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11. Juni 2017 7 11 /06 /Juni /2017 16:08


Ich habe einen Willen. Nein, ich habe eigentlich viele Willen. Heißt das so? Was ist eigentlich die Mehrzahl von Wille. Schließlich muss es das ja geben. Denn, wie ich feststelle, ich habe einen Willen für viele Willen. Hach mensch, ich gerate noch ganz durcheinander vor lauter so vielen Willen, die ich habe. Also zuerst mal gesagt, einen Willen zum Erfolg hab ich nie groß gehabt. Was bedeutet schon Erfolg. Heute Erfolg morgen gescheitert. Ist doch so. Daher hab ich diesen Willen einfach umfunktioniert zum Willen zur Zufriedenheit mit dem was ist. So!

Ein anderer Wille ist der, möglichst nicht mehr krank zu werden. Da bin ich mir jedoch bewußt, dass allein mein einziger, wenn auch großer Wille einfach nicht ausreicht. Zudem bin ich jetzt auch kein Pedant oder Eiferer geworden in Sachen Gesundheit. Ich tu was ich kann, aber auch manchmal, was ich nicht sollte. Ach mensch, das Leben wär doch sonst langweilig. Ehrlich!

Ich könnte natürlich jertzt unendlich weiter erzählen von den vielen Willen für irgendwelche Dinge oder Gemütszustände die ich habe, doch ich laß das lieber, sonst stöhnt mein geneigter Leser vor zu viel Länge meines Geschreibsels.

Einen will ich jedoch nicht vergessen zu erwähnen. Das nämlich ist der Wille zum völlig unaufgeregt sein für etwas, das geschieht oder nicht geschieht oder einfach mit der Tür ins Haus fällt, ohne angeklopft zu haben. Irgendwann hab ich nämlich kapiert, dass das Leben zweimal so schön sein kann, wenn ich mich nicht aufrege über Dinge, die ich eh nicht ändern kann oder mich gar ärgere. Ist so.

Es gibt ja solche Tage, da passieren dann Dinge nicht nur einmal, sondern zweimal, dreimal, viermal immer weiter, der ganze Tag hängt durch und ich schlittere von einem eigentlich ärgerlichen Geschehnis ins andere. Eine Reihenfolge von wir versauen dir den Tag Roeschen. Da kannst du heute noch so viel wollen wie du willst, es geht einfach nicht so, wie du willst oder es dir vorgestellt hast. Man, ehrlich, genauso ist es.

Heute. Heute begann mit Vorfreude. Sagte ich nicht, niemals zu früh freuen. Aber diesen Willen, der auch mein eigen ist, den vergeß ich einfach manchmal. Jedenfalls sie war da. Die Vorfreude. Heute nämlich wollte ich zur Eröffnung des Skultpurenparks mit Konrad Beikirchner. Hach, erstens mag ich den Beikirchner, zweitens bin ich ein Kulturfreak mit Suchtgefahr. Wenn ich immer alles könnte, was ich wöllte, ach herjeh...ich denke da nur an Kassel und die Documenta in diesen Wochen. Klagen ist jedoch nicht mein Ding. Mach ich halt das, was geht. Der Wille einfach zu machen, was geht, ist ja auch einer meiner vielen Willen. Merke gerade, dass ich doch mehr meiner Willen hier vorstelle, als ich versprochen habe es nicht zu tun.

Jedenfalls, ich hab dann nochmal nachschauen wollen wegen der Uhrzeit des Beginns der Veranstaltung. So what. Mir ist die Kinnlade runtergekippt, doof vor mich hingeguckt. Jawoll...ich bin so doof wie ein Ofen, das kommt mir immer, ich weiß gar nicht mehr, woher ich diesen Spruch habe, der ist aber da, immer, in solchen Situationen, ich find ihn einfach nur herrlich.

Also doof zu sein wie ein Ofen ist, wenn du was willst, unbedingt willst, dich darauf freust und dann feststellst, du hast dich im Datum vertan. So schnell geht das mit dem einfach doof sein. Ich hab dann noch ne Weile ebenso doof auf den Veranstaltungstermin geguckt, weil, wie das manchmal auch so ist, du willst einfach nicht glauben, was du siehst oder was du nicht gesehen hast, wie auch immer. Kann auch sein, dass ich nur so lange gucke, bis ich akzeptiere, dass ich nicht richtig geguckt habe und nun rien de va plus, nix geht mehr. Vorbei ist vorbei. Da kannste nix machen Roeschen.

Immerhin denke ich dann, ah...gestern war das ja, da hätte ich ja auch, bzw. da hätten wir ja eigentlich, meine Freundin und ich, gemeinsam dahin, dorthin maschieren können. Verwerfe den Gedanken aber sofort wieder. Blödsinn, so wie es gestern war, hat es einfach getaugt, und nicht nur mir, sondern auch ihr. Ein schöner ganzer Nachmittag bis in die Abendstunden hinein. Herz, was willst du mehr.

