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16. Februar 2017 4 16 /02 /Februar /2017 11:00


Hm...wahrscheinlich war das gestrige Ereigniss mein Anlaß mal wieder drüber nachzudenken, was es eigentlich mit den Lebensplänen auf sicht hat. Ich hörte im Laufe meines Lebens immer von Menschen, wie sie Pläne machten für ihren weiteren Lebensweg. Studium, Ausbildung, Partner kennenlernen, Familie gründen, Häusle bauen, Urlaubsreisen usw.usw... Oft hab ich gesehen, dass die Pläne nicht wunschgerecht verliefen.

Und ich? Hm...mir ist im Nachsinnen über mein Leben die Erkenntnis gekommen. Einen Plan gab es eigentlich nie für das Leben, mein Leben. Ich habe tatsächlich nichts geplant. Das meiste was geschehen ist, kam auf mich zu oder war im höchsten Falle eine Entscheidung des Momentes.

Klar, manchmal gab es kleine Pläne. So für einen Tag. Wie ich ihn möglicherweise gestalten will. So wie gestern. Es standen einge Sachen an, die ich erledigen wollte, bevor ich meine Reise nach Paris am kommenden Freitag antreten wollte.

Munterer Dinge, beladen mit meinem Wäschesack maschierte ich in die erste Kellerebene in unserem Haus. Ich hatte noch die Schluffen an, ist ja auch nicht schlimm, dachte ich. Sollen mich die Leuits halt mal in Schluffen sehen:) In Schluffen herumlaufen hat doch schon ein ganz eigenes Geschmäckle, vor allen Dingen, wenn es an einem ganz normalen Arbeitstag geschieht. Alle sind in ihren Aktionen und nur das Roeschen läuft noch in Schluffen rum. Das gefällt mir dann. Ich lass es trotz Tagespläne doch immer eher gemütlich angehen. Bloss keine Hektik. Mit Hektik wird auch nicht mehr erreicht.

Jedenfalls, ich schluffte also in die Kellerebene, das Licht war noch nicht an, als ich merke, oha, Roeschen, du haste nasse Föss (so sagen wir Kölner ):) Shit happens mein Gedanke, Licht an und da sah ich die Bescherung. Die ganze Ebene stand unter Wasser. Huch, nix mit Waschen erstmal. Handwerker waren auch schon da. Was geht? war meine Frage an sie. Wissen wir noch nicht, die Antwort. Später erfuhr ich dann, die Stadt ist schuld. Die Bauarbeiter haben ein Rohr zum Platzen gebracht. Die Doofen, dachte ich,-). Die haben mir alles vermaselt. Meinen ganzen Tag. Und nu?

Die zweite Ebene, in der sich auch mein Kellerraum befindet, war bis dato noch trocken. Also, hab ich mich auch nicht mehr drum gekümmert. Am Nachmittag dann maschierte ich wieder in die erste Kellerebene, es war noch feucht, aber das Wasser war soweit abgepumpt, die Waschmaschiene frei, also weiter konnte es gehen. Um die Eck kam ein Handwerker. Oha, sagte ich wieder, was geht? Ja, hier haben wir nun den Schaden behoben, leider ist nun doch auch in der zweiten Ebene das Wasser durchgesickert. Oh nein, antwortete ich ihm. Alles unter Wasser??? Leider ja. Ich die Wäsche rein, wieder nach oben, meinen Kellerschlüssel geholt, endlich die Schluffen ausgezogen, ich hatte sie dann gar nicht ausgezogen, weil eh alles aufs Warten ausgerichtet war, maschierte ich mit Stifelken in den Keller und sah sofort die Bescherung. Das Wasser stand ca. 10 cm hoch im Gang und alles, was sich in meinem Keller befand, stand ebenfalls unter Wasser.Das darf nicht wahr sein. EIch war geschockt. Wenn du geschockt bist, kannste erst mal nix mehr sagen, denken auch nicht. geht einfach nicht.  Denn in meinem Keller befand sich mein Lebenswerk. Meine Malereien. Und die Hälfte meiner Leinwände waren durchfeuchtet, weil sich bekanntlich die Feuchtigkeit in Leinwänden nicht auf eine Fläche beschränkt, sondern sie sich einfach ausweitet.

Die sind nu hinne. Die meisten jedenfalls. Roeschen, schockschwerenot, du kannst nix mehr machen, nur noch loslassen. Wollte ich auch, ging auch irgendwie, dann später, obwohl ein gewisses Gefühl von Ohnmacht und Leere in mir blieb. Wird wohl auch nicht so schnell vorübergehen, das Vermissen, egal ob es an liebe Menschen oder an Dinge gebunden ist, bleibt ja ein Leben lang, das weiss ich ja. Damit musste halt leben. So ists halt.

Was ich nur wieder einmal mit aller Macht festgestellt habe ist, mach Pläne, erwarte aber nicht, dass sie erfüllt werden. Aber am besten, mach keine Pläne, zumindestens nicht für das große ganze Leben. Lebe den Tag, so heisst ja ein Sprüchlein. Ich weiss, manchmal kommen solche Sprüche echt doof. Es ist jedoch oft die Wahrheit. Denn es geht eh nix anderes, als tatsächlich den Tag, den Moment zu leben, alles andere ist Vorstellung, Illusion und Träumerei.

