Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
25. August 2017 5 25 /08 /August /2017 11:26

 

Jetzt ist es wieder soweit. Kennt Ihr das? Manche Träume die im Leben geträumt werden brauchen Zeit. Die Zeit muß reif sein, einen Traum zu verwirklichen. Der Alltag hat dich gefangen, du machst dies und das, aber der Traum ist da in Dir.
 
Ich habe viele Träume noch, Gott sei Dank. Ein kleinerer Traum war schon in mir anwesend seit meiner letzten Schleswig-Holstein-Radtour vor vielen Jahren. Damals bin ich das erste Mal mit der Möglichkeit eines zu befahrenden Radpilgerweges in dieser Region, der sich *Mönchsweg* nennt, konfrontiert worden. Das will ich auch mal machen, dachte ich damals. Ist nun aber schon Jahre her. Ehrlich. Ich hab in der Zeit seitdem so Vieles erlebt, Schönes und nicht so Gutes, viel gekämpft und gerödelt, aber der Traum war immer da.
 
Und nun, von einem auf den anderen Tag, hab ich beschlossen, ihn zu verwirklichen. Das ist immer so bei mir. Dinge gären und gären und plötzlich sag ich *Jetzt* Wann dann. Neulich sagte ein von mir sehr wertgeschätzter Mensch: *du machst einfach was du willst* Ich hab noch lange über diesen Satz nachgedacht, ob das stimmt. Das Ergegbnis war. es stimmt. Also, ich hab schon auch viel Verantwortung getragen, aber die Möglichkeiten, die sich mir boten, hab ich tatsächlich dazu genutzt, zu machen, was ich will. Ich glaube schon, dass eine Einschätzung meinerseits als *unberechenbar* leider all zu wahr ist. Das betrifft nicht nur meine Taten, sondern auch oft meine Reaktionen, Gedanken und Gefühle. Ich mag mich aber so nunmal. Ich fühle mich dabei lebendig.
 
Nun geht es los. Am 4. September dieses Jahres werde ich meine Radpilgertour auf dem Mönchsweg von Bremen nach Puttgarden endlich beginnen.
 
Das Experiment bezieht sich darauf, dass ich ähnlich wie ein von mir geschätzter Autor, der leider schon verstorben ist auf tragische Weise, diese Pilgertour unternehmen möchte. Michael Holzach hieß er und ist einmal ein Jahr lang mit seinem Hund Feldmann durch Deutschland gewandert, und zwar ohne Geld. Darüber hat er dann später ein Buch veröffentlicht, das ich nur Jedem wärmstens ans Herz legen kann. Es war eine existenzielle Erfahrung, die Holzach damals gemacht hat. Erfahrungen über Gastfreundschaft, Freundlichkeit der Menschen, aber auch über den troslosen Mief unseres schönen Deutschlands, das zu dieser Zeit das aufstrebende Wohlstandsland genannt werden durfte. Wie reagieren Menschen auf Bitten nach Unterkunft und ein Essen.
 
Gut, so ganz werd ich sicherlich nicht darauf verzichten, mein Sicherheitspaket im Rücken zu haben. Aber ich werde dieses Experiment auf diesem Weg versuchen zu praktizieren. Das bedeutet, ich werde nach Unterkünften und Mahlzeiten bitten, möglicherweise anbieten, auch eine kleine Arbeit dafür zu verrichten. Mal sehen, wie das so geht. In Gedanken stell ich mir gerade immer mal vor, wie es ist, am Morgen nach dem Aufstehen in eine Bäckerei zu treten und zu fragen, ob mir Radpilger ein kleines Frühstück gewährt wird oder eben auch später dann nach vollendeter Tagesfahrt bezüglich Abendessen und Schlafstätte. Ich bin schon ganz aufgeregt bei diesem Gedanken, wie ich mich fühlen werde bei diesen ja man muß es schon so ausdrücken *Bettelbitten*
 
Immerhin tröstet mich der Gedanke, dass die frühen Pilgerreisen von Menschen nur so auf diese Art und Weise praktiziert werden konnten, denn oft waren es Menschen, die über kein großes finanzielles Polster verfügten, aber immer einen tiefen Grund hatten, der mit ihrem Leben zusammenhing, eine Pilgerreise anzutreten, um auf diesem Weg entweder mehr Klarheit zu bekommen, wie ihr weiterer Lebensweg verlaufen soll oder aber einfach etwas hinter sich zu lassen und die Strapazen als Zeichen für eine Vergebung ihrer möglicherweise begangenen Lebensfehler zu erhalten.
 
