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28. November 2020 6 28 /11 /November /2020 18:36

Es fällt doch auf oder? Ich meine, dass die Menschen seit der Pandemie insgesamt alle entspannter und auch ein wenig weicher und freundlicher sind. Jedenfalls, mir ist das aufgefallen. Direkt schon. Als es alles begann. 

 
Heute hab ich das wieder gemerkt. Samstag in der Früh bin ich los. Einige Erledigungen standen auf dem Plan. Früh gehen ist das Beste jetzt in diesen Zeiten. Gerade an Samstagen. 
 
Hier bei mir machen die kleineren Geschäfte, bis auf den Supermarkt meines Vertrauens erst alle um 9.00 Uhr bzw. 9.30 Uhr auf. Das ist auch ok. Die müssen ja abends alle länger. Früher war anders. Da war der Einkauf um diese Zeit komplett erledigt. Aber ist ja rum. Das Früher. 
 
Es ist die erste richtige winterliche Kälte. 3 Grad sagt das Wetter. Schön ist das. Der Himmel ist blau, die Sonne lugt hervor. Was will man mehr. Beim Einkauf. Dick eingemummelt mit Schal und Mütze machts direkt gleich mehr Spaß. 
 
Beim Drogeriemarkt ist es noch leer. Auf Abstand braucht nicht geachtet zu werden. Die Bioprodukte, die auf dem Zettel stehen, sind schnell im Einkaufskorb. Jetzt noch die bestellten Kalender. Mist. Nur einer da. Komisch, dabei wurden die alle zur gleichen Zeit am selben Tag bestellt. Sagte ich schon, die Leuts sind alle so freundlich? Jedenfalls die Dame an der Kasse war es so was von. Tröstete mich mehrmals. Das kann schon mal passieren. Das nur eine Sendung kommt. Am kommenden Montag sind sicher auch die anderen da. Sie hatte echt Sorge, dass ich aufgeregt werde oder gar ärgerlich. Wurd ich aber nicht. Warum auch. Wenn man so freundlich bedient wird. 
 
Beim Biobäcker meines Vertrauens war auch Niemand. Und auch mein Brot *Roggen fein* war noch vorrätig. Herrje wie das alles klappte. 
 
In der Apotheke sollte ich für die Nachbarin Zink-Brausetabletten erstehen. Auch nur ich. Da drin. Zwei Damen waren zur Beratung da. Mit Masken. Eine junge, eine alte Dame. Die ältere Dame suchte nach meinem angefragten Produkt. Gabs aber nicht. Nur in Granulat meinte sie. Hm...ob ich mal telefonieren dürfe. Mit der Nachbarin. Muß ja wissen, ob das auch ging. Haben die gemacht. Mich telefonieren lassen. Kann man nun nicht erwarten. Echt freundlicher Kundenservice. Es passte dann auch. Bei dieser Gelegenheit erinnerte ich mich, wollte doch schon immer Müller-Wohlfahrts *Profelan* Arnika-Salbe. Für sie, die Nachbarin. Bring ich ihr jetzt mit. Gedacht, bestellt. 
 
Die ältere Dame suchte und suchte am PC, fand aber nix. Hm...Sie befragte ihre Kollegin. Die Junge. Diese suchte ebenfalls. An ihrem Pc. Nach der Salbe. Profelan, sagte sie, die heißt Profelan. Ach verdammt, hatte ich vergessen dazuzusagen. Genau, die iset, sagte ich. 
 
Aber dann passierte nix mehr. Ich stand da. Die beiden standen da. An ihren Computern. Ne ganze Weile standen wir da so rum. Die beiden wollten höflich sein, dachten, ich packe noch ein. Ich wollte höflich sein und nicht drängelig werden. Dann fragte ich sie aber doch, haben sie mir die Salbe bestellt? 
 
Als wenn sie aufwachen würden, schauten sie mich an und entschuldigten sich. Die eine dachte von der anderen..sie hätte. Sie wissen schon. Die Salbe bestellt. Für mich. Es war alles so entspannt. Macht ja nix, signalisierte ich. Dann machen sie es bitte jetzt. Die Junge übernahm. Tippte ein. Gab mir den Zettel. Montag könne sie abgeholt werden. Prima sagte ich. Steckte meine Geldbörse ein schaute die Damen nochmal an, sagte *Auf Wiedersehen und zu der jungen* Sie haben schöne Augen* War mir direkt aufgefallen, als sie mich das erste Mal hinter ihrer Maske anblickte. Schöne Augen hat die. Sagte ich ihr jetzt auch. War unverhofft. Nicht geplant. Sie hat sich aber gefreut. Das merkte ich. Sie hat nur Danke gesagt und mich angeschaut.
 
