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6. Februar 2017 1 06 /02 /Februar /2017 20:00

Es ist schon lustig. Bevor ich vor 8 Jahren nach Frankfurt ging hatte ich mir damals das Tourenbuch Kölnpfad zugelegt. Es war noch eine letzte Unternehmung, die ich vor meinem Umzug nach Frankfurt, in Köln unbedingt machen wollte. Der Wanderweg erstreckt sich über eine Länge von ca. 170 km, ein Rundwanderweg um Köln herum. Aber wies so geht in meinem Leben. Oft ist von einem auf den anderen Tag alles anders. Ich bin son Typ. Ich kann auch einfach alles auf den Haufen werfen wenn plötzlich etwas im Raum steht, dass mir wichtiger ist. Damals war es Birmingham. Die Arbeit. Dann kam die Zusage aus Frankfurt für den Job ab dem nächsten Jahr und schon war ich anders verplant. Und so wanderte der Kölnpfadwanderführer in Folie verpackt in meinen Umzugskarton mit nach Frankfurt, wo er sein einsames Dasein in meinem Bücherregal fristete,-)

Und so, wie ich ihn gekauft habe, packte ich ihn auch wieder in die Kiste, als das Heimweh mich wieder zurück nach Köln trieb und ich den Rückzug startete. Ich bin da nicht verlegen, wenn es ein Scheitern gibt, auch wieder von vorne an zu fangen. Das Leben ist ja ein ständiges Fallen und Aufstehen, jedenfalls bei mir war das immer so.

Und vor ein paar Tagen nahm ich ihn mir zur Hand, gerade in dem Moment, wo mir der Winter langsam begann auf die Nerven zu gehen und ich dachte, schiet wat, jetzt machste das einfach.

Und heute Morgen ist es also losgegangen. Eigentlich ist es ja ein Fusswanderweg. Und ich hatte auch wirklich vor, ihn per pedes zu laufen. Aber auf mich ist einfach kein Verlaß,-) Als ich drüber nachdachte, erst mal ewig lange einen Anfahrtsweg mit der Strassenbahn zu starten und ich die Sonne blitzen sah, kam mir das Vorhaben abhanden,-) Vor der Tür lachte mich mein Rad an und kurzer Hand änderte ich meinen Plan und dachte, och geht sicher auch mit dem Rad. Warum auch nicht. Und so startete ich von meiner Behausung Richtung Heinrich-Lübke-Ufer in Köln-Bayenthal, von dort aus begann der Weg.

Es war herrlich wieder den Fahrtwind um die Ohren geblasen zu bekommen. Meine Fahrt ging über die Mülheimer Brücke ans Rheinufer. Ach der gute alte Vater Rhein. Er ist einfach die Lebensader von Köln. Heinrich Böll soll einmal gesagt haben, für ihn war er Quelle der Inspiration und Erkenntnis. Vor allen Dingen aber ist er ein Ruhepool mitten in der Stadt. Ich  kann bis zum Heinrich-Lübke-Ufer am Rhein entlang radeln. Und wie immer sind meine Wege, ob zu Fuss oder per Rad immer mit vielen Erinnerungen verbunden. Das Rheinufer auf dieser Seite war lange lange Zeit mein täglicher Spazierweg mit meinen Hunden. Viele schöne Stunden hab ich dort mit ihnen verbracht. In den Wiesen herumgetollt, Stöckchen geworfen, zugeschaut, wenn sie sich übermütig in den Rhein schmissen und ich vor lauter Angst am Ufer stehend bibberte, weil ich Sorge hatte, dass die Strömung sie mir fortriss.

Natürlich auch nicht so schöne Erinnerungen. Dazu gehört das jetzige Axa-Hochhaus in Köln, früher Colonia-Hochhaus. Fahre ich dort vorbei ist immer wieder der Schrecken der Vergangenheit präsent. Damals, die Freundin mit ihren beiden Kindern. Ging einfach fort. Von dort oben. Niemals werde ich das verarbeiten und vergessen können. Die Kinder wären heute so alt wie meine. Dann braucht es immer eine Zeit, bis sich meine Gedanken und die Erinnerung wieder beruhigt haben. Meistens umgehe ich auch dieses kleine Stück Teilstrecke.

Das Rheinufer ist leer und liegt still vor mir. Die Schiffsanlegestellen sind unbehaust. Wer will schon im Winter mit dem Böötchen fahren,-) So gesehen könnte es immer Winter sein, dann ist Köln, wie in den Sommerferien, einfach schöner, weil leerer und gemütlicher. Ich geniesse die Fahrt vorbei am von der Sonne glitzernden Wasser, meinen Atem spürend, auf meinen Körper achtend. Ich bin einfach ein Langstreckenradler. Ich könnte immer weiter und weiter fahren:) 12 km hab ich auf dem Tacho, als ich an meinem eigentlichen Zielbeginn des Kölnpfades ankomme. Der Weg selber umfasst eine Strecke von ca. 22 km, so steht es in meinem Büchlein. Gesehen hab ich den heiligen Maternus, Fürsprecher und Helfer in Wassernöten. Eine grosse Statue, ca. 1913 von Nikolaus Steinbach erschaffen. Maternus war der erste geschichtlich erwähnte Bischhof von Köln. Die Rodenkirchener standen besonders unter seinem Schutz.

