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3. April 2017 1 03 /04 /April /2017 11:07

Warum machst Du das? Diese Frage scheint mich mein Leben lang zu begleiten. Es fing schon in der Kinder-. und Jugendzeit an. Warum machst Du das Roeschen. Z.b. wenn ich mal wieder stundenlang über einem Buch in meiner Sofaecke versunken saß. Geh doch raus in die Sonne und spiele, kam manchmal hinterher... Oder andere Empfehlungen...Tu dies oder das. Mach endlich...
 
Wie ich das gehaßt habe. Schon allein deswegen, weil, eigentlich, zumindestens was meine Lebenserfahrung in Kindheit und Jugend betraf die Antwort auf der Hand lag. Obwohl, ich muss gestehen, ich selber den wirklichen Grund auch nicht immer wusste. Also beim Lesen war eines klar, ich tauchte in andere Welten ein, vergaß die Welt, die sich mir nicht so sehr erfreulich anbot und erfuhr aber auch ein grosses Stück Hoffnung in den Geschichten anderer Menschen. Ich tat das aber unbewußt. Nicht suchend danach. Es war eine Intuition die mir einen Weg wies, wohin auch immer. Es hat ja auch genutzt, wenn ich jetzt rückblickend schaue.
 
Aber wieso machst Du das, das ging ein Leben lang weiter. Meistens hatte ich nie eine Antwort darauf. Das liegt sicherlich daran, dass die intuitive Handlunsgweise mein Leben oftmals bestimmt hat. Natürlich bin ich auch oft auf Irrwege gelangt. Ist nun mal so. Aber auch der, der weiss, was er tut, kann einen falschen Weg einschlagen. Obwohl falsch ja eigentlich gar nix im Leben ist. Aus allem, was der Mensch tut, lassen sich Erfahrungswerte finden, die wiederum wichtig sind für das weitere Vorangehen.
 
Oft hab ich Dinge getan, die von der Umwelt völlig unverständlich waren. Warum gerade jetzt und dies? Anthroposophie, Kirche, Ernährung, Gesundheit, alles Dinge, wo ich ausprobiert habe, einer plötzlichen Eingebung nach. Mach das mal Roeschen und guck, was dabei herauskommt. So denk ich immer noch. Mach das mal.
 
Manchmal ist es ein Hinweis in einem Buch, oder etwas, das ich bei anderen sehe und denke, das könntest du ja auch mal ausprobieren.
 
Oft ist es auch ein Wort, dass mich fasziniert und mich auf ein Tun lenkt.
 
Es kommt auch vor, dass sehr sehr lange etwas in mir schlummert, eine Sehnsucht, ein Wunsch, etwas zu tun und nur die Zeit nicht da oder einfach nicht reif war. Ein Mensch der eher intuitiven Handlungsweisen nachgeht, spürt das. Viele dieser Sehnsüchte und Wünsche trage ich immer noch in mir. Ich geb es zu, von vielen dieser hab ich oft Niemandem etwas erzählt. Daher ist es vielleicht nicht so überraschend, wenn dann die Frage kommt, wozu machst du das?
 
Die meisten Menschen werden ja dahin erzogen, dass all ihr Tun immer zielgerecht ist. Als Kind bekommst du beigebracht, lern schön fleissig, damit aus dir später was wird. Gut, das wird so klar und deutlich von den Eltern nicht gesagt. Es gibt dafür ja das subtile verborgene Hinleiten des Kindes auf die Bahn, die den Eltern vorschwebt. Mit mir hatten die meinigen kein Glück. Trotz allem erlittenen Unbill oder gerade deswegen blieb ich ein Verweigerer in vielen Dingen. Gut, manchmal musste ich Kompromisse machen, das ist nun mal so im Leben. Mit dem Kopf durch die Wand geht halt nicht. Das sehe auch ich ein.
 
Hast Du dann deinen Schulabschluss gemacht, dann heisst es, mach eine Ausbildung die Zukunft hat oder studiere etwas, womit Du später auch was anfangen kannst. Tue nichts, was keine Zukunft hat oder du es nicht für irgendetwas gebrauchen kannst. Das ist die Erziehungsmaxime der Eltern an ihre Kinder.
 
Ohne mich jetzt hervorheben zu wollen, das liegt mir nicht, ich sag nur einfach wie es ist. Da ich selber ein solcher Mensch nicht wahr, hab ich das auch nicht an meine Kinder weitergegeben. Sie wussten sehr lange auch nicht, wohin ihr Leben geht. Was sie lernen sollten. Ich hab ihnen immer gesagt, tut etwas, worin ihr euch wiederfindet und was euch Freude macht. Das allein genügt. Das Tun, sich Hineinfinden in etwas, das einem gemäß ist. Alles andere kommt von selbst. Hat ja auch geklappt.