Ist wohl nicht selbstverständlich, dass von Fremden ein nettes Wort, man sagt ja auch Kompliment kommt. Warum aber nicht. Ich meine, zwischen Frauen ist das eher selten. Frauen sind ja meistens Zicken. Stehen ewig in Konkurrenz zueinander. Furchtbar ist das. Entweder sie behandeln dich dann schlecht oder sie kopieren dich. Das macht sie lächerlich. Als wenn man das nicht merken würde. Und die anderen ja auch. 
 
Bei Männern ist das ja auch so. Nur anders. Das mit dem Konkurrenzdenken. Obs das aber auch gibt, dass die sich mal was Nettes sagen? Glaub auch eher selten. 
 
Ein nettes Wort hat noch niemand geschadet. Und als ich weiter marschierte merkte ich, wie ich mich selber freute. Darüber. Dass ich ihr das gesagte hatte. Der jungen Frau. Sie haben schöne Augen. Ein wenig war der Tag damit schon fast vollkommen. Dachte ich jedenfalls. 
 
Hat sich die Freude jedoch einmal eingenistet, bleibt sie auch und es passieren einfach immer weiter, nette Dinge. 
 
Zuhause packte ich geschwind meine Einkäufe aus. Zog mich wieder an und machte mich auf zu meinem täglichen kantschen Spaziergang. Ihr wißt schon. Kant, der aus Ostpreußen/Königsberg. Der Filosof. Ging jeden Tag zur selben Zeit den gleichen Weg spazieren. Durch sein Dorf. Mach ich auch immer. Meistens jedenfalls. Am Rhein entlang. Eineinhalb bis zwei Stunden lang. Wenn ich nix anderes vorhabe. Mit dem Rad oder so. Kann das nur Jedem empfehlen. Wiederholungen. Tag für Tag. Erfrischung an Leib und Seele. Da kommen die besten Gedanken hervor. Denn denen, die, die im Sitzen entstehen, sollte man nicht all zu viel trauen. Sagte jedenfalls der olle Nietzsche. 
 
Kurz vorm Eingang zum Rheinufer fällt mein Blick auf das Straßenpflaster. Da hatte Jemand mit bunter Kreide geschrieben* Habt ein schönes Wochenende* mit Blümchen. Wie drollig. Wie nett. Nette Wörter. Einfach so. Dahin geschmissen. Auf die Straße. Nehmt sie Euch. Dachte Derjenige sicherlich. Ich nahm sie. Nicht nur für mich. Verschickte sie gleich an alle mit denen ich verbandelt bin. Auf diesem Gerät. Ihr wißt schon. 
 
Am Rhein war ich (fast) ganz allein. An diesem frühen Morgen. Also früh. Für die Meisten. Die waren jetzt mit ihrem Einkauf beschäftigt. Den ich schon erledigt hatte. 
 
Nach einem langen Marsch kehrte ich dann in die Zivilisation zurück. Über die Einkaufsstraße ging es zurück. Nur kurz jedoch. Bis ich in den Stadtpark gelange. Ich hörte sie schon von weitem. Die Musik. Standen da auf dem Bordstein vor dem Supermarkt meines Vertrauens. Spielten was das Zeug hielt. Ich kann da nicht anders. Ich steh da wie Gewehr bei Fuß. Musik zieht mich an. Immer. Egal wo. 
 
War schon schräg. Was die zelebrierten. Hatte aber was. Ne Trommel und ein Blasinstrument. Voll die Power. Der Rhythmus ging mir durch und durch. Während ich eine kleine Aufnahme mit meinem Gerät, ihr wißt schon, machte, trat eine alte Dame hinzu. Glaub, die war mindestens schon 80. Ganz sicher. Sah aber aus, kleidungsmäßig wie ein junges holländisches Meisje. Voll schräg. Lachend und voller Freude stand ich da und schaute mir alles an. Dann wollte die alte Dame mich noch mitziehen zu einem Hüpfer und Hopsasa. Die hatte anscheinend keine Sorge. Ihr wißt schon. Wegen der Pandemie. Maske hatte sie jedoch an. Schnappte mich am Arm und meinte, komm, mach mit...  Ein ganz klein wenig tat ich ihr den Gefallen. Dann zog ich jedoch weiter. Genug ist genug. Aber die Freude, die Freundlichkeit der Menschen heute, das war eine richtige Wonne. Ich nahm sie mit. Nach Hause.
 
Sie haben schöne Augen, damit fing alles an. Und ist es nicht so. Freude geben heißt Freude bekommen Das Leben kann so schön sein. Trotz allem. Solang es geht. Machen wir es so. Schatten und Dunkelheiten kommen eh von allein. 
 
Ich wünsche allen meinen geneigten Lesern einen schönen 1. Advent.  Der kann jetzt kommen. Die Kerzen stehen. Und der Weihnachtsstern leuchtet auch auf meinem Tisch. 
 
 
 
 
 
 

 

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