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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 18:14

Vor einiger Zeit ist die Frau eines Bekannten ganz plötzlich verstorben. Sie hatte morgens noch im Garten gearbeitet, Blumen gepflanzt, Beete gejätet und mittags fand sie ihr Mann auf einem Stuhl tot. Den Zustand, in dem er sich befindet, kann man sich gut denken. Er ist völlig aus der Bahn geworfen.
 
Sie waren noch nicht alt, hatten ihr ganzes Leben lang gespart. Hatten ziemlich viel auf der "hohen Kante", wie man so schön sagt. Aber sie gaben keinen Pfennig zuviel aus. Einkaufen nur in Billig-Discounter, Urlaub, nur da wo es Pauschalreisen zum Sonderpreis gab. Er fuhr einen alten Mercedes, aber träumte ständig von einem neuen Modell. Er hätte es sich leisten können, aber er war nicht in der Lage, sein Geld, dass auf Sparbüchern lag und in Aktien angelegt war, anzutasten. Sie träumte von einer langen Reise durch die USA, aber er meinte immer, das wäre viel zu teuer. Jetzt bereut er es!
 
Ich kannte sie fast 20 Jahre, und, obwohl sie über Geld ohne Ende verfügten, klagten sie jedesmal, wie teuer alles sei, dass die Banken viel zu wenig Zinsen gäben und geizten mit jedem Euro, z.B. beim Trinkgeldgeben in einem Restaurant.
 
Ich denke jetzt oft, was hatten sie bloß von dem vielen Geld? Nix! EInfach nix! Sie sorgten sich jeden Tag, ihre Gespräche drehten sich nur ums Geld und dieses lag hinter Mauern auf einer Bank. Ihre Wünsche wurden in die Zukunft verschoben! Und jetzt ist sie tot, die Frau.
 
Es wird mir immer ein Rätsel bleiben, wozu Menschen Mengen von Geld anhäufen und sich dann darum sorgen! Was versprechen sie sich eigentlich davon? Sicherheit? Wozu? Ich meine, natürlich es tut grundsätzlich ja gut, zu wissen, man hat was in Reserve, wenn man etwas braucht, Anschaffungen tätigen oder sich ganz plötzlich einen Wunsch erfüllen will. Aber im Grunde beobachte ich bei all denen, die über finanzielle Möglichkeiten verfügen, um sorglos leben zu können, eine größere Sorge und Angst um ihr Leben, um das, was sie haben, als bei denen, die nichts haben.
 
Ich habe eigentlich immer anders gelebt. Es wurde gearbeitet, verdient, als die Kinder klein waren, hier und da kleinere Rücklagen gemacht, für Kleidung und kleinere Urlaubsreisen, die wir in den Ferien unternommen hatten und basta!
 
Als es uns durch die Selbständigkeit einmal wirtschaftlich besser, haben wir den Überschuß am Verdienten immer für bestimmte Zweckeweg gegeben oder Einrichtungen wie Kindergarten und Schule unterstützt. Später als es dann wirtschaftlich bergab ging, da hatte ich schon mal Versuchungen, was wäre gewesen wenn wir alles sorgfältig angelegt hätten, für uns. Nun denn, vergangen ist vergangen. Aber das Erstaunliche war doch immer wieder, dass es uns eigentlich grundsätzlich nie an etwas gefehlt hat, bis auf den heutigen Tag nicht. Und auf meinem Konto befindet sich im Moment gerade mal ein kleiner Betrag, mit dem ich meine Fahrtkosten für meine Reise zahlen kann. Klar, wir haben ausgerechnet, dass der Verdienst, der dann noch reinkommt, irgendwie ausreicht, damit die paar Euros, die ich unterwegs brauche, da sind. Das genügt mir.
 
So hab ich bis heute die Erfahrung gemacht, es lohnt nicht, für die Zukunft übermäßig zu sparen. Warum auch? Ich lebe heute, was Morgen ist, weiß ich nicht. Und alle Ängste und aller Pessimismus halten mich nur vom Leben in der Gegenwart ab. Wozu soll ich also ein "dickes" Bankkonto haben? Wozu mich mehr plagen mit der Arbeit, wie ich es sowieso schon tun muß!
 
Wenn ich für einen Moment Geld zur Verfügung habe, gibt es soviel Dinge, die ich in "diesem, einen Augenblick" damit tun kan, sei es für mich selber, für meine Kinder oder für ander Dinge!
 
Aber vielleicht bin ich ja auch ein Narr! Wer weiß? Jedenfalls bis zum heutigen Tag hat es mir nicht geschadet! Und ich hoffe, dass es auch weiterhin so gut geht, wie bisher.

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