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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 20:19

In der letzten Zeit, angeregt durch viele Ereignisse, aber auch aus eigener Erfahrung heraus, habe ich oft über das Wort und die Arten von Mobbing nachgedacht. Wo werden Menschen "gemobbt" und aus welchen Motiven heraus? In unserer Gemeinde wurde gestern ein neuer Pfarrer eingeführt, nachdem der alte nach fast dreißigjähriger Dienstzeit gegangen ist. Früher war das eine sehr lebendige Gemeinde mit vielen unterschiedlichen Menschen und Ansätzen, wie sie ihren Glauben lebten. Der Bruch passierte, als sich vor ca. 20 Jahren eine fundamentalistische Gruppierung bildete. Sie wurden instruiert, die Gemeinde zu erneuern, die, in den Augen der "neuen Heilsbringer", eigentlich keinen Glauben hatten. Die sogenannten "neuen richtig Gläubigen" unterwarfen sich dem neuen Weg in grenzenloser und kritikloser Art und Weise und schafften genau das, was vorauszusehen war. Die Gemeinde spaltete sich, viele blieben weg und heute sind nur noch die neuen Weggemeinschaften in der Pfarrei. Ist das Mobbing?
 
Gestern als der Pfarrer seinen Einzugs-Gottesdienst feierte, sollte ein älterer, in der Pfarrei lebender Mann als Lektor eine Lesung halten. Er freute sich darauf, denn er hatte den neuen Pfarrer schon in jungen Jahren kennengelernt und den Dienst als Lektor übt er auch schon eine Weile aus.Er ist vor allem wegen seiner urkölschen Art beliebt, die sich natürlich auch etwas in seiner Aussprache zeigt, dies wiederum aber von vielen gemocht wird. Zwei Stunden vor Beginn des Gottesdienstes bekam er einen Anruf aus den Reihen der "neuen Weggemeinschaft", er dürfe jetzt doch nicht die Lesung halten, dies solle ein Jugendlicher übernehmen. Der Grund hierfür wiederum lag darin, weil man den vielen anderen Geistlichen, die während der Feier anwesend waren, ein Bild von einer Gemeinde abliefern wollte, das in Wirklichkeit nicht existiert. Auch schämte man sich wegen seiner Aussprache an diesem Tag. Diese "neuen Weggemeinschaften" hatten die Macht, zu intervenieren. Während des Gottesdienstes ereiferte sich der Betroffene immer wieder. Mobbing?
 
In einer Firma wird eine Kollegin von der Leiterin der Abteilung auf verschiedene Weise gemobbt. Während sie mit anderen in einem freundlichen Ton spricht, wird diese von ihr immer wieder barsch und wirsch angesprochen. Dinge, die die Kollegin sorgfältig und ordentlich bearbeitet, werden nicht erwähnt, aber jeder kleine Fehler wird ihr nachgetragen und bis hinauf zum Chef gebracht. Die Situation eskalierte, als die Leiterin der Abteilung, die auch für den Arbeitsplan zuständig war, die Kollegin für den kommenden Dienstag einsetzte. Es war Freitag. Die Kollegin nahm das zur Kenntnis und freute sich auf einen freien Montag. Montagsmorgen beim Einkauf klingelte ihr Handy und eine erboste andere Kollegin fragte unfreundlich, wo sie denn bliebe? Folgendes war passiert: Die Leiterin der Abteilung hatte am darauffolgenden Samstag den Arbeitsplan wieder geändert und der betroffenen Kollegin nichts davon gesagt. Sie behauptete steif und fest, der Plan hätte Freitag schon so fertig gestanden. Kein Zeuge, Aussage gegen Aussage! Die Betroffene stand hilflos davor. Mobbing?
 
Das sind nur zwei kleine Beispiele, zu denen man sicher Hunderte von anderen aus anderen Bereichen aufgeführt werden können. Kinder in der Schule wissen das auch so einiges zu berichten. Mein Sohn erzählte oft von solchen Fällen, wo Schüler einfach in eine Schublade gesteckt wurden und da nie wieder rauskamen, sei es seitens der Lehrer sei es von ihren Mitschülern.
 
Überall wo Menschen zusammen kommen, scheint etwas zu fehlen, was einen respektvollen und anerkennenden Kontakt mit dem anderen verhindert. Aber was ist das? Was führt zu solchen Situationen? Ist es Angst, der Andere könne mehr leisten wie er, mehr Anerkennung bekommen wie er? Das würde auf einen Mangel am eigenen Selbstbewußtsein hindeuten. Manchmal sind es vielleicht niedere Gründe, die Kollegin ist hübscher, bekommt mehr Anerkennung von den Kunden, oder der Nachbar fährt einfach das bessere Auto. Hat nicht die Werbung sogar da ihren Ansatz, dass sie bewußt solche Dinge in Szene setzt? Ich meine mich an eine Werbung zu erinnern, die genau daraufhin zielte, seinen Nachbarn einfach einmal neidisch zu machen? Fängt Mobbing da an, wo Neid und Mißgunst vorherrschen, der Glaube an sich selbst und das alles einen Wert hat, verloren gegangen ist?
 
