Saturday, 9. july 2011 6 09 /07 /Juli /2011 06:37

Schon mal den Rheinsteig gewandert? Ne, nicht rein in den Rhein, sondern rauf auf die Höhen der Weinberge, abwechselnd durch Lichtungen, Wälder und Täler, den Blick auf den Rhein oder aber auf die stillen Dörfchen und Landschaften genießen.
 
Also, dann wird es aber Zeit. Deutschland ist auch schön! Der Freund meines Vertrauens sagt ja immer..."Röschen, Röschen, warum willst Du immer in den Himalaja, wo Du nicht mal den Odenwald erkundet hast."
 
Trittsicherheit ist auf dem Rheinsteigs unumgänglich
 
Naja...und den Taunus ja auch noch nicht in seiner ganzen Schönheit. Ich sag dann immer, sicher, sicher, mach ich doch auch immer, das Erkunden meiner Umgebung. Meine Neugier, was mich umgibt, ist schon immer groß gewesen:)
 
Und überhaupt, tse, tse, tse...bis an die Ränder des Taunus hat sich mein Taunustroll schließlich auch noch nicht gewagt! So!
 
Aber gestern haben wir uns aufgemacht, der Taunustroll und ich:), ganz spontan. Ich liebe Spontanität, die auch nicht vor einer Anfahrt von ca. 8o km zurückschreckt.
 
Nach einem späten, aber reichhaltigen, dekadenten Frühstück, mit sage und schreibe echtem Hildegard-Brot aus lichthohem Roggen gebacken, sind wir mit Proviant aus demselben in Lorch angekommen.
 
Herrlich, die Welt aus der Distanz zu betrachten
 
Von dort begann unsere ca. 2o km lange Wanderung auf dem Rheinsteig, die der Wanderführer mit der Überschrift Von Lorch über den Rheinsteig zur Sauerburg empfohlen hatte.
 
Lorch, ein stilles, kleines Weindörfchen durchlaufen wir flott, um über die Alte Brücke die Wisper zu überqueren, damit wir auf die Route des Rheinsteigs gelangen.
 
Der Vorteil einer späten Wanderung ist, fast alle kommen zurück und so haben wir die Natur für uns:) Klasse!
 
Schnell erreichen wir die Weinberge über altem Schiefergeröll hinweg, der darauf hindeutet, dass hier an einigen Plätzen der Wein besonders gedeiht. Der Schiefer speichert die Wärme der Sonne und das bekommt dem Wachstum der Reben. Dennoch sind einige Weinberge verwildert. Warum? Keine Ahnung! Vielleicht weil im Wispertal die kalten Luftströme, für die es bekannt ist, dem Wachstum schaden. Aber das ist nur meine unmaßgebliche Vermutung.
 
"Freistaat Flaschenhals"
 
Trittsicherheit ist auf den ersten Wegen des Rheinsteigs unumgänglich. Für ganz Ängstliche sorgen die Halterungen einiger Stahlseile für Sicherheit. Eine ältere Dame fragt uns auf der Höhe nach der Gefährlichkeit des Abstiegs. Naja, was für den einen gefährlich ist, ist für den anderen Peanuts. Aber wir machen ihr Mut. Für uns jedenfalls war es kein Problem.
 
Also, ich steig ja lieber hinauf, als ab:-) Wer will schon absteigen:-), so wie Frankfurt letzte Woche.
 
Unsere erste Würdigung ist schnell erreicht. Die Burg Nollig . Von dort erwartet uns eine sagenhafte Aussicht auf Lorch und das vor uns liegende Rheintal.
 
Herrlich die Welt aus der Distanz zu betrachten. Das müßte einem im Leben auch immer gelingen, dass einem die Verrücktheiten und Verdrehtheiten nicht all zu sehr auf die Pelle rücken.
 
Lorch war im übrigen eine wichtiger Punkt für den Schiffsverkehr in alten zeiten. Hier wurden die schweren Güter der Frachtschiffe abgeladen und auf kleinere Lastkähne oder auf Fuhrwerke umtransportiert. Die an diesem Punkt des Rheins vorhandenen Untiefen und Stromschnellen, gerade auch um das Binger Loch, sind heute ebenso wie damals noch gefährlich. Ich meine mich erinnern zu können, dass vor einiger Zeit an dieser Stelle ein größeres Schiffsunglück geschehen ist.
 
An einem Haus in Lorch hab ich eine Plakette erspät, die den Aufdruck "Freistaat Flaschenhals" hatte. Ich dachte, das sei ein Spaß, wegen des Weins;-) Aber nix da. Lorch war tatsächlich einmal die Hauptstadt des Freistaates Flaschenhals und dies wiederum war das Ergebnis des Versailer Vertrages.
 
Fantastisch sind die Ausblicke auf den Höhen
 
Übrigens...eine zu bestaundene Sehenswürdigkeit in Lorch ist der Schnitzaltar in der Dorfkirche. Enstanden im Jahre 1483. Er soll der größte und best erhaltenste Altar in ganz Deutschland sein. Wir haben diese Sehenswürdigkeit aber links liegengelassen.
 
