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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 17:15

Das Ende einer langen Reise. Am Ende verbrachten wir eine Woche in Kathmandu, die touristenfreundlichste Stadt der Welt. Das sagt nicht nur der Reiseführer, dass kann ich auch nur bestätigen.
 
Ich liege nach der ersten Nacht in meinem Bett und spüre die kühle, klare Herbstluft durch das geöffnete Fenster und lasse die Bilder unserer letzten Woche vor meinem Auge erscheinen.
 
Kathmandu, das ist pulsierendes Leben, das sind Hupkonzerte der immer und ewig fahrenden Autos und Motorräder, das sind freundliche Menschen, die immer und überall versuchen, mit einem ins Gespräch zu kommen. Wissen wollen, wo man herkommt, was man macht, ob man verheiratet ist, wie groß die Familie ist und wie die Zukunftsaussichten in Deutschland für junge Menschen sind. Gerade die jungen Leute sind es, die immer wieder zum Ausdruck bringen, wie sehr sie von Deutschland begeistert sind, wie sehr sie sich danach sehnen, einmal Deutschland zu bereisen, oder gar dort einen Studien- oder Ausbildungsplatz zu bekommen. Deutschland scheint ein Paradies zu sein für Nepalesen, überhaupt, denn es ist nicht das erstemal, dass wir das zu hören bekommen. Nepalesen sind ausgesprochen deutschfreundlich!
 
Wir haben sowieso jeden Bonus, Mother and Daugther, das finden sie prima und wir werden wie Königinnen behandelt, egal wo wir hinkommen, Klar, das geniessen wir natürlich.
 
Kathmandu, das ist aber auch "Thamel" das Touristenrummel- und Einkaufsviertel schlechthin, aber keinesfalls so, dass man flüchten wollte, sondern einladend, gemütlich, auch wenn man immer wieder im Slalom wegen der vorbeifahrenden Motorräder laufen muss, die sich in hunderten verschiedener Hupgeräusche ankündigen. Aber selbst dass hat mich nicht gestört, das war in Delhi viel, viel stressiger. Die Nepalesen sind nicht so aggressiv in ihrer Fahrweise, sondern ruhig und besonnen. Jedenfalls, ich habe es so erlebt. Die Zustände allerdings der Autos sind katasthrophal und Umweltschützer schlagen hier die Hände über den Kopf. Die Luftverschmutzung ist so unglaublich, immer liegt eine Dunstwolke über Kathmandu, dazu kommt der extrem starke Staub, der tagtäglich über den Straßen liegt und hochgewirbelt wird. Jeder dritte Nepalese trägt einen Mundschutz, die Atemwegserkrankungen nehmen drastisch zu. Leider! Aber, so lassen wir uns sagen, die Regierung arbeitet dran. Immer wieder erzählen uns Nepalesen, wie sehr sie mit dem Regierungswechsel durch die Maoisten zufrieden sind, dass sie den Eindruck haben, daß die Wirtschaft angekurbelt wird, die Ausbildungsmöglichkeiten für junge Menschen besser werden und vor allen Dingen, dass jedem Kind ein Schulbesuch ermöglicht werden soll. Hoffen wir, dass es stimmt! Es ist sicher noch einmal etwas anderes, in einer Stadt wie Kathmandu zu leben, wie auf dem Lande.
 
