Overblog
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
9. März 2021 2 09 /03 /März /2021 09:06

Heute wäre Bobby Fischer 78 Jahre alt geworden.  Aber schon mit 65 Jahren, genau am 17.01.2008 verstarb er. Ich erinnere mich noch genau an diesen Tag. Die Schachwelt hatte eine der eigenwilligsten Persönlichkeiten unserer Zeit verabschiedet. Bobby Fischer, der offizielle Schachweltmeister 1972-1975 war tot. Selbst wenn man vom Schachfieber noch nicht ergriffen war, kam man an ihm nicht vorbei. Im isländischen Exil, wo er Schutz gefunden hat vor den Nachstellungen der US-amerikanischen Justiz.

Sein Vergehen: Er hat 1992 noch einmal ein Schachduell gegen seinen alten Rivalen Borris Spasski ausgespielt. Dieses Match fand im ehemaligen Jugoslawien statt, und Fischer hatte damit ein Embargo der USA ignoriert, welches zu dieser Zeit jedem Bürger der Vereinigten Staaten geschäftliche Verbindungen mit Jugoslawien strikt untersagte. 

Bobby Fischer war ein Monomane, der vor allem in jungen Jahren fast nichts kannte außer Schach. Zur Institution Schule hat er sich als Erwachsener mal so geäußert:" I don´t remember one thing, I learned in school". Wenn auch diese Aussage von mir selber und vielen anderen Menschen nachvollziehbar war und ist, so hat er aber auch sehr merkwürdige Dinge von sich gegeben, die man besser gar nicht zitiert. 

Auf dem Schachbrett war er unumstritten ein Genie. Unvergleichlich ist die Art und Weise, wie er in den Kandidatenduellen, welche dem WM-Kampf 1972 vorangingen, seine Gegner an die Wand gespielt hat. Er hat dabei das phänomenale Kunststück fertig gebracht, 19 Wettkampfpartien in Folge zu gewinnen, ohne auch nur ein einziges Remis abzugeben. Und das gegen Großmeister, die allesamt der absoluten Weltspitze angehörten. Einige seiner Gegner haben berichtet, dass von Fischer eine ganz starke Wirkung ausging , wenn man ihn am Brett gegenüber saß. Fischer selbst hat aber gern betont, dass er in erster Linie an starke Züge glaubt und nicht an Psychologie.

1972 kam es im isländischen Reykjavik zum "Wettkampf des Jahrhundert". Bobby Fischer gegen den amtierenden sowjetischen Boris Spasski. Seit vielen Jahren hatte es eine Hegemonie der Sowjets im Weltschach gegeben. Und nun, mitten in der Zeit des kalten Krieges, schickte sich ein junger US-Amerikaner an, diese Hegemonie zu brechen und den Weltmeistertitel für sich zu erobern. Das Publikumsinteresse sprengte alles, was man im Schach bisher erlebt hatte. Dazu hat auch beigetragen, dass sich Fischer aufführte wie die launischste Diva, die man sich vorstellen kann. Er stellte immer wieder neue Forderungen, drohte ständig mit Abreise. Der Wettkampf hing permanent an einem seidenen Faden. Fischer, der stets den höchsten Einsatz riskierte, war auch am Verhandlungstisch äußerst unbequem. Bemerkenswert ist, dass das Preisgeld fast das 20 fache dessen betrug, was beim vorhergehenden WM-Kampf (Petrosian-Spasski 1969) gezahlt wurde. Insofern kommt Fischer das Verdienst zu, dass Schachprofis seitdem wesentlich bessere finanzielle Bedingungen vorfinden als zuvor. Letztendlich ging der Wettkampf über die Bühne und Fischer wurde Weltmeister. 

Doch "schwer ruht das Haupt,  das eine Krone drückt"? Jedenfalls zig sich Fischer von Stund an völlig aus dem offiziellen Schachbetrieb zurück, spielte bis zu dem zuvor erwähnten "Rentnermatch" (so qualifizierte es Garry Kasparow) keine einzige Turnierpartie mehr. Auch liebte er es unterzutauchen und sich geschickt den  Nachstellungen von Journalisten zu entziehen.  Über viele Jahre hinweg geisterte er wie ein Phantom durch die Gazetten, Niemand schien etwas Genaues über seine Lebensweise und seinen Aufenthaltsort zu wissen. 

Robert James Fische, so sein korrekter Name, wurde 2004 in Tokio wegen des US_Haftbefehls festgenommen und verbrachte daraufhin acht Monate in japanischen Gefängnissen. Ihm drohte die Abschiebung in die USA, wo ihn ein Strafprozess erwartete.  Die Angelegenheit nahm für Fischer eine glückliche Wendung, als ihm die isländische Staatsbürgerschaft angeboten wurde. Fischer ging darauf ein und ließ sich in Reykjavik nieder. Eine lange Zeit des beschaulichen Lebens war ihm jedoch nicht vergönnt, nach nicht einmal 3 Jahren verstarb er - vermutlich an einem Nierenversagen - 

Fischer verdankt man auch die "Fischer-Schachuhr", welche die Besonderheit aufweist, dass der Spieler mit jedem ausgeführten Zug einen Zeitbonus erhält, also eine kleine Draufgabe in der Bedenkzeit (ca. 15 Sekunden). Der große Vorteil: Hat sich ein Spieler auf dem Brett einen entscheidenden Vorteil herausgearbeitet, so scheitert die Realisierung dieses Vorteils nicht mehr daran, dass ihm gar nicht mehr genügend Zeit verbleibt, seine Züge rein physikalisch auszuführen. Allein das Rücken der Steine und das Betätigen der Uhr nimmt ja etwas zeit in Anspruch. Die Idee der "Fischer-Uhr" spiegelt somit in gewisser Weise den Sportgeist und die Fairness ihres Urhebers wider. 

Zudem kam von Fischer die Erfindung, dass man die Grundstellung im Schach verändern sollte, um so die große Bedeutung der ins Uferlose angewachsenen Eröffnungstheorie zu nicht zu machen. Seine Variante dieses Schachs hat sich, wie wir alle wissen, etabliert . Zuerst wurde sie einfach "Fischer-Schach" bezeichnet, heute aber unter dem Namen "Chess960" salonfähig ist. Bei dieser Art des Schachs wird - unter Beachtung gewisser Grundregeln - die Ausgangsstellung vor jeder Partie ausgelost. Der Name "Chess 960" rührt daher, dass 960 verschiedene Grundstellungen zulässig sind. Auswendig gelerntes Wissen, vorbereitete Varianten und routinierte Erfahrung verlieren unter diesen Voraussetzungen an Bedeutung, gefragt sind stattdessen Geistesgegenwart und die Fähigkeit, allgemeine Prinzipien auf sehr wechselnde Situationen anzuwenden. 

Selber spiele ich diese Variation des Schachs unglaublich gerne und hab hin- und wieder schon so manchem starken Spieler damit einen Sieg abgerungen. 

Bobby Fischer - Ja..eine Legende - 

Diesen Post teilen
Repost0

Kommentare