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3. September 2017 7 03 /09 /September /2017 09:04

 

Es ist Sonntagmorgen. Ich stehe mit meinen Wollsocken auf dem Balkon und lausche der Stille des heiligen Sonntags. Ja, für mich hat ein Sonntag ein heiliges Geschmäckle. Warum werden sich manche fragen. Ja, was bedeutet denn das Wörtchen *heilig* eigentlich. Darüber denke ich nach, während ich auf meinem Balkon stehend in den blauen Himmel schaue, spürend, wie meine Füße in den Wollsocken von der kühlen Temperatur, gerade mal 7 Grad, langsam beginnen zu frieren. Ich ziehe mich nicht zurück und spüre der Kälte, die in meinen Körper von den Füßen hinauf in meinen Körper zieht, nach.
 
Heil, das ist das Wort, dass sich wiederum im *heilig* finden läßt. Heil sein! Das wünsch ich mir so oft, dass ich heil werde von allen Kränkungen, Verletzungen und Schmähungen, die der Mensch im Leben so erfährt. Heil werden, das wünsche ich auch denen, wo ich selber dazu beigetragen habe, dass in ihnen vielleicht etwas verletzt worden ist.
 
Der Sonntag ist heilig. Es ist ein wohl menschlicher sehnsüchtiger Traum, dass die Welt insgesamt heil wird von der Zerstörung, dem Irrsinn, dem Krieg, der Gewalt, der Gier, dem Egoismus und der Lieblosigkeit. Es wird jedoch ein wohl imemr währender Kreislauf bleiben, damit muss ich mich, damit muss sich die Menschheit abfinden. Darin den eigenen Weg finden, möglichst unbeschadet, das ist das Einzige, was wir wohl vermögen tun zu können.
 
Aber der Sonntag, jeder Sonntag schenkt uns ein Stückchen Heiligkeit. Wir haben es in der Hand diesen Tag, an dem zumindestens überwiegend die meisten Menschen endlich rasten können aus der Welt des Rennens und Leistens. Ein Geschenk so sagt es die alte Schrift der Gottesgläubigen. Am 7. Tag sollst du ruhen. Und während ich darüber nachdenke, freue ich mich, dass ich es in meinem kleinen Umfeld spüren kann, dass hier zumindestens alles ruht. Noch.
 
Ich stehe still und lausche. Heute ist der letzte Tag vor meiner kleinen, aber hoffentlich feinen Radtour. Ich spüre meinen Gefühlen nach, die ob dieses Gedanken in mir sind. Ein wenig Ängstlichkeit ist da auch, wegen dem Ungewissen, dem nicht Vorhersehbaren. Sogar der Gedanke, warum machst du das Roeschen keimt in mir hervor. Kennt Ihr das. Ihr ringt euch endlich ab, das zu tun, wo ihr schon lange von geträumt habt und dann kommen plötzlich Zweifel in einem auf. Muss das sein, warum eigentlich. Da wo du bist, ist es doch  schön, ruhig, gemütlich, friedlich, fast keine Schwierigkeiten. Wieso sich eigentlich freiwillig Schwierigkeiten aufbürden.
 
Schnell verweise ich diese Gedanken in die Schranken, denn die Erinnerung sagt mir, alles was ich jemals in dieser Weise in meinem Leben getan habe, hat mich auf meinem inneren Entwicklungsweg ein Stückchen weiter und näher zu mir selber gebracht. Also los, verschwindet ihr unnützen Gedanken.
 
Seelenruhe ist angesagt für mich, heute an diesem letzten Zuhausetag. Die Gepäcktaschen stehen da bereit. In meinem Kopf ordnen sich langsam die Dinge zusammen, die ich für wichtig halte, dass ich sie dort hineinpacke. Sommer wird es wohl nicht mehr werden. Also muß warme Kleidung her. Viel kann ich aber auch nicht mitnehmen. Zwei kleine Taschen, deren Füllung begrenzt ist. Ich muss damit rechnen, dass nicht immer alles so pikobello unterwegs ist. Aber das ist ja auch nicht schlimm, ich werde auf einem Pilgerweg sein und nicht auf einem Schönheitswettbewerb. Sowieso sind solche Wettbewerbe, die einem die Welt ja geradezu aufdrängt nicht mein Ding. Was ist schon Schönheit. Schönheitsideale werden einem immer von der Welt aufgedrängt und wir Menschen sind zumeist so dumm, dass wir ihnen hinterherlaufen. Ich jedenfalls nicht. Nur hin-. und wieder, während ich mich mit meinen nackten Füßen durch diese Welt bewege kommt so ein klein wenig eine Ängstlichkeit in mir hoch, dass ich in diesem Sinne nicht dazugehöre, zu der großen Herde Schafe, die allem hinterher rennt. Es ist halt nicht immer einfach, eins chwarzes Schaf zu sein.
 
Seelenruhe, jawohl, die will ich heute bewahren in mir, ob der sich immer wieder in mir auftürmen wollenden Unruhe, Aufregung, ob auch alles klappt mit meinem Ziel, das vor mir liegt. Und so stehe ich da auf meinem Balkon und atme tief durch, schicke alle meine Gedanken wie weiterziehende Wolken in mir fort.
 
