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3. März 2017 5 03 /03 /März /2017 15:41


 
Eigentlich wollt ich bloß meinen Einkauf und die Bankgeschäfte erledigen. Aber, ich weiss auch nicht was es ist, wenn ich in die Welt gehe, passiert immer irgendetwas. Zumeist ja was Schönes. Gott sei Dank!
 
Jedenfalls, ich machte mich auf den Weg Richtung Wiener Platz. Der befindet sich in Köln-Mülheim, auf der Schäl Sick, wie wir Kölner hier sagen. Es gab sogar noch Sonnenschein in diesem Moment. Herrlich, dachte ich, besser kanns nicht sein. Einkaufen, dazu muss ich mir ja immer einen Schubs geben. Wenn ich aber dann im Laden stehe und es duftet und blitzt mir alles in seiner Frische entgegen, dann hab ich den Anschubser schnell vergessen.
 
Also, ich bin guter Dinge, wie ich da so über die Frankfurter Strasse herumstromere und nach rechts und links schaue und dem Mann, der da kräftig niest, mal ein ebenso kräftiges Gesundheit wünsche. Ist ja egal, dass der mich jetzt bisserl komisch anguckt. Hab ich gemerkt, obwohl ich weiterging, hab mich nämlich umgedreht und da sah ich es, dass der komisch guckt. Jedenfalls, weil er komisch guckte, hab ich es nochmal getan. Ich bin son Typ. Nochmal Gesundheit gewünscht, weil....er hat ja auch nochmal geniest. Er hat dann seine Ohrstöpsel runtergenommen und danke gesagt. Geht doch, sagte ich und griemelte ihn an. Hahaha, jetzt hab ich ihn erwischt. Er musste nämlich auch lachen. So soll´s sein. Ich meine, so zwischen den Menschen.
 
Ich hab noch so dies und das erlebt bis zu meinem Ankommen am Wiener Platz, wo meine Bank des Vertrauens ist, wenn man von Vertrauen bei Banken überhaupt sprechen kann. Aber wat mut, dat mut eben. Ohne Bank geht ja heutzutage nix mehr. Ich kann ja auch nicht alles erzählen, dann würden meine Leser aus dem Lesen gar nicht mehr herauskommen.
 
Die Bank, also, die meines Vertrauens, hatte noch zu. Verpeilt wie ich bin, hab ich mir mal wieder die falsche Uhrzeit gemerkt. 14.00 Uhr, nicht 13.30 Uhr. Typisch Roeschen. Aber ist ja ejaal, wie wir Kölner sagen. Mach was draus Roeschen, denke ich. Zeit gewonnen, Glück gewonnen. Obwohl ich bei diesem Gedanken noch gar nicht wusste, worin denn nun mein Glück dieser halben Stunde liegen sollte. Woher auch. Der Mensch weiss schliesslich nie, was ihm in der nächsten halben Stunde widerfährt, nicht mal in der nächsten Sekunde. Das Leben ist nicht vorauszusehen.
 
Schließlich nahm ich mir vor, mal da in den Arkaden am Wiener Platz in der Buchhandlung herumzustöbern. Warum auch nicht. Das liegt ja nahe bei meiner Leidenschaft. Also wollte ich die Ampel überqueren, die war nämlich rot. Die ist lange rot da die Ampel. Weil, der Wiener Platz ist ein Verkehrsknotenpunkt. Da kommt viel Schrott zusammen. Also fahrender Schrott. Da muss Geduld mitgebracht werden beim Stehen an Ampeln. Ist mir ja auch wurscht. Hab ich ja meistens, Geduld.
 
Ich steh da also so herum und warte und gucke und entdecke so dies und das. Plötzlich ein Korso mit Krach. Also mit hupendem Krach. Ein Autokorso. Das kennt ja jeder. Das macht den Leuts bei verschiedenen Gelegenheiten so richtig Freud. Beim Fussball zum Beispiel. Ich glaub da hat das angefangen und so richtig kam das glaub ich von den Italienern. Ich sags ja immer, die Italiener die habens halt drauf, also so mit der Lebensfreude und dem mir doch egal. Später hat sich das weiter entwickelt, also das mit den Autokorsos. Da wurde das auch bei anderen Gelegenheiten eingesetzt. z.B. bei Hochzeiten.
 
Und genau so ein Hochzeitsautokorso war das nun auch. Schwarze Limousinen, festlich mit weissen Schleifen geschmückt kamen da plötzlich an der Ampel zu stehen. Ohne dass das Gehupe aufhörte. Manche Leute nervt das ja, die regen sich auf, empören sich gar. Ich versteh das nicht. Ich denke dann immer, wieso empören die sich nicht über die wirklich wichtigen Sachen. Aber was soll ich sagen, auf mich hört ja eh keiner. Also, mir doch egal. Ich reg mich nicht auf. Natürlich. Ich find das cool. Ich kann mich da einfach dran erfreuen. Ich bin son Typ.
 
