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19. Juli 2017 3 19 /07 /Juli /2017 15:10
Ich werde früh wach wie immer. Auf das Dachlukenfestern tanzen die Regentropfen. Hoffentlich nicht heute den ganzen Tag mein erster Gedanke. Vielleicht klopft ja auch der, den ich so mag mit den Tropfen an mein Fenster. Ach, dann soll es weiter regnen, das wär mir egal. Draussen ist es grau in grau, aber meine Welt in mir ist bunt. Freude macht das Leben bunter. Leg mich noch mal hin und träume. Träumen kann so herrlich sein. Blicke mich im Zimmer um. Eigentlich alles schon entdeckt, gestern, dachte ich. Manchmal gibt es in Räumlichkeiten doch noch klitzekleine Dinge zu entdecken, die übersehen wurden. Da, auf meinem Nachtischchen steht eine Vase mit Kunstblumen. Herjeh...Wer findet denn so was schön. Ich nicht jedenfalls. Find die superhäßlich. Gab es nicht mal eine Zeit, in den 60ern, da war das angesagt? Also, nix gegen Nierentische, Schalensessel und Neonfarben, schrill und schräg, aber Kunstblumen, ne, das geht mir dann doch zu weit. Wozu stellt Jemand so was in ein Zimmer, heute, frag ich mich. Dann doch lieber gar nix. Vor allen Dingen, wenn der Inhaber des Zimmers, der Pension, ein Naturliebhaber ist und gerade in diesem Moment in den Bergen des Himalayas wandert, klettert oder sonst was macht. Komisch.
 
Jedenfalls, ich glaube nicht so richtig, dass es die Liebe zur Pflanzenwelt ist, die ihn daran hindert Frischblumen in ein Väschen zu stellen. Eher eine kleine lieblose Gleichgültigkeit. Empfinde das so. Schaut einfach nach nix aus. Leer. Ich liebe frische Blumen. Muss nicht die ganze Wohgnung voll davon sein. So ein kleiner Strauß auf dem Tisch, der Jahreszeit gemäß, erwärmt mein Herz jedenfalls. Es gibt auch Leuts, die jammern über abgeschnittenes Blumenwerk. Bei ihrem Anblick. Versteh ich nu nicht. Die selben Leuts jammern nicht, wenn ihnen ein geliebter Mensch stirbt oder es ihm schlecht geht. Da komm ich einfach nicht mit. Was soll´s, ist ja nicht mein Gefühlsleben. Jeder ist auf seine eigene Art komisch.
 
Frühstückshunger meldet sich. Das vegane Mettbrötchen vom Abend hat nicht lang vorgehalten. Unten im Frühstücksraum sind einige Tische gedeckt. Also, biste doch nicht allein hier Roeschen, obwohl ich Niemanden hörte oder anderswie wahrgenommen habe. Finde die Frau, die das alles managet, Frühstück und Räumlichkeiten, mit allem, was dazu gehört. Sympathisch ist sie. Kommt aus Berlin. Merke sofort, die Sympathie ist beidseitig, denn wir kommen sofort ins Gespräch. Frauen sind doch offener was das Erzählen über das Leben angeht. Besonders, wenn sich nicht gut gekannt wird. Einem neutralen Menschen etwas zu erzählen hat ein eigenes Geschmäckle. Du weißt genau, du siehst ihn nie wieder und er kann nichts gegen dich verwenden, ebenso umgekehrt.
 
Hat ne Trennung hinter sich, die sympathische Frau, wohl etwas jünger als wie ich. Wollte dann räumlichen Abstand und ist nach Leipzig gegangen. Räumlichkeit verschafft Abstand, das kann schon helfen, besser zu verarbeiten. Ich kann das bestätigen. War ja auch mein Weg, damals, vor Jahren, als ich mich in Frankfurt niederließ. Es war nicht einfach, sagt sie. Nun geht auch sie, wie ich, allein durchs Leben. Fühlt sich aber gut und in Ordnung an.
Gibt es gute und warmherzige Worte zwischen Menschen, schmeckt das Essen gleich viel besser, auch wenn es nix Besonderes ist. Satt macht dann doch Beides. Ob auch andere Gästen touristisch hier seien frag ich sie. Gemischt sei es, die einen kommen um Leipzig zu besuchen, die anderen, Monteure, kommen dann hier unter. Trinke meinen Kaffee, rauche meine Frühstückszigarette und mache mich auf den Weg in die Innenstadt. Will zu Fuß. Das ist aber weit, sagt sie, die Frau. Macht nix, ich hab ja erstens Zeit, zweitens  seh ich doch viel mehr. Immer wieder staune ich, dass zu Fuß gehen heute eine Sensation ist. Meistens siegt die Faulheit bei den Menschen. Ist so. Bequemlichkeit.
 