Ich muss sagen, bei mir ist eigentlich keines der drei genannten Möglichkeiten aktuell. Ich möchte eigentlich einfach nur aus Freude an der Natur und Interesse an diesem Weg, der ja die Spuren der Christianisierung in Schleswig aufzeigen wird, aufbrechen. . Und natürlich auch nach dem Wunsch einmal wieder für eine, wenn auch kurze Zeit, diese Freiheit auf dem Rad zu genießen, ich mit mir allein und angewiesen sein auf mir Gutem Widerfahrenden. Es ist einfach eine ganz andere Art des Reisens.
 
Neulich las ich in einem Bericht, dass die Menschen verlernt haben zu reisen. Allenfalls buchen sie Dreitagestouren oder kurfristige Aufenthalte in Sätdten oder Ländern und planen schon alles im voraus. Hotel, Route usw. Gut, meine Route steht natürlich auch fest. Aber wie mein Tag verläuft, wo ich lande, was mir vors Auge springt, was mein Interesse weckt, das ist überhaupt nicht vorhersehbar und natürlich eben auch die Erlebnisse, die ich mit Menschen auf diesem Weg haben werde. Das macht es für mich so spannend.
 
Allein reisen, ohne Planung, in ein Land oder eine Stadt bedeutet nichts mehr als dass du ganz allein auf dich angewiesen bist, aber auch auf das Wohlwollen der Menschen, die dir entgegentreten. Nie fühlst du dich so allein als bei einer wirklichen Reise in eine fremde Umgebung. Reisen bedeutet nichts anderes als *unterwegs* sein. Es ist kein Urlaub, es ist eine Tätigkeit, in der du dich selber ein großes Stück mehr kennenlernst, aber eben auch Land, Leute und Kultur. Und es ist ganz sicher der Ort einer Erfahrung über die kleinen Dinge des Lebens, die meines Erachtens das Leben mehr bereichern als die großen Kulturstätten wo alle mit smarthphones bewaffnet in Selfiementalität ihre Anwesenheit dokumentieren und am Ende nicht mal drüber nachdenken, dass sie eigentlich *nichts* gesehen haben. So sehe ich das jedenfalls. Meistens fällt ihnen das nicht mal auf. Sie haken ab und haben schon das nächste Ziel vor Augen. Für mich wäre das nichts, son Typ bin ich einfach nicht.
 
Manchmal hab ich doch den Eindruck, ich bin hineingeworfen in eine Welt, in die ich nicht so ganz hineinpasse. Aber daran kann ich ja nichts ändern. Auch ich muss sehen, wie ich irgendwie durch die sich ständig verändernde Welt mit meinem Leben durchkomme, ohne unterzugehen.
 
Ich habe noch eine Menge zu planen für diese Zeit, was mir mehr und mehr Erwartung und Vorfreude beschert. Die erste Übernachtung in Bremen ist erstmal gebucht. Aber dann, ab dem nächsten Morgen, wenn die erste Route Richtung Zewen geht, wird es ernst.
 
Ich freue mich drauf und werde natürlich versuchen, hier in meinem Blog meine Erfahrungen und Erlebnisse festzuhalten. Denn wie sagte Frisch so schön: Wer schreibt liest sich selber,-) Und vielleicht hab ich ja auch den einen oder anderen geneigten Leser, der gern Anteil nimmt an allem, was ich so treibe:)

 

 

Diesen Post teilen

Repost 0
Published by Fernweh - in reisen
Kommentiere diesen Post

Kommentare