um den Hals gefallen, denn, mein alter Bloggergeselle ist ein sehr feiner Mensch, mit dem ich damals oft gute Gespräche geführt habe. Seine Frau kannte ich bisher nicht, aber sie wirkte auch sehr sympathisch auf mich. Nun denn, jetzt bin ich ja hier und einem weiteren Treffen steht ja auch nichts im Wege:)
 
Jösses, dachte ich, das gibts doch alles gar nicht, Köln ist klein, die Welt ist klein, wenn was passieren soll, passiert es. Und es war schön. Wir verabschiedeten uns und ich zog alleine weiter, denn das junge Ehepaar hatte sich mittlerweile auf den Weg gemacht. Aber schon ein kurzes Stückchen weiter traf ich wieder auf sie. Wir mussten alle drei lachen. Das ist wie pilgern, genauso war es auf dem Jakobsweg auch. Man ging seines Weges allein, jedoch traf man sich immer irgendwo und irgendwann wieder. Ein schöner Einstieg für die Ausstellung, so dachte ich:)
 
Die Ausstellung hat auf jeden Fall gehalten, was ich mir davon erhofft habe und sie ist für jeden Pilger aber auch Nichtpilger empfehlenswert. Denn ganz sicher, wer noch nie gepilgert ist, bekommt hier sicherlich eine kleine Sehnsucht, sich einmal auf einen für ihn wichtigen Weg auf zu machen und sich diesen Erfahrungen hinzugeben. Denke ich jedenfalls. Und so wird man anfangs auch von einigen unterschiedlichen Pilgererfahrungen hören, die Menschen auf ganz verschiedenen Wegen gemacht haben. Kurz und knapp erzählen sie von ihren Beweggründen, warum und wieso sie sich aufgemacht haben. Es sind ganz unterschiedliche Gründe, warum Menschen pilgern. Das habe ich ja auch auf meinem eigenen Weg erfahren und weiss es auch von mir selber. Der eine geht aus rein religiösen, spirituellen Antrieben, ein anderer einfach nur um in der Natur zu sein, wieder ein anderer möchte etwas verarbeiten und mal nur Zeit für sich haben, manche auch, weil sie sich eine Frage gestellt haben, deren Antwort sie auf diesem Weg finden möchten. Bei mir war es ja der Tod meiner Mutter und meine eigene Angst vor der tödlichen Krankheit, die mein Leben bedroht hat und von der ich hoffe, dass sie mich nicht wieder heimsuchen wird. Dazu nimmt man gerade auf dem Jakobsweg einen Stein mit, der dann hinter Foncebadon am Hochkreuz abgelegt wird. Die Angst wird dort gelassen, obwohl ich feststellen musste im Laufe der Jahre danach, Angst ist nie für immerr verschwunden, sie kehrt in Abständen immer mal wieder. Aber besser umgehen damit, das hab ich auf jeden Fall gelernt.
 
Es ist sich unglaublich viel Mühe gemacht worden mit dieser Pilgerausstellung. An allen Ecken und Punkten ist das zu erkennen. Die Zusammenstellung, die Ausführugnen, die Gestaltung, alles wirkt sehr liebevoll und es wird versucht, einen kleinen Einblick in die verschiedensten Möglichkeiten des Pilgerns mit ihren ganz unterschiedlichen Zielen dem Besucher nahezubringen.
 
Es beginnt mit dem Jakobsweg, der in Santiago de Compostella endet und seinen Abschluss findet in der Eucharistiefeier mit dem abschliessenden Besuch der Reliquien des Heiligen Jakobus.
 
Weiter die Felsenkirchen von Lalibela in Äthiopien, ein Ort der ca. 670 km nördlich der Hauptstadt Addis Abeba auf 2500 Meter Höhe gelegen ist. Die Felsenkirchen gehören zu den größten von Menschen erbauten monolithischen Gebäuden der Welt. Der gesamte bebaute Komplex umfasst ein Areal von 156.000 m2 auf dem 11 in ein Felsplateau gehauene Kirchen mit vielen Nebengebäuden, alle verbunden mit einem weit gefächerten Netz aus Tunneln und Gräben. Angeblich soll der Legende nach König Lalibela im 12. oder 13. Jhd. von Gott den Auftrag erhalten haben, diese elf Felsenkirchen aus einem einzigen Stein zu bauen. Jösses! Beim Lesen dachte ich an den Mann aus Madrid, ein ehemaliger Mönch, der aus seinem Orden ausgetreten ist, weil er genau ebenso einem Ruf Gottes folgte um mitten in Madrid mit den eigenen Händen ein Gotteshaus zu bauen, was er nun auch schon seit vielen Jahren macht. Immerhin kann dieser Geschichte geglaubt werden, denn man kann ihn kennenlernen, es ist ja unsere Zeit, in der es geschieht. Viele Menschen unserer heutigen Zeit empfinden solche Geschichten ja eher lächerlich, unglaubwürdig oder gar einfach nur dumm. Ich finde jedoch dass es etwas hat. Ein Gegengewicht zum aktuellen Weltgeschehen der Zeit, in der sie stattgefunden haben und finden. Ich mag einfach Menschen, die verrückte Sachen machen, jenseits des vorgeschriebenen Mainstreamgehetze,-) Es ist ja auch ihre ganz persönliche Empfindung, wer darf sich da eigentlich wagen, das anzuzweifeln. Ich jedenfalls nicht.
 