Der Mensch braucht Haltung, für das Leben, durch das er schreitet. Haltung haben heiß nix anderes, als zu dem, was man will und tut, zu stehen, und zwar nicht nur für einen Moment, weil irgendwas gerade angesagt ist und man sich gern in die Reihen der anderen stellt, sondern auch dann, wenn man allein damit steht. Meinungen findet man oft, aber die ändern sich ja stetig, wie der Wind gerade weht und dann ists meistens ja nicht mal die eigene. Egal, ich lauf los, genug der Gedanken in diese Richtung.
 
Es nieselt noch immer und die Luft kühl und frisch, fast schon herbstlich. Vor mir auf dem Boden liegend, schon braungefärbte Blätter, liegen da, wie bestätigend, dass dieser Sommer nicht so richtig Sommer ist. Laufe wieder den Weg vom gestrigen Abend, Connewitz, Richtung ganze südliche Vorstadt, die in den Innenstadtbereich führt. Finde alle meine gestrigen Eindrücke bestätigt. Es herrscht zwar etwas mehr Autoverkehr, aber ansonsten sind  Menschen, die die Strassen bevölkern, eher seltener anzutreffen.
 
Nachdem ich Connewitz hinter mir gelassen habe, komme ich an den Karli, wie die Leipziger liebevoll sagen, genauer gesagt, die Karl-Liebknecht Strasse, die sich hineinzieht in die City. Hier macht es richtig Spaß entlang zu flanieren. Kleine Geschäfte, Cafes, die hübsch anzusehen sind. Da macht es noch Freude, die Auslagen zu bestaunen. Hier gibt es keinen Pofel, der den Menschen ausgeteilt wird. Hier hat Kreatives und Indivudelles seinen Platz erobert. Komme an einen riesigen verschrobenen alten Plattenladen, der mein Herz frohlocken läßt. Hier kann ich stöbern, hier kann ich sein. Kauf aber nix, genug ist genug, Reisekosten, Konzertkarte und die Unterbringung. Auch bei den Klamottenläden staune und bewundere ich, ich muss ja nicht alles haben. Kleine schnuckelige Schnickschnackgeschäfte mit indischem oder asiatischen Devotionalien, Räucherwerk und anderem, Dampfläden für die nicht mehr richtigen Raucher, alles schön sortiert und ausgestellt. Macht Laune. Heutzutage ja nur noch selten zu finden in den gleichgestalteten Shoppingmeilen der Großstädte in denen gleichgeschaltete Menschen sich den Pofel zuteilen lassen, damit sie wie die anderen aussehen und sind. Unfiform gleich. Ist auch bequem nicht selber denken.
 
Komme an einem hübschen Cafe vorbei. Draussen sitzt Niemand. Es tröpfelt immer noch. Ich hab ja meine Mütze an, macht also nix. Will eigentlich nicht rein, doch fällt mein Blick auf das Namensschild des selben. Steh da: Hotel Seeblick! Hihi, denk ich. Geh mit nem Fragezeichen im Kopf weiter, aber nur ein Stück. Miss Marple, so nennt man mich auch, muss es jetzt wissen. Geh also wieder zurück, geh rein und frage, wieso? Hotel Seelblick. Dieser Name an einer großen Strasse mit Häuserzeile gegenüber. Ach, sagt sie, die Bedienung, einfach so, weil erstens, ist das hier kein Hotel, zweitens gibts auch keinen See. Lustig und schräg. Coole Idee. Hätte ja sein können, Ihr wißt schon vor drölfhundert Jahren hatte es hier mal, See und so. Sie will mir einen Kaffee anbieten, aber ich brauch jetzt keine koffeinhaltige Stimulation.Später dann. Wünsche noch einen guten Tag und zieh meines Weges weiter. Also, ich will mal was sagen, das hab ich schon im vorigen Jahr auf meiner Radtour Frankfurt-Berlin erfahren, die Leuts sind alle unglaublich freundlich. So freundlich, dass es schon ungewohnt ist für einen Großstädter der angenervte Leute da anzutreffen pflegt, wo eigentlich Dienstleistung sichtbar sein sollte. Lustlosigkeit und Abgespanntheit sind viel mehr die Tragsäulen des einsam dahinrotierenden Angestellten in Verkaufsläden. Ist so. Könnte ich Bücher drüber schreiben.
 
