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15. Juni 2009 1 15 /06 /Juni /2009 21:02

Ein schöner Tag war das gestern. Welche Mutter hat es nicht gern, dass ihre Kinder immer wieder freudig heim kommen und es sich einfach nochmal gut gehen lassen wollen. Und wenn dann auch noch die Freunde gern dabei sind, ist das Glück doppelt.
 
Röschen jun. und Freundin hatten sich schon seit einigen Tagen angemeldet. Mir macht es immer wieder Freude dann etwas Besonderes zu kochen. Kein Fünf-Gänge-Menue, aber drei müssen´s schon sein;-)
 
Der Grund zum gemeinsamen Essen, war eigentlich hauptsächlich der gemeinsame Aufbruch im Anschluß zum Bauturm auf der Aachener Straße. Dort wird seit April diesen Jahres das Stück "Die Leiden des jungen Werther" von Goethe gezeigt. Seinerzeits heftig umstritten, weil ihm zum Vorwurf gemacht wurde, romantisch-verklärt rufe es die Jugend zur Nachahmung des Suizids auf, aus verschmähter Liebe. Hm...dachte ich, als ich das las, könnte das wirklich so gewesen sein?
 
Röschen jun. nebst Freundin hatten sich sorgfältig vorbereitet und Tage zuvor gemeinsam das Buch gelesen. Ich muß sagen, bei mir war es schon fast 2o Jahre her, seit ich es in der Hand hatte. Ich wollte mich auch nicht erneut hinein vertiefen, eher mich vom Theaterstück überraschen lassen.
 
Ganz davon abgesehen, dass mein Nachbar das Stück inszeniert hat, war ich absolut begeistert vom ersten Moment an. Naja..ich bin halt schnell begeistert, wenn es den Protagonisten gelingt, mich sofort zu fesseln.
 
Was ich liebe an Theaterstücken ist der Minimalismus. Also kaum Bühnenrequisiten, sondern der Schwerpunkt auf Körperbewegung und Sprache gelegt. Das ist in den Inszenierungen im Bauturm immer gegeben. Es ist eine kleine Bühne, vielleicht gerade mal 150 Menschen passen hinein.
 
Arne Obermayer, der den jungen Werther spielte, ist das hervorragend gelungen, mit seiner Lebendigkeit, seiner Dynamik einem schon fast den Atem zu rauben. Spannender wie ein Krimi hätte es nicht sein können. Frisch, jung, macht der junge Werther sich auf, will weg aus dem Großstadtleben, hinaus in die Natur. Sehr schön gemacht, eine Bildleinwand mit der er mittels einer Kamera Naturaufnahmen projezierte und mit  Lob und Enthusiasmus  die wiedergefundene Freude an der Schöpfung aufzuzeigen. .Schön auch, der Blick ins Publikum, in denen er die dort sitzenden Zuschauer zeigte, und den inneren Dialog über den Menschen an sich, damit ummauerte.
 
Ich muß sagen, Rüdiger Pape, ist es gelungen, diese doch eher anmutende melancholische, schwere Kost des Leidens Werther in einer Mischung aus Humor, Leichtigkeit und Schwere zu inszenieren. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass man bei diesem Thema so viel zu lachen bekommt.
 
Aber so ist es... Ich meine...es ist ja nur ein Buch, wenn auch in einigen Zügen wohl autobiographisch von Goethe her aus gesehen, muß man nicht eigentlich darüber lachen, was der Mensch an sich zustandebringen kann?
 
Ich meine, das Thema der Geschichte, die Dreiecksbeziehung, Werther, Albert und Lotte, die leidenschaftliche, später in den Selbstmord treibende Liebe eines jungen Menschen, ist aktuell. Wenn auch die vermeintliche Romantik, dass sich heute noch aus Liebe jemand das Leben nimmt, verloren gegangen ist. Gott sei Dank kann man da nur sagen.
 
Pape hat in kurzer, knapper Andeutung in diesem Stück gezeigt, welche immer wiederkehrenden Mechanismen den Menschen beherrschen. Da wäre der Hang zur Sicherheit. Frauen wollten damals versorgt werden, mußten an ihre Sicherheit denken, es war ihnen unmöglich, ein eigenständiges Leben zu führen und sich für die "Liebe" zu entscheiden. So auch Lotte. Sie steht plötzlich zwischen Albert und Werther. Albert der ihr alles verspricht, was Frauen scheinbar auch heute noch suchen. Bürgerliches Etablishment, Aufbewahrung, Sicherheit, Konsum, das Nutzen der Dinge, die doch so unnütz sind und das Leben nicht füllen können.
"Was will man mit all dem, was einen umgibt? Es schafft die Leere nicht zu füllen" So oder ähnlich war ein Satz von Werther, der sieht, wie sie lebt, was sie sucht.
 
Und er...der wilde Romantiker, der Aussteiger, noch fähig, mit ganz anderen Augen durch die Welt zu gehen, ihr den Rücken auf seine Weise zu kehren, in dem er eine Weile auf dem Land lebt, sich den Tag mit Tagebucheintragungen und Zeichnungen vertreibt. "Seelig die, die noch in den Tag reinleben können, ohne ihm was abgewinnen zu wollen" Das fand ich schön. Denn..ist der heutige Mensch nicht ständig getrieben vom Leistungsanspruch, der an ihn gestellt wird. Und wenn er dann zur Ruhe kommt, weiß er mit seiner Zeit nichts anzufangen. Nichts ist für die Ewigkeit, auch das eigene Leben nicht. Wären die Menschen sich dessen doch mehr bewußt!
 
Pape gelingt es mit wenigen Mitteln symbolhaft darzustellen, Liebe gegen Bürgerlichkeit. Man braucht nicht lange nachzudenken, was er sagen will, als Albert von seiner Reise zurückkommt mit einem Geschenk für Lotte. Ein rotgeblümtes Sofa, das Objekt der Begierde. Da steht er, Werther, mit seiner heftig entbrannten Liebe zu Lotte und demgegenüber das Sofa. Herrlich. Lotte entscheidet sich für das Sofa. Sie will sitzen bleiben. Die Bewegung in ein anderes Leben hin ist ihr zu unsicher, macht ihr Angst.
 
Später sieht man, wie sich ihr Haus anfüllt, mit Dingen, die der Mensch meint, unbedingt zu brauchen, kleinen Haushaltsgeräten, dem Wollteppich, auf dem sie für einen kurzen Moment mit Albert Zärtlichkeiten austauscht, dann aber wie gehetzt aufspringt und sagt." Er fluselt", der Teppich. Herrlich. Klarer Verdrängungsmoment. Es ging ihr darum, sie weiß, dass das nicht alles ist im Leben, dass sie tief in ihrem Inneren nach Erfüllung, nach wirklichem Stillen ihrer Sehnsucht sucht. Sie sucht eigentlich nach Werther, sie will ihn, aber sie kann sich nicht entscheiden. So lebt sie weiter ihr Leben in der Oberflächlichkeit des bürgerlich angepaßten Lebens und schafft es, Werther auszuschließen. Verbannt ihn aus ihrem Leben.
 
Werther kommt nicht los von ihr, nie. Leidenschaft? Was ist das eigentlich. Kann man sich das überhaupt vorstellen, dass es möglich ist, einem Menschen zu verfallen? Ist es möglich, dass ein Mensch sich selber verliert, scheinbar nur noch leben kann, wenn er den anderen besitzt?
 
Traurig ist´s, sagt der junge Werther an einer Stelle, wer nicht ganz bei sich ist und es nicht merkt....So hab ich es verstanden jedenfalls.. Es scheint in der Liebe eine Gefahr der Distanzlosigkeit zu geben. Ein sich selber verlieren, ein sich abhängig machen vom Gegenüber. Das Gegenüber soll der Maßstab des eigenen Glücks sein. Und man merkt nicht, wie groß die Erwartung ist, wie sehr sie das Gegenüber auch belastet, wie genau dieses Verhalten eine Beziehung belasten kann.
 
Werther verliert den eigenen Kampf um sich selber, um sein eigenes Sein. Er kann nicht ohne Lotte und nicht mit Lotte. So zieht er es vorher, seinem Leben einem Ende zu setzen.
 
Selbstmord...auch heute immer wieder ein Thema, immer wieder geschieht es auch heute, nicht immer nur aus Liebe, sondern auch aus anderen Enttäuschungen heraus an das Leben, dass nicht gegeben hat, was man sich zu wünschen erhoffte. Aber auch manchmal einfach nur, weil...es eine innere Leere gibt, die möglicherweise nichts und niemand füllen kann. Vielleicht, wenn wir das begreifen würden, wären wir nicht so erschrocken, wenn jemand geht, aus eigenem Wunsch heraus. Was wissen wir denn um die Stabilität einer menschlichen Seele? Haben wir überhaupt eine Ahnung davon, dass es wahrscheinlich ist, dass es Menschen gibt, die innerlich keine Stärke haben? Und? ist der Selbstmord eigentlich umsonst? Oder hat er eine Botschaft. Vielleicht diese eine kleine....falls du anfängst zu straucheln, falls du dich erwischst, dass du an Dingen saugen willst, an anderen Menschen, die dir behilflich sein sollen, dir das zu geben, dich so auszufüllen, damit du stehen bleiben kannst, dann hab acht... Schau genau hin...Die Lebensfreude, das Glück, die Stabilität kann dir niemand geben, sie muß in die selber erwachsen, dafür mußt du kämpfen...an dir arbeiten. Das Leben ist ein Kampf.
 
Das Leben ist eine Beschäftigung mit dem gegenwärtigen Moment. Schön sag Werther es in dem Stück...Wieso lebt der Mensch ständig in den Erinnerungen an die Vergangenheit und nicht im gegenwärtigen Moment? Das hat mir gefallen, natürlich;-)
 
Irgendwo hörte ich einmal den Spruch:" Man kann die Vergangenheit vergessen, aber die Vergangenheit vergißt einen nie" Man wird ohnehin immer wieder mit ihr konfrontiert, ungewollt....da muß man nicht dauernd noch das Leben der Vergangenheit leben, oder?
 
Lotte und Albert leben weiter...ungeachtet des Todes des jungen Werther...Ja...das Leben geht weiter, ob einer geht oder nicht... ob man selber darin eine Verantwortung, eine Rolle gespielt hat, ist gleichgültig...Denn in diesem Stück stellt Pape es so dar, dass man zur Haltung kommen könnte, welche Schuld trägt Lotte am Leiden von Werther. Hätte sie sich nicht darauf eingelassen, mit ihm gespielt. Muß man nicht vorher spüren, aufpassen, was passiert da zwischen mir und dem anderen, der sich in eine Beziehung drängt, ungewollt, nicht bewußt, und sich zurückziehen, verzichten?
 
Oder ist es gewollt, Schicksal eben, eine Herausforderung das Leben, das man meint zu führen, welches einem oberflächliche Sicherheit verspricht, zu tauschen gegen das, was wirklich wichtig ist?
 
Es ist wie es ist...am Ende bleibt auch die Vorstellung, was wäre wenn...also wenn Lotte und Werther sich hingegeben hätten? Wären sie glücklich geworden miteinander? Für immer? Kann Liebe immer leidenschaftlich bleiben? Kann Liebe immer ein Zuhause bleiben, ohne dass es ein böses Erwachen gibt?
 
Untermalt wurde die Inszenierung von schöner Musik, leise aber zart. In den ersten Szenen hören wir das leise Vogelgezwitscher, leise Töne aus einer Uralt-Aufnahme von Pink-Floyd´s Album Ummagumma...das war Gänsehautfeeling pur und es paßte, weil der Schrei am Ende schon auf das Leiden hindeutete. Es gab noch Jimi Hendrik Watchtower und am Ende, eine leise stille Melodie von Bohren & der Club of Gore. Es paßte, alles.
 
Der Applaus war frenetisch, Bravorufe, auch von mir;-) der nicht aufhören wollte. Verdient, finde ich.
 
Geht also hin, schaut es Euch an. Ich finde das kleine Thater am Bauturm hat es redlich verdient. Denn es ist nicht das erste Stück, dem ich mit Begeisterung folgte.
 
Die leiden des jungen Werther, Theater Am Bauturm
 

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15. Oktober 2008 3 15 /10 /Oktober /2008 17:31

Weiß man morgens was der Tag bringt? Gut, die  Arbeit, die Verpflichtungen, aber dazwischen gibt es Vieles, was geschehen kann, was unerwartet passiert, man hat nicht damit gerechnet, eine Begegnung, ein Lächeln mit einem Wildfremden oder einfach ein Geschenk!
 
Bei mir war es heute mal wieder so. Ich stehe vor dem Kleiderschrank. Was ziehe ich an, ist ja schließlich ein Bewerbungsgespräch. Nach langem hin und her, egal, du bist, wer du bist, denke ich, zieh an, was du immer trägst. Gesagt, getan. Auf das Rad und ab!
 
Durch den Grüngürtel im Norden ans Rheinufer. Mensch, was für ein schöner Tag heute. Der letzte vielleicht. Der Herbst hat bunte Blätter auf den Asphalt gewirbelt, die Luft, immer noch mild, zersaust meine Haare, ich verspüre Fernweh. Ich sause das Rheinufer entlang, fahre kleine Kurven über die blätterübersäten Straße.
 
In meinem Ohr singt Starsailor:" Do you see, what i see!" Und da seh ich sie schon von weitem, leuchtend, bunt, in ihren dunkelroten Sari gehüllt. Ein Leuchten auch über mein Gesicht, ja ein Strahlen. Eine Inderin denke ich. Ich komme ihr nahe und bremse mein Rad ab, stehe vor ihr, lache sie an und bekomme das Lächeln zurückgeschenkt. "Where do you come from?" frage ich sie. Zu meinem Erstaunen erwidert sie mir in gebrochenem Deutsch.
 
Sie erzählt, sie komme aus Mombay, ist mit ihrem Mann ein paar Tage in Köln, da er sich hier bei einer Firma vorstellen muß, die mit einem Partner in ihrer Heimatstadt zusammenarbeitet, daher auch ihre kleinen Deutschkentnisse. Er sei unterwegs in diesem Moment und daher nutze sie die Gelegenheit, sich ein bißchen unsere Stadt anzusehen! Lustig, denke ich, ich bin auch unterwegs zu einem Bewerbungsgespräch! Erzähl ich ihr auch, auch dass ich gerade in Indien war und schwups, sind wir in ein längeres Gespräch vertieft. Ich hab ja noch Zeit, bin eh viel zu früh.
 
Und da ergreift sie die Gelegenheit und lädt mich einfach zu einer Tasse Kaffee ein. Ich bin sprachlos. Klar, ich sage zu und ehe ich mich versehe, sitze ich mit ihr in einem kleinen Cafe Nähe des Domes. Ich erzähle von meiner Reise, sie erzählt mir von ihrer Heimat, ihrer Familie. Sie hat zwei Kinder, die jetzt von der Schwiegermutter betreut werden. Ob sie auch "verheiratet" wurde, frag ich sie. Nein, lacht sie, sie habe frei gewählt, aber sie weiß, dass es noch immer viele Zwangsehen in Indien gibt. Aber nicht immer seien das die schlechtesten Ehen.
 
Ja klar wir kommen auch auf Köln zu sprechen. Wie ihr die Stadt gefällt, frag ich sie. Wunderschön, wunderschön sagt sie, alles so sauber, adrett und ordentlich, klein und überschaubar. Sie fühle sich wohl, könne sich vorstellen, für eine Zeitlang hier zu leben! Für die Kinder würde es nicht einfach werden, aber was ist schon einfach im Leben, sagt sie. Es sei gut, dass die Kinder lernen, dass das Leben Probleme birgt, aber das man es schaffen kann, sie zu bewältigen.