Und weiter gehts. Ich fahre Richtung Rodenkirchen weiter am Rhein entlang, vorbei am Hausboot *Alte Liebe*, in der ich ebenfalls schon so viele gemütliche Sitzungen im Sommer abgehalten habe allein oder mit Freunden. Jetzt liegt es ebenfalls verlassen und still am Steg. Auch die beiden Lokale *Zum Treppchen* und *Fährhaus`* warten noch auf Gäste. Das alte Fachwerk ist hübsch anzusehen und sie erinnern an die Zeit, als Rodenkirchen noch von der Treidelwirtschaft lebte in der Zeit des frühen 18 und 19.Jahrhunderts.  Es ist ja noch früh. Hier wird es auf jeden Fall immer voll, egal zu welcher Jahreszeit. Aber zu beiden Lokalitäten fühlte ich mich nie hingezogen. Ich saß dann lieber auf irgendeiner Bank und vergnügte mich mit Butterbrot und Thermoskanne oder Wasser,-)

Dann kommt der Rodenkirchener Campingplatz und die Minigolfanlage. Und obwohl ich recht gern Minigolf spiele, hab ich ihr noch nie einen Besuch abgestattet. Es gibt einfach zu wenig Menschen in meinem Leben, die meine kleinen und großen Freuden teilen. Alle sind immer so beschäftigt. Aber ich lieb sie trotzdem,-) Beim Campingplatz muss ich immer schmunzeln. Ich wollte doch tatsächlich mal in einen Wohnwagen ziehen. Vor einigen Jahren, als ich vom Jakobsweg zurückkam. Den Geschmack darauf hatte mir ein Pilgerbruder gemacht, den ich auf dem Weg kennenlernte und der tatsächlich dort lebte und dass schon seit einiger Zeit und sich pudelwohl fühlte. Ich habe ihn damals auch mal besucht. Fands auch lustig, aber merkte dann doch, dass das nichts für mich ist.
 

Nun geht der Weg etwas weg vom Rhein durch die kleinen Rodenkirchener Rheinwaldgebiete. Ich fahre die sehr gern, weil auch hier selbst im Sommer einem kaum ein Mensch begegnet. Die Strecke ist sozusagen meine Hausstrecke, all die weil man von dort an die Fähranlegestelle kommt, bei der man dann mit dem Böötchen rüber auf die andere Rheinseite kann. Sie liegt natürlich nun auch verlassen und einsam dort.
 
Auf der Fahrt dorthin hab ich eine nette Begegnung. Ich sah sie schon von weitem. Die Frau mit sage und schreibe acht Hunden an der Leine. Gut, ich geb zu, von weitem hab ich die nun noch nicht alle auf dem Schirm gehabt. Als ich dann bei ihr ankam blieb ich stehen und sagte erstmal: Wahnsinn, dat darf net wahr sein und lachte sie herzlich an, bis dann natürlich auch mein Guten Tag kam: Sie haben aber viele Hunde und alle an der Leine:) Sieht lustig aus. Ich zählte sie dann ab. Es waren 8. Unfassbar. Was macht ein Mensch mit 8 Hunden fragte ich sie. Es waren West Highland White Terrier. Sie sahen einfach allemale so putzig aus. Ich konnt mich gar nicht einkriegen. Die kamen natürlich auch alle auf mich zu, sprangen an mir rum, beschnupperten mich. Tja, sie gehörten tatsächlich alle ihr. Sie sagte, mit zweien sei sie angefangen. Hätte sie damals gerettet vor dem Tierheim. Gewusst hätte sie nicht, dass die Hündin schwanger war. Und so kamen dann die anderen mehr oder weniger hinzu, bis auf zwei, die sie ebenfalls vom Tod rettete, wie sie erzählte. Sie lebe allein, ihr Mann sei schon vor Jahren verstorben. Sie wäre Allgemeinmedizinerin und das funktionierte gut mit den Hunden. Sie ginge morgens mit ihnen raus, am Mittag dann und zur Abendstunde. Ansonsten blieben die allein, würden aber nix anstellen und sauber sein. Also, ich kann mir das nicht vorstellen, so viele Hunde um mich herum zu haben, obwohl ich schon ein Hundefreund bin. Aber einer täte mir genügen,-) Sie erzählte auch, dass sie die Hunde manchmal Menschen zur Begleitung überlasse, vor allen Dingen depressiven Menschen und man staune, wie sehr diese Menschen nach ein, zwei Tage im Zusammensein mit den Hunden verändert wären. Naja, ob das so einfach ist. Aber ich glaub schon, so ein treuer Hundefreund kann das Leben sehr bereichern. Ich fand die Frau wirklich drollig da mit ihren 8 Junden an der Leine, auch weil sie zum Schluss sagte, die acht Hunde wären ihr lieber wie ein Mann. Der käme ihr nicht mehr ins Haus, hahaha:) Ich liebe solche unverhofften schrulligen Begegnungen mit Menschen. Das ist immer ein Sahnetüpfelchen auf meinen Wegen:)
 