Ra iatea, ein Zeremonieplatz in Taputapuatea´in Polynesien. Dort findet man eine Versammlungsstätte an der Ostküste Ra iateas, der ursprünglich dem Meeresgott Ta aroa gewidmet war. Aber wie die Menschen so sind, haben sie sich von diesem Meeresgott irgendwann abgewendet und sich dem Kriegsgott Oro im 16. Jhd. zugewandt und so entwickelte sich dieser Versammlungsort in dieser Zeit zum Sitz der herrschenden Priester. Diese hatten Eingebungen, prophezeiten die Zukunft und verhängten Riten, denen die Menschen dort folgen sollten und die auch in weitren Teilen des Landes beachtet und praktiziert wurden. Nahmen Menschen Steine von diesem für sie religiösen Ort mit in andere Teile des Landes, dienten sie wiederum zur Erbauung als Fundament religiöser Kultstätten und somit waren alle physisch miteinander verbunden.
 
Kailash - der Heilige Berg - gleich für vier Religionen im Tibet.Wenn der Kailash Berg betrachtet wird, so entdeckt man sogleich seine symetrische Pyramidenform, zwei Seen und den Quellen von vier Flüssen in seinem Umfeld. Es wird gesagt, dass dieser Ort das größte von der Natur geschaffene Mandala der Welt ist, der seit Jahrtausenden von Buddhisten, Hindus, Jainas und Anhängern der Bon-Religion als irdisches Abbild des göttlichen Universums verehrt wird. Die Pilger, die an diesen Ort finden, sind oft tausende Kilometer aus Indien, Tibet und Asien unterwegs, viele Wochen, Monate, manche sogar Jahre durch unwirtliche gegenden, Sand- und Geröllwüsten bis sie an den 6638 m hoch gelegenen Kailash angelangen. Sie tragen oft mehrere Kleiderschichten am Leib, um den eisigen Temperaturen, die dort in der Höhe vorherrschen, stand zu halten und ernähren sich hauptsächlich von getrocknetem Yakfleisch, das übrigens sehr lecker ist, hab ich mal probiert,-), Yakbutter, Salz und Buttertee. Auweia, für mich wäre der Buttertee eine Qual,-) All die Pilger erhoffen sich auf diesem Weg eine Art von Läuterung von Körper und Geist, Sündenbefreiung  (und ich dachte immer, im Buddhismus göbs kei Sünd nicht,-)) , spirituellem Verdienst und die Erlösung vom ewigen Kreislauf der Wiedergeburten im Nirwana. Ja, das kann ich verstehen, denn der Gedanke dieses Leben ständig wiederholen zu müssen, jagt auch mir einen gewissen Schrecken ein, obwohl ich ja sehr gerne lebe,-) Das ist ja auch normal, denn wer lebt und dem das Leben gefällt, der möchte nicht tot sein, jedenfalls nicht so schnell,-) Man muss ihn übrigens umrunden, den Kailash, der Rundweg beginnt auf 4680 m Höhe und umfasst eine Strecke von 53 km. Man denkt doch, wenn das einmal gemacht wurde, ist Ruhe für immer. Aber da musste ich mich eines Besseren belehren lassen. Manche Pilger gehen diesen Rundweg gleich mehrfach und wiederholen die ganze Prozedur in ihrem Leben auch mehrfach. Naja, dann muss ja alles gut werden,-) Und besser beim Pilgern den Murmeltiertag praktizieren als wie im Alltagsleben:)
 
Also, ich will jetzt nicht alle Pilgerstätten in meinen kleinen Blog ausführlich beschreiben. Für mich waren diese drei neben den von mir selber begangenen Jakobsweg am interessantesten.
 
Die anderen Orte, Mexiko-Stadt, Sinakara, das Heiligtum des Senor de Quyllurit in Peru, Jerusalem mit der Westmauer, Grabeskirche und dem Felsendom, Touba mit seinem Mausoleum Sheik Amadou Bamba, Mekka mit den Heiligen Städten der Moslems, Shikoku der 88 Wege-Tempel-Weg und Yangon mit seiner Shwedagon-Pagode waren mir mehr oder weniger schon bekannt oder mal begegnet, dennoch habe ich in der Ausstellung natürlich umfangreicher darüber erfahren können.
 