In einem Gespräch hier zu Hause wurde über die Situationen hier im Blog gesprochen. Und mein Sohn hatte folgende Frage:" Was hat einer davon, den andern runter zu bewerten? Wieso liegt das Gewicht auf irgendeinen Grad in der Bewertungsskala. Man hat nichts davon! Außer ein klein bißchen mehr Selbstwertgefühl. Es gibt andere Blogs, wo es noch schärfer hergeht, wo es aber rein materialistisch gesehen, etwas zu verdienen gibt und daher die Motivation schon wieder eine andere ist. Hat er mir zumindest berichtet. Kann man von all den Dingen, die hier passieren, schon von Mobbing sprechen oder haben einige tatsächlich keinen Humor und nehmen es zu ernst! Dazu kommt, dass jeder anonym ist, also sein Name eigentlich von niemandem der hier liest, mit dem Artikel in Verbindung steht. Noch unbegreiflicher!
 
Ist die Aneinanderreihung, z.B., wenn eine Kollege dich plötzlich links liegen läßt und nicht mehr mit dir kommuniziert, von Gesten, Blicken und Worten schon Mobbing? Oder sind wir alle nur zu überempfindlich geworden und können diesbezüglich weniger aushalten? Wenn ja, wieso?
 
Das Wort "Mobbing" leitet sich zum einen aus dem englischen Verb "to mob" ab und bedeutet nichts anderes als über Jemanden herfallen, ihn runtermachen, angreifen usw. usw. Und zum anderen aus dem Substantiv "the Mob", womit der gemeine Pöbel gemeint ist. Seinen Ursprung in der lateinischen Sprache "Mobile vulgus" bedeutete aufgewiegelte Masse.
 
Mobbing, brauchen wir das?

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Kommentare

Don Vito Corleone 11/02/2008 19:39

Hallo Roeschen,

bin erst heute auf deinen Artikel gestoßen, wegen dem heutigen Kommentar von Regina wurde dein Artikel auf der Communityseite angezeigt. Ich bin auch der Meinung, dass wir Mobbing nicht brauchen. Jeder von uns kennt glaube ich Mobbing, entweder war man selbst betroffen oder hat gemobbt. Mobbing kann nach meiner Meinung erst gar nicht entstehen, wenn man jeden Menschen so behandelt wie man gerne selbst behandelt werden möchte. Ihn nicht geringerschätzt als sich selbst und man versucht ihn zu verstehen. Das ist zwar schwer, wenn man wütend ist, aber man sollte es sich immer vor Augen führen. Diejenigen die Mobben und das auf genau die Art, die du beschrieben hast sind gemein und hinterhältig. Ausversehen kann man ja mal einen Fehler machen und dies kann ein Nachteil von einem anderen sein, aber die Mobber tun dies ja ständig über eine lange Zeit und wollen das Opfer fertig machen. Es macht ihnen Spaß und sie denken gar nicht über das nach, was sie tun. So glaube ich es, jedenfalls. Wenn man Zeuge von Mobbing wird sollte man Zivilcourage zeigen und den gemoppten unterstützen und zum Beispiel beim nächsten Meeting dies indirekt ansprechen oder auf sonst eine Art helfen.

Finde es sehr gut wie du den Artikel geschrieben hast!


Gruß
Don Vito

Fernweh 11/02/2008 19:50


Hallo Don Vito,

"jeder achte den Nächsten höher als sich selbst", das ist sogar noch eine Stufe drauf, aber es ist schon schwer genug, den Anderen so zu achten, wie man Selbstachtung empfindet. Es ist glaube ich,
immer eines der schwersten Dinge im Leben, zu versuchen, in den "Schuhen" des anderen zu gehen. Da ich selber viele Dinge in meinem Leben erlebt und verarbeiten mußte, gelingt es mir ganz gut, den
anderen nicht zu urteilen, man weiß ja nie, was für eine Geschichte er in seinem Leben gehabt hat. Nur im Alltag ist es so, dass der Mensch vergißt, darüber nachzudenken, es könnte ja einen Grund
geben, warum der andere so handelt, wie er handelt. Meistens wird gefühlsmäßig verbal um sich geschlagen. Gefühle sind wichtig, es gilt sie wahrzunehmen, aber nicht, sich von ihnen zu
unvermitteltem und voreiligen Handlungen hinreißen zu lassen. ICh glaube, dass der Mensch meistens nicht erkannt oder erkennen will, dass er schwach ist und wenn er es erkennt, muß er sich stärker
wie das Gegenüber fühlen oder besser, oder größer, sonst wäre es sozusagen sein psychologisch gesehener Tod. Keine Ahnung, ob DU das gerade verstehst. SOnst frag einfach nochmal nach.

Hey, ich hab mich gefreut über Deinen Kommentar.

Lieben Gruß

Röschen


ReFi 11/02/2008 16:36

.... Mobbing habe ich in den 80iger Jahren schon mitbekommen, hauptsächlich am Arbeitsplatz... diejenigen die gemobbt wurden waren meistens Kollegen die sich nicht durchsetzen konnten und die Mobber hatten richtig genommen nur Angst das der andere Kollege besser war... nein Mobbing brauchen wir wirklich nicht...Lieber Gruß Regina