Die Geschäfte haben oft sehr einfalssreiche Namen, wie *Wörtersee* für eine Buchhandlung  *Unikaterie* für hübsch anzusehen und selbst geschneiderte schöne Frauensachen oder Sprachwohnzimmer für eine kleine Sprachschule. Gefallen hat mir auch der Spruch eines kleinen Geschäftes für Büromöbel, vorwiegend Schreibtische. Dort fand ich: "Der Schreibtisch, ein Ort, an dem sich die Welt entscheidet". Sehr schön und viel Wahrheit dran.
 
Erfrischend auch das nicht der Lebensmittelkonzern mit den vier Buchstaben seine Domizile hier errichtet hat. Gibts zwar schon, jedoch nur vereinzelt. Gut so. Find sowieso merkwürdig, dass das möglich ist und dass die dafür zuständige Behörde nicht endlich mal Einhalt gebietet. Hier gibt es noch Einkaufsparadiese, die *Konsum* heißen. Konsum, ein lustiger Name, erinnert mich auch zugleich an meine Kinderomazeit, als ich mit Oma in den naheliegenden Konsummarkt ging und schon voller freudiger Erwartung war, dass es an der Kasse nach dem Bezahlen anstatt für Pfennige immer ein paar buntleuchtender Bonbons gab. Süßigkeiten, damals, waren doch eher selten, in die ich in Genuß kam. Und ich hab die ewig gelutscht, diese sauer-süß schmeckenden Köstlichkeitzen, die das Leben, wohlgemerkt das Kinderleben so reich machten.
 
Nach ca. 7 km Fussmarsch von meiner Pension aus, gelange ich endlich in die Innenstadt. Sie präsentiert sich ebenso wie die Vororte in gross und weit angelegten Plätzen, breiten Strassen und wenig Menschen. Kaum zu glauben. Ich flaniere durch die Straßen, entdecke kleine Passagen in den Straßen, erinnert mich ein wenig an Paris. In diesen Passagen wiederum hübsche kleine Lokalitäten oder Lädchen. Herrlich. Wirkt alles so beschaulich und gemütlich. Ich mache ein Foto nach dem anderen. Will mitnehmen, die bildhaften Eindrücke. Immer wieder auch kleine Parks und Grünflächen, teils sind sie zwar verwildert, das hat aber auch seinen Reiz. Mir gefällt das, muß nicht immer alles so wohlfeil geordnet und zurecht gestutzt sein. Wo der deutsche Ordnungssinn uns schon überall hingeführt hat, wissen wir ja und da krieg ich immer das Schaudern. Auch im privaten häuslichen Rahmen ist er manchmal schon eine fast trostlose, gar beängstigende Angelegenheit. Denk dann immer, auweia, wenn die Fassade mal bröckelt.Dann lieber so und gut ist.
 
Jetzt soll ein kleines zweites Frühstück her, erstmal. Finde auch ein recht hübsches, fast schräg gegenüber von der Niccolaikirche, an einem Platz, der weite Aussicht hat und mach es mir unter einem großen Schirm gemütlich. Ingwertee, der durchwärmt, Müsli, das den Bauch füllt. Da sitz ich wieder und gucke doof in die Welt hinein, staune, freue mich an allem. Und was soll ich sagen:
 