Also ich radelte mal weiter und von der Fähranlegestelle ging es dann quer durch die weiten Felder und Wiesen von Rodenkirchen-Weiß. Schöne Wege an Pferdekoppeln vorbei. Es roch nach Dung und Heu. Da geht mir das Herz auf:) Idylle pur. Pferde stehen tatsächlich auch schon draussen und hie und da begegnet mir ein Reitersmann oder frau:) Also das ging gut mit dem Rad. Bisserl heftig war es in den kleinen Wäldchen, die immer mal wieder zwischen den Feldern plötzlich auftauchten, Buchen und Birkenwäldchen. Die Wege voller Matschepampe und es wäre hier gut angebracht gewesen, eher mit einem Bike zu fahren. Aber ich liebe ja solche Herausforderungen und kann mich, solange ich nicht vom Rad falle, daran vergnügen:), wenn es hü und hott geht, oder rumpelt und pumpelt. Gut, genau in einem Matschloch klingelte mein Telefon. Ich hab echt mit mir gerungen, soll ich nu ran oder nich. Aber man weiss ja nie, vielleicht ist es wichtig,-) Also abgestiegen, ein Fuss auf dem Pedal gelassen, das andere fussspitzenderweise  auf dem Boden fragte ich wer da? Ach, welch Überraschung, ein netter Mensch wollte sich einfach nach meinem Wohlbefinden erkunden. Ich steh gerad in der Pampa erzählte ich ihm, im Wald und auf der Heide,-) Und sprechen geht nu wirklich nicht lang, weil vom Fahren ist mir heiss, aber die Kälte holt schnell ein und ich mag nicht frieren, weil ich ja noch ein gutes Stück vor mir hatte,-) Also verabschiedete ich mich und versprach in besseren Zeiten zurückzurufen:)
 
Jetzt muss ich ein wenig zwischen Rodenkirchen und Weiß hin- und herradeln, denn so verläuft der Weg weiter durch Strassen und Gassen. Vorbei an Villenvierteln in denen ich nicht leben möchte. Das ganze Gebiet hier ist teilweise auch stadterweiternd in den Jahren 1888 erstmals und später dann im Jahre 1975 aufgrund der damals rasanten wirtschaftlichen Entwicklung entstanden. Ich komme am alten Lennarthof vorbei, der urkundlich erstmals 1171 erwähnt ist und der letzte von ehemals zehn Höfen, die das frühere Dorf Rodenkirchen prägten. Wie sicher überall stattgefunden, sind diese alten Gutshöfe mittlerweile in Eigentumswohnungen umgewandelt worden. Auch einige Firmen haben hier Einzug gehalten, ich seh es an den Schildern. Schade, dass diese doofen Schilder den schönen Gesamteindruck des spätbarocken Herrenhauses verunglimpfen.
 
So langsam nähere ich mich dem Friedenswald und dem direkt daneben liegenden Forstbotanischen Garten der 1964 hier entstanden ist.  Beides zusammen sind sie ein Pendant zur Flora in der nördlichen Innenstadt Kölns. Auch hier hab ich viele schöne Erinnerungen an die Zeit, als die Kinder noch klein waren. Denn oft sind wir an den Nachmittagen dort hinaus, es gab einen schönen naturbelassenen Spielplatz mit viel Strandsand und Bäumen, auf denen geklettert und balanciert werden konnte. Und im Herbst konnten die Drachen hier wegen der Weite besonders gut steigen. Schöne Zeiten auch hier. Ein richtig kleines Ferienparadies in der Stadt wie ich fand. Ich mochte den Friedenswald immer besonders. Er ist in Köln ein Bild für die diplomatischen Beziehungen Deutschlands und man kann allerhand verschiedene Bäume aus aller Herren Länder bestaunen. An den Bäumen findet man die Landesflaggen für die einzelnen Staaten zu denen die BRD Anfang der 80er Jahre diplomatische Beziehungen unterhielt. Tja, was wäre das wirklich für ein Paradies auf Eden, wenn endlich einmal Frieden herrschen würde überall auf der Welt. Eigentlich gehört der Forstbotanische Garten nicht direkt zum Kölnpfadwanderweg, dennoch mache ich einen Abstecher und radele ein wenig durch die kleinen Wege. Leider blüht nun nichts, aber im Frühling und Sommer können hier an die 3000 verschiedenen Arten von Gewächsen bestaunt werden und natürliche die Pfaue, die überall herumstolzieren in ihrer Pracht.
 
Leider muss ich jetzt ein wenig Autobahnlärm ertragen, denn der weiterführende Weg führt auch an der Autobahnbrücke der A 555 vorbei und durch. Was ich nicht wusste, dass die A 555 tatsächlich Deutschlands erste Autobahn war. Damals, also beim Bau der selben in den Jahren 1929 bis 1932 hiess das aber noch nicht *Autobahn* sondern Kraftwagenfahrstrasse,-) die von Köln nach Bonn lief. Und der olle Adenauer soll damals bei der Einweihung gesagt haben, seht ihr Leute, so sehen die Strassen der Zukunft aus. Auweia, wenn die Menschen damals gerwusst hätten, was auf sie zukommt. Heute durchzieht ein Autobahnnetz von an die 12.000 km Deutschland und die Tendenz ist noch steigend.

Mein Weg führt weiter  über die A 4 mit dem südlichen Autobahnkreuz vor Augen und durch das Wasserwerkswäldchen. Hier beginnt auch sozusagen die *Grüne Lunge* Kölns, die mittlerweile wie ich las bedroht ist. Der Grüne Ring Kölns, der sich aussen und innen durch Köln zieht ist noch ein Erbe vom alten Adenauer, der ihn damals zusammen mit dem Hamburger Städteplaner Fritz Schumacher entworfen hatte. Adenauer muss damals gesagt haben, dass er sich jetzt entscheiden müsse, ob Köln eine grosse Steinwüste wird oder aber eine Stadt, in der ein menschenwürdiges Dasein durchaus möglich ist. Daher setzte sich er sich für die Anlage dieser grossen Parkanlagen damals ein. Im Grunde kann von Nord nach Süd linksrheinisch durch diese Parkanlagen gefahren werden, ohne dass man viel in den Verkehr, ausser beim Überqueren der einzelnen Strassen, hineingezogen wird.  Früher habe ich diesen Weg immer von Nippes aus zu meiner Arbeitsstätte in Köln Zollstock zurückgelegt, einfacher Weg 8 km. Im Sommer sind diese Parks im Grüngürtel Oasen für die Menschen, die hier leben und bieten eine Möglichkeit zur vielfältiger Freizeitgestaltung. Aber auch stundenlang im Gras herumliegen und das abwechslungsreiche Schauspiel von Wolken, Wind und Sonnenschein kann man stundenlang beobachten und in den Tag hineinträumen:)
 
Und so langsam nähere ich mich dem Ende meines Weges von doch 25 km, wie ich auf meinem Tacho sehen kann und komme im Klettenbergpark an, der in einer 10 Meter tiefen ehemaligen Kiesgrube angelegt wurde. Früher hab ich mich immer gewundert, ich bin dort oft gesessen, wenn ich die Kinder in den Waldorfkindergarten gebracht habe und nach meinen sonstigen Erledigungen nicht mehr nach Hause in den Norden fahren wollte, wie wenig Menschen sich hier befanden. Wohl weil er doch ein etwas versteckt liegt und manchmal, wenn ich von ihm erzählte, wie wenig ihn eigentlich doch selbst alte Kölner kannten. Ich war lange nicht mehr dort. Er ist immer noch ein hübscher Ort, der heute auch von Paten versorgt und gepflegt wird. Vor allen Dingen um den Rosengarten kümmern sich die Paten, weil die Stadt es wohl nicht mehr gewährleisten kann. Da die Sonne scheint, immer noch, setze ich mich hier auf ein Bänkchen, trinke meinen Tee aus der Thermoskanne, futtere mein Butterbrot und rauche ein Zigarettchen und lass es mir gut gehen.
 
Dann breche ich auf, ich hab ja noch den Rückweg vor mir. Fahre querfeldein durch die Stadt wieder Richtung Rhein und von dort am Uferweg bis zur Mülheimer Brücke und schwups rüber. Ich bin ganz schön feddisch muss ich sagen. Zuhause sehe ich auf meinen Tacho und er zeigt genau 48,5 km an. Puh...Eigentlich ja nicht so eine grosse Strecke. Dennoch scheint es mir so, als wenn das Radeln über weitere Strecken bei Kälte doch mehr Energien abzieht als in der Leichtigkeit des Sommers.
 
Es waren schöne Impressionen, vielschichtig und auch ein wenig erkenntnisreich, denn so einiges hab ich nicht gewusst. Wie es immer so ist, am wenigstens weiss der Mensch oft über den eigenen Ort, an dem er lebt. Ich hoffe, ich kann auch alles behalten. Mein grosses Problem, die Vergesslichkeit der Dinge,-) Aber nun hab ich ja diesen kleinen Blog geschrieben und da kann ich ja ab und an immer reinspinxen, wenn ich mich nochmal erinnern will,-)
 
Zuhause, ich hab mir ein leckeres Stück Schokoladenkuchen aus dem Bioladen meines Vertrauens gegönnt und es gibt nun einen Kaffee und Musik. Und eigentlich bin ich gar nicht mehr müde, nur ein wenig schachmatt,-) Ich freue mich schon auf die noch anstehenden Touren. Es sind insgesasmt 11 Touren. Also noch genug zum Freuen. Und wärmer solls ja auch werden. Da kann ich mich dann doch noch länger unterwegs aufhalten:)

 

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9. Juli 2011 6 09 /07 /Juli /2011 05:37

Schon mal den Rheinsteig gewandert? Ne, nicht rein in den Rhein, sondern rauf auf die Höhen der Weinberge, abwechselnd durch Lichtungen, Wälder und Täler, den Blick auf den Rhein oder aber auf die stillen Dörfchen und Landschaften genießen.
 
Also, dann wird es aber Zeit. Deutschland ist auch schön! Der Freund meines Vertrauens sagt ja immer..."Röschen, Röschen, warum willst Du immer in den Himalaja, wo Du nicht mal den Odenwald erkundet hast."
 
Trittsicherheit ist auf dem Rheinsteigs unumgänglich
 
Naja...und den Taunus ja auch noch nicht in seiner ganzen Schönheit. Ich sag dann immer, sicher, sicher, mach ich doch auch immer, das Erkunden meiner Umgebung. Meine Neugier, was mich umgibt, ist schon immer groß gewesen:)
 
Und überhaupt, tse, tse, tse...bis an die Ränder des Taunus hat sich mein Taunustroll schließlich auch noch nicht gewagt! So!
 
Aber gestern haben wir uns aufgemacht, der Taunustroll und ich:), ganz spontan. Ich liebe Spontanität, die auch nicht vor einer Anfahrt von ca. 8o km zurückschreckt.
 
Nach einem späten, aber reichhaltigen, dekadenten Frühstück, mit sage und schreibe echtem Hildegard-Brot aus lichthohem Roggen gebacken, sind wir mit Proviant aus demselben in Lorch angekommen.
 
Herrlich, die Welt aus der Distanz zu betrachten
 
Von dort begann unsere ca. 2o km lange Wanderung auf dem Rheinsteig, die der Wanderführer mit der Überschrift Von Lorch über den Rheinsteig zur Sauerburg empfohlen hatte.
 
Lorch, ein stilles, kleines Weindörfchen durchlaufen wir flott, um über die Alte Brücke die Wisper zu überqueren, damit wir auf die Route des Rheinsteigs gelangen.
 
Der Vorteil einer späten Wanderung ist, fast alle kommen zurück und so haben wir die Natur für uns:) Klasse!
 
Schnell erreichen wir die Weinberge über altem Schiefergeröll hinweg, der darauf hindeutet, dass hier an einigen Plätzen der Wein besonders gedeiht. Der Schiefer speichert die Wärme der Sonne und das bekommt dem Wachstum der Reben. Dennoch sind einige Weinberge verwildert. Warum? Keine Ahnung! Vielleicht weil im Wispertal die kalten Luftströme, für die es bekannt ist, dem Wachstum schaden. Aber das ist nur meine unmaßgebliche Vermutung.
 
"Freistaat Flaschenhals"
 
Trittsicherheit ist auf den ersten Wegen des Rheinsteigs unumgänglich. Für ganz Ängstliche sorgen die Halterungen einiger Stahlseile für Sicherheit. Eine ältere Dame fragt uns auf der Höhe nach der Gefährlichkeit des Abstiegs. Naja, was für den einen gefährlich ist, ist für den anderen Peanuts. Aber wir machen ihr Mut. Für uns jedenfalls war es kein Problem.
 
Also, ich steig ja lieber hinauf, als ab:-) Wer will schon absteigen:-), so wie Frankfurt letzte Woche.
 
Unsere erste Würdigung ist schnell erreicht. Die Burg Nollig . Von dort erwartet uns eine sagenhafte Aussicht auf Lorch und das vor uns liegende Rheintal.
 
Herrlich die Welt aus der Distanz zu betrachten. Das müßte einem im Leben auch immer gelingen, dass einem die Verrücktheiten und Verdrehtheiten nicht all zu sehr auf die Pelle rücken.
 
Lorch war im übrigen eine wichtiger Punkt für den Schiffsverkehr in alten zeiten. Hier wurden die schweren Güter der Frachtschiffe abgeladen und auf kleinere Lastkähne oder auf Fuhrwerke umtransportiert. Die an diesem Punkt des Rheins vorhandenen Untiefen und Stromschnellen, gerade auch um das Binger Loch, sind heute ebenso wie damals noch gefährlich. Ich meine mich erinnern zu können, dass vor einiger Zeit an dieser Stelle ein größeres Schiffsunglück geschehen ist.
 
An einem Haus in Lorch hab ich eine Plakette erspät, die den Aufdruck "Freistaat Flaschenhals" hatte. Ich dachte, das sei ein Spaß, wegen des Weins;-) Aber nix da. Lorch war tatsächlich einmal die Hauptstadt des Freistaates Flaschenhals und dies wiederum war das Ergebnis des Versailer Vertrages.
 
Fantastisch sind die Ausblicke auf den Höhen
 
Übrigens...eine zu bestaundene Sehenswürdigkeit in Lorch ist der Schnitzaltar in der Dorfkirche. Enstanden im Jahre 1483. Er soll der größte und best erhaltenste Altar in ganz Deutschland sein. Wir haben diese Sehenswürdigkeit aber links liegengelassen.
 
So doll bin ich nicht im Sehenswürdigkeitengucken:-), schli8eßlich habe ich auch den Taj Mahall in Delhi nicht bestaunt. Im Grunde geh ich lieber dahin, wo andere nicht hingehen:-)
 
Hatte ich schon geschrieben, wie fantastisch die Ausblicke auf den Höhen sind? Ich kann es nur wiederholen. Immer wieder ein anderer Ausblick, eine andere Perspektive und das bei dem herrlichsten Maisonnenwetter.
 
Auch das müßte man im Alltag immer können, die Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten, das würde helfen. Wanderungen sind für mich immer bestückt mit Bildern, die übertragbar sind auf das Leben...Höhen und Tiefen, Auf- und Abstieg, Gehen und Innehalten.
 
Das bietet der Rheinsteig und macht ihn besonders reizvoll.
 
Wir haben jetzt die Höhe von Bacherach erreicht, den Blick auf die Burg Stahlbeck hinter uns gelassen und treffen in Lorchhausen auf den Rieslingspfad. Vom Aussichtspunkit Wirbellay wieder ein herrlicher Blick auf den ollen Vater Rhein.
 
Man kann sich gut vorstellen, warum dieser olle Vater Rhein so oft besungen wurde und selbst der Ami kennt das Lied vom ollen Vater Rhein in seinem Bette:-) Und ehrlich, wenn ich auf meine Fahrten nach Kölle das erste Mal wieder den Rhein erblicke, geht auch mir das Herz über. Da kann halt der Main nicht mithalten, auch wenn das Mainufer einfach schöner angelegt ist, als unser Rheinufer.
 
Wirbellay übrigens wegen der starken Rheinstromwirbel an dieser Stelle.
 
Wir halten immer mal wieder an und genießen die Ausblicke, Hunger überfällt uns weniger. Wahrscheinlich wegen des Hildegard-Brotes:) Oder waren wir eifnach von der Schönheit der Natur satt?
 
Aber der Durst! Da waren wir getränkemäßig nicht so gut bestückt. Und leider waren wir auch zu ängstlich aus den immer mal wieder auftauchenden Quellen zu trinken, obwohl nicht direkt davor gewarnt wurde, aber eben auch nicht erlaubt. So herrlich frisch, kühl, klar und rein das Wasser. Wieso hat der Mensch vergessen, dass Wasser unser wichtigstes lebenselexier ist? Wie ist es nur zu der Sorglosigkeit und Mißachtung im Umgang damit gekommen?
 
Wir sind daher ganz froh, als wir Kaub hinter uns gelassen haben und uns der Grenze Hessen/Rheinland-Pfalz nähern. Denn...obwohl der Wanderführer darauf hingewiesen hatte, dass keine Einkehrmöglichkeit besteht, finden wir dennoch eine kleine Gastronomie, behelfsmäßig in einem Wald, bevor es zu einem weiteren Aufstieg kommt.
 
Ein bißchen wie im Märchenwald
 
Dieses Mal aber kein Wasser, sondern eisgekühlte Coca-Cola. Herrlich...obwohl ich kein wirklicher Cola-Trinker bin, überzeugt mich in diesem Moment das kühle Naß und ich stimme in die Lobrede meines Taunustrolls über den Erfinder John Pemperton, der sich das Getränk 1887 patentieren hat lassen, ein.
 
Und auf gehts und weiter! Eine Steigung, die es nochmal in sich hat, sich in Serpentinen windet, führt uns in einen herrlichen Eichenwald, der ein bißchen wie ein Märchenwald anmutet. Der Wanderführer spricht zwar von "mediterranem Charakter"...Naja... kann man auch assoziieren. Und, ich sags doch....Warum in die Ferne schweifen:-)
 
Den Wald hinter uns lassend gelangen wir auf eine Hochfläche. Man kann es gar nicht richtig glauben. Plötzlich hört der Wald einfach auf. Wie kommt das. Hat das die Natur eingerichtet, von allein oder hat der Mensch hier seine Hand im Spiel? Vielleicht wegen der Jagdt? Hat der Jäher von seinem Hochsitz eine bessere Möglichkeit, dem äsenden Wild auf der Höchfläche zu begegnen und es zu erlegen. Vielleicht!
 
Und wieder und wieder mal der herrliche Aus- und Rundblick! Auf einer Straße müssen wir dann kurz weiter in Richtung Sauerburg. Im Mittelalter zockelten hier die Fuhrwerke mit ihren Waren und Reisenden. Ach, wenn man da an den Autoverkehr von heute denkt. Manches war eben früher doch besser:)
 
Vor der Sauerburg noch der Hof Sauerburg. 6oo Jahre soll der alt sein und zu damaligen zeiten die Burg mit allem, was gebraucht wurde, beliefert haben. Durch die Bäume hindurch schimmert schon der Burgfried, oder war es eine Fata Morgana? Nö...er war es, gespalten liegt er vor uns. Gespalten deswegen, weil die Franzosen im Jahre 1689 versucht hatten, ihn zu sprengen. Habens aber net geschafft, die Franzosen:-) Warum auch immer.
 
Die Erben der Sauerburg waren später die Freiherren von Sickingen, deren letzter Nachkomme trotz Burg und Hof völlig verarmt ist. Eine Anstellung, die er angeboten bekommen hatte, lehnte er mit den Worten:"Ein Sickingen dient nicht, ein Sickingen läßt dienen"
 
Tse, tse, tse...solche Sickinger:-) gibts heute auch zu Genüge. Dabei steht für den Christen das Dienen an erster Stelle. Dem Leben dienen. Das gefällt mir schon und sich selber dabei nicht vergessen. Eine Kunst eben!
 
Es ist spät geworden....Wir wollen jetzt doch zum Ende gelangen mit unserer Wanderung. 21.oo Uhr hatten wir einkalkuliert. Wir begnügen uns noch schnell mit unserer Wesper (Hildegard-Brot:-)) und kommen auf unserem weiteren Weg hinab ins Sauertal. Ein bißerl unheimlich mutet das Dörfchen oder besser eine Ansiedlung von Wöhnhäusern, die zwar alle wunderhübsch und individuell gestaltet sind, an. Dennoch möchte ich nicht in einem solchen Tal wohnen. Nä, dat wär nix für mich in so einem Kessel zu leben, ohne Blick auf den Himmel und das umliegende Land.
 
Erholung an Leib und Seele
 
Noch einmal können wir die schönen, gewaltigen Schiefergalerien bewundern, die rechts am Wegesrand aufgetürmt sind und aus denen viele der alten Gebäude errichtet sind, so auch die Burg Waldeck, die nur noch eine Ruine ist und früher der Sitz der Raubritter gewesen sein soll.
 