Gestern, beim Einkauf, da hab ich einen Menschen gesehen, der praktizierte wohl die Seelenruhe in Vollendung. Stand ich da in der Schlange an der Kasse beim Supermarkt mit den 4 Buchstaben, den ich eigentlich selten betrete, aber gestern zu faul war, noch viele kleine Geschäfte anzusteuern. Ist halt manchmal so. Die Berge der Einkaufsgüter lagen auch schlangeliegend auf dem Fließband der Kasseneinrichtung. Vor mir noch vollbeladene Wagen. Das wird dauern, dachte ich. Hab ich schon gesagt, dass Warten mir zumeist nichts ausmacht. Ich kann die Zeit doch meistens recht gut nutzen. Entweder versinke ich in meine eigenen Träumereien oder ich schaue mir den schönen Menschenzoo um mich herum an und entdecke immer wieder etwas Inetressantes. So eben wie gestern.
 
Da steht ganz vorn, er ist dran, dieser Mann. Während die Kassiererin Waren Stück für Stück unter den Scanner hält, es piepst und rutscht und schlurft, nimmt der Mann Teil für Teil der abgecheckten Waren und packt sie seelenruhig in seinen Rucksack. Das geht eine Weile so, denn er hat recht viel eingekauft. Die Kassiererin ist schon lange fertig. Er packt immer noch, schaut, sucht, überlegt wohl, wie er am besten alles anordnet, da drin in seinem Rucksack, so dass zum einen wohl nichts kaputt gehen kann, zum anderen ihn der Rucksack dann am Ende auf seinem Rücken keine Beschwerden macht.
 
Ich schaue still dem Treiben zu, den Bewegungen der vor mir stehenden anderen Kunden. Sehe wie manche nervös hin- und her zucken und die Augen verdrehen. Einer sagt, muss das sein, der spinnt doch. Ja...unerhört denke ich schmunzelnd vor mich hin. Wie kann der sich erlauben in unserer Welt, die beherrscht ist von Schnelligkeit und Selbstoptimierung, einfach so in sich ruhend die Dinge zu tun, die er für wichtig hält, um seinen Einkauf achtsam zu erledigen, ungeachtet derer, die ihn gerade deswegen verurteilen und teilweise für doof und unverschämt erklären. Sicher, es läßt sich darüber streiten, ob es vielleicht gar eine Unverschämtheit ist, angesichts der vielen Wartenden, die hinter ihm stehen, so seelenruhig mit sich und seinem Tun zu verfahren.
 
Ich denke jedenfalls nicht so, ich schaue ihm seelenruhig zu und merke, wie diese Seelenruhe uns verbindet, unbekannterweise. Er beim Tun, ich beim Zuschauen. Erst, als er alles fein und ordentlich in seinem Rucksack verpackt hat, zieht er ruhig seine Geldbörse aus einer Rucksacktasche, öffnet sie, holt seine Bankomatkarte heraus, reicht sie der Kassiererin und endlich wird abgerechnet. Der Vorgang ist erledigt, er steht still da, wartet auf die Rückgabe seines Kärtchens und befördert sie seelenruhig wieder dahin, wo sie hergekommen ist. Dann nimmt er seinen Rucksack, zieht ihn auf den Rücken und wünscht der Kassiererin einen schönes Wochenende.
 
Als der Mann, der hinter ihm steht, ihm einen Vogel zeigt, lächelt er über das ganze Gesicht und wünscht auch ihm seelenruhig ein schönes, geruhsames Wochenende. Dreht sich um, geht zur Tür hinaus und ich blicke ihm noch eine Weile hinterher, denn man kan gut während des Wasrtens hier auch aus dem Fenster schauen.
 
Die anderen murrten und wisperten während des Vogelzeigens auch so vor sich hin, tuschelten und ich konnte nur erahnen, was sie da wohl zum besten gaben, verstehen konnte ich es nicht. Ich sagte daher laut* Nehmt euch mal ein Beispiel an dem Mann, der hats drauf. Seelenruhe nennt man so was. Das würde den meisten Menschen gut tun und der Welt insbesondere. Und schon drehten sich alle nach mir um und schauten mich ebenso fragwürdig musternd an, wie zuvor den Mann. Aber das war mir egal. Auch ich lächelte mein schönstes Lächeln und war endlich dran, auch meine paar Habseligkeiten auf das Förderband zu packen. Seelenruhig natürlich, was sonst.
 
Seelenruhe will ich auch heute behalten, während den letzten Verrichtungen und Vorsorgen, die ich für meine Reise nun erledigen muß. Ich will mich nicht treiben lassen von unnötigen Gedanken, Sorgen und Befürchtungen, sondern der Freude einen guten Platz in mir schaffen und eins nach dem andern tun. Und so dachte ich, schreib ich hier auf meine Seite mal wieder was rein, was mir so durch den Kopft geht. Erst das eine, leer werden, dann das andere, den Tag füllen. Seelenruhig natürlich.
 
Und morgen ist es dann soweit. Ich hoffe, ich werde seelenruhig meinen Bus erreichen, der mich zum Startziel meiner Tour bringen wird. Ich werde hoffentlich berichtern können von meiner hoffentlich seelenruhig verlaufenden Fahrt mit dem Rad.
 

Und nun werde ich seelenruhig dem ollen Brian Eno lauschen, der eine Musik erschaffen hat, die gänzlich zur Seelenruhe des Menschen beiträgt. Einen schönen Sonntag allen meinen Lesern gewünscht.

 

 

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