Da sitzt er plötzlich neben mir, so wie ich, verträumt um sich schauend. Der olle Brian Setzer himself. Schaut zu mir herüber, ich zu ihm. Sage, nice to see you. Come from Cologne to see you und admire her great guitar playing. Wow. Er lächelt ein wenig geschmeichelt, aber freut sich. Ich wußte einfach, dass er ein cooler Typ ist. Er kommt zu mir an den Tisch und erzählt von den Erlebnissen seiner Tour, fragt mich, ob Rockabilly in Deutschland noch ein Thema ist. Klar sag ich ihm, es gibt Festivals und coole Bands, die ihn pflegen. Da freut er sich. Und sage ihm, das sicher alle, so wie ich, die ihn leider noch nie live gesehen habe, voller Erwartung und Vorfreude auf das Konzert heute Abend sind. Er erzählt noch ein wenig aus dem Vorleben seiner Jugendjahre und den wilden Zeiten. Ruhiger sei er geworden, aber der Rock´n Roll ist immer noch voll da und das werd ich ja dann auch am Abend erleben dürfen. Dann verabschiedet er sich und sagt, seine Leuts warten, Soundchecks und so. Alles klar, er gibt mir einen Kuß auf meine Wange und sagt, very nice und geht.
 
Ach herrlich...Ich schaue ihm nach und ja, Ihr habt es Euch sicherlich gedacht...Alles nur ein Traum, hihi. Aber ein schöner Röschen-Traum. Wohl einfach dahergekommen. Wahrscheinlich, weil die beiden Ehepaare an meinem Nebentisch einfach nur schrecklich anzusehen und anzuhören waren. Ich bin son Typ. Von doofen Sachen träum ich mich einfach weg. Ich kann das wie nix. Aber ewig kann der Mensch ja nicht träumen. Irgendwann muss er sich der Realität stellen. Und das sind nun mal diese beiden Ehepaare, die ich noch eine Weile beobachte aus den Augenwinkeln und ihren Gesprächen ungewollter Weise zuhören muß. Die sind so Mitte 60 wohl. Die Frauen unscheinbar adrett-nett gekleidet, Haare kurz und zweckmäßig, Birkenstock an den Füßen, Brille und verkniffenem Mund dasitzend. Die Herren immer wieder zurückkehrend zu des Mannes Lieblingsthema, das Auto. Klar, was sonst. Die Frauen blicken derweil stumm um sich, gelangweilt. Die Herren übrigens auch zweckmässig in Jeans und Turnschuhen mit Freizeithemd und Freizeitblick.
 
Also ich kann mich dessen oft nicht erwehren, darüber nachzudenken, was solche Ehepaare noch verbindet. Ehrlich. Ich kann da nix für. So wie die da sitzen und eher gelangweilt dreinschauen und versuchen das Gemeinsame zu schaffen, das aber doch scheinbar nicht die Nähe gibt, die sie sich vielleicht wünschen. Was führen die wohl für eine Ehe nach langer Zeit. Haben die noch Verlangen aneinander? Auweia...ich will das jetzt gar nicht vertiefen, aber ist halt so, dass ich es manchmal denke, bei einigen. Ist ja auch nicht immer so. Weiß jetzt auch nicht, ob ich mich dieser Gedanken schämen muss.
 
Ich gehe mal einfach weiter, gedacht und getan. Geh mal zur Thomaskirche und bestaune das Wunderwerk der neuen Bachorgel. Würd sie gern mal anhören, aber zu dieser Zeit geht da nix. Auf dem großen Platz vor der Thomaskirche gibt es eine Ausstellung. Dort findet man ausgestellt große jüdische Sportler, die maßgebend waren für die Entwicklung des Sports in Deutschland. Diese Ausstellung soll sie nachhaltig würdigen, auch weil sie zum großen Teil im Nationalsozialimsus, verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Unter ihnen finde ich auch Emanuel Lasker, einer der größten Schachspieler aller Zeiten. Muss sagen, viele andere darunter waren mir kein Begriff. Es war daher interessant dort ein wenig zu stöbern.
 
Das Bachmuseum hätte ich ebenso gern besucht, da es Montag ist, was ich zuerst gar nicht so im Kopf hatte, entdeckte ich vor der Türe erst, war es leider geschlossen, wie alle Museen in ganz Europa. Kann sich eigentlich gut gemerkt werden.
 
