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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 20:20

Merkwürdig was mir da heute morgen ins Auge fällt! Letzte Seite Panorama KSTA. Mittig oben ein Riesenbericht über die Verleihung der Goldenen Kamera. Man ist hypnotisiert von den ovationsgewohnten strahlenden Gesichter der Stars. Die 77 Jahre alte Lili Pulver zeigt (geliftet? bestimmt! oder nicht?), wie sich vielleicht so mancher wünscht, alt zu werden. Ich meine abgesehen vom Starruhm. Immer noch jung aussehend um jeden Preis.
 
Herr Richie war, dem Bericht zu folgen, zuerst nicht so begeistert, den Preis für sein Lebenswerk zu bekommen. Er hatte Angst, dass er jetzt zum "alten Eisen" gehört.
Während ich die Bilder betrachte, fällt mein Blick ganz nach links oben. Dort eine kleine, unscheinbare Mitteilung über einen Arzt aus Italien, der wohl von der Kommission des italienischen Ärzteverbandes freigesprochen wurde, weil er bei einem Patienten auf dessen Wunsch das Beatmungsgerät abgestellt hatte.
 
Was für Welten da aufeinanderprallen. Zum einen unsere Glimmerwelt, groß und riesig in Szene gesetzt. Und das, was die Realität unseres Lebens ist und für jeden werden kann, ganz klein in die Ecke gerückt. Ein Thema, mit dem man sich nicht gerne befaßt und das man lieber in die unterste Schublade stecken möchten. Ist aber auch sehr schwer, da einen richtigen Weg zu finden. Euthanasie, aber wie? Das Wort Euthanasie stammt aus dem Griechischen und bedeutet:"Schöner Tod". Schon die alten Philosophen waren sich da nicht einig. Seneca z.B. sprach zu diesem Thema von der Beseitigung von "Minderwertigen". Das wiederum konnten wir hinreichend in der Geschichte des Nationalsozialismus verfolgen. Platon dagegen vertrat die Ansicht, dass man das Leiden "Schwerkranker" nicht verlängern solle! Nietzsche sprach sogar von der "Sorge" um das leidende Leben!
 
Ich stelle mir die Frage, wo fängt diese Sorge an. Was macht ein Leben lebenswert? Wer kann und sollte das beurteilen, wenn ich selber nicht mehr darüber entscheiden kann oder mich nicht mehr verständlich machen kann? Vor schon etwas längerer Zeit habe ich einen Bericht bei Arte gesehen über eine Schweizer Sterbehilfe-Organisation. Dort können sich Menschen mit schweren Behinderungen oder Erkrankungen, die nachweislich zu einem qualvollen Tod führen werden, anmelden und bekommen dort anerkannte Sterbehilfe. Der Bericht war sehr beeindruckend und ich werde ihn nie vergessen, weil er tatsächlich Menschen gezeigt hat, wie sie sich auf diesen Moment vorbereitet haben und er hat auch nicht davor halt gemacht, die letzten Minuten und den Vorgang zu zeigen. Alle waren sehr gefaßt und froh darüber, jetzt in diesem Moment gehen zu dürfen. Respekt vor so viel Mut!
 
Natürlich weiß ich auch um die Problematik z.B. bei Koma-Patienten. Immer wieder hat es Fälle gegeben, wo diese Patienten nach langen Jahren wieder aufgewacht sind und glücklich und froh waren, wieder am Leben teilnehmen zu können. Aber auch andere Fälle hat es gegeben, das Menschen erwacht sind, die es nicht wollten. Hier ist besonders das Geheimnis zu sehen, warum und wieso das passiert!
 
Vor einiger Zeit ist der Vater eines meiner Patenkinder nach schweren Herz- und Hirninfarkten ins Koma gefallen. Es gab ganz klar keinen Ausweg mehr. Hätte man keine Reanimierung mehr vorgenommen, was aber wiederum die Pflicht der Ärzte ist, wäre er sofort verstorben. So aber lag er noch fast zwei Jahre zuerst zu Hause bei seiner Frau, die wiederum psychisch und physisch daran zerbrochen ist, dann bei seiner Tochter, die nebenher noch eine Familie mit acht Kindern zu versorgen hatte, wo er dann nach Gottes Gnade einige Zeit später verstorben ist! Seine Frau ist ein Jahr nach ihm verstorben! Ich habe mich damals oft gefragt, warum? Warum mußte er so lange leiden? Die Betroffenen antworteten mir damals, das es seinen Sinn hätte. Viele waren um ihn herum und haben ihn mitgepflegt. Die vielen Enkel saßen oft an seinem Bett und erzählten ihm Geschichten aus der Zeit, in der er sich noch intensiv um sie kümmern konnte. Auch kam das Thema "Versöhnung" zur Sprache. Es gab da wohl noch einiges, was unversöhnt war und so hatte man Zeit dazu, meinten die Betroffenen! Aber muß dass sein? Muß jemand leiden, weil die Hinterbleibenden noch was zu klären haben? Ich weiss es nicht! Kann das nicht auch nachher geschehen?
 
Es gibt einen wunderbaren Film zu diesem Thema von Alejandro Amenabar, einem spanischen Regisseur "Das Meer in mir". Hier handelt es sich um einen Mann, der sehr jung nach einem Sprung ins Meer auf einen Felsen aufschlug und bis zum Hals gelähmt blieb. Seine Familie pflegt ihn und er ist in liebevoller Weise integriert und kann sogar in seinem Zustand noch den anderen Halt und Zukunftsperspektiven geben. Ich will nichts vorweg nehmen, er ist einfach anschauenswert. Er basiert auf eine Fall des Spaniers Ramon Sampedro, ist also nicht erfunden.
 
Es ist eine Frage, mit der wir uns immer wieder einmal intensivst auseinandersetzen müßten, weil es uns alle betreffen kann! Denn wer hat schon das Glück nach langem Leben friedlich einzuschlafen? Vielleicht noch mit einem letzten Satz auf den Lippen, den man den Hinterbliebenen mitgeben möchte, wie das tibetische Mönche beherrschen!
 
Wie sollen und wollen wir sterben und was ist lebenswertes Leben!

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