Seit ein paar Jahren spiele ich Schach und zwar leidenschaftlich gern. Nicht in einem Verein. Ich bin nie ein Vereinsmeier gewesen. Das liegt mir nicht. Der ganze Hickhack und Rangordnung sind mir zuwider. Ich spiele nur im Internet. Da krieg ich es aber auch mit. Und zwar heftigst. Es geht um Ranglisten und Zahlenwerte, wie Elo, DWZ. Manoman, wie mich das anödet. Da sind Leuts depremiert wenn ihre elozahl sinkt und ihr ganzes Tun ist darauf ausgerichtet, diese Zahl zu erhöhen, damit sie einen besseren Rang bekommen. Jösses. Ich denk dann immer und ich, ich spiel da einfach so rum, weils mir Freud macht. Was interessieren mich denn die Zahlen? Naja egal, ein kleines Beispiel nur.
Es geht scheinbar immer darum, wenn du etwas tust, muß es auf ein Ziel hingerichtet sein. Dabei, denkt man an die Kinder, die fangen einfach an zu spielen, die haben nicht zuerst das Ziel im Kopf. Wenn sie anfangen einen Turm zu bauen mit Klötzchen, dann machen sie einfach. Sie schauen halt, wohin das geht. Natürlich freuen sie sich, wenn alle Steine aufgebraucht sind und der Turm tatsächlich steht. Das wäre ja auch komisch, wenn es nicht so wäre. Aber die meisten Kinder sind da nicht verbissen. Nur die Verbissenen sind am Ende verärgert, wütend gegen sich selbst und die anderen oder fallen gar in Lebensdepressionen.
 
Wie hat Georg Danzer mal gesungen: Tu was, dann bist was und bist was, dann hast was...Ich hab dieses Lied immer sehr gemocht, wie den ganzen Danzer und viele seiner Lieder. Er hat mit anderen Augen in die Welt geblickt.Leider ist er viel zu früh verloren gegangen.
 
Ich hab mich früher dann schon immer gefragt, was hast du davon vom *haben* und bist was* Ich jedenfalls weiss, was und wer ich bin. Das braucht mir kein anderer zu sagen. Natürlich will ich es nicht leugnen, wenn es denn dann mal einen Menschen im Leben gibt, der mich erkennt so wie ich ihn, das ist schon schön. Aber darauf hinarbeiten, etwas sein zu wollen, etwas zu haben, nö, nicht mein Ding. Ich hab eh alles was ich brauche zum Leben. Vor allen Dingen gerade in dieser Lebensphase Zeit. Was kann sich der Mensch mehr wünschen als Zeit zu haben. Ich kenne nix, was dagegen aufzuwiegen wäre.
 
Und da ich Zeit habe, tue ich jetzt gerade in diesem Moment wieder etwas, was die Leuts um mich herum nachdenklich blicken läßt und mir die Frage stellen: Wozu tust du das Roeschen? Was willst du damit anfangen? Wozu brauchst du das?
 
Ich gucke dann immer still vor mich hin und sage schmunzelnd wie das kleine Bübchen in Michael Endes Kinderbuch: Das kleine Lumpenkasperle...zum Spaß haben einfach.
 
Genau, das ist es, vielleicht ersetze ich das Wort *Spaß* eher durch *Freud* Ich mache etwas, was mir gerade Freude macht. Ich lerne eine Sprache. Die sicherlich zu nix Offensichtlichem gebraucht werden kann. Was macht der Mensch schon mit Hebräisch?
 
Mein Sohnemann hatte Humor. Der sagte sogleich, haha Mutti, dann kannste die Bibel im Orignal lesen. Immerhin. Diesen Hinweis bekam ich dann sogar noch einmal.
 
Also, ich weiss auch mal wieder nicht so ganz genau, warum ich das tue. Es war ein total sponter Entschluss. In Berührung gekommen bin ich im Laufe meines Lebens schon immer mal wieder mit dem Hebräischen. Aus tatsächlichem Studium der Bibel, aber auch aus der Beschäftigung mit dem Judentum. Ich fand schon immer, dass es eine schöne Sprache ist.
 
Ich mach das jetzt einfach mal, so dachte ich. Und so sitze ich oft jetzt an den Tagen in meiner kleinen Höhle und übe seitenlang die Schriftzeichen des Hebräischen. In ihr findet sich eine Lese- und eine Schreibschrift. Während die Leseschrift eher zackig, kantig, eckig, versehen mit Pünktchen und Linien zu erkennen ist, ist die Schreibschrift eine blumig tanzende auf dem Papier. Und so empfinde ich es auch beim Schreiben, dass ich mit dem Stift über das Papier tanze. Es schmeckt mir einfach, da so still in meinem Kämmerlein zu sitzen und mich in etwas hinein zu vertiefen, was scheinbar überhaupt nichts zu bedeuten hat für mein weiteres Leben.  Aber weiss ich´s? Eines weiss ich ganz sicher aus meiner Rückschau, alles, was ich getan habe, hat mich immer etwas gelehrt oder eben auch auf einen neuen Weg geführt, eine neue Erkenntnis, Vertiefung, Berührendes, Interessantes.
 
Vielleicht es es ja auch mal wieder so eine kleine innere unbewußte Roeschenrevolte gegen das Mainstreamgehabe oder einfach von der Gesellschaft geforderte...gehorche, konsumiere, ordne dich unter, mach was von dir verlangt wird, sei was, hab was...ich weiss es nicht.
 
Jedenfalls, ich mag Menschen, die etwas um des Tun willens tun und nicht, weil sie schon im Auge haben, was dabei herausspringt für sie. Daher mag ich mich auch, ist ja klar,-)
 


למה אתה עושה את זה (Warum machst du das)

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