Jedenfalls wird in Kathmandu gestreikt, immer wieder laufen Protestierende durch die Straßen. Nicht immer weiß ich, worum es geht. Noch am letzten Tag lieferten sich Demonstranten und Polizei heftige Schlachten. Immer wieder mußten Händler ihre Geschäfte schließen, aus Angst vor Übergriffen und Ausschreitungen. Die Demonstranten legten teilweise Feuer in den Straßen oder zündeten Autoreifen an. Dieses mal ging es um die ethische Völkergruppe der Newaris, die um den finanziellen Zuschlag für Opfergaben für ein bestimmtes religiöses Fest protestierten. Am Tag zuvore gingen die Restaurant- und Barbesitzer auf die Straße. Seitdem die Maoisten Nepal regieren, gibt es in Kathmandu kein Nachtleben mehr. Alle Bars und Restaurants müssen um 23.00 Uhr schließen, sehr zum Ärger derselben, die dadurch eine deutliche finanzielle Einbuße erfahren. Denn es ist klar, der Tourist will nach dem Essen noch in das Nachtleben eintauchen, in einer Bar etwas trinken oder einfach nur Live-Musik erleben. Das gibt es ja auch noch, aber nur bis zur angegebenen Zeit oder eben, wie wir das dann auch erlebt haben, heimlich. Nach außen hin wird geschlossen, aber auf geheimes Klopfen wird einem geöffnet, wenn man weiss, wohin man gehen muß und dann geht es weiter. Aber psst, psst, die Polizei kontrolliert und Besitzer und Gäste leben dann in ständiger Angst. Ich muß sagen, auch ich war etwas verängstigt. Ne, unter Polizeigewahrsam wollte ich dann doch nicht kommen. So war das auch der einzige Ausflug mit den irischen Jungs, die sich an diesem Abend von uns verabschieden wollten. Alles in allem ein schöner, gelungener, wenn auch verbotener Abend. In den Zeitungen las ich die Erklärung eines Ministers, der die frühe Sperrzeit damit begründete, wo kein Mensch sich nachts auf den Straßen befindet, kann auch kein Gewaltverbrechen geschehen. Na dann! Gut, zusätzlich möchte man auch, daß Kathmandu sich nicht zu einem Ort entwickelt, an dem Prostitution, wie z.b. in Thailand, ihren Anziehungspunkt hat. In diesem Zusammenhang ist zu sagen, dass jährlich an die 12.000 junge Mädchen, teilweise noch Kinder an die Prostitution verkauft werden, u.a. auch nach Indien. Da ich Zeit und Muße hatte, stöberte ich natürlich schon aus Freude an meinem Beruf in nepalesischen Buchläden und fand ein Buch der amerikanischen Autorin Patricia Mccormick mit dem Titel "Sold!" Ein beeindruckendes Buch über die wahre Geschichte einer kleinen Nepalisin, die von ihrem Stiefvater nach Indien verkauft wurde. Es hat mich sehr berührt!
 
Kathmandu war aber auch Seightseeing jeden Tag. Es ist eine Stadt, in der Hindus, Muslime und Buddhisten friedlich miteinander leben und in der man wohl die meisten Tempel und Stupas finden kann. Da ist der beeindruckende Monkeytempel, den man, nachdem man nach dem Erklimmen ca. 4oo Stufen, beeindruckt gegenübersteht und an dem man, so wir wir an diesem Tage wegen eines besonderen religiösen Feiertages die Menschen in ihren religiösen Handlungen beobachten kann. Fotografieren verbot sich von selbst.
 
Kathmandu ist aber auch der Durbare Square, den man aber nur mit Eintrittsgeld besuchen kann. Es ist der Ort, an dem sich der alte Königspalast befindet, aber an dem man auch dutzende von Tempeln und Pagoden findet. Und hier, wie auch an anderen Orten, muß man sich von den vielen sich anbietenden Guides befreien, die sich ein paar Rupies verdienen wollen, um dem Touristen das zu vermitteln, was man natürlich in jedem Reiseführer selbst nachlesen kann. Manchmal ein bißchen lästig. Aber man gewöhnt sich dran. An unserem Besuchtstag ist mal wieder eines der vielen Festivals, der Platz ist sowieso abgesperrt, Polizei und Armee lassen niemand durch ohne Kontrollen. Gerade vor zwei Tagen war der Bombenanschlag in Delhi und man ist noch vorsichtiger. Polizei und Armee immer und überall zugegen. Tausende Menschen befinden sich auf und um den Platz, sitzen auf den Treppen der Tempel und warten! Worauf? Auf die einzig lebende Göttin, dievorbeikommen soll. Es ist Kumari chok, so sagt man uns, eine jungfräuliche Inkarnation, aus der ehtischen Völkergruppe der Newaris ausgwählt. Aber ihr Glück oder Unglück einzig lebende Göttin zu sein, dauert nur so lange an, bis sie ihre erste Menstruation bekommt. Dann ist Schluss mit Lustig. Na ja, für mich ist es wohl eher ein Unglück, denn wie ich von einem Nepalesen erfahre, wird sie niemals das Glück haben, einen Mann ehelichen zu dürfen, denn nach einer alten Legende heißt es, wer eine Kumari heiratet wird vom Unglück befallen. Entweder er stirbt früh oder ein anderes Unglück befällt die Familie. Selbstprophezeigung, sag ich zu ihm, es passiert, was man glaubt.
 