So doll bin ich nicht im Sehenswürdigkeitengucken:-), schli8eßlich habe ich auch den Taj Mahall in Delhi nicht bestaunt. Im Grunde geh ich lieber dahin, wo andere nicht hingehen:-)
 
Hatte ich schon geschrieben, wie fantastisch die Ausblicke auf den Höhen sind? Ich kann es nur wiederholen. Immer wieder ein anderer Ausblick, eine andere Perspektive und das bei dem herrlichsten Maisonnenwetter.
 
Auch das müßte man im Alltag immer können, die Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten, das würde helfen. Wanderungen sind für mich immer bestückt mit Bildern, die übertragbar sind auf das Leben...Höhen und Tiefen, Auf- und Abstieg, Gehen und Innehalten.
 
Das bietet der Rheinsteig und macht ihn besonders reizvoll.
 
Wir haben jetzt die Höhe von Bacherach erreicht, den Blick auf die Burg Stahlbeck hinter uns gelassen und treffen in Lorchhausen auf den Rieslingspfad. Vom Aussichtspunkit Wirbellay wieder ein herrlicher Blick auf den ollen Vater Rhein.
 
Man kann sich gut vorstellen, warum dieser olle Vater Rhein so oft besungen wurde und selbst der Ami kennt das Lied vom ollen Vater Rhein in seinem Bette:-) Und ehrlich, wenn ich auf meine Fahrten nach Kölle das erste Mal wieder den Rhein erblicke, geht auch mir das Herz über. Da kann halt der Main nicht mithalten, auch wenn das Mainufer einfach schöner angelegt ist, als unser Rheinufer.
 
Wirbellay übrigens wegen der starken Rheinstromwirbel an dieser Stelle.
 
Wir halten immer mal wieder an und genießen die Ausblicke, Hunger überfällt uns weniger. Wahrscheinlich wegen des Hildegard-Brotes:) Oder waren wir eifnach von der Schönheit der Natur satt?
 
Aber der Durst! Da waren wir getränkemäßig nicht so gut bestückt. Und leider waren wir auch zu ängstlich aus den immer mal wieder auftauchenden Quellen zu trinken, obwohl nicht direkt davor gewarnt wurde, aber eben auch nicht erlaubt. So herrlich frisch, kühl, klar und rein das Wasser. Wieso hat der Mensch vergessen, dass Wasser unser wichtigstes lebenselexier ist? Wie ist es nur zu der Sorglosigkeit und Mißachtung im Umgang damit gekommen?
 
Wir sind daher ganz froh, als wir Kaub hinter uns gelassen haben und uns der Grenze Hessen/Rheinland-Pfalz nähern. Denn...obwohl der Wanderführer darauf hingewiesen hatte, dass keine Einkehrmöglichkeit besteht, finden wir dennoch eine kleine Gastronomie, behelfsmäßig in einem Wald, bevor es zu einem weiteren Aufstieg kommt.
 
Ein bißchen wie im Märchenwald
 
Dieses Mal aber kein Wasser, sondern eisgekühlte Coca-Cola. Herrlich...obwohl ich kein wirklicher Cola-Trinker bin, überzeugt mich in diesem Moment das kühle Naß und ich stimme in die Lobrede meines Taunustrolls über den Erfinder John Pemperton, der sich das Getränk 1887 patentieren hat lassen, ein.
 
Und auf gehts und weiter! Eine Steigung, die es nochmal in sich hat, sich in Serpentinen windet, führt uns in einen herrlichen Eichenwald, der ein bißchen wie ein Märchenwald anmutet. Der Wanderführer spricht zwar von "mediterranem Charakter"...Naja... kann man auch assoziieren. Und, ich sags doch....Warum in die Ferne schweifen:-)
 
Den Wald hinter uns lassend gelangen wir auf eine Hochfläche. Man kann es gar nicht richtig glauben. Plötzlich hört der Wald einfach auf. Wie kommt das. Hat das die Natur eingerichtet, von allein oder hat der Mensch hier seine Hand im Spiel? Vielleicht wegen der Jagdt? Hat der Jäher von seinem Hochsitz eine bessere Möglichkeit, dem äsenden Wild auf der Höchfläche zu begegnen und es zu erlegen. Vielleicht!
 
Und wieder und wieder mal der herrliche Aus- und Rundblick! Auf einer Straße müssen wir dann kurz weiter in Richtung Sauerburg. Im Mittelalter zockelten hier die Fuhrwerke mit ihren Waren und Reisenden. Ach, wenn man da an den Autoverkehr von heute denkt. Manches war eben früher doch besser:)
 
Vor der Sauerburg noch der Hof Sauerburg. 6oo Jahre soll der alt sein und zu damaligen zeiten die Burg mit allem, was gebraucht wurde, beliefert haben. Durch die Bäume hindurch schimmert schon der Burgfried, oder war es eine Fata Morgana? Nö...er war es, gespalten liegt er vor uns. Gespalten deswegen, weil die Franzosen im Jahre 1689 versucht hatten, ihn zu sprengen. Habens aber net geschafft, die Franzosen:-) Warum auch immer.
 
