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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 20:18

Im KSTA von Mittwoch führt Dirk Salamon durch das Gelände des ehemaligen Kartäuserklosters. Der Kartäuserorden unterlag sehr strengen Regeln.  Absolute Einsamkeit und Schweigen waren oberstes Gebot. Man traf sich nur einmal in der Woche zum gemeinschaftlichen Essen, ansonsten lebte jeder in seiner eigenen Zelle. Die Beschreibung lädt zu einem Besuch dieser schönen Stätte ein, aber auch darüber nachzudenken, wo und wie finde ich eigentlich noch Minuten, Stunden und Tage der Stille. So wie unser Alltag oft aussieht. Eine Nachbarin, nicht mal so alt, erzählte mir neulich, sie mache morgens zuerst das Fernsehen oder das Radio an und wenn sie am Abend vom Beruf nach Hause kommt, ist ebenfalls der erste Gang zum Fernseher. Sie mag nicht, wenn eine leere Wohnung sie empfängt. Auch ich bin so aufgewachsen, zumindest in den letzten Jahren, in denen ich zuhause lebte, hatten meine Eltern immer den Fernseher laufen. Wenn man dann nach draußen kommt, geht es mit dem Verkehrslärm, sei es auf der Straße, sei es in der Luft, weiter. So manchesmal erschrecke ich mich, wenn plötzlich an eine Ampel ein aufgemotzter Wagen hält und die Bässe bis zum Erbarmen wummern. Ich denke dann oft, warum?
 
Vor ein paar Jahren, nein, länger, ich war um die Dreißig, habe ich einmal Einkehrtage im Kölner Karmelkloster gemacht. Wußten Sie, dass es über 20 noch aktive Klostergemeinschaften in Köln gibt! Aber zurück zum Karmel. Ich kannte und kenne solche Aufenthalte nur von den Benediktinnerinnen in Mariendonk, das liegt bei Viersen. Dort hat man nicht nur das ruhige Zimmer mit dem wunderschönen Ausblick auf hohe Pappeln, in deren Anblick man sich vertiefen kann, wenn man aus dem Fenster schaut. Man kann aber auch wunderbare Spaziergänge durch die niederrheinische Landschaft machen.
 
Die Nonnen sind  kontemplativ, Regel des Benediktordens:"Beten und Arbeiten", aber trotzdem sieht man immer Jemanden und bei den Essenszeiten trifft man auch mit anderen Ruhe suchenden Gästen zusammen, so dass man sich nicht ganz zurückziehen kann. Daher war das Erlebnis im Kölner Karmel ein ganz besonderes! Dort erlebte ich zum ersten Mal in meinem Leben eine totale Abgeschiedenheit mitten in dieser Stadt. Ich bekam ein Zimmer, in dem ein Bett, ein Schreibtisch und ein Stuhl standen. Das Fenster ging zum Hinterhof des Klosters, der aber für mich als Besucher nicht zu benutzen war, da die Karmelittinen keinen Kontakt zu den Besuchern hatten. Falls ein Gespräch gewünscht, nur in einem Raum, hinter dem die dafür zuständige Nonne noch hinter einem Gitter saß. Ich werde das niemals vergessen. Ich dachte damals, wie kann man sich freiwillig hinter Gittern zurückziehen.
 
So verbrachte ich drei Tage in diesem Zimmer ohne ein Geräusch von außen, die ich nur unterbrach, um durch einen schmalen verwinkelten Gang in die für Besucher
zugängige Kapelle zu gehen. So war der Tagesablauf. Ich hatte mir einige Bücher mitgenommen. Aber das erstaunliche war, dass ich nicht viel zum Lesen gekommen bin. Warum? Ich hab einfach nur dagesessen und aus dem Fenster geschaut und gehört, was in mir selber hochgekommen ist. Man ist erstaunt, was in uns alles spricht, wenn wir ihm nur mal den Raum geben, es zu hören. Nach drei Tagen öffnete sich für mich die Tür wieder und ich stand wieder mittendrin am Sachsenring und fuhr im Getöse der Welt mit der Straßenbahn und meiner kleinen Reisetasche nach Hause. Der Aufenthalt hatte mich verändert!
 
Wenn ich heute nach Hause komme, und aus dem Zimmer meines Sohnes kommt eine andere Musik wie aus dem Zimmer meiner Tochter und mein Mann hat möglicherweise seine Jazzmusik an und vielleicht klingelt das Telefon, weil jemand schon wartete, dass ich nach Hause kam, sehne ich mich oft nach solchen Momenten zurück. Nach Stille, die vielleicht auch ein bißchen weh tut, weil wir sie nicht mehr gewohnt sind!
 
Aber auch eine andere Erfahrung war und ist bei meinen sporadischen Einkehrtagen in den Klöstern gewachsen. Nämlich eine Dankbarkeit darüber, daß es überall auf dieser Welt, seien es christliche, buddhistische oder orthodoxe Klöster gibt, in denen Menschen leben, die ein Gegenwicht auf der Waagschale unserer Welt bieten. Sie arbeiten, entweder nur für sich selber oder in caritativen Einrichtungen und beten für uns, für mich und für Sie! Und dieses Wissen macht mich irgendwie froh!
 
Wer mehr über ein Klosterleben wissen will, sollte ich auf jeden Fall einmal den Film "Die große Stille" von Phillip Grönig anschauen. Es passiert nichts und doch soviel. Beeindruckend! Er hat übrigens ein halbes Jahr mit den Mönchen gelebt und hat zehn Jahre darauf gewartet, dass er eine Genehmigung zum Drehen bekommt!
 
Stille heißt nichts anderes, wie: ohne Bewegung, ohne Geräusch auszukommen!
 
Es schneit gerade und eine Schneelandschaft kann wunderbar still sein!

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