Aber auch das Patan Museum darf man sich nicht entgehen lassen mit seinen vielen Buddha- und Götterdarstellungen. Dann weiss man, wer wofür da ist und was die Körperhaltungen der vielfältigen Buddhas bedeutet. Na ja, mir genügt die Relax- und Meditationshaltung, man kann es alles gar nicht aufnehmen.
 
Und meine ganze Begeisterung hatte Boudhanath, in der wir die größte Stupas der Welt finden. Und zu guter letzt Bhaktapur, die Stadt der Künste Nepals überhaupt. Hier findet der Kunstkenner alles, was das Herz begehrt, von Töpferkunst, Malerei und vielen, vielen wunderschönen Handarbeiten. Und man ist wirklich verzaubert, die Menschen auf den Straßen zu sehen, wie sie ihrem Handwerk noch ganz hingegeben nachgehen, ohne großartige Hilfsmittel. Ich konnte mich einfach nicht sattsehen an den Farben und den lachenden Gesichtern der Menschen, die eine Freude ausstrahlten, die man in diesem unseren schönen Lande Deutschlad erstmal finden muß.
 
Ihr seht, Kathmandu war als Stadt die Krönung meines/unseres Nepalbesuches und ich könnte noch viele, viele Sachen berichten. Lustig war die Einladung eines Restaurants, dass mit einem Fußballspiel lockte. Wir waren ja ein bißchen weg vom europäischen Geschehen und hatten nur irgendwann mal gehört, dass es ein Qualifikationsspiel der nächsten Europameisterschaft Deutschland gegen Finnland gab. So dachten wir, dass es ein weiteres Spiel wäre. Also nichts wie hin. Unser erstes Bier bestellt, sofort kam der wirklich gutaussehende, junge Manager des Hauses. Irgendwie sind alle Manager in Nepali-Restaurants und Hotels und zog uns in ein Gespräch, so dass ich nicht wirklich mitbekam, was auf dem Bildschirm passierte. Erst beim zweiten Tor von Schweinsteiger wurde ich aufmerksam und stellte fest, dass irgendwas nicht mit rechten Dingen zuging. Heraus stellte sich, dass sie das EU-Spiel Deutschland gegen Portugal zeigten. Warum dass denn, meine Frage. Nun, so der junge Mann, es kämen halt viele Traveller nach Kathmandu, die lange unterwegs gewesen seien, und die die Spiele verpaßt hätten und sie sich im Nachhinein anschauen wollten. Nun denn! Jedem das seine!
 
Trotz allem, in Kathmandu war ich nicht das letzte Mal. Schon allein wegen der Berge, die dort auf mich warten. Denn ein bißchen hat mir schon das Herz geblutet, erstens wegen Zeitmangel, zweitens wegen Geldmangel, nicht die 20tägige Trekkingtour rund um den Anapurna zu machen, ja und natürlich den Paragluding-Flug. Das muß halt warten. Aber wie ich schrieb, Träume erfüllen sich, also warte ich auf die Erfüllung.
 