Daher denk ich, nachdem ich die Seite der Veranstaltung schließe, ok, machste halt was anderes Roeschen. Rad haste ja, Wetter ist prima, fast schon zu prima, denn die heiße Sonne wabert schon heftig über das Strassenpflaster, als ich dann am Mittag auf das Rad steigen will, um eine schöne Tour am Rhein, nicht nu wegen Rhein, sondern auch wegen Wind, der dort an der Uferfahrradwegstrecke leise übers Gesicht streicht und der Hitze ein kleines Gegengewicht setzt.

Zieh ich als das Rad aus dem vor meinem Haus befindlichen Fahrradständer, der immer pickepackevoll ist, leider auch mit Rädern, die nie genutzt werden, alt und gebrechlich sind, jedoch wohl niemand sich mal bereit erklärt zu sagen, ist meins, ich tu das mal weg, nä, geht gar nicht, aber was sag ich, ich reg mich nicht auf.

Hach, da kommt es langsam zur Sprache, wie ich mit all diesen ich bin so doof wie nen Ofen-Situationen oder Dingen, die ich nicht ändern kann, umgehe. Ich reg mich einfach nicht auf. Nä! Ich hab einen unverbesserlich großen Willen, ich glaube, den größten der Welt, ohne jetzt meinen Willen zur Bescheidenheit aufzugeben oder gar mit einem Angeber verwechselt zu werden, zur Unaufgeregtheit. Echt! Ganz ehrlich! Was soll ich mich auch aufregen. Das ist weder für Herz und Nerv noch für das gesamte Gemüt gut. Weil, kann ja auch passieren, dass dann einfach jemand anders, ganz Unbeteiligter wegen meiner doofen Aufgeregtheit mal was ab kriegt. Und ich hab natürlich selbstverständlich auch den Willen zu einem friedlichen Miteinander, das ist doch ganz klar.

Also Rad raus, draufgesetzt, paar Meter gefahren, jösses, da geht was nicht. Ich schaue vorsichtig während der Fahrt nach hinten zum Rad und sehe, huch, platt, oder sagen wir fast platt. Nä mit nem matten Rad kann ich nicht fahren, das geht gar nicht. Bisserl gestöhnt hab ich nun doch, für einen Moment, steig ab, schieb das Rad zurück. Sagte ich schon,  war sauheiß in der Sonne, kein Schatten da, vor meiner Tür. Beschloß ich also Luftpumpe zu holen. Ist ja nun kein Ding, mach ich halt was Luft nach und ab gehts. Aber nicht vor der Haustür. Zu heißt, einfach zu heiß. Schließ die Tür auf, trag das Rad die paar Treppenstufen rauf, wieder runter in die nächste Ebene zum Hof, öffne die Hoftür, nehm das Rad wieder, steig noch einmal paar Studen runter, stell es auf den Kopf, das Rad und will wieder hoch,  herein zur Hoftür um ganz nach oben zu gehen, Luftpumpe holen. So. Wäre doch gelacht, wenn ich dem Unvorhergesehenen nicht ein Schnippchen schlagen kann.

Hahaha..jetzt kommts. Hab ich so was schon gesehen? Ne, noch nie. Sachen gibts, die gibts gar nicht. Ich glaub, ich werd nicht mehr, mein Gedanke, als ich sah, was ich sah. Ein Schloß, dass von außen kein Schlüsselloch hat. Wieder wollt ichs erst nicht glauben, tastete vorsichtig nach meiner Brille, bisserl blind bin ich ja schon auch manchmal noch. Aber es blieb wie es ist und wie es war, wie so oft im Leben, das Schlüsselloch zeigte sich nicht.

Steh ich schon wieder doof wie nen Ofen auf dem Hinterhof, der nun nicht klein ist und blickte ratlos um mich. Gucke nach rechts, nach links, nach oben, nach ganz oben, alles ruhig, alles still. Ausserdem es ist Sonntag, den will ich nicht nur für mich, sondern auch für die anderen heiligen. Bloß kein Radau machen, brüllen oder so. Hilfe schon gar nicht. Nä.
Dennoch mußte ich mich schließlich mit dem Gedanken befassen, ich komm hier möglicherweise für Stunden nicht raus, aus dem Hof, wenn ich nicht mal brülle oder irgendwann irgendeiner kommt und auch zufällig auf den Hof will. Immerhin, Schatten ist hier ja.