Freilich hab ich mich in diesem Moment auch mitgefreut, und zwar glucksend vor mich hin lachend. Weil, erstens sah ich die Braut aus dem Fenster schauen, eine so schöne Braut. Übrigens war es ein türkisches Brautpaar. Die haben es nämlich auch drauf, unsere türkischen Mitbürger. Die können das auch sehr gut, das mit der Lebensfreude und mir doch egal, wir sind jetzt gerade glücklich und das zeigen wir auch. Und zweitens, weil aus einem der Autos auch diese typisch türkische Discomusik erschallte, und zwar laut. Ich meine, ich möcht die nun nicht immer hören, aber so als Happening find ich das mal so richtig jut. Kann auch so richtig gut drauf abgeschwoft werden. Also, nicht dass jetzt gedacht wird, ich hab damit angefangen. Gut, also ich hab ein wenig geswingt, aber nur so ein klein wenig, wie mein glucksendes Lachen.
 
Nun passierte es aber, das einige junge Leute aus den anderen Autos einfach ausstiegen und mitten auf der Strasse anfingen zu tanzen. Herrlich, isch schwöre. Das war einfach nur göttlich. Erstens sahen die alle schniecke aus in ihren schwarzen Anzügen die Herren und die Damen in Abendroben, voll aufgemotzt. Ich meine, ist jetzt nicht so mein Ding, aber wie in allem, kann ich mich da ganz gut dran erfreuen. Jedenfalls, die sind einfach raus aus dem Auto und haben mitten auf der Strasse getanzt. Obwohl, ich sag es Euch, die Ampel schon lange grün zeigte und der Verkehr hätte weiter fliessen können. Das war denen driss ejaal, wie wir Köner hier zu sagen pflegen. Der Verkehr ruhte.
 
Ich jedenfalls gluckste mittlerweile auch nicht mehr stillvergnügt vor mich her, sondern zeigte meine ganze Freude über das vor mir stattfindende Geschehen. Und meine Tanzbeine bewegten sich auch recht nett im Rhythmus der Musik. Ich bin son Typ, bei Musik, da kann ich nicht anders. Und es gab ja auch in diesem Moment nix anderes zu tun. Ich wollte doch nicht weitergehen bei diesem wunderbaren Anblick insgesamt.
 
Scheinbar hatten die das gesehen, also die tanzenden und fröhlichen Hochzeitsgäste, die da auf der Strasse ihr Spässchen hatten. Und so kam es, dass einer der jungen Männer mich plötzlich unter den Arm fasste und mich einfach mitten auf die Strasse zog. Ich wusste echt nicht, wie mir geschah in diesem Moment. Ein kleiner  Augenblick des Schreckens, dann war ich angekommen, da vor dem Wagen des Brautpaares. Und schwupsdiwups drehte ich mich mit den Tanzenden im Kreis, hüpfte mal nach rechts, mal nach links und alle zusammen quitschten wir vor Vergnügen. Ich sag ja immer, die Götter reden nicht, sie tanzen und singen. Und ganz sicher waren die Götter in diesem Augenblick bei dem jungen schönen Brautpaar. Es sollte für sie ein unvergesslicher Tag werden. Und durchaus schienen alle dafür zu sorgen, dass er es wurde. Auch in diesem Moment ihrer überbordenden Freude.
 
Mittlerweile war die Ampel noch einmal auf rot und grün gesprungen und es wurde dann doch Zeit, dass es weiterging mti dem Korso. Das Brautpaar rief mich an ihren Wagen und sie gaben mir ihre Hand und nicht nur das, sie gaben mir ein kleine Sträusschen mit drei wunderschön roten und gelben Gerbera, gespickt mit weissem Schleierkraut. Ich muss sagen, ich war echt überwältigt in diesem Augenblick. Ich wünschte dem Paar, dass sie diesen Tag der Freude in ihrem Leben nie vergessen sollen, aber vor allen Dingen diese Freude und das Glück für ihr ganzes Leben behalten sollen.
 
Ich zog mich zurück auf den Bürgersteig, das Korso fuhr nun weiter und ich schaute ihnen noch eine Weile hinterher. Schön sagte ich glücklich zu den neben mir stehenden Passanten. Ja, sagten sie, das war schön. So was erlebt man nicht alle Tage. Und ich war doppelt glücklich, weil Niemand gemosert hat, wegen der grünen Ampel, wegen dem Stillstand des Verkehrs, wegen der Huperei, der lauten Musik und ach wegen allem einfach.
 
Beschwingt hab ich meine Aufgaben erledigt. Das Glück mitgenommen nach Hause. Und ich werde es auch sicherlich nie vergessen, nicht nur an den Tagen, wo mir die rot-gelben Gerbera noch entgegenleuchten. Nein, das sind Ereignisse, die ich nie vergesse, die kleinen und größeren Begebenheiten des Alltags, die ganz unvorhergesehen Graues in bunt Leuchtendes verwandeln.
 
So schön kann das Leben sein. Das ist die Welt, die ich liebe. 

 

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