Ich erinnerte mich, es ist jetzt fast 30 Jahre her, da befand ich mich, wie immer in meinem Leben, auf der Suche nach Antworten auf Fragen. Damals war es die Frage...Was ist der Sinn des Lebens...Nicht, dass ich die vorher nicht auch schon einmal gestellt hatte. Ich stellte sie mir immer wieder mal in vergangenen Zeiten. Mittlerweile hab ich die Einfachheit der Antwort dieser Frage erkannt: Sie lautet eben ganz einfach: Lebe!

Aber damals suchte ich einfach nach komplizierteren Antworten! Ich bin son Typ, manchmal. Da mach ich mir das Leben schwerer, als dass es sowieso schon ist. Jedenfalls, eine Frage, eine Tat. Ich maschierte los, durch meine Stadt und sprach einfach irgendwelche Leute an, auf Rolltreppen, auf Bürgersteigen, in Ubahnschächten die Wartenden. Ich sagte, darf ich sie mal was fragen. Erstaunt guckten die Leuts mich immer an, die meisten waren aber gewillt, meine Frage an sie zuzulassen. Was ist der Sinn des Lebens für Sie?  Damit hatten sie natürlich nicht gerechnet. Eher wahrscheinlich, wo befindet sich diese oder jene Strasse und wie komme ich dahin. Aber ich bin son Typ, gelegentlich stelle ich Fragen, mit denen nicht gerechnet wird. Dennoch  bekam ich immer Antworten, wenn auch eine kurze Zeit nachgedacht wurde.

An ein Gespräch werde ich mich immer erinnern. Es war ein älterer Herr, damals für mich jedenfalls, heute bin ich ja im selben Alter, er war 58 Jahre alt. Auf meine Frage hin schaute er mich zuerst verständnislos an und erklärte mir dann, dass es zwar merkwürdig sei, alles, dass ich ihn jetzt hier anspreche, fremd wie ich bin, eine so persönliche Frage, dass sie aber genau passte. Dass ich ihn im richtigen Moment erwischt habe. Er kam gerade von einem Arztbesuch und hatte eine furchtbare Diagnose. Krebs! Und er stehe ein wenig neben sich und müsse jetzt erstmal selber damit klar kommen, zum anderen überlegen, wie er das jetzt seiner Familie beibringen sollte. Er redete weiter und erzählte mir, sein ganzes Leben habe er geplant, so, wie ich es anfangs beschrieb. Jetzt hätte er fast alles erreicht, Beruf, Haus, Frau, Kinder, sogar Enkelkinder schon und eigentlich war jetzt der Plan noch bis zur Rente durchzuhalten und sich dann um das kümmern zu können und wollen, was ihm schon immer am Herzen lag und wofür er nie Zeit gehabt hatte. Und nun ist plötzlich von einem auf den anderen Moment alles anders. Eine Diagnose, die alle seine weiteren Pläne zu nichte machen sollte. Jedenfalls dachte er so in diesem Moment. Und nun wisse er nicht, wie es weitergeht mit ihm, seinem Leben und seiner Familie.

Ich muss sagen, auch ich war geschockt in diesem Moment. Zumindestens hatte es jetzt ein Ende mit seinem Pläneschmieden, so sagte er. Das Leben, so erfahre er nun, sei unberechenbar und der Schock, weil es eben sehr lange in seinem Leben so gut gelaufen ist, sei groß, aber er würde begreifen und letzten Endes dankbar sein, dass es ja immerhin eine so lange Zeit gut gegangen ist. Und wahrscheinlich, das war dann seine letzte Antwort auf meine Frage, besteht der Sinn des Lebens einfach nur darin zu leben, egal was passiert

Das hab ich mitgenommen. Es war ein Geschenk, so empfand ich es. Wir haben uns herzlich verabschiedet, damals, der Mann und ich. Haben uns umarmt und ich hab ihm alles erdenklich Gute gewünscht und dass er die Hoffnung niemals aufgeben solle.

Also, ich weiss jetzt wieder Bescheid, bin dran erinnert worden. Mach keine Pläne für dein Leben Roeschen. Nimm es, wie es kommt und handle. Ja handeln, wie ich gerade in einem Brieflein von einem Freund las, ist sicherlich der weitaus bessere Weg als kämpfen. Kämpfen hat in der Tat immer das Geschmäckle von Sieg oder Niederlage. Und ich will weder das eine noch das andere, ich will einfach handeln, möglichst das tun, was nötig ist und leben, einfach nur leben. Und wenn ich tatsächlich mal einen klitzekleinen Plan habe, so nur für einen einzigen Tag, was solls, wenn er sich nicht erfüllt, es sind dann eben ganz viele andere Dinge passiert, im Äußerlichen und im Inneren, wie gestern eben, das Nachdenken, Nachsinnen und aufs Leben schauen.

Pläne machen hat einfach keinen Sinn! Der Vogel hat sicher auch keinen grossen Plan, ausser, dass er, wenn er Hunger hat, seinen Bauch füllen will,-)

Das Leben ist und bleibt ein Drahtseilakt!

 

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