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19. November 2021 5 19 /11 /November /2021 16:27
Immer wieder passiert es. Zum Wochenende. Da wird mir dann ein *tolles* Wochenende gewünscht. Mehrmals hatte ich es angemerkt. Mit *toll* kann ich nix anfangen. Ich verdreh dann die Augen.
 
Warum soll denn ein Wochenende unbedingt *toll* sein. Ich bin es schon zufrieden, wenn da draußen alles ein weniger leiser wird. Kein Gehetze. Das Zeugkaufen ruht. Auch wenn ich selber sonst nur Notwendiges kaufe, widerstrebt mir das Haben-wollen und kaufen- müssen von Zeug, das eigentlich nicht gebraucht wird, auch von den anderen da draußen.
 
Wenn man im Wörterbuch nachschlägt, erscheinen zur Deutung des Wortes *toll* die Wörter *unglaublich* und *ungewöhnlich*
 
Ist das wirklich der Wunsch der Vielen, dass ein Wochenende unglaublich oder jedenfalls *ungewöhnlich* sein soll? und man es deshalb dem Anderen wünscht? Weil die eigene Sehnsucht nach unglaublichen und ungewöhnlichen Geschehnissen an zwei bevorstehenden freien Tagen im Wünscher innewohnt?
 
Wenn ich an mein Leben zurückdenke, kann nicht behauptet werden, dass ich in diesem Sinne *tolle* Wochenende hatte. Allenfalls waren es Zeiten, an denen mal zur Ruhe gekommen werden konnte. Oder Zeit für die Familie und die Kinder da waren. Oder einfach Muße zum Lesen und Musikhören, Spaziergängen oder gar längeren Wanderungen. Manche Wochenenden waren sogar auch mit Arbeit belastet.
 
Und überhaupt! Seit zwei Jahren leben wir in einer Pandemie. Ansteckungsgefahr droht, Einschränkungen müssen ausgehalten und Verantwortungsgefühl gelebt werden. Selbst das Virus ist nicht *unglaublich* oder *ungewöhnlich*. Denn Viren sind überall auf der Welt und um uns herum. Weniger gefährlichere, aber eben auch lebensbedrohende. Diesmal hat es die letztere Spezie geschafft, die ganze Welt in Atem zu halten. Es wird sicherlich auch nicht die Letzte sein im Angesicht der Tatsache, das wir nicht aufhören, unsere Welt weiter kaputt zu machen. Und warum machen wir sie kaputt? Weil der Mensch immer nur das *Tollste* will, höher, weiter, schneller, mehr, mehr, haben, haben. Da ist nix toll, da draußen, der Mensch ist nicht toll. Er ist habgierig nach Zeug und nach Sensationellem. Das ist einfach nur gruselig.
 
Bleiben wir doch auf dem Teppich. Wünschen wir dem Anderen ein *gutes* Wochenende. Und in diesem *gut* wohnt Vieles. Gut mit der Zeit umgehen, die einem an arbeitsfreien Tagen geschenkt wird. Gut mit sich selber umgehen. Wenn wir gar krank sind oder leiden, weil einem ein Mensch genommen wurde, den man liebte, gut damit umgehen können, daraus lernen. Zufrieden sein mit dem, was wir an diesen Tagen tun können, wenn wir unbeschadet sind. Ein gutes Buch lesen, Musik  lauschen, die Augen offen halten, wenn wir uns zu Spaziergängen aufmachen, ein offenes Ohr haben, wenn uns Jemand braucht, vielleicht gar Hilfe leisten, wenn es erforderlich ist. Einfach da sein, leben, aufstehen, Dinge tun, die getan werden müssen, kochen, unsere kleine Umgebung in der wir leben, bewahren und schön gestalten, sitzen und innehalten.
 
All das ist im Sinne der Wortbeudeutung nicht *toll*, also ungewöhnlich oder *unglaublich* Es ist mehr und besser als das. Es ist unsensationell, ruhig und still. Es ist reiches Leben!
 
In diesem Sinne wünsche ich meinen geneigten Lesern ein *gutes* Wochenende und darüberhinaus gute Lebenstage in Zeiten wie dieser und auch dannn, wenn sie vorbei sein werden, weil ganz sicher noch schrecklichere Dinge auf uns zukommen werden!
 
Von einem geneigten Leser meiens Blogs habe ich heute folgenden Text bekommen, den ich gerne anfügen möchte:
 
Gemütlichkeit am Freitag
Manchmal wird die Ambition, das Wochenende zu nutzen, um mit Freunden etwas zu erleben, zum Zwangund schafft zusätzlichen Druck. Erschöpft von der Woche, den endlosen to-do-Listen, stundenlangen Meetingsund langen Arbeitswegen, erreichen wir das Wochenende - und schon wird von uns erwartet, den Schalter umzulegen und Party zu machen, am besten gleich nach Feierabend. Aber wo bleibt da die Zeit zum Entspannen und zum Nichtstun? Und noch viel wichtiger; Wie schaffen wir es, das Nichtstun am Wochenende als eine bewusst gewählte, genussvolle Aktivität zu zelebrieren, anstatt es als erschöpften Rückzug vom tobenden Leben zu interpretieren und uns zu Hause mit einem Gefühl von *FOMO* herumzuschlagen, fear of missing out. Die Schweden haben dafür die perfekte Lösung: Fredaysmys.
Der Begriff setzt sich aus Fredag(Freitag) und Mys (Gemütlichkeit) zusammen und bezeichnet die Gewohnheit der Schweden, freitagabends zu Hause zu bleiben, gemeinsam mit der Familie etwas Leckeres zu essen und gemütlich fernzusehen. Dazu gibt es auch ein passendes Verb: fredagsmys (einen gemütlichen Freitag zu Hause verbringen). Wer eine Freundin oder einen Freund dazu einladen möchte, fragt: Lust, heute Abend zu fredagsmys?
 
Fredagsmys entstand Mitte der 1990er-Jahre, und hat sich seitdem zu einem Brauch entwickelt, der sich bei allen Schweden großer Beliebtheit erfreut. Das Wort fredagsmys hielt schnell Einzug in die schwedische Alltagssprache und wurde 2006 sogar in den offiziellen schwedischen Wortschatz aufgenommen.
 
Tatsächlich spielt Mys in Schweden eine große Rolle und es gibt viele Arten von Gemütlichkeit, die alle ihre eigene Bezeichnung haben. Da gibt es die Hästmys, die Herbstgemütlichkeit, die entsteht, wenn man sich nach einem heißen Sommer wieder wärmer anzieht und sich häufiger im Haus aufhält, weil es draußen kühler wird. Es gibt die Julmys, die Weihnachtsgemütlichkeit, und die weit verbreitete Kvällsmys, die Abendgemütlichkeit. Am häufigsten jedoch hört man das Wort Fredagsmys, und zwar in allen Regionen Schwedens. Wer also schon immer nach einem guten Grund gesucht hat, nach einer langen Arbeitswoche gemütlich zu Hause zu bleiben, darf sich bei den Schweden bedanken.
 
Danke an den Sender dieses Textes:)
 
 
 
 
 
 
 
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