Und nun ist Schluß. Genau 5 Monate Auszeit liegen hinter mir und ich kann auf einen großen Erlebnis- und Erfahrungsschatz zurückgreifen. Du wirst verändert sein, wenn du aus Indien/Nepal zurückkommst, habe ich von vielen gesagt bekommen! Hab ich mich verändert? Ich glaube nicht! Nur jetzt hab ich gesehen, was ich vorher nur aus Bildern, Dokumentationen und Büchern wußte. Dankbarkeit für das eigene Leben, dass ich ganz unverdient geschenkt bekommen habe, die ist ganz sicher noch größer in mir geworden. Und die Relation, mit der man Armut beurteilt, ist anders für mich geworden. Aber eines ist ganz sicher, trotz der Armut, in der viele Menschen leben, die ich gesehen habe, ist ihre Zufriedenheit größer, jedenfalls strahlten sie das aus, aber ich durfte es auch in persönlichen Gesprächen erfahren. Das hat mich doch am meisten beeindruckt, die Lebendigkeit und die Ausstrahlung, der Menschen, denen ich begegnet bin. Die Farben, die Gerüche und die Landschaften, all das wird mich noch lange begleiten. Und der Wunsch und die Sehnsucht nach mehr ist noch tiefer in mir gewachsen. Andere Länder zu bereisen heißt nichts anderes, wie die Welt wirklich kennenlernen. Und ich finde, wir haben das prima gemacht und es war das größte Geschenk meines Lebens. Und das soll uns erstmal einer nachmachen, mit unserem kleinen Budget, das wir hatten. Der Flug hat hin- und rück 750,00 Euro gekostet, die zwei Monate, in denen wir gereist sind, haben uns ganze 850,00€pro Person gekostet. Man braucht nicht viel, wenn man unterwegs ist, aber man muß auch verzichten können und über vieles hinwegsehen! Es ist nicht wichtig, alles tun zu können, was man tun könnte, sondern dass, was man kann, 100prozentig genießen und die Wichtgkeit auf andere Dinge konzentieren. Und was gibt es Wichtigeres und Schöneres, als zu sehen, wie andere Menschen leben und aus ihrem Leben zu hören. Es gibt so viele Leben und jedes hat sein eigenes Leiden und seine eigenen Freuden. Aber zu sehen, wie man damit umgeht, hat mich weiter bestärkt, geduldig mit eigenen Problemen, Sorgen und Nöten umzugehen und es hat mich gestärkt, das zu tun, was in mir ist und wonach ich mich sehne. Es gibt nur dieses eine Leben. Alles ist vergänglich, jeder Moment, jede Sekunde, alles was passiert, ist sofort schon wieder Vergangenheit. Ich werde mein Leben noch mehr geniessen, wie ich es sowieso schon getan habe.
 
Also, Reisen ist gar nicht so teuer. Alles ist möglich und am Ende ist man der Beschenkte, weil man sich selber noch ein wenig besser kennengelernt hat. Nie lernt man sich besser kennen, als in den Momenten, wo es heißt zu verzichten, wo die Umstände schwierig sind, wo man am liebsten weglaufen würde, nicht hinsehen würde oder wo die Ängste einen beherrschen wollen.
 
Auf unserem Rückflug flog eine ganze Gruppe Aussiedler mit uns, alte und junge. Mein Blick schweifte über die Menschen und in ihre Gesichter und ich überlegte mir, was sie wohl für Schicksale hatten, warum sie das Land verließen und was sie wohl erwartete. Aber wer weiß schon, was ihn am morgigen Tag erwartet. Wir erliegen einem Trugschluß, wenn wir meinen, wir wüßten, wie der nächste Tag aussieht, geschweige denn unsere Zukunft, denn von einem auf den anderen Moment kann auch für uns alles anders aussehen. Wenn ich eines gelernt habe im Leben und gerade auch auf dieser Reise, dann ist es, immer offen zu bleiben für alles Unerwartete, sich nicht festlegen oder schon im Vorfeld zu projezieren, wie es zu gehen hat, auch dann bleibt man am Ende der Beschenkte.
 
Aber jetzt heißt es erstmal, wieder einen Job finden, damit ich mir noch weitere Träume erfüllen kann!

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