Fang ich als an, die Mäuerchen zu inspizieren, wie hoch, wo runter, wohin und so. Auweia, alles dick und zu bewachsen. Irgendwo entdecke ich eine Lücke, sollte es mir gelingen von dort runter zu springen, auf das Nachbargelände, käme ich über Umweg durch deren Garagenhof wieder auf die Vorderseite meines Hauses, sprich auch zu meiner Haustür, die ich dann aufschließen kann und überhaupt wieder reinkomme, dann wäre ja alles in Butter. Gesagt getan, verwegen wie ich bin, tu ich das, was ich will. Klettere also auf dat Mäuerchen, spring ca. 2 m, gefühlt 3 m, aber ich weiss es nicht so genau, in die Tiefe und lande eigentlich recht gut, nur leider rutsche ich mit dem einen Fuß auf einer hervorgetretenen Wurzel aus und plumpse wie ein nasser Sack, peng, der Länge nach in die Büsch. Husch husch in the Bush, dachte ich, ehrlich und musste lachen. Ach, ich hab so einen verdammt starken Willen, die Dinge wegzulachen, das ist unbeschreiblich. Ich meine, es sah auch irgendwie komisch aus, wie ich da lag. Ich sah mich nämlich selber liegen. So was gibts. Nachdem ich meine Sinne wieder beisammen hatte, stand ich auf, klopte mir den Dreck von den Klamotten und humpelte ein wenig, war aber nix, wohl eher nur der Schock, von dannen zur Strasse, zur Haustür, nach oben, Luftpumpe geholt und weiter.

Ich hab so einen verdammt großen Willen weiter zu machen, wenns schwierig wird, glaub mir keiner. Ist aber so. Mit der Luftpumpe in der Hand, wieder runter, zur Hoftür, the same Procedere, Tür aber diesmal festgehakt, nicht nochmal, und nun mal heftig gepumpt. Mach ich auch, ne Weile, tut sich aber nix. Hm..Dreh ich das Rad und dreh und siehe da, da kommt die Stelle. Aufgeschlitzt. Hab ich nicht gesehen, vorher meine ich. Klein, aber fein. Die haben mir das Rad aufgeschlitzt. Gibts doch nicht. Wer macht denn so was. Nur meins, denk ich noch. Bsuffa wahrscheinlich in der Nacht. Kann ja mal passieren. So Leuts gibt, ist halt so Roeschen, kannste jetzt gar nix machen. Denn Schlauch hätteste vielleicht ja noch. Obwohl, da sind noch irgendwo paar Umzugskisten, da müßt er drin sein. Aber jetzt, heute, och nö...und ausserdem den Reifen, der ist ja auch kaputt, nicht nur der Schlauch. Na dann, isch reg mich nicht uff, ich schwitze zwar langsam vom Pumpen nach Zeit und nix passierte, aber egal. Machste halt was anderes Roeschen. Das Rad wieder brav nach oben gebracht, trepprauf, Trepprunter, in den Fahrradständer vor der Haustür, morgen ist ja auch noch ein Tag.

Erstmal Hände waschen, mittlerweile waren die schwarz wie die Nacht. Sauber machen, Rock gerade zupfen, Haare aus der Stirn, Hut wieder auf, Tasche umgehängt, gehste halt zu Fuß. Geht doch auch. Obwohl ist schon heiß eigentlich, zu heiß. Aber Rhein geht immer. Bis dahin kommen geht sicher auch, unversehrt hoffentlich. Also maschiere ich los.
An der Ecke meiner großen Einkaufsstrasse in der Nähe angekommen fiel es mir wieder ein. Wieso eigentlich nicht vorher. War doch gestern schon. Hätt ich mir doch merken müssen. Da war doch was. Ach ja..Straßenfest, jösses. Nicht das jetzt auch noch. Wäre besser andersrum gegangen. Nu war ich aber da, und umdrehen wollt ich nu auch nicht wieder. Mittlerweile war alles schon sehr durcheinander was noch vom Tagesplan meines Willens übrig geblieben war. Da musste halt jetzt durch Roeschen, dachte ich. Und wieder eine rettende Idee zur Überbrückung des Gefühls einer gewissen Aufgeregtheit oder Ärgernisses, da ist doch der Eisladen, der, wo ich immer das leckere Eis, zwei Bällchen, ich bin ein Gewohnheitstierchen, Blutorange und Erdbeer, das ist meine Eiswelt und ausserdem der nette Eisverkäufer immer sagt, bitte sehr schöne Frau, obwohl mir das grundsätzlich egal ist, ob er das sagt oder nicht, weil, was soll ich dazu sagen, aber insgesamt ist das alles in Ordnung und spornt mich jetzt an, den Weg durch die breite Masse, die da an Buden und Verkaufsständen entlangschlendert, mein Ziel möglichst schnell zu erreichen umd triumphierend mit meinen zwei Bällchen Eis von dannen Richtung Rhein zu ziehen. Hach, ich habs mal wieder geschafft mit der Unaufgereghtheit.