Die Erben der Sauerburg waren später die Freiherren von Sickingen, deren letzter Nachkomme trotz Burg und Hof völlig verarmt ist. Eine Anstellung, die er angeboten bekommen hatte, lehnte er mit den Worten:"Ein Sickingen dient nicht, ein Sickingen läßt dienen"
 
Tse, tse, tse...solche Sickinger:-) gibts heute auch zu Genüge. Dabei steht für den Christen das Dienen an erster Stelle. Dem Leben dienen. Das gefällt mir schon und sich selber dabei nicht vergessen. Eine Kunst eben!
 
Es ist spät geworden....Wir wollen jetzt doch zum Ende gelangen mit unserer Wanderung. 21.oo Uhr hatten wir einkalkuliert. Wir begnügen uns noch schnell mit unserer Wesper (Hildegard-Brot:-)) und kommen auf unserem weiteren Weg hinab ins Sauertal. Ein bißerl unheimlich mutet das Dörfchen oder besser eine Ansiedlung von Wöhnhäusern, die zwar alle wunderhübsch und individuell gestaltet sind, an. Dennoch möchte ich nicht in einem solchen Tal wohnen. Nä, dat wär nix für mich in so einem Kessel zu leben, ohne Blick auf den Himmel und das umliegende Land.
 
Erholung an Leib und Seele
 
Noch einmal können wir die schönen, gewaltigen Schiefergalerien bewundern, die rechts am Wegesrand aufgetürmt sind und aus denen viele der alten Gebäude errichtet sind, so auch die Burg Waldeck, die nur noch eine Ruine ist und früher der Sitz der Raubritter gewesen sein soll.
 
Übrigens haben wir auf dem kleinen Abstecher zur Ruine Waldeck wieder fürs Leben gelernt;-) Nicht alles, was gefährlich oder unüberwindbar erscheint, ist es auch. Ein umgeschlagener Baum lag quer über dem Weg und von oben herab sah der Weg unbegehbar aus. Also suchten wir uns einen eigenen Weg, der sich im Nachhinein als gefährlicher und unbequemer herausstellte, als der Weg, der dann von unten sichtbar hätte ganz leicht begangenw erden können. So iset halt manchmal im Leben:-)
 
Es ist so still geworden, um uns herum, schön war diese Abendstille in der anbrechenden Dämmerung. Wir gehen gemütlich, aber zielstrebig unseres Weges als ich plötzlich vor mir direkt auf dem Weg ein großes schwarzes Tier mit lauter kleinem Gewusel erblicke. Da ich etwas fernblind geworden bin, dachte ich zuerst an eine Kuh. Aber nach genauem Hinschauen entdecken wir eine Bache mit ihren Frischlingen. Auweia...das ist oder kann gefährlich sein, schießt es mir in den Kopf.
 
Wir bleiben eine Weile stehen, die Bache verschwindet, mit ihr die Kleinen. Ob wir weitergehen können. Ein wenig hab ich doch Schiss:-)...Und da tauchen auch noch zwei weitere Kleine auf dem Weg auf und laufen auf die andere Seite zu ihrer Mutter. Jetzt erst gehen wir zielstrebig weiter. Die mögliche Gefahr ist gebannt. Aber der Anblick war wunderschön. Ist schließlich nicht jedem vergönnt.
 
Es war einer der Höhepunkte unserer Wanderung. Wir haben es geschafft.
 
Erholung an Leib und Seele. Müde, aber selig finden wir unser Auto und fahren auf der autofreien Straße zurück in Richtung Frankfurt.
 
Es muß noch eingekauft werden. Aber zur Not darf´s nach mal Ravioli aus der Dose sein. Immerhin hatten wir Hildegard-Brot:)
Man schläft so schön nach einer solchen traumhaften Wanderung. Und am nächsten Tag ist man schön bracke:-) Und das ist gut so.
 
Herrlich, warum in die Ferne schweifen....Und! Fitßneßstudios bräuchte es auch keine:-) Wandern_Deutschland_Taunus_Pfaelzer_Wald_bild0_bg1.png

von Fernweh - veröffentlicht in: Ausflugsziele! - Community: Gesundheit und Lebensfreude
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Kommentare

Das brauchen Sie nur Beratung, ist erstaunlich. Bevor Sie nach der Definition ist im Grunde ein spektakuläres, kann ich davon ausgehen, können Sie ein Profi sein, in diesem Bereich. Sehr gut, mit Ihrer Erlaubnis lass mich packen Ihren RSS Feed zu halten mit den eingehenden release date. Tausend Dank und bat darum, den Betrieb aufrechtzuerhalten fabelhaft.
Kommentarnr1 gepostet von birkenstock graz am 9.07.2011 um 07h43

DAnke!

Antwort von Fernweh am 10.07.2011 um 07h34

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