Es sind alle Pilgerorte ausführlich beschrieben, ihre Entstehungsgeschichte, die Geschichte der Pilger im Laufe der Zeit, die Reliquien erklärt, aber auch immer wieder wird Motivation und Antrieb der Menschen, die diese Wege gehen,  hervorgehoben. Auch wird sehr klar, dass die pilgernde Menschheit mittlweile áuch ein Wirtschaftsfaktor geworden ist. Viele Menschen an den Orten, an denen die Pilger vorüberziehen leben mittlerweile von ihnen, Bewirtung, Hotels, aber auch das Verkaufen von Andenken und Kleinodien, die wiederum schon nicht mehr nur an den Orten des Pilgerlandes hergestellt werden, sondern oft auch schon made aus China kommen,-) Pilgern hat abgesehen von der persönlichen Motivation und Bedeutung weit darüber hinaus eine gesellschaftliche, wirtschaftliche, logistische, politische, ökologische und eben zuletzt auch eine touristische Auswirkung. Wenn nur mal bedacht wird, wie diese Massen von Menschen auf den großen Pilgerwegen, die zu einer ganz bestimmten Zeit, weil irgendein besonderes Ereignis damit verbunden wird, zu beherschen und zu bewegen sind, so dass niemand zu schaden kommt, ist das schon enorm und ein grosses unternehmen, das bewältigt werden will.
 
Somit zu den religiösen Pilgerstätten- und touren. Nicht zu vergessen ist der absolut unspirituelle, unreligiöse Pilgertourismus der Menschen unserer heutigen Zeit an Stätten dier Musik, des Fussballs, der Computerfreaks und des Karnevals. Denken wir mal an die Millionen von Menschen, die in den Fussballstadien ihr kleines Glück eines Sieges ihrer Heimmannschaft herbeisehnen, oder an die Pilger längst verstorbener mehr oder weniger grosser Musiker, es kommt ja immer drauf an, wie sie einem gefallen haben,-), wie z.B. Elvis Presley, Janis Joplin oder Jimi Hendrix und an deren Wirkungs- und Grabstätten. Aber auch zu den jeweiligen großen Musikveranstaltungen, wie z.B. das legendäre Wackenfestival oder Rock am Ring. Auch das erinnert an eine Form des Pilgerns, für die die Menschen keine Kosten und Mühe sparen, diese Ereignisse Jahr für Jahr zu erleben und zu geniessen. Ich habe mir sagen lassen, dass man nach einem derartigen Aufenthalt solcher Musikveranstaltungen tatsächlich hernach ein wenig glücklicher ist,-) Also, ich kann mich nicht mehr so genau an meine Gefühlswelt besuchter Festivals erinnern, nur an die Bands, die dort gespielt haben, und dass es mir natürlich gefallen hat und ansonsten ich jedoch danach eigentlich fast immer nur ausgelaugt und todmüde war. Aber missen wöllte ich solche Ereignisse auch nicht:)
 
Jedenfalls auch auf diese Form des Pilgerdaseins des Menschen wird in der Ausstellung Bezug genommen und ich denke es passt auf jeden Fall. Man kann diese Ereignisse auf jeden Fall schon mit einer gewissen ritualisierten Religiösität vergleichen. Und entsprechende Fanartikel sind demnach ja auch nichts anderes als Reliquien,-) Und wenn ich so nachdenke, so manch einer, jedenfalls beim Fussball und der Musik ist es ja so, wird ein ganz besonderer Mensch, dieser praktizierenden Art der Kunst auf dem Rasen oder auf der Bühne ja auch als *Gott* bezeichnet,-) Nun ja, wir Menschen sind recht schnell mit einem Gottesvergleich unter Menschen,-) Und ich glaube, es ist nicht böse von mir zu sagen, wenn die, die immer behaupten Religion sei das Opium fürs Volk, sich ganz schön ihn die Tasche lügen ob ihrer eigenen Anbetungen, die dann ja auch nichts anderes als Opium fürs Volk sind. Nur ein Schelm, der jetzt was Böses denkt,-)
 
Also, ich beschließe meine kleinen Ausführungen und Erzählungen über diese schöne und gelungene Sonderausstellung des Rautenstrauchmuseums in Köln und kann sie nur Jedem, der irgendwie die Möglichkeit hat, ans Herz legen. Bei mir hat sie auf jeden Fall Sehnsucht erweckt, mal wieder, irgendwohin zu pilgern, es muss ja nicht gleich der Kailash sein, obwohl...nun ja...Visionen und Träume an das Morgen, schaun mer mal, wie Fussballgott Beckenbauer immer so schön sagte,-)
 

Viel Spaß beim Besuch der Ausstellung an die, die sie besuchen:)

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentare