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26. Februar 2020 3 26 /02 /Februar /2020 15:28

Wenn ich einkaufen gehe, mache ich mir zuvor meist einen Einkaufszettel. Manchmal, wenn ich weiß, dass ich in der jeweiligen Woche nur einmal in den Supermarkt meines Vertrauens brauche, sammele ich bis zu dem Tag an dem ich los marschiere meine Notizen der gebrauchten Waren auf diesem. 

 
Manchmal ist es so, dass ich schon schon fast vor meinem Supermarkt des Vertrauens angekommen beim Fühlen in meine Mantel oder Jackentasche, um ihn hervorzuholen, denke verdammt. Vergessen. Den Einkaufszettel. Mist. Da liegt er jetzt auf meinem Schreibtisch. Sagt mir meine Erinnerung. Nützlich und doch unnützlich. Weil..was soll ich mit einem Einkaufszettel, wenn ich ihn da, wo ich ihn brauche, nicht habe. Verhext.  Völlig umsonst. Festgehalten. Alles.
 
Während ich meinem Chip für das Loslösen eines Einkaufswagens in der Geldbörse suche überlege ich krampfhaft, was alles drauf stand und wozu ich dieses und jenes brauchte, um für die nächste Woche versorgt zu sein. Zumeist, stelle ich dann fest, habe ich alles im Kopf. Bin dann immer glücklich. Dass es doch noch funktioniert. Das Gedächtnis. Weil, manchmal lässt es mich auch im Stich. Dann, wenn ich gerad mal was von einem Film erzählen will und die Handlung so präsent ist wie nix, aber himmikruzitürken der Titel fehlt. Oder der Autor des Romans den ich vor Wochen gelesen habe, der Titel ist da, aber der Name ist verschwunden, von dem, der es schrieb. Das Buch. 
 
Den Einkaufswagen durch die Gänge schiebend rekonstruiere ich dann meinen Einkaufszettel. Versuche die Reihenfolge gedanklich nachzukonstruieren. Zu 95% klappt das dann auch. Zu Hause angekommen, die Taschen ausgepackt, fehlte nix. Nur ganz manchmal ist mir ein oder auch schon mal zwei der Dinge, die drauf standen durch die Lappen gegangen. Die werden dann ganz einfach auf einen neuen Einkaufszettel geschrieben. Für die nächste Woche, so sie nicht überlebenswichtig für die anstehende waren. Sollten sie es gewesen sein, bleibt mir nix anderes übrig, als meinen Weg zum Supermarkt des Vertrauens noch einmal zurückzulegen. Denn wie sagt ein altes Sprichwort: Was du nicht im Kopf hast, musst du in den Beinen haben. Und es ist wirklich eins der unzähligen Sprichwörter, die einfach unterschrieben werden können, weil es einfach wahr ist.
 
Zuhause hab ich ein kleines Kästchen. Da liegen sie drin. Die Einkaufszettel. Nein, nicht die meinen vergessenen. So weit geht es dann doch nicht. Wer will schon wissen, was er vor Monaten einkaufen wollte. Völlig uninteressant. Obwohl? An Einkaufszetteln kann zuweilen viel ab- und heraus gelesen werden. Schon an der Schrift kann man erkennen, ist er schnell hingehuscht worden oder wurde er buchhalterisch bis ins kleinste durchdacht und sogar der Reihenfolge der angebotenen Waren eines Supermarktes aufgelistet. Das schafft ja immerhin Erleichterung beim Einkauf. Man rennt nicht konfus von einem zum anderen Ende. Wohlgemerkt, es muss dann natürlich immer der Haussupermarkt sein, zu dem man gewöhnlich geht. Sonst nützt es ja nix. 
 
Je nachdem, womit der Einkaufszettel beschrieben wurde, z.B mit vielen Putzmitteln, könnte es sein oha der Einkäufer hat einen Frühjahrs- Weihnachtsputz oder einen ganz einfachen nun-aber-endlich-mal-wieder-schon-lange-nötig Putztag vor. Und manchmal denkt man, sollte ein solch beschriebener Einkaufszettel von Irgendjemandem gefunden werden, hättest du bei dir auch mal nötig. Und schwups prüft man zuhause seine eigenen Vorräte, holt seinen eigenen Einkaufszettel und schreibt die fehlenden Dinge druff. Kann doch sein.
 
Oder es ist eine Einkaufsliste von den wunderbarsten Köstlichkeiten aller Art. Da hat man den Gedanken, ein ganz besonderes Festessen zu einer besonderen Angelegenheit soll da zelebriert werden. Schließlich macht man ein aufwendiges Menü ja nicht jeden Tag. Die Fantasie kann da so herrlich walten.  Wobei ja klar ist, wenn da z.B. auf einem Einkaufszettel steht, Tiefkühlpizza, Energiedrinks, Chips und Bier, weiß man doch gleich, ist klar, lange Nerdnacht am Heim-Pc. Ok ok ok kann auch ein Filmabend sein. Kein vernünftiger Mensch ernährt sich einfach so mit diesen Dingen, wohl möglich noch romantisch bei Kerzenlicht am Küchentisch. Obwohl...Es gint ja Nix, was es nicht gibt. Egal.. 
 
So schau ich grundsätzlich auch immer interessiert bei Schlangen an Kassen was denn die Vordermänner so auf das Fließband legen. Da wird mir nie langweilig. Ich finde das interessanter als in das viereckige Ding, ihr wisst schon, zu glotzen, weil man, wenn man dann von den Waren auf die Einkäufer schaut, auch gleich eine kleine Alltagssoziologiestudie vornehmen kann. Natürlich alles unter Vorbehalt. 
 
Jedenfalls... neulich, um zu meinem kleinen Kästchen der gefundenen Einkaufszettel, irgendwo auf dem Bürgersteig oder im Einkaufswagen liegengebliebene, zurückzukommen..fand ich mal wieder einen kleinen, feinen in leserlicher Handschrift gestalteten. Interessiert hob ich ihn auf und studierte ihn. 
 
Da ich nix Besonderes vorhatte an diesem Tag und es Glückes Geschick auch tatsächlich mal warme Sonnenstrahlen gab  zwischen den verstürmten und verregneten Tagen dieser Zeit, nahm ich die Gelegenheit wahr und setzte mich für einen Moment an meinen Lieblingsplatz, den Weiher meines nahen Stadtparks und studierte ihn. Den Einkaufszettel.
 
Es könnte angenommen werden, dass das Studieren von Einkaufszetteln anderer Leute doch weniger aufregend ist, als ein Büchlein zu lesen oder die aktuellen Tagesnachrichten. Könnte man. Das ist jedoch nicht so. Bei mir jedenfalls. Denn zumeist, wenn ich genügend Zeit habe, verfüge ich über eine reiche Fantasie. Ich erzähle mir anhand eines solchen Einkaufszettel dann selber kleine Geschichten über den Menschen, der ihn verloren hat oder einfach achtlos nach seinem Einkauf auf den Bürgersteig hat sinken lassen. Vielleicht ist er ihm auch aus der Tasche gerutscht beim Hervorholen eines anderen Gegenstandes.
 
Ist die Handschrift sauber, akurat, ordentlich und sehr gut lesbar ist es bestimmt eine Frau gewesen. Ich weiß jetzt nicht, ob eine Statistik das beweisen würde, ob die Handschrift einer Frau überwiegend leserlicher, gar schöner ist als  die eines Mannes. Es sagt mir aber meine eigene Erfahrung mit handschriftlichen Texten, zu denen ich im Laufe meines Lebens Zugang hatte von Frau und Mann. Denn tatsächlich ist es auch schon vorgekommen, dass ich über eine Postkarte einer mir näher vertrauten Person ein paar Tage gebraucht habe, bis ich den Text vollständig entziffert hatte. Soll vorkommen. Ganz wirklich.  Solange ich den Text lesen kann, wie lange ich auch immer dazu brauche, ist es mir auch wurscht. Für seine Handschrift ist ja letzten Endes jeder selbst verantwortlich. Und ich schrieb es ja auch einmal, ich mag handgeschriebene Texte, Briefe etc... Die sagen doch viel mehr aus über den Menschen und möglicherweise über das Befinden desjenigen zu dem Zeitpunkt, an dem der Text geschrieben wurde. Ist so. Hingegen ist eine Nachricht über das all so beliebte Whats-Dingens-Gedöns oder eine Email doch viel undefinierbarer diesbezüglich. Nicht mal einen Schreibfehler kannst du mehr erkennen, denn  das Schreibprogramm merzt sie zumeist aus, so es denn angestellt ist. 
 
Wie auch immer, diesen in meiner Hand befindlichen Einkaufszettel konnte ich lesen und stellte mir in diesem Falle eine Frau vor, die sich ob der einzukaufenden Dinge auf diesem
darauf vorbereitete etwas sehr gutes und leckeres zu kochen. Da es noch recht früh am Nachmittag war, musste es meiner Fantasie nach eine Frau sein, die keinen, zumindestens an diesem Tage, 8-Stunden-Tag absolvierte oder möglicherweise war sie gar nicht berufstätig und hatte viel Zeit, so wie ich. Anhand der Lebensmittel, die sie besorgt hatte, schloss ich auf ein schnelles, einfaches, jedoch sehr köstliches Mittags- oder Abendmahl. Dass es sich um ein Mahl für 2 Personen handelte, entnahm ich der Nachspeise, die sie eingekauft hatte. Es war nämlich ein Fertigprodukt und das 2 mal, ergo...wenn sie nicht für 2 Tage nur für sich allein kochen wollte, lag das auf der Hand. 
 
Da saß ich jetzt im warmen Sonnenlicht und ließ einfach eine kleine Alltagsgeschichte vor mir ablaufen. Wie die Frau nach Hause kommt, ihre Taschen ausleerte, wegräumte, was sie nicht brauchte und sich an die Zubereitung des Essens begab. Wie sie in der Küche stand, hackte und rieb, dabei in guter Laune sich befindend, den Song aus dem Radio oder der CD mitträllerte und voller Vorfreude auf den schön gedeckten Tisch mit den Köstlichkeiten war. Ihr die Zwiebel, wie mir im übrigen auch immer, die Tränen in die Augen trieb und das Abreiben des Käses ein kleines Malheur mit sich brachte, da sie beim Endstück nicht aufpasste und sich einen kleinen Finger blutig schrubbte. So was kann passieren. Es gibt nix Sinnlicheres als all die Dinge selber zuzubereiten, die man dann am Ende auf dem Teller hat. Auch wenn mal kleine Ungeschicke passieren.  Eine kleine Alltagsmeditation. 
 
Ich schrieb ihr zu, dass sich die Vorfreude auch auf den Mitesser bezog. Wahrscheinlich ist es ein Mann, ihr Mann oder eine gerade erst begonnene neue Verliebtheit. Jedenfalls fand ich diese Idee wildromantisch. Wie er dann an der Türe klingelte, sie ihn stürmisch begrüßte, er den Geruch, der aus der Küche vom Kochen durch die Wohnung zog, lobte und ihr gestand, wie sehr er sich auf sie und ein leckeres Essen jetzt gefreut habe nach einem langen Arbeitstag. Da saßen sie beide nun. Kerzenlicht, zwei Gläser mit Weißwein in der Hand haltend, auf den Tag und auf sich anstoßend, vielleicht auch auf die Zukunft und genossen das Sitzen am Tisch mit dem einfachen aber auch köstlichen Essen auf ihren Tellern und ließen den Tag Revue passieren. 
 
Es hatte alles geklappt. Dank des Einkaufszettels. War nix vergessen worden. Sie hat ihn bedenkenlos verlieren können oder wegschmeißen. Für sie war er unnütz. Für mich war er an diesem Nachmittag nützlich. Er hat mir eine kleine Träumerei über menschliche Begebenheiten und Möglichkeiten in meiner Fantasie beschenkt. Und ich verrate meinen geneigten Leser jetzt noch etwas. Ich habe aus den von ihr eingekauften Lebensmitteln ein paar Tage später selber etwas gekocht. Ich musste etwas dazu einkaufen. Das meiste hatte ich aber daheim. Ich verrate Euch jetzt, was ich auf dem Tisch hatte, dann könnt ihr Euch zurecht fantasieren, was auf dem Einkaufszettel alles stand und ob ich es allein oder zu Zwein oder zu Drein genossen habe.
 
Es gab:
Einen kleinen Salat
Arborio-Reis
Mousse au chocolate 
Weißwein
 
Tja, es sind nicht viele da. Einkaufszettel. In meinem kleinen Kästchen. Aber zu jedem hab ich tatsächlich eine kleine richtige Geschichte geschrieben. Daher bewahre ich sie auf. 
 
 
 
 
 
 
 
 

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18. Februar 2019 1 18 /02 /Februar /2019 20:09
Das habe ich wirklich. Heute. Einen Mann gerettet. Das kommt ja selten vor, dass eine Frau einen Mann retten kann. Schon allein körperlich ist der Mann der Frau ja weit überlegen. Also, bei tätlichen Angriffen auf einen Mann muss man schon richtig was dagegen zu setzen haben. Als Frau, meine ich. Ich bin ja nun kein judo-karate-take-wan-do oder wie das alles heißt-typ. Das hab ich nicht drauf. Und ne Knarre hab ich auch nicht, mit der man, wie im Film mal einfach auf Selbsverteidigung im Nachhinein plädieren kann.
 
Ist auch wurscht. Es ging heute auch gar nicht um einen körperlichen Angriff auf einen Mann. Und zwar durch eine Frau. Sondern von anderer Art.  Eben nur nicht tätlich. Jedenfalls im Sinne von körperlicher Gewalt. Es gibt ja auch noch andere Tätlichkeiten, die eine große Gewalt ausüben können. Und das ist der Wortschwall einer Frau. Ich schwöre. Was meine  Wenigkeit anbelangt, übe ich mich im wortschwallen eher schriftlich. Ansonsten bin ich eher ein Ausrutscher diesbezüglich. Da muss es schon ein ganz heißes Eisen sein, dass ich mich aber mal so richtig echauffiere oder anders wie auslasse. Zumeist fehlen mir im Gespräch immer die sofortigen Antworten, ist so. Eher neige ich dazu, Gesagtes wiederzukäuen, um dann eine für mich richtige Antwort zu finden. Da kann man nix machen. Das ist wohl so angeboren denke ich.
 
Doof ist nur, wenn ich mal so einen Ausrutscher habe, werd ich gleich auf Ignore gesetzt. Das ist wirklich ungerecht. Zumeist von denen, die gar nicht merken, dass sie selber immer kwaseln. Das wiederum macht mich dann auch sprachlos. Geht ja auch nicht anders. Was soll man dazu denn auch sagen. Hallo! Merkst du eigentlich nicht, dass du... Ihr wißt schon, was nun kommt. In den meisten Fällen kommt man mit den anderen den Spiegel vorhalten nicht weiter. Dazu ist die Blindheit viel zu stark. Also laß ich es. Meistens ists mir auch wurscht. Nur von denen, wo ich nicht gedacht habe, dass sie solche Ignorelisten benutzen, da trifft es dann schon. Ein bißchen. Dann denke ich, ach was solls, derjenige ists einfach nicht wert. Wahrscheinlich stecken ganz andere Motive dahinter, die wiederum von diesen niemals zugegeben werden würden. Ist doch so.
 
Ich fang nochmal von vorne an. Wo war ich stehen geblieben? Ich habe einen Mann gerettet. Heute! Und das kam so:
 
Ein Paket sollte verschickt werden zum Geburtstag. Es war mein zweiter Anlauf. Den ersten hatte ich selbstvermaselt. Also noch mal neu. Dieses Mal sollte es ganz perfekt zugehen. Den Inhalt des Päckchens trug ich noch in meinem Rucksack. Mir fehlte jetzt nur ein ordnungsgemäß dafür vorgesehenes Verpackungsmaterial. Also bin ich in den Laden. Der, der mit Mac und Paper im Namen seinen Waren veräußert. Also nichts wie rein. War ganz leer da drinne. Glaub, kaufen nicht mehr so viele Leute Büromaterial oder Malereibedarf oder wie in diesem Falle Verpackungsmaterialien. Ich weiß es nicht. War jedenfalls ausser mir, keiner da. Schön so ein Laden, der einem ganz allein gehört. Kannste ungestört gucken und stöbern, ohne vom Gewimmel der Leuts abgelenkt zu werden. Möglicherweise noch von Telefonierenden. Schrecklich das.
 
Einer war dann doch da. Sah ihn erst ein wenig später. Stand an einer Türe, die wohl zu einem Lagerraum führte. Da mußte noch Jemand sein. Eine Frau, wie ich dann nach einer Zeit vernahm. Je tiefer ich in den Laden hineinkam, um so lauter wurde der Wortschwall, der aus dem Inneren des Lageraums nach außen drang. Gerichtet an den Mann, der davor stand. Der gehörte zum Inventar. Ein Verkäufer. Ihr Kollege.
 
Es war leer. Die hatten nix zu tun. Kenn ich ja. Wenn alles geräumt, eingeordnet, sortiert ist und die Kunden fehlen, stehste schon mal doof rum. Das hat die ausgenutzt. Diese Frau, seine Kollegin. Wie ein Maschinengewehr ratterten ihre Worte ihrem Kollegen entgegen. Der stand da und sagte nix. Ich dachte, die hört ja irgendwann auch mal auf oder? Sie redete und redete immer weiter. Irgendwas Privates. Ich hab gar nicht so genau auf den Inhalt geachtet. Ihrer Worte waren so viele, das einem der Atem stockte, um überhaupt folgen zu können. Der Arme, dachte ich. Also der Mann. Stand da irgendwie hilflos dem gegenüber. Ich spürte förmlich, wie er danach suchte, zu entfliehen. Als Kollege willste ja nicht unhöflich sein. Versteh ich.
 
Ich hatte jetzt auch gar nicht die Absicht bewußt einen Rettungsring zu werfen. Also dem Mann zu. Ich suchte aber nach meinem Verpackungsmaterial. Fand es nicht. Ging daher auf ihn zu und fragte ganz vorsichtig, ob er mir vielleicht helfen könne. Ich schwöre, es war absolut direkt erkennbar, dass eine Welle der  Erleichterung durch sein ganzes Wesen verlief. Ich sah das jedenfalls.
 
Sofort hörte der Wortschwall der Kollegin auf, er zog ab und mit mir in eine andere Ecke des Ladens, um mir das gewünschte Regal zu zeigen, wo sich allerlei Brief- und Paketverpackungswesen befand. Er wich auch nicht mehr von meiner Seite. Ich schwöre. Ich wurd ihn nicht mehr los. Er begleitete mich zur Kasse. Als ich zahlen wollte, bot er mir an, das Paket für mich zusammen zu falten. Herrlich. Wunderbar, sagte ich. Gesagt, getan. Fertig. Legte ich mein Geschenk hinein. Auch zukleben jetzt? fragte er. Super, sagte ich. Total nett! Es gibt doch noch Dienstleistung und Service am Kunden. Dachte ich, sagte ich aber nicht. Unser verbaler Austausch beschränkte sich auf höchstens drei, vier Worte... toll, super, dankeschön, wie nett, keine Ursache, mach ich doch gern, freut mich, helfe gerne. Herrlich. So eine Kommunikation ohne viel Worte. Er genoß es. Ich sahs ihm an der Nasenspitze an. Zwischendurch schaute er mich mal verstohlen an und in seinem Gesicht meinte ich zu lesen, gibt auch Frauen, die können kurz und zackig.
 
Daß ich sah, was er dachte und er sah, was ich dachte, lag klar auf der Hand. Daher beim zwischendurch verstohlenen gemeinsamen gegeneinander Anblicken, lächelten wir uns einfach mal an. Schön war das. Es war mir klar. Es war nicht *nur* eine völlig freie, ohne Hintergedanken ausgeübte Kundenfreundlichkeit im Dienstleistungsbereich. Nein, es war unzweifelhaft. Ich hatte ihn einfach gerettet!. Und das wiederum wußte er, dass ich es wußte und das ließ uns Beide schmunzeln. Wir waren zwei Verbündete. Nein, um das klar hinterherzuschicken. Ich bin ganz sicher, dass er auch ohne das vorherige Geschehen freundlich und hilfsbereit gewesen wäre. Jedoch war es in diesem Falle eine für ihn lebensrettende Tat. Denn schließlich will man ja mit den Kollegen keinen Knatsch haben, der auf einer Zurückweisung, gar genervten, zurückzuführen wäre. Man muss ja schließlich noch länger mit diesem zusammenarbeiten.
 
So verabschiedete ich mich mit nochmaligem Dankeschön und einem Blick zurück zur Lagerraumtür und hoffte für ihn, dass er es für den Rest des Tages überstanden habe. Rief ihm noch zu: Und viele nette Kunden noch, wofür er mir mit einem smarten Lächeln dankte.
 
Mein Päckchen brachte ich zur Post. Alles ordnungsgemäß. Und das Fazit des Erlebten für mich war an diesem Tag: Wie gut, dass ich nicht viel reden muß. Ich erledigte meine weiteren Pflichten des Tages, fuhr noch eine Runde Rad und verbrachte den Spätnachmittag mit einem schönen Buch auf dem Sofa.
 
Herrlich. Heute hab ich einen Mann gerettet! :)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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18. Januar 2019 5 18 /01 /Januar /2019 17:51
Man weiß nie, was einem so widerfährt, wenn man mal soeben ganz einfach nur einen kleinen Besuch abstatten möchte. Es muß nicht immer was Sensationelles sein, Irgendwas, was alles übertüncht, was man jemals erlebt hat. Manchmal sind es nur kleine drollige Begebenheiten, über die du entweder den Kopf schütteln, lachen oder ganz einfach mal drüber nachdenken mußt. Jedenfalls alle drei Dinge trafen heute zu. Bei mir.
 
Ich war auf dem Nachhauseweg von einem Besuch. Eigentlich wollte ich gar nicht raus. Weil...seit dem vorhergehenden Tag laborierte ich an einer Rotznasenhalskopfwehgeschichte. Nicht soooo tragisch, aber ein wenig matt fühlte ich mich, so dass ich den Termin am Vormittag schon abgesagt habe.
 
Der Nachmittag aber mußte sein, weil, dem, dem ich den Besuch abstatten wollte, ging es viel schlechter wie mir. Und wenn es einem schlechter als einem selber geht, da reißt du dich doch zusammen. Das ist doch klar. Und ich hatte ja versprochen, den Tag vorher, als der, dem ich den Besuch abstatten wollte, nicht zu mir kommen konnte, dass ich ihm am andern Tag den von mir lecker gekochten veganen Eintopf vorbeibringen würde. Ich bin son Typ. Da kann noch so viel Rotznasenhalskopfwehgeschichten vorherrschen. Solange da nicht auch noch Fieberhitze hinzukommt, halte ich meine Versprechen.
 
Das war auch alles gut. Hinterher bist du immer froh, dass du das getan hast, was du eigentlich wolltest, obwohl du dich eigentlich lieber hast drücken wollen. Wegen der Rotznasenhalskopfwehgeschichte.
 
Die war danach bei mir auch gleich viel besser. Obwohl ich vorher dachte, wenn ich das tue, wird es sicherlich noch schlimmer. Vielleicht ist es ja so, dass die Freude eine Kraft der Heilung sein kann. Ich weiß es nicht. Aber bestimmt trägt sie dazu bei. Also, ich fühlte mich danach wirklich etwas besser. Konnte sogar noch den Einkauf im Lieblingsbiomarkt meines Vertrauens machen. Ich muss jetzt ja nicht sagen, dass der, dem ich den Besuch abgestattet hatte, sich darüber so was von total gefreut hat. Aber ich sags vorsichtshalber doch mal. Der freute sich, ich freute mich, also konnte ich jetzt mit meinem Einkauf den Weg nach Hause antreten.
 
Mit der Bahn. Fahrrad ging nun wirklich nicht heute bei dieser Rotznasenhalskopfwehgeschichte. Was nicht geht, geht halt nicht. Das musst du dir immer wieder vorsagen, wenn mal was nicht geht, was eigentlich gehen sollte. Dann geht es eben anders. Und mit der Bahn fahren kann hin- und wieder zu netten, drolligen, schönen oder unschönen Begegnungen führen. Also, wenn du nicht damit beschäftigt bist, ständig auf dein viereckeiges Gerät zu schauen, wie das so usus geworden ist.
 
Wirklich, ich denke manchmal, der Mensch in unserer Zeit hat es verlernt, mal so richtig um sich herum zu gucken. Der weiß gar nicht mehr, was er eigentlich alles verpaßt. Zum Beispiel fröhliche Gesichter ( was natürlich eher Seltenheit ist), traurige ( was viel öfter vorkommt), müde ( was nach meiner Beobachtung der häufigste Fall ist, aber vielleicht fahr ich auch, wenn ich mal Bahn fahre, zu den falschen Zeiten) oder aber einfach die Landschaft, an der du vorüberschwebst, einen Sonnenauf- oder Untergang genau über dem Rhein, jedenfalls Dinge, die wirklich in unserer Welt passieren, kannst du sehen.  Das ist anders als irgendwo was Erzähltes da in dem viereckigen kleinen Gerät. Weil, du bist da selber drin. Manchmal denke ich, die Leuts, die da ständig in irgendwelche Kästen gucken, wissen gar nicht mehr, ob es ein Draußen noch gibt, oder sie müssen sich fragen, bin ich jetzt drin oder draußen. Naja, ich will da jetzt auch nicht draufrum reiten. Ist ja auch egal. Jeder soll halt machen, was er meint, machen zu müssen.
 
Wo war ich denn überhaupt jetzt stehen geblieben? Achja, ich wollte nach Haus. Mit der Bahn. Als ich die Treppe herunterhopste, unten am Bahnsteig ankommend, sah ich eine Bahn stehen. Ich könnte jetzt rennen, dachte ich, dann krieg ich sie bestimmt noch. Wenn jedoch etwas gegen mein Gemüt ist, dann ist es das Rennen um einer Bahn oder Bus wegen. Niemals nie. Ich bin son Typ. Da warte ich lieber auf die nächste und guck derweil doof in der Weltgeschichte herum. Es ist natürlich auch so ein ganz klein wenig ein Spiel mit dem Leben oder dem Schicksal, wie auch immer man das nennen will. So dachte ich halt, ok...ich geh ganz normal, wenn die Bahn dann immer noch da steht und sogar die Türe öffnet, dann ist das richtig für mich. Genauso war es. Ich spazierte gemütlich zur Tür, drückte auf das Knöpfchen, siehe da, sie öffnete sich und mit einem total freudig-fröhlich-verschmitzen Lächeln auf dem Gesicht schaute ich den vor mir stehenden Menschen an, der wie Empfangspersonal da stand. Der sah mir das glaub ich an, dass ich da vorher das Schicksal herausgeforderte hatte und mich jetzt so darüber freute, dass es geklappt hat. Er lachte jedenfalls zurück.
 
Es waren auch noch Plätze frei. Ich erblickte einen Viererplatz, der nur von einem Menschen besetzt war. Die anderen zwei Plätze ihm gegenüber waren frei. Nichts wie hin. Setzte mich, dann fiel mir jedoch ein, huch...bin ich überhaupt in die richtige Bahn gestiegen? Weil...ich war so mit dem Leben-Schicksal herausfordern beschäftigt, dass ich gar nicht darauf geachtet hatte, welche Bahn es überhaupt ist. So was passiert mir schon mal in meinem ich träum- so- vor- mich- hin oder gedankenverloren durch die Welt schreiten.
 
Ist das jetzt die Linie soundso, fragte ich so laut vor mich hin? Der Mann, der vor mir saß, es war ein junger, vielleicht so um die mitte 20, antwortete mir auch direkt, jawohl sie ist es. Prima sagte ich, dann ist ja alles gut und lächelte weiter verschmitzt vor mich hin. Ich bin son Typ, wenn ich einmal in einem innerlich lachenden oder lächelnden Gemütszustand bin, hält das auch lang an, wenn nicht etwas Unerwartetes dazwischen kommt, was mich da herausnimmt.
 
Aber Unterwartetes passiert eben manchmal. Einfach so. Irgendwas womit du in aller Welt gerade jetzt in diesem Moment nicht gerechnet hast. So wie es jetzt geschah.
 
Der Mann, dieser junge, fragte mich doch plötzlich: Gehen Sie zum Karneval?
Sofort verschwand (erstmal) mein Lächeln auf meinem Gesicht und meine Stirn runzelte sich vor lauter Gedanken, was der jetzt wohl mit dieser Frage im Sinn hatte. Ich antworte nicht immer sofort auf eine Frage.  Brauche eine kleine Weile, um drüber nachzudenken, was eigentlich mit der Frage gemeint ist oder einfach nur um festzustellen, was ist das denn für eine komische Frage. So dachte ich nämlich in diesem Moment.
 
Wieso? fragte ich den Frager. Der auch gleich drauflos: Weil sie so bunt ausschauen und es ist ja jetzt Karnevalzeit. Aha...sagte ich nach längerem überlegen. Damit hab ich nix zu tun. Schwarz können alle, vor allen Dingen die Haselnuß:) Die ist sogar schwarzbraun.  Farben sind ausserhalb von Beerdigungen auch ganzjährig zu tragen. Wobei ich anmerke, dass ich, je nachdem wer da verstorben ist, mir auch in diesem Falle kein Kleidungsdiktat vorschreiben lasse, wie überall, wo ich hingehe, wo es ein solches zu geben scheint, weil die Leuts irgendwann mal entschieden haben, dass das so sein muß. Völlig doof und überflüssig. In den meisten Fällen jedenfalls.
 
Und überhaupt. Farben sind einfach schön. Ich trage gern Farbe. Und noch nie hat man mir gesagt, ich sei *zu* bunt. Ich behaupte auch, dass ich über einen guten Sinn für Ästhetik verfüge, was man bei anderen oft nicht sagen kann. Aber das spielt ja auch keine Rolle jetzt. Ich trag halt gern Farbe. Rot, orange, türkis sind meine Vorlieben. Warum kann ich nicht beantworten. Es ist ein Gefühlszustand. Darin fühle ich mich am wohlsten.
 
Pfffff...ob ich zum Karneval gehe, fragt der mich doch, entrüstet in mir versunken, welches nun aber doch schnell wieder von einem schmunzelnden, innerlich glucksenden Drolligkeitsgefühl ob der Frage wich. Mein geneigter Leser kann sich ja nun auf dem von mir oben veröffentlichten Bild selber überzeugen, seh ich jetzt aus als wenn ich zum Karneval ginge? Sachen gibts...
 
Ich nahm dem Jungen Mann dennoch seine Verlegenheit, in dem er mir nochmals versicherte, es war ganz bestimmt nicht bös gemeint. Nu ist doch gut, antwortete ich ihm. Vielleicht hab ich sie ja zum Nachdenken gebracht, ob meiner äußeren Erscheinung. Wer weiß. Oder vielleicht habe ich ihnen Anregung gegeben zur Recherche eines Hits zum Wochenende ....sing: schwarzbraunist die ..... lalalalala....
 
Ich kann da nix dafür, es war jetzt einfach alles zu drollig und komisch. Ich verabschiedete mich von ihm und wünschte ihm ein schönes Wochenende. Meine Aussteigestation war gekommen. Und nicht vergessen, rief ich noch...schwarzbraun kommt nicht gut:) Die Welt ist bunt. Ob er wohl verstanden hat, was ich ihm sagen wollte? Ich weiß es nicht. Vielleicht denkt er ja drüber nach. Oder sucht tatsächlich. Nach dem Hit.
 
Sachen gibts....Herrlich erheitert schwebte ich nach Hause...herrlich schmunzelnd erfreute ich mich noch beim Schreiben dieses kleinen Erlebnisses. Ich sag es nochmal....Sachen gibts:) Und was die Rotznasenhalskopfwehgeschichte angeht...mal sehen, wie es sich weiterentwickelt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 20:13
In unserer Buchhandlung laufen z.Zt. viele Bestellungen zum Thema "Fasten". Viele Ratgeber zum "Abnehmen" werden jetzt bestellt. Das verstärkt natürlich die Theorie, dass "Fasten" immer mit Verzicht auf Essen gleichgesetzt wird! Interessant ist es, dass überhaupt viele Menschen sich diesem Thema widmen.
 
Heute aber kam eine junge Frau in den Laden, die holte zwar ein Buch ab, mit dem Titel " Iss dich schlank", aber als ich sie ansprach, sagte sie, sie würde es für eine Kollegin abholen.
 
Daraufhin kamen wir in ein Gespräch über das Thema "Fasten". Ich fragte sie, ob sie denn auch etwas "Besonderes" in dieser Zeit tue? Daraufhin lächelte sie und sagte:"nee, nee, mit Abnehmen und kein-Alkohol-trinken und so`n Kram hätte sie nichts am Hut. Sie hätte sich eine ganze besondere Methode ausgedacht.
 
Auf Anfrage, welche Methode, erzählte sie plötzlich aus ihrem Leben, dass es da so ein paar Mitmenschen gäbe, die ihr wirklich das Leben schwer machen würden! Und daher hat sie sich in der Fastenzeit vorgenommen, sich all denen, die sie immer ignorieren würden oder sonstwie sich in irgendeiner Art und Weise ihr gegenüber unfreundlich verhielten, einmal ganz besonders liebevoll zuzuwenden. Sie erzählte, dass sie eine Kollegin, die sie wohl sehr drangsaliert hätte, zu einem Kaffee eingeladen hätte. Und siehe da, plötzlich ergaben sich ganz neue Perspektiven zwischen ihnen und sie hätten einiges klären können. Sie war ganz außer sich vor Freude wegen dieses Erfolgserlebnisses und meinte:"Die Fastenzeit ist ja noch lang, wer weiß, was sich noch alles so ergibt"!
 
Ich fand das sehr schön, auch dass sie es mir erzählt hat. Könnte man zur Nachahmung empfehlen!Man braucht sich ja von Mißerfolgen nicht aufhalten lassen!

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:55
Am letzten Wochenende sind wir buchstäblich „auf den Hund“ gekommen! Wieso? Also mein Schwager wollte verreisen und der hatte sich vor drei Monaten einen Husky aus dem Tierheim geholt. Jetzt konnte er ihn nicht mitnehmen und hat uns gefragt, ob wir ihn nicht mit in die Eifel nehmen könnten. Klar, hilfsbereit wie wir sind! Her damit, war unsere Antwort! So kam mein Mann am Freitagabend mit dem Hund hier in die Wohnung. Holla! Das war natürlich erstmal eine Riesenfreude! Der sah ganz süß aus, wie ein kleiner Teddy, dicke pelzige weiße Pfoten, ein Auge braun, ein Auge weiß! Hat hier erstmal alles inspiziert und beschnüffelt und sich sogleich erstmal auf unsere Couch gelegt. Also da war ich erstmal bedient! Runter, hab ich gesagt! Hat er auch gemacht, nur um im nächsten Moment wieder raufzuspringen. O.k. lass das Tierchen, ist ja nur für eine Nacht. Am Morgen sah die Couch renovierungsbedürftig aus. Natürlich hab ich ihn dann an die Leine genommen und ausgeführt. War schon ein tolles Gefühl. Überall wo ich hinkam, sprachen die Leute mich an. Ist der aber schön! Ist das ein Husky? Ja! Ne, ja, war schon schön.
 
Am nächsten Morgen stand er jaulend vor meinem Bett. Wahrscheinlich muss er mal, dachte ich. Hab ich mir die Jogginschuhe angezogen, dachte dann nehme ich den mit, ist doch klar. Wir zwei also in der Früh runter die Treppe und ab über die Kempener Strasse. Im Park angelangt, lief er wie wild um die Bäume, so dass ich jedesmal die Leine wieder entzerren musste und dann nach ein paar Minuten aufgab. Ne, mit Joggen wurde das nichts. Ich hatte ihn an einer langen Leine, so dass er viel Auslauf hatte. Frei lassen durfte ich ihn nicht. Sogleich kam eine Frau mit einem Setter auf uns zu. Ach was haben die beiden gespielt. Ne, war schon eine Freude! Derweil das Frauchen und ich in ein nettes Gespräch kamen. Nach zehn Minuten wusste ich alles von ihr. Das sie allein lebte, dass sie im Agnesviertel wohnte, dass ihre Kinder verzogen sind und sich wenig kümmerten. Das sie ein Pferd hatte, kurz, alles was in so einer Lebensbiografie halt anfällt.
 
Ich hatte ganz vergessen, wie das ist, mit Hund! Man hat sofort Kontakt! Man ist viel schneller im Gespräch miteinander. Hundehalter halten zusammen. Och ist der süß! Ach, wo kommt der denn her? Sympathien kommen einem entgegen, nur durch den Hund. Ich konnte gar nix dafür und brauchte gar nix zu machen. Der Hund sprach für sich.
 
Zuhause angekommen, packten wir dann die Tasche und ab ging?s in die Eifel. Na ja, war für den armen Kerl, das erste Mal, das er von zuhause weg musste. Er hatte einen extra Reisekoffer zum Hinterherziehen. Was es nicht alles gibt, auf dem Hundemarkt der Eitelkeiten. Extra Decken, besonderes Futter, klasse Knirschknochen usw.usw. Malou, so sein Name, hat sich prima angepasst, war brav, außer das er sich ein eigenes Zimmer ausgesucht hat und ein Bett belegt hat. Na ja, was so ein verwöhntes Hundchen eben braucht, gell! Wir wollten ihn da auch nicht verscheuchen. Abends immer Zeckenkontrolle, denn da hatten wir aus der Erfahrung mit dem eigenen Hund eine ziemlich Plage. Und da hatte ich schon ein bisschen Angst. Mussten damals sogar den Kammerjäger kommen lassen.
 
Beim Grillen stand er dann immer neben dem Tisch und sprang meinen Mann an. Betteln konnte der! Ich sagte scherzhaft zu meinem Lieben: Ach du mit deinem Hund, Du Hundeopa! Da war er richtig beleidigt. Na und, sagte er, der liebt mich eben! Wie, was soll dass den heißen, lieb ich Dich etwa nicht. Ich hatte ausgedient. Der Hund hatte mich verdrängt. Die vier Tage gingen wie im Flug vorbei. Unterbrochen von mehreren Spaziergängen genossen wir die Hundstage!
 
Hundstage sind ja eigentlich die heißen Sommertage! Komisch, warum gebraucht man eigentlich dieses Wort! Mir schwant da doch was vom Sternenhimmel, hat das nicht was mit dem Großen Hund als Sternbild zu tun. Ich weiß es nicht genau.
 
Jedenfalls die Tage, in denen wir auf den Hund gekommen sind, waren außerordentlich vergnüglich. Eigentlich hat die Redensart“Auf den Hund gekommen“ ja eher etwas Negatives. Heißt das nicht, es geht einem schlecht. Finanziell, oder gesundheitlich. Aber wieso kommt man dann auf den Hund. Dem ging es doch gut bei uns. Also, der ist überhaupt nicht auf den Hund gekommen am Wochenende.
 
Bei aller Liebe zum Hund und der Sehnsucht, selber mal irgendwann wieder einen zu haben, war ich aber dann doch froh, als wir ihn wieder abgeben konnten. In der Stadtwohnung wär das wirklich kein schönes Leben für ihn. Viel zu wenig Auslauffläche, keinen Garten, wo er herumtollen kann, das ist doch nix für einen Hund. Da muss man ehrlich sein. Aber irgendwann vielleicht. Der Hund ist schon wirklich ein treuer Gefährte. Man ist nie wirklich allein, wenn man ihn an seiner Seite hat. Und an Kontakten mangelt es einem dann auch nicht. Da haben sich schon manche Freundschaften ergeben.
 
Ich glaub, ab und zu, werd ich wohlnoch mal auf den Hund kommen, aber nur geliehen, bis die Zeit reif ist, für einen eigenen, wenn die Umgebung dann passt!

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:50
Der ganz normale Wahnsinn! Sonntag! Eigentlich will ich nicht arbeiten. Da ich leider dazu neige, die Dinge manchmal vor mich her zu schieben, musste ich heute ran. 5 Stunden vor dem Computer. Draußen scheint die Sonne. Langsam nervt es. Mir wird heiß. Das Fenster zur Straße öffnen, nö, mache ich eigentlich nie, nur auf Kippe! Aber ist mir egal, heute wird es aufgerissen! Zwischendurch klingelt das Telefon. Die Mutter einer Freundin ist ins Krankenhaus gekommen. Nächstes Telefonat. Meine Mutter! Nächstes Telefonat, die Tochter kündigt sich früher an, wie geplant! Vater hatte gerade eine alte Vynil-Platte aufgelegt und wollte es sich gemütlich machen. Tochter fragt, ob er sie abholen könne. Am Ehrenfelder Bahnhof. Sie ist zu sehr bepackt! Na gut! Macht er! Ich in die Küche, die Rouladen rausgeholt. Auf italienische Art gewickelt und in die Pfanne. Broccoli vorbereitet, Reis gekocht. Alles gut! Freu mich auf`s gemeinsame Essen. Der Sohn will auch kommen! Tochter schneit rein, ist wieder weg. Orchesterprobe! Vater schaut Sport. Der FC spielt. Mir wird es langsam zu viel. Komm, sag ich, lass uns noch ein bisschen raus gehen!
 
Gesagt,getan! Spaziergang zur Flora. Die Fauna lädt ein zum Verweilen. Komm, sag ich, lass uns ein bisschen setzen. Wir finden eine Bank, machen es uns gemütlich. Reden über dies und das, weißt du noch, vor ein paar Monaten, da haben wir an dieser Stelle gelacht. Ich kann mich nicht erinnern, sagt er. Hab ich Alzheimer, Nö, sag ich, der ganz normale Wahnsinn!
 
Da ich Hunger kriege und es auf 18.oo Uhr angeht, beschließen wir nach Hause zu gehen! Unterwegs kommt uns der befreundete Nachbar entgegen. Er kommt von der Notdienstschicht! „Hallo“, sag ich noch im Vorbeifahren. Wir gehen weiter und schwätzen! Zehn Minuten später kommt der Nachbar uns wieder entgegen. Guck da ist der Martin doch wieder, sag ich noch zu meinem Lieben. Der hält inzwischen vor uns. “Ich such Euch“, sagte er. "Wieso"? meine Frage! „Bei Euch brennt es“! „Nö, ne“, meine Antwort. „Du machst Spaß“! „Mit so was scherze ich doch nicht“!
 
Mir wird es heiß und kalt zugleich. Visionen von zügelnden Flammen, Wassermassen in der Wohnung, Chaos total, alles am Ende! Ich lass es mir nicht anmerken. „Euer Sohn und Eure Tochter suchen Euch in ganz Nippes“! Oh je, wir haben kein Handy mit. Wollten einfach mal abschalten, nix hören. Lauf doch nicht so, meint mein Lieber. Aber ich bin wie durch den Wind. Äußerlich ganz ruhig, aber innerlich brennt es jetzt auch.
 
Wir kommen in unsere Straße. Ein Löschzug von Dreien steht noch in der Straße und ein Krankenwagen sowie Polizei. Töchterchen kommt uns entgegen. Lacht! "Hey, alles super, Mutter" Voll das Leben" und lacht!“ Ist mal wieder was los bei Euch“! "Ich fahr noch schnell den Wagen weg, dann komme ich".
 
In der Straße schauen aus jedem Fenster zwei Köpfe auf uns herunter, überall Menschen auf der Straße. Endlich mal was los hier! Wir durchqueren die Schneise! Hören noch ein paar mutmachende Sprüche.
 
Die Nachbarin von unten empfängt uns schon. "Hey Süße", sagt sie, "bei Euch hat?s gebrannt". Mein Lieber bleibt einfach stehen und schwätzt mit ihr und macht seine Scherze. "Komm mal runter, liebe Frau, reg Dich nicht auf". Ich verlange den Schlüssel und will nach oben.
 
Er reagiert gar nicht. Hat der die Ruhe weg. Gott sei Dank, hatte ich das Fenster nach vorne offengelassen. Da ist die Feuerwehr rein. Hatte ich eine Vorahnung!
Ich rase nach oben, schließe die Tür auf, gehe in die Küche und da steht sie: „Die Bratpfanne mit den verkohlten Rolladen“! Ich hatte geschwärzte Wände, Schaummassen und Wasserlachen erwartet. Alles ist gut! Nur die Pfanne erinnert an meine Vergesslichkeit. Ich hatte vergessen den Ofen auszumachen.
 
Alle Nachbarn stehen unten. Alles lacht! Ist ja noch mal gut gegangen. Einen Moment später kommt der Sohn nach Hause:“ Ist total frustriert „Jau, super Mutter, mal wieder kein Handy mitgenommen. Scheiß Öko-Eltern“! Er erzählt, dass er vom Nachbarsohn angerufen wurde. Da wir nicht zu erreichen waren, hat man überall in Nippes rumtelefoniert, wo wohl Röschen ist. Ob Moriot, Rosenrot, ein Freund, der sich in Trier befindet, alle wissen, bei Röschen hat?s gebrannt!Nur wir saßen ahnungslos in der Flora!
 
Wir sitzen in der Küche, die Pfanne ist mittlerweile entsorgt. Die Wohnung stinkt verräuchert. Meine Knie sind noch weich, aber der Schock geht langsam vorbei. Na gut, bestellen wir eine Pizza. Wir warten! Plötzlich gibt es einen Knall! Was jetzt, denke ich! Im Zimmer vom Sohnemann ist das Bücherregal von der Wand gekommen! Ich bin verwirt! Was ist das heute bloß für ein Tag! "Was passiert als nächstes", sag ich. "Ach nix, beim nächsten Mal klingelt nur der Pizza-Mann" meint der Sohnemann. So war es dann! Wir sitzen, sind vergnügt, erzählen von unseren Gefühlen, die in uns gewühlt haben. „Na, machst du halt nächste Woche Rollladen, Mama", sagt die Tochter," ich hatte mich so drauf gefreut“!
„Nächste Woche“? sag ich und schaue sie leicht verträumt und verloren an, „nächste Woche sind wir nicht da, wir sind in Pfingsten“! O.K. sagt die Tochter, o.k. Mama, lass es, für heute ist genug.
 
Der ganz normale Wahnsinn im Hause Röschen!
 
Der Freund ruft aus Trier an! "Ihr könnt bei mir schlafen"! Find ich nett. Die Stille Post ist bis in die Eifel gegangen. So schnell geht das mit den Informationen! Aber ein Schreck war es schon! Gut, dass wir den Humor nicht verloren haben!

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:47
Der Nürburgring. Eine Legende! Was waren das noch Zeiten damals, als die Rennen auf dem gesamten Ring stattfanden. Jeder, der damals schon einen Führerschein hatte, wurde an geheuert und dann ging?s es ab am Wochenende. Egal, ob Autorennen oder Motorradrennen. Auf der Fahrt dorthin waren wir alle kleine Laudas, damals! Da wurde so manche Kurve haarscharf genommen. Angekommen, der Schlafsack ausgepackt, das Zelt unter Arm, der Kasten Bier und dann die Stelle gesucht, wo man noch irgendwo ein Loch im Zaun fand. Dann durch. Mensch fanden wir uns toll damals! Ohne Eintritt! Dann einen Platz im Wald gesucht. Holz gesucht. Lagerfeuer an. Manche Verwarnung vom Förster eingesteckt und trotzdem weiter gemacht. Ganze Nächte durch.
 
Morgens dann verschlafen, ungewaschen, den Weg zur Tribüne und den Toilettenanlagen gesucht, um wenigstens mal die Zähne zu putzen. Wir fanden uns klasse damals. Jeder wollte doch gerne selber mal über den Ring fahren.
 
Ich hätte immer gern den Motorrradführerschein gemacht. Hat leider nicht gereicht.Auch ich wollte immer gerne mal selber über den Ring fahren. Hab es auch leider nie geschafft. Ich liebe die Extreme. Bin selber ein recht forscher Fahrer und teste mich gern aus. Wenn ich jetzt in der Eifel bin, höre ich von unserem Dorf aus, je nachdem, wie der Wind steht, manchmal das Dröhnen der Motoren. Alte Erinnerungen flammen dann wieder auf. So war auch der Wunsch wieder in mir hochgekommen, einmal über den Ring zu fahren. Aber mit unserem Familienauto! Nö, das war?s doch nicht.
 
Nun hat ein Freund einen BMW Z 3, mit offenem Verdeck. Es reizte mich schon lange, mal den Wagen zu fahren. Ich mein, ich wollte den nicht haben, für immer. Aber einmal so einen kleinen Geschwindigkeitsrausch selber zu erfahren, das war schon eine Versuchung.
 
Gedacht, gewollt, getan! "Mattes leihst Du mir deinen Wagen mal", die Frage an ihn. Er sagte erst nach langem hin- und her zu Mensch, war ich aufgeregt. Also holte ich mir den Wagen ab. Alleine! Ich zog meine Trenchcoat-Jacke an. Zog sie bis zum Hals zu. Den Schal umgebunden, locker, so wie man das im Film von den mondänen Frauen immer sieht. Die Ray-Ban-Brille auf, Verdeck runter und ab gehts von Rodenkirchen aus. Schon allein das Gefühl, in dem offenen Wagen zu sitzen, verursachte in mir ein wunderbares Gefühl der Freiheit. Der Fahrtwind strich mir über den Kopf. Ich legte die CD ein. Die Musik von Nirwana tat ein Übriges. Dann ging es los. Die Autobahn Richtung Bonn, von dort, Richtung Ahrweiler, Adenau und dann Nürburgring. Ich genoss die Blicke, die ich mit dem Wagen auf mich lenkte. Ich fühlte mich einfach großartig!
 
Dann endlich. Schlange stehen. Tag des Idiotenrennens. Vatis, sogar mit ihren Kindern, Busse mit Rentnern, Motorradfahrer, Kleinwagen, Großwagen, Motorräder mit Beiwagen, alles was man sich vorstellen kann, stehen und warten auf dieses einmalige Erlebnis. Endlich bin ich dran. 19,--? gezahlt und ab durch die Einfahrt.
 
Mir zittern die Knie. Im Bewusstsein, dass bei diesen Rennen auch unendlich viele Unfälle passieren, starte ich durch. Noch etwas verhalten. Aber nach einiger Zeit werde ich wagemutiger. Der Tacho steigt auf 15okm/h auf der Geraden. 20,8 km sind zurückzulegen. Das erste Mal erfahre ich, wie die gesamte Strecke sich anfühlt im Fahrverhalten. Die erste Kurve jagt mir einen Schrecken ein. Zu plötzlich kommt sie auf mich zu. Ich brems ab. Mir zittern doch ein bisschen die Knie. Aber in meinem inneren kämpfe ich. Ich will es herausfordern. Will wissen, wie weit ich gehen kann. Der Geschwindigkeitsrausch steigt mir zu Kopf. Plötzlich eine starke Neigung. Der Fahrbahnbelag wechselt. Der Wagen gerät etwas ins Schlingern. Ich denke an all die glorreichen Helden! Mein Hand immer auf der Schaltung. Ich fühle mich cool. Hinter der nächsten Kurve fahr ich an einem stehen gebliebenen Ford-Ka-Cabriot vorbei. Eine junge Frau steht daneben. Ob sie die Angst nun doch übermannt hat? Ich bin wieder auf einer Geraden. Der Tacho steht auf 200km/h. Ich halte das Lenkrad fest. Mein Blick ist starr und konzentriert nach vorne gerichtet. Welch ein Rausch. Es ist wie das Gefühl, wenn ich mich im Kreis drehe, immer weiter, immer schneller. Ich entferne mich und bin ganz bei mir selber. Nichts von außen dringt mehr an mich heran. Nur der Blick nach vorne, das Beherrschen des Autos. Ich berechne schon die nächste Kurve, wie ich ich sie anfahren muss, um sie möglichst schnell zu bekommen. Selbstsicher nehme ich sie und freue mich, sie geschafft zu haben.
 
Nach knapp 20 Minuten erreiche ich das Ziel. Ich strahle über das ganze Gesicht. Ich fühl mich stark. Ich hab mir einen Wunsch erfüllt. Ich hab es geschafft. Ich bin stolz auf mich! Ich fahre rechts ran, lasse das Verdeck wieder runter, setze mich wieder ans Steuer und fahre ganz cool und beschwingt wieder Richtung Köln. Ich habe meinen Alltag mit all den Problemen für einen Tag vergessen. Das Lächeln steht mir noch im Gesicht, als ich den Wagen wieder beim Freund abliefere.
 
Ich steige wieder in den Ford-Ka meiner Tochter, lege die Kassette mit Mozart-Melodien ein und fahre ganz ruhig und besonnen wieder nach Hause. Mein Mann nimmt mich in den Arm und sagt:“Na, du kleine Rennfahrerin“! Ich lächele ihn an. "Hab ich doch gesagt, ich kann?s", sag ich ihm.
 
Ach, einmal mit Jutta Kleinschmidt ne Rally fahren mit allem drum und dran! Nun ja, nicht alle Träume können in Erfüllung gehen!
 
Es war ein wunderschönes Erlebnis!

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:39
Es gibt so Tage, da geht alles schief! Heute Morgen erst mal verschlafen! Noch halb im Schlaf zum Yoga und dann in die Dusche gesprungen, ins Brötchen gebissen und ab zur Arbeit! Unterwegs einen Platten. Na gut, um die Ecke ist eine Fahrradreparatur, da bring ich es schnell hin! Das Arbeitspensum kaum zu bewältigen. Tausend Dinge, die noch erledigt werden müssen. Röschen, fährst du noch die Bücher aus, kannste noch schnell zur Post, ach ja und bring mir ein Brötchen mit. Na ja gut, mach ich ja alles. Endlich Feierabend, für erste, denn der nächste Job wartet schon. Hunger, ach ja, muss aber warten. Wollte ja noch in die Stadt zum Bahnhof, endlich die Fahrkarte für die Bahn kaufen, damit ich dann am 4.08.2007 auch einen Platz für mein Fahrrad bekomme. Hatte mir sagen lassen, dass ich das lange vorher buchen muss, denn die Stellplätze sind schnell weg!
 
Also mit dem inzwischen wieder reparierten Fahrrad zum Bahnhof. Reisende rasen an mir vorbei. Schön, denke ich, Fernweh-Atmosphäre! In mir meldet sich der Hunger, aber auch die Gefühle gallopieren, von Hoch auf Tief. Machst Du das wirklich richtig Röschen, denke ich. Leise Zweifel mischen sich in die Vorfreude. Allein in Urlaub, mit dem Fahrrad! Ist das wirklich o.k., so ohne zu wissen, wo man am Abend unterkommen wird. Alles ohne große Planung!
 
Ich komme zur Reiseinformation. Die Schlange steht bis weit in den Türausgang. Oh je, Mensch, ich hab nicht viel Zeit! Aber umkehren will ich auch nicht, denn die nächste Woche wird wieder hektisch. Also stelle ich mich an, kämpfe mit meinen widerstreitenden Gefühlen, schaue auf den oben an der Decke hängenden Fernseher, der Werbung für den Bahnhofsshop macht. Angebot: ein Lokomotivrucksack! Was ist das, denke ich, ist doch wohl komplett idiotisch, wer braucht denn so was? Die Schlange dümpelt vor sich hin. Plötzlich geht mein Telefon. Die Chefin! Röschen, was hast du mir denn da mitgebracht? Was geht? Meine Rückfrage! Mensch, du hast die falschen Briefmarken gekauft! Ach du Schande! Haben die sich vertan bei der Post! Statt fünfzig o, 55Cent Briefmarken haben sie zwanzig gegeben und statt zwanzig o, 45 Cent, fünfzig o, 2o Cent! Ich krieg die Krise! Kannst DU nicht noch mal zurückkommen. Mein Hals wird dick. Krieg ich jetzt Wut? Verdammt, muss ich jetzt noch die Briefmarken kontrollieren. Sind die zu blöd, das richtige rauszugeben. Die Quittung stimmt mit meiner Angabe der verlangten Briefmarken überein. O.k, ich komme gleich noch mal.
 
In der Hoffnung, dass es schnell weitergeht in der Schlange, fange ich mit dem Vordermann ein Gespräch an, um mich abzulenken. Denn mittlerweile überleg ich mir, ob ich überhaupt genug Geld dabei habe. Was wird so eine Fahrt wohl kosten? Hab ja schon oft gehört, dass die hier am Schalter sehr unfreundlich sein sollen! Endlich, nach ca. 1o Minuten bin ich an der Reihe.
 
Eine nette Frau mittleren Alters, fragt mich, was ich wünsche. Ich erkläre ihr, dass ich eine Reise nach Hamburg mit dem Fahrrad unternehmen möchte, möglichst früh am Morgen und natürlich die billigste Variante. Oh, fragt sie, wohin denn mit dem Fahrrad! Ich erzähle ihr von der Ostseetour und sie springt total darauf an. Lächelt versonnen und erzählt, ach in Bad Malente, da war ich auch schon. Ist ne wunderschöne Gegend! Wir kommen von Hütchen auf Stöckchen. Wie? So ganz alleine wollen sie das machen. Mensch, denk ich, ich fahr doch nicht nach Afrika in den Busch und lächele sie an. Sie sucht und sucht nach Möglichkeiten, o8.10 Uhr geht nicht, o9.1o Uhr auch nicht, bis 12.10 Uhr ist alles ausgebucht. Später will ich aber nicht, muss ja in Hamburg noch für eine Nacht Unterkunft suchen! Dann halt früher, meine ich zu ihr. Sie sucht und sucht wieder. Hinter mir der Nächste in der Schlange räuspert sich schon ungeduldig. Endlich 07.10 Uhr ist noch ein Platz frei. Das passt! Bin ich gegen 11.oo Uhr in Hamburg! Ist doch prima, denk ich. Dann kommt der absolute Hammer für mich, denn meine Überlegungen, ob es finanzierbar ist zerschlagen sich in Windeseile! Das ganze kostet sie 52,--?, wenn sie sich jetzt sofort als Frühbucher entscheiden. Klar, sag ich, ich nehme die Karte. Gesagt, getan. Nach ein paar Minuten habe ich endlich „mein Ticket“, ein kleines Stück Freiheit in den Händen. Ich verabschiede mich von ihr, sie lächelt mir freundlich hinterher und wünscht mir einen schönen Urlaub! Also man, da soll mal einer sagen, die bei der Bahn seien unfreundlich! Verträumt und ebenso lächelnd wanke ich zum Ausgang. Wo steht mein Fahrrad? Ach ja, direkt neben dem Hotel hatte ich es abgestellt. Was jetzt? Ich überlege, gehe vor und zurück, aber mein Fahrrad ist nicht mehr da. Meine Knie fangen an zu zittern! Verdammt, hab ich jetzt Alzheimer? Ich gehe wieder vor und zurück. Kein Fahrrad mehr da! Die haben mir das geklaut, denk ich! Das kann ja wohl nicht wahr sein. Sind denn alle gegen mich. Was ist das denn für ein Tag heute! Ich merke, wie mir die Tränen übers Gesicht laufen, bin ratlos und setze mich einfach auf den Treppenabsatz des Hotels. Ein Schluchzen überrollt meinen Körper. Und plötzlich, da, kommt ein Mann auf mich zu und fragt mich, was los sei und ob ich vielleicht mein Fahrrad suche? Ich schaue ihn unter Tränen an und nicke stumm! Entschuldigen Sie bitte, sagt er, ich stand da vorhin ne Weile und da hab ich gesehen, dass ein Rad umgefallen ist, weil es dort wohl eine kleine Unebenheit auf dem Pflaster gab, ich hatte versucht, es wieder hinzustellen, aber es hielt nicht. Da hab ich es genommen und woanders hingestellt. Ich schaue ihn an, stehe auf und falle ihm impulsiv um den Hals! Davon ist er jetzt auch überrascht. Mensch, sag ich, ich glaub es nicht. Sie haben mir vielleicht nen Schrecken eingejagt! Dann erzähl ich ihm, dass ich schließlich mit dem Rad ne Tour machen wolle und mir gerade ne Karte gekauft habe für die Bahn. Er lacht mich an und sagt, ist ja alles gut gegangen! Darauf müssten wir jetzt aber einen Kaffee trinken, ob ich nicht Zeit hätte, für einen kleinen Espresso! Ich schau auf die Uhr und denke, egal, das machste jetzt. Das scheint ein gutes Omen für meine Reise zu sein. Also gehen wir in die Cafebar und trinken auf die „Freundlichkeit der Welt“ Nach einer halben Stunde verabschieden wir uns voneinander, er hat mich selbstverständlich eingeladen. Ich fand das sehr nett! Er wünscht mir noch ne gute Reise, also jetzt doppelter Wunsch, na dann kann ja alles nur gut gehen. Wieder einigermaßen im Lot breche ich auf und fahr zur Buchhandlung zurück.
 
Mit den Briefmarken hat sich in der Zwischenzeit auch alles geklärt, die waren wohl unter eine Ablage geraten. Alles gut. Und zu gutem Schluss kommt eine alte liebe Bekannte, die ich lange nicht gesehen habe und erzählt mir noch kurz ihre Lebenssituation. Ich muss weg, sag ich, hab noch ne andere Buchhandlung zu versorgen und lächele sie an. Wir verabreden uns für ein anderes Mal. Sie wohnt jetzt um die Ecke. Allein! Ich bin gespannt!
 
Es sind noch ne Menge Hoch und Tiefs in meinem Gefühlen und Gedanken, aber ich trete einigermaßen zufrieden von der positiven Erfahrung heute meine Arbeit wieder an.
 
Und jetzt am Abend sitze ich hier und schreib alles auf und denke:“Die Welt ist nicht schlecht“! Gar nicht! Wir erfahren, was wir selber denken!

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:33
Ehrlich, ich kann von mir sagen, ich bin freundlich, herzlich, versöhnlich, ich bin wirklich kein kleinlicher Typ. Ist mal jemand unfreundlich mir gegenüber, dann kann ich ihn sogar liebevoll anschauen und fragen, warum?
 
Aber heute, heute war so ein Tag, da ist es passiert, da trat ein ganz anderes Röschen aus meinem Inneren hervor.
 
Ich gehe, schnell zwischen zwei Arbeitsstellen in den Bio-Supermarkt. Sohn hatte mich angerufen und gefragt, ob ich was zu essen machen würde, am Abend. Vielleicht war das schon der Punkt, an dem mein Unterbewusstsein zweifelte. Hätte ich ihm sagen sollen, mach dir doch selber was, ich hab schließlich auch 9 Stunden gearbeitet heute. Aber ich bin halt sorgende Mutter durch und durch, da kann ich mich selten herausziehen.
 
Also hab ich es mal schnell verdrängt und bin rein in den Supermarkt. Kühle Luft empfängt mich, ach, denke ich, ist ja gar nicht so schlimm, im Gegenteil, ist ja eine reine Wohltat, hier durch die Gänge zu schlendern. Ich vergesse, dass ich in Eile bin und nehme mir ein bisschen Zeit, das Warenangebot zu prüfen. Was koche ich denn bloß, denke ich. Es soll ja schnell gehen, denn ich will ja am Abend noch ins Kino. Ich gehe an den Regalen vorbei. Wer schon einmal im Nippesser Alnatura war, der weiß, das an jeder Ecke ein kleiner Probierstand steht, mit allen erdenklichen Köstlichkeiten, die man dort naschen und probieren kann. Dabei habe ich schon oft beobachtet, dass es Leute gibt, die nur damit beschäftigt sind, von einem Probier-Angebot zum nächsten zu laufen. Kriegen die eigentlich zuhause nichts zu essen?
 