Irgendwann hatte ich keine Lust mehr, genug Seightseeing. Ich wollte mich nun mal schon langsam auf den Weg zur Parkbühne machen. Da das Wetter mittlerweile regnerisch beruhigt war, kam mir der Gedanke in dem Park einfach zu warten. Vielleicht bekomme ich was vom Soundchek mit. Gedacht, also getan. Ungefähr die Richtung kannte ich. Aber irgendwie habe ich mich dann doch verlaufen. Passiert halt. Sehe da zwei Männer mit ner Karte herumschlendern, dachte, sprichst die mal an. Mach ich auch. In diesem Falle zögere ich dann nicht lange. Wohin ich wöllte, fragen sie mich. Parkbühne! Ahhh Brian Setzer, da wollen wir auch hin. Cool sagte ich. Da sie jedoch nicht direkt, meinten, sei doch noch viel zu früh, ich aber, ich will halt schon gucken, erklärten sie mir den Weg ihres Wissens nach. Herausgestellt hat sich im Nachhinein, der war total falsch. So sinds die Leuts, meinen etwas zu wissen, was sie doch nicht wissen. Kann man auch auf jeden Lebensbereich anwenden, diese Erkenntnis. Aber ich bin ja nicht doof, auch wenn ich mal doof in die Welt gucke, ich finde meinen Weg immer, selbst im fernsten Hindukusch. Ich frag dann eifnach weiter und irgendeine Antwort wird dann schon stimmen. Hats auch am Ende. Hat gar nicht so lang gedauert. Da find ich den Park. Schön ists, von weitem hör ich tatsächlich schon nen kleinen Soundcheck. Krieg ich Gänsehaut. Man, was freu ich mich auf den Abend.
 
Es gibt verschiedene gemütliche Lokalitäten, in denen ich mir einen Platz suche und mir ein kleines Eis genehmige. Sitze da, schaue, schreibe in mein Tagebuch und da kommen die beiden Herren vom Mittag auch angewatschelt. Entschuldigen sich gleich vielmals, dass es der falsche Weg gewesen sei, den sie mir gezeigt haben. Macht nix, ich bin ja da und ihr auch. Die zwei setzen sich zu mir und wir teilen ein wenig unsere Vorfreude und unsere Leidenschaft für Brian. Die beiden sind echt lustig, Gitarrenfreaks auch. Haben einige zuhause, u.a. hatten sie sich erst am vergangenen Samstag eine Gretschgitarre, wie auch Brian sie spielt, in Hannover in einem exclusiven Gitarrenhandelt gekauft. Sagen aber, sie spielten zwar, jedoch stümperhaft. Tja, was soll man auch sonst sagen angesichts der Gitrrenkünste vom ollen Brian sagen. Ein Songtextheft vom Brian hatte einer auch mitgebracht und hoffte, dass er am Abend nach dem Konzert seine Unterschrift gäbe. Die Beiden waren auch hin- und weg. Waren absolute 50er-Jahre-Freaks. Und dann war es endlich soweit. Einlaß. Vor dem Eingang standen einige Besucher, die wohl noch Karten wollten. Ich habe das gar nicht so mitbekommen, jedenfalls, es war ausverkauft, als ich dann später erfuhr und es mussten einige draussen bleiben. Aber hören konnte man überall gut. Es war eine kleine Bühne mit Fassungsvermögen von ca. 1000  Leuten. Hat mich ein wenig an den Palmengarten in Frankfurt erinnert, wo ich ebenfalls einmal die legendären Omer & The Howlers bewundern durfte. Im Gegensatz zu Brian jedoch, war der damals nicht so richtig in Spiellaune. Hat eher so ein wenig akurat und geschäftlich seinen Auftritt damals abgerissen. Dennoch war er natürlich gut. Aber ein Brian in Spiellaune ist da schon was anderes. Jedenfalls, das durfte ich zwei Stunden später dann erfahren, hören und sehen, so daß mir buchstäblich Hören und Sehen verging. Wahnsinn.
 
Beim Leutegucken entdecke ich auch ein paar irre fein gekleidete Rockabillyladys- und herren. Ein echter Hingucker und Highlight. Mache ein paar Fotos von ihnen, was sie gern zulassen, denn, wer sich so fein herausputzt, der will ja auch festgehalten werden. Schöne Klamotten einfach.
 