Selig eisschleckend und schlürfend zog ich also weiter, nur um ein paar Meter weiter dann folgendes erleben zu dürfen, nein wohl zu müssen, ich weiß es nicht. Jedenfalls, ich weiß nicht, ob der bsuffa war oder nicht, ist mir jetzt auch wurscht, so was von, jedenfalls der Depp rempelte mich an und was soll ich sagen, mindestens ein Drittel meines Blutorangeneisbällchensbällchens klatschte niedlich auf meinen Pullover genau an die Stelle wo eigentlich kein Eisbällchen zu sein hat, schon gar nicht ein mittlerweile geschmolzenes, denn klar, das suchte sich seinen Weg  auf meinem schöne grüne T-shit nach unten. Hab ich schon gesagt, dass ich mal wieder doof wie nen Ofen geguckt habe. Wenn ich mich selber angeguckt hätte, wär es mir bewußt gewesen. Aber ich kann mich ja nicht selber angucken. Manchmal tät ichs gern, ich würd sicher ausm Lachen nicht mehr rauskommen, wegen dem doof gucken meine ich. Jedenfalls der Rempler, der Depp, hat auch geguckt, aber nicht doof, sondern frech, ehrlich, isch schwöre. Gesagt haben wir aber beide nichts. Ich weiß nicht, er vielleicht aus Angst nicht, was ich sonst wohl tun würde und ich, weil, ach, mir fällt in solchen Momenten dann auch tatsächlich manchmal nix ein. Also ist es dabei geblieben. Ach ja...kann man nix machen, sagte ich ihm dann doch nach einer Weile, als er immer noch guckte. Passiert halt.

Ratlos stand ich mit meinem Hörnchen, der Rempler war seines Weges gezogen, versuchte noch etwas von meiner  Eisköstlichkeit zu erhaschen, sah aber schon doof aus alles, das bekleckerte T-Shirt, da mitten auf einer Stelle, wo es nicht gern gehabt werden will. Ich war jedoch nicht aufgeregt, Ehrlich, ich schwörs. Mir war das alles jetzt so was von egal. Nur eines wollte ich jetzt nicht mehr. An den Rhein, einfach keine Lust mehr. Dachte, nö, irgendwie geht die Serie dann weiter. Es war auch noch heißer geworden. Ich bog um die nächste Ecke und verschwand in den nächst gelegenen Stadtpark. Ist ja auch mal schön. Immerhin hatte ich meinen Churchill dabei. Dort, vor dem schön gelegenen Stadtteich mit vielen munteren Entchen, manchmal auch Fischreihern, fand ich ein halbschattiges Plätzchen auf einer Bank, wo ich endlich meine Ruhe und meinen Frieden hatte. Hier kann nix mehr passieren. Dachte ich. War auch nicht. Kam also nix mehr. Aber eigentlich hatte es genug gehabt an diesem Tag.

Ich verbrachte den Nachmittag auf diesem Bänkchen, schaute den teils lustig spielenden Kindern zu, Groß und Klein, wie sie an mir vorbeiflanierten, besonders die Dame mit Hund im Kinderwagen fiel mir auf, der ich noch fröhlich hinterherblickte, nachdem sie mir, als ich sie so im Vorbeigehen fragte, wieso der Hund im Kinderwagen und so, erzählte, der sei schon alt und kann nicht mehr wie er gern sollte möchte und daher führe sie ihn eben im Kinderwagen. Fand das drollig. Aber auch den Himmel beobachtend, weil, ich sah dann nach fortgschrittener Zeit, dass da sich was zuzog, konnte die mächtigen Wolkengebilde bestaunen, die das Blau des Himmels verdrängten und ab und an jetzt auch ein leichter, wenn auch warmer Wind durch die Wipfel der Bäume strich.

Ich meinte, es sei Zeit nun, nach Hause zu gehen, mir ein Kaffeechen zu machen, meinen Balkon zu besuchen, mal was hier reinschreiben, damit vielleicht der eine oder andere mir geneigte Leser von mir die Botschaft liest: Es nutzt gor nix, sich aufzuregen oder zu ärgern, die Dinge ändern sich dadurch nicht. Es könnte sogar passieren, dass es weitergeht, mit dem Unvorhergesehenen, Hinderlichen, was auch immer.

Da kann der olle Schopenhauer sagen wat er will, von wegen der Wille ist nicht dienlich. Ich meine doch, tät ich ihm jetzt auch sagen, wenn er vor mir stünde. Mein Wille zur völligen Unaufgeregtheit hat mir schon so manch schöne Stunden des Lebens geschenkt. Mir nach!

 

 

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