Ich gehe durch den ersten Gang an dem Regal mit den leckeren Chips-, Nuss- und Trockenfrüchten-Knabbereien vorbei. Ganz am Ende des Regals sehe ich einen Mann, mitte Fünfzig auf mich zukommen. Die Gänge sind sehr breit. Ich bewege mich ganz am Rand des linken Regals, in der rechten Hand meinen Einkaufskorb. Ich nehme den Herrn wahr, wie er auf mich zukommt und denke noch, ist ja genug Platz, der kommt locker an mir vorbei, zum Ausweichen reicht es allemal. Ich versinke wieder in meinen Träumen und gehe weiter und da passiert es, dieser Mensch, kümmert sich überhaupt gar nicht darum, dass ich ihm bewaffnet mit meinem Einkaufskorb entgegenkomme und er reißt mich mitten aus meinem Traum heraus, in dem er voll meinen Einkaufskorb weggedrückt, der mir vor Schreck aus der Hand fällt, und, was tut der? Kein Wörtchen von Entschuldigung, sondern geht einfach weiter. Ich stehe da wie ein bedatteter Pudel, dreh mich um, schaue ihm hinterher und denke, das gibt es doch gar nicht! Kann das wahr sein? Und plötzlich überkommt es mich! Ich fasse mir ein Herz und rufe ihm nach:“ Du blöder, ungezogener, selbstverliebter egoistischer Weihnachtsmann“!
Er, dreht sich um und grinst mich einfach an. Jawohl, sag ich ihm noch mal, das bist Du!
 
Leider hat es nichts genutzt, er geht weiter, ohne Einkaufskorb und irgendeine Ware in der Hand, hat wohl seinen Probiergang durchgezogen und ich stehe immer noch da, wie ein begossener Pudel. Was war dass denn jetzt, Röschen, denke ich. Pah, sag ich zu mir selber, dazu stehst jetzt! Das musste jetzt einfach sein. Man muss ja schließlich sagen, was man denkt, oder?
 
Es gibt Leute mit Verhaltensweisen, die gibt es gar nicht, oder doch?

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:32
Wie ein Buchhändler-Arbeitstag ausschaut hab ich ja einmal in einem Beitrag geschrieben. Natürlich gibt?s, wie in jedem anderen Beruf auch, so Tage, da geht alles ganz normal, man hat nette Kunden, die sich bedanken, wenn alles gut geklappt hat, man hält ein Schwätzchen über Gott und die Welt, aber irgendwie ist das oft, wenn auch eine schöne, Routine. Dann gibt es so Tage, wie heute z.B., da passieren Dinge, über die ich noch lange lachen kann.
 
Komme heute also in den Laden angeflogen, die Kollegin ist gerade mit einem Herrn beschäftigt, der ein Buch kaufen bzw., bestellen will, von dem er nicht weiß, wie es heißt und vom wem es ist. Er meint zu ihr, er hätte es in einer Innenstadtbuchhandlung auf dem Tisch ausliegen gesehen. Es sei ein Thriller, der Buchumschlag wäre weiß und er meinte, sich daran erinnern zu können, das chinesische Schriftzeichen drauf gestanden hätten. Der Verlag sei, seiner Erinnerung nach Piper gewesen. Ein Taschenbuch. Die Kollegen schaut ihn konsterniert an und meint zu ihm, ja, wie soll ich das denn finden? Er sagt, der Autor würde, wenn er sich recht erinnere, mit "Br" oder "Pr" anfangen und ungefähr Prwewski, oder so ähnlich heißen. Die Kollegin gibt sich wirklich Mühe, ehrlich, aber irgendwann wirft sie das Handtuch und sagt ihm, also so geht das nicht, mit diesen Angaben kann ich das Buch nicht finden. Er ist nicht böse, aber irgendwie enttäuscht. Ich sehe das und ruf ihm noch etwas zu, frag ihn, ob es vielleicht auch ein anderer Verlag gewesen sein könnte. Die Kollegin schaut mich böse an. O.k. denke ich, da mußte jetzt durch. Dann kommt er zurück und ich schaue noch einmal mit ihm in den Computer. Ehrlich, ich muss irgendwie innerlich schmunzeln, aber er stellt sich mir als Herausforderung dar. Er wiederholt alle merkwürdigen Angaben, und ich recherchiere, gebe Thriller ein in Verbindung mit Piper, wir gehen alles durch, aber er findet das von ihm gesuchte Buch nicht. Ich gebe wieder Thriller ein und Autor mit „Prz*“und Piper. Dann meint er plötzlich, ne, vielleicht war es doch Goldmann und vielleicht fing der Name doch mit „Brs“ an! Juchhu denke ich, und sage ihm:“ Na, sie sind mir ja ein Kunde“? Ich suche und suche und dann sagt er plötzlich zu mir:“ Ja, stimmt ich bin ein Kunde, der herausfordert, ich bin schon immer gegen den Strom geschwommen! Ich merke, wie sich in mir ein inneres Grinsen breit macht! Ach ja? sag ich zu ihm. Ja, er wäre schon immer ein Weltverbesserer gewesen, hat immer ne andere Meinung vertreten, als sein gegenüber! Ach so, sag ich zu ihm, Ja, ja, hm, und nicke immer noch innerlich grinsend ihm zu und denke, das kann wohl jetzt nicht wahr sein. Wie kommt der denn jetzt darauf, was von „gegen den Strom schwimmen“ zu erzählen in Verbindung mit seinen merkwürdigen und difusen Angaben auf der Suche nach einem Buch, dass er nicht benennen kann. Ich suche noch ne Weile weiter, er bequatscht mich weiter, aber dann gebe auch ich mich geschlagen, nachdem ich ca. 5oo Buchtitel durchwühlt habe. Tja, freudig und siegesssicher geht er und ich sag ihm noch, gehen Sie doch noch mal in die Buchhandlung, schauen sich das Buch genau an, schreiben sich alles auf. Dann gebe ich ihm ein Kärtchen von uns und sag ihm, er könnte es ja trotzdem dann bei uns bestellen. Er zieht ab, ist zufrieden, geht die Tür raus und meine Kollegin und ich brechen in schallendes Gelächter aus. Nicht, dass das jetzt falsch verstanden wird, ausgelacht haben wir ihn nicht wirklich, nur gewundert haben wir uns.
 
Das war schon ein Highlight des Tages. Kunden gibt es. Ich will aufstehen, jetzt endlich zu meinen Botengängen übergehen, da klingelt das Telefon. Lass mal, sag ich der Kollegin, ich geh schon ran. Am Telefon meldet sich ein Herr mit einer Aussprache wie Herr Ranicki persönlich. Ich sage meinen Spruch auf, Buchhandlung?.sowieso, Röschen am Apparat, was kann ich denn für Sie tun? Daraufhin fragt er mich doch allen Ernstes, ob ich konsequent und kompetent genug wäre, ein Buch zu verkaufen, Ach du lieber Himmel, denke ich, schon wieder so einer! Na klar, sag ich lächelnd, nein, fast schon lachend ins Telefon,klar ich bin kompetent und konsequent. Ja dann, sagt er, darf ich ihnen mein Buch anbieten! Ich denk, ich hör nicht recht. Er erzählt mir, er sei schon 83 Jahre alt und hat jetzt seine Biographie geschrieben. Ist ja interessant sag ich! Und jetzt, sagt er wieder zu mir, würde er gerne das Buch eine halbe Millionen Mal verkaufen! Ich lächele weiter ins Telefon. Ja, das kann ich verstehen , antworte ich ihm. Er meint, er wüsste ja nicht, wie viel Zeit ihm noch bliebe, dieses Ziel zu erreichen, Ne, ja, antworte ich ihm, das wissen wir doch alle nicht, oder? Daraufhin ist er ganz verzückt und meint, ich hätte eine weise Antwort gegeben. Ich lächele weiter. Daraufhin fragt er mich doch:“Glauben Sie an Gott“? Ich bin so verdattert und denke, ach du jemineh, das auch noch! Das ist jetzt aber eine sehr persönliche Frage, antworte ich ihm, aber gut, ich sag mal kurz und bündig ja! Aber mehr will ich dazu nicht sagen, das würde jetzt wohl den Zeitrahmen überschreiten und ich müsse ja auch weiter arbeiten. Er ist weiterhin unbeirrt, erzählt mir seine halbe Lebensgeschichte und am Ende kam dann die Frage, ob ich denn bereit wäre, sein Buch in unserem Laden zu verkaufen, Ich frage ihn, in welchem Verlag er es denn hat drucken lassen. Daraufhin erzählt er was von einem Verlag in Wien. Ach du liebe Güte, denke ich. Ich bleib ihm freundlich zugeneigt und bitte ihn, mir doch ein Lese-Exemplar zu schicken, gebe ihm unsere Adresse und er bedankt sich.
 
Ich lege den Hörer auf und schmunzele weiter vor mich hin. Sag mal, sag ich zu meiner Kollegin, haben die heute irgendwo ne Türe aufgelassen. Was ist dass denn für ein Tag. Auf jeden Fall unser Arbeitstag war gerettet. Wir haben jetzt ein Phrasenschwein aufgestellt und immer wenn es Probleme gibt, sagen wir lächelnd:“ Ich bin schon immer gegen den Strom geschwommen“! Passt auf jeden Deckel, oder nicht
 
Ja, das sind so die Highlights im Buchhändleralltag, die einem doch das Arbeiten an sich versüßen. Dann gibt es noch die Geschichte von „Zwiesel dem Zwerg“, aber die erzähl ich ein ander Mal!

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