Übrigens haben wir auf dem kleinen Abstecher zur Ruine Waldeck wieder fürs Leben gelernt;-) Nicht alles, was gefährlich oder unüberwindbar erscheint, ist es auch. Ein umgeschlagener Baum lag quer über dem Weg und von oben herab sah der Weg unbegehbar aus. Also suchten wir uns einen eigenen Weg, der sich im Nachhinein als gefährlicher und unbequemer herausstellte, als der Weg, der dann von unten sichtbar hätte ganz leicht begangenw erden können. So iset halt manchmal im Leben:-)
 
Es ist so still geworden, um uns herum, schön war diese Abendstille in der anbrechenden Dämmerung. Wir gehen gemütlich, aber zielstrebig unseres Weges als ich plötzlich vor mir direkt auf dem Weg ein großes schwarzes Tier mit lauter kleinem Gewusel erblicke. Da ich etwas fernblind geworden bin, dachte ich zuerst an eine Kuh. Aber nach genauem Hinschauen entdecken wir eine Bache mit ihren Frischlingen. Auweia...das ist oder kann gefährlich sein, schießt es mir in den Kopf.
 
Wir bleiben eine Weile stehen, die Bache verschwindet, mit ihr die Kleinen. Ob wir weitergehen können. Ein wenig hab ich doch Schiss:-)...Und da tauchen auch noch zwei weitere Kleine auf dem Weg auf und laufen auf die andere Seite zu ihrer Mutter. Jetzt erst gehen wir zielstrebig weiter. Die mögliche Gefahr ist gebannt. Aber der Anblick war wunderschön. Ist schließlich nicht jedem vergönnt.
 
Es war einer der Höhepunkte unserer Wanderung. Wir haben es geschafft.
 
Erholung an Leib und Seele. Müde, aber selig finden wir unser Auto und fahren auf der autofreien Straße zurück in Richtung Frankfurt.
 
Es muß noch eingekauft werden. Aber zur Not darf´s nach mal Ravioli aus der Dose sein. Immerhin hatten wir Hildegard-Brot:)
Man schläft so schön nach einer solchen traumhaften Wanderung. Und am nächsten Tag ist man schön bracke:-) Und das ist gut so.
 
Herrlich, warum in die Ferne schweifen....Und! Fitßneßstudios bräuchte es auch keine:-)Wandern_Deutschland_Taunus_Pfaelzer_Wald_bild0_bg1.png

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 18:50
Das Leben ist eine Baustelle, jedenfalls empfinde ich das manchmal so. Da kommst du abends nach getaner Arbeit in dein heißersehntes Heim, freust dich, endlich auf ein wenig Ruhe und Muße und genau in diesem Moment passiert das, was du eigentlich nicht brauchen kannst.
Denn deine eigene in die Welt gesetzte Brut motzt dich an, wieso du dies und das noch nicht erledigt hast. Der angetraute Ehemann hält sich raus und somit bleibst du mal wieder allein mit dieser dir eben angetanenen Ungerechtigkeit. Das sind so die Momente, wo man sich denkt, wieso hast du dir das eigentlich angetan.
Du knallst voller Verdruss die Tür, rennst den Flur hinunter, die Tür unten öffnet sich und überraschender Weise tritt der Nachbar heraus. Ach, wie merkwürdig, immer wenn du nach draußen willst, geht dessen Tür auf. Der grüßt nur kurz und hält dir sofort ne Standpauke, wieso der ganze Dreck schon wieder im Flur liegt.
Langsam merkst du, wie dir der Hals anschwillt, aber du bist ja ein Gutmensch, drückst den Ärger weg, schaust ihm lächelnd ins Gesicht und sagst.“ Ja, das werden wohl die Heinzelmännchen gewesen sein“, hebst die am Boden verstreuten Zeitungen und Reklameblätter auf und rast an ihm vorbei auf den Hof und entsorgst sie in die doch immer übervollen Papiertonnen.
 
In diesen Momenten glaubst du einfach, dass die ganze Welt sich gegen dich verschworen hat. Genau hier denkst du, du bist es leid, immer gegen alle Ungerechtigkeiten, Unfreundlichkeiten, Missgunst, Ärger, Neid und andere Lieblosigkeiten anzugehen. Du fühlst dich leer und ausgepumpt.
 
Das sind so Tage, wo ich mir auf jeden Fall so schnell wie möglich eine Auszeit beschere, sozusagen einen Tag Urlaub aus der Baustelle „Leben“!
 
Es gibt viele Orte, zu denen man schnell gelangt und wo einen das seltsame Gefühl bemächtigt, man wäre nicht einen Tag sondern Tage dort gewesen. Einer dieser Orte ist für mich die Museumsinsel Hombroich. So vier bis fünf Mal im Jahr fahre ich dort hin.
 
Es gibt wenige Orte, wo man so mit sich allein ein kann, hier und dort verweilen, innehalten, betrachten und einfach nur sein kann. Es fällt mir schwer, die Insel zu beschreiben, denn man muss sie einfach erleben.
 
Die Stiftung Insel Hombroich umfasst das Museum Insel Hombroich, das Kirkeby-Feld und die Raketenstation, alles zusammen gesehen ein Raum der vielfältige künstlerische Aktivitäten umfasst und unter anderem alle zwei Jahre ein Musikfestival veranstaltet, aber auch Einzelkonzerte und Lesungen, die in dieser besonderen Landschaft ihren ganz eigenen Reiz haben.
 