Die Vorband, Miss Mary Ann, zwar weichgespült, aber machten gut Stimmung als Vorprogramm.  Aber dann...aber dann kam er..und alles war wie im Taumel, jedenfalls ich. 58 Jahre ist er nun alt der olle Brian, aber noch frisch wie ein Jungstar. Er rockte und wirbelte über die Bühne, wechselte seine Gitarren wie andere Leuts Hemden und zeigte was er drauf hatte. Ganz sicher hat er ab und an ein wenig mit seinem Können kokettiert. Er wollts halt mal richtig zeigen. Na und..Soll er doch. Mir gefiel das. Finds herrlich wenn die älteren Herren noch mal zeigen, was abgeht und was sie beherrschen. Warum denn auch nicht. Die Zuschauer tobten und tatsächlich wie von mir erträumt fragte Brian doch einmal das Publikum, Deutschland mag Rockabilly oder? Alles brüllte, war eigentlich nicht nötig, denn man sah es. Die Fans gingen ab wie nur was, es wurde getanzt und enthusiastisch mitgesungen zum Teil und immer wieder Sympathiebekundungen für Brian, aber auch für seine Band, die hervorragend spielte. Der Schlagzeuger arbeitete wie jeck, man sah es ihm an und haute die Beats raus wie nur was. Brian spielte Brandbreite, nicht nur die Rockabilly Riot Songs sondern auch die  alten  Stray Cats Sachen. Natürlich Stray Cats Strut, Rumble, wer konnt e da noch still stehen bleiben. Ich jedenfalls nicht. Und das alles so virtuos, dennoch spielerisch mit Freuden. Ja, man sah dem ollen Brian seine Spiellaune einfach an. Er sah dass er vom Publikum eine Antwort bekam, in dem es mitging, sich über jeden Song freute und seine generöse Art und Weise die Gitarren zum Klingen zu bringen euphorisch feierte. Was für ein Gitarrensound da erschallte an diesem Abend, das ist doch live noch mal anders als wie auf einer Schallplatte. Und ihm dabei zu sehen, wie er da sich nach einer halben Stunde von seinem Nadelstreifenjacket verabschieden musste, aber im weißen Hemd nicht genau so toll aussah, wie mit, ließ mich fast an Teenagerzeiten des ohnmächtig werdens erinnern. Nein, nein, so schlimm wars bei mir nun nicht, aber ich war selbstvergessen, hin- und weg, einfach nur mich noch taumelnd fühlend. Man, dachte ich, vielleicht war das das nicht nur das erste sondern auch das letzte Mal dass ich ihn live erleben durfte. Weiß mans. Jedenfalls, so ich könnte, selbst mit Rollator, würd ich hin. Das ist doch wohl mal klar.
 
Fast 2 Stunden dauerte sein Auftritt. Und ich glaube ja, er hätte auch noch weitergespielt, wenn es da nicht die Zeitbeschränkung wegen der umstehenden Wohnhäuser gegeben hätte. Das war im Palmengarten auch immer so. Spätestens ab 22.oo Uhr musste schluss sein. Kann ich ja auch verstehen, dennoch war es so traurig. Zwei Zugaben gab es. Sleepwalk..einfach nur herrlich, wie er dann bei der vorletzten Zugabe in seinem chwarzen Riot-t-shirt da saß und es einfach hin zauberte. Oh man, ich war den Tränen nah, ehrlich, isch schwöre, es war einfach nicht zu beschreiben, dieser Moment. Er hätte das Ewigkeiten weiterspielen können, mir wär nicht langweilig davon geworden. Man ich bin so verrückt, ich glaub es selber manchmal kaum. Aber es kam wie es nun mal kommen musste. Die Bandmitglieder kamen ebenfalls nochmal auf die Bühne und spielten Rock his town. Rock Leipzig, Rock das Leben, Rock die Welt. Yeah Rockn´Roll ist die Revolution immer noch. Man muss sich nur davon erfassen lassen.
 
Hach ne, Rock his town im Ohr so ging ich in den dunklen Park. Fand meine zwei Herren wieder, die mich freundlicherweise bis zur Innenstadt begleiteten, damit ich nicht allein durch die fremde Stadt spazieren musste. Ich fand das sehr nett. In einer Pizzeria fragte ich, ob man mir ein Taxi rufen könne, was sie auch freundlich und bereitwillig taten. Wunderbar! Ein wunderbarer Brian-Setzer Abend. Unvergeßlich! Aber auch eine schöne Begegnung mit der Stadt Leipzig. Ich werde Beides gut in Erinenrung behalten.

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Published by Fernweh - in konzerte
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