Wenn man also durch diese hervorragend angelegte Landschaft, die trotz allem auf den Betrachter, wie zufällig entstanden wirkt, spaziert, erkennt man sehr schnell, dass hier Menschen, Künstler am Werk waren, die um eine gemeinschaftliche Arbeit bemüht waren und sind. Es gilt nicht einen einzelnen hervorzuheben, sondern das ganze an sich ist das Kunstwerk und jeder hat seinen Anteil dazu gegeben. Schon dies lässt einen innerlich darüber nachdenken, wie schön es wäre, wenn dies auch im Alltag im Miteinander mit anderen Menschen möglich wäre. Jeder erkenne das Charisma des anderen, respektiert es und lernt vom anderen. Natürlich ist es nur normal, wenn in menschenlichem Zusammenleben Gefühle, wie Eifersucht und Neid aufkommen, aber die Kunst ist es doch, diese hinten anzustellen, sie zu überwinden, daraus Erkenntnisse zu ziehen und dann wieder das gemeinsame Schaffen im Blick zu behalten.
 
In all den Jahren, die ich nun dort hinfahre, um einen kleinen Rückzug aus meinem Alltag zu starten, durfte ich erleben, wie die Insel Jahr für Jahr sich weiterentwickelt hat. Hier ist ein Raum geschaffen worden, wo Mensch, Natur und Architektur zu einer Einheit ohne Widersprüche geformt wurde. Nichts stößt auf, nichts ist eckig, obwohl es eckig ist, die Disharmonie ist eingebettet in Harmonie. Alles gehört zusammen. Alles ist und wird und entwickelt sich.
 
Schon allein der Anblick, wenn man die Insel betritt, versetzt mich jedes Mal wieder in Staunen über die Weite, die sich auftut, Himmel und Erde scheinbar so nah beieinander. Man betritt den Museumseingang, geht ein paar Stufen hinunter und steht gerade im Sommer inmitten duftender Gräser und Sträucher, deren Geruch die abgaseinatmende Nase des Städters betören kann. Ein paar Schritte weiter schon betritt man dann im Gegensatz zu diesem Erlebnis einen schlichten Turm, der seine Türen an allen Seiten geöffnet hat. Es ist jedes Mal ein Wunder für mich in diesem Raum zu stehen und die Möglichkeit zu erfahren, an allen Seiten dieses Raumes entschwinden zu können und verschiedene Ausblicke zu haben. Wenn unser Denken doch so offen wäre im Alltag und wir alle Gelegenheiten nutzen würden, die Perspektiven zu wechseln, um zu anderen Sichtweisen, auch auf unsere eigene Situation zu gelangen.
 
Und so geht man weiter, hält hier und da auf einer Bank inne, geht leise durch kleine, verwinkelte, grasüberwachsene Wege, ohne jemandem zu begegnen. Es ist mir wirklich ein Rätsel, wieso an diesem wunderschönen Ort so wenig Menschen zu sehen sind. Aber mir soll es recht sein.
 
Die Stunden vergehen, ohne dass man es merkt beim Entdecken immer wieder neuer Schönheiten, jedes Mal gibt es irgendwas, was ich trotz der vielen Besuche noch nicht gesehen habe. Die Kunst weist viele Stilrichtungen auf. Man sieht in verschiedenen Gebäuden Arbeiten vieler Künstler, sei es auf Holz, Öl auf Leinwand, Skulpturen aus Holz und Stein, wunderschöne Architektur, Steingebilde, kleine Pavillons zum Verweilen, kleine Brücken die in wieder anders angelegte Landschaftsgebilde führen.
 
Und wenn sich dann irgendwann der Hunger meldet, dann sucht man sich den Weg zu der 1986 vom Architekten Erwin Heerich gebauten „Cafeteria“, die ohne einen besonderen Obolus zu erwarten, denn die Beköstigung ist im Preise inbegriffen, was nicht heiß, dass man trotz allem eine kleine Spende für den Erhalt und die Weiterentwicklung des Museums geben darf, mit wunderbaren Speisen aufwartet, selbstgebackenem Brot, Schmalz und Butter, frischen Äpfeln und in der Mittagszeit mit einer kleinen warmen Mahlzeit. Erlaubt das Wetter es, kann man sich in dem paradiesischen Garten vor dem Haus unter Weiden einen lauschigen Platz suchen, wo man wiederum inmitten von Menschen zurückgezogen sein kann. Hier kommt man zur Ruhe.
 
Schaue ich dann doch irgendwann einmal auf die Uhr und sehe, dass es schon 17.oo Uhr ist, bin ich jedes Mal wieder erstaunt und Wehmut befällt mich diesen wunderschönen Ort zu verlassen. Aber nur für dieses Mal, denn ich kehre ja immer wieder zurück!
 
Da ich erstaunt bin, wenn ich anderen Menschen davon erzähle und jedes Mal feststelle, wie wenige diesen schönen Ort kennen, habe ich mir erlaubt in diesem Beitrag ein bisschen die Neugier zu erwecken. Fahren Sie einfach einmal hin und mache einen Tag Urlaub aus der Baustelle des Lebens!

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