Und der Dom, fasziniert sei sie vom Gerhard-Richter-Fenster gewesen. Ich erzähle ihr, dass es bald eine Ausstellung geben wird von diesem auch von mir geschätzten Künstler. Kunst, sagt sie, sei die Verbindung zwischen Mensch und Kultur, Kunst drückt das Wesen, das Geschehen im zwischenmenschlichen Bereich aus, aber auch alles, was auf dieser Welt geschieht. Kunst hat immer eine Botschaft, jedes Bild, jede Fotografie, jede Skulptur. Und so plaudern wir noch eine ganze Weile, kommen von Hütchen auf Stöckchen. Und ehe ich mich versehe, ist eine Stunde vergangen, ich schaue auf die Uhr und muß mich leider verabschieden. Aber ihre Adresse hab ich bekommen, wenn ich nochmal nach Indien kommen sollte, dann darf ich sie besuchen. Ja, und tatsächlich, wir umarmen uns beim Abschied und sie sagt ganz leise:" Danke, jetzt fühle ich mich nicht mehr als Fremder in deiner Stadt!" Ich lache sie an und sage:" Ja, auch Indien war für mich eine Zeit lang meine Heimat". Meine Heimat ist immer da, wo es Menschen gibt, die sich anschauen, wahrnehmen und aufeinander zugehen.
 
"Do you see, what I see", singt es wieder in meinem Ohr. Glücklich, über diese kleine Begegnung fahre ich von dannen. Ja, ich sehe und dass ist schön!
 
Pünktlich bin ich auch noch, sogar zehn Minuten zu früh und die Personalleiterin begrüßt mich freundlich. "Sie strahlen ja", sagt sie, als sie mir die Hand schüttelt. "Was haben Sie denn Schönes erlebt?" "Och"; sag ich, "nur eine kleine Begegnung, einfach so, mitten im Alltag, weiter nichts. Aber schön war´s!"
 
Es scheint mein Glückstag zu sein. Ich hab den Job! Wenn auch nur befristet, aber was soll´s, wieder eine Erfahrung mehr in meinem Leben und wer weiß, was daraus wird.
 
Und immer noch glücklich setze ich mich wieder auf mein Rad, fahre beschwingt am Rheinufer nach Hause. Das Leben ist schön, gerade deswegen, weil man morgens nie weiß, was der Tag bringt! Ich wünsche mir noch viele solcher Tage!

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 20:25
Heute morgen auf einer Fahrt nach Rodenkirchen fällt mein Blick auf das kleine Wäldchen um den Forstbotanischen Garten. Auch hier hat der Sturm gewütet und einzelne Bäume entwurzelt. So ist das mit den Naturgewalten, denke ich, irgendetwas gerät in Unordnung und Teile der Natur werden einfach aus dem Erdenleib herausgerissen, entwurzelt.
 
Melancholie überfällt mich bei diesem Anblick. Mir fällt ein, daß es mit mir, mit uns Menschen auch immer wieder passiert. Es treten Ereignisse in unser Leben, die wir uns nicht ausgesucht haben oder in unserem Körper gerät etwas in Unordnung und schon werden wir hin- und hergerissen, entwurzelt. Wir müssen wieder von vorne anfangen und unsere inneren Wurzeln wieder festigen.
 
So wie die Natur Helfer braucht, um die Schäden zu beheben brauchen auch wir Menschen, die uns dabei helfen, wieder Fuss zu fassen.
Es wird nicht der letzte Sturm sein, der über uns hinwegbraust. Und in unserem Leben wird es immer wieder Chaos und Durcheinander geben. Neuanfang ist immer wieder gefragt. Viel Kraft ist dazu nötig. Staunend schüttele ich den Kopf, weil es von vielen nicht begriffen wird. Die ganze Schöpfung und wir Menschen in ihr inbegriffen sind zerbrechliche Gefäße, gleich einem Tonkrug. Wenn man ihn nicht sorgsam anfaßt, kann er schnell fallen und zerbrechen. Ein Sturm wie Kyrill hat uns das eigentlich wieder gezeigt. Nichts ist selbtverständlich!

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 20:21

Ich komme aus dem Cafe um die Ecke und da wird ein Stück Himmel sichtbar. Und da seh ich ihn hell und leuchtend am Himmel. Wir haben Vollmond über Köln. Gespenstisch mutet der Blick an. Wie hinter einem durchsichtigen Vorhang strahlt er auf uns herab. Viele Menschen bekommen das oft gar nicht mehr mit, aber spätestens wenn sie ihn sehen, wird ihnen klar, warum sie in den letzten Tagen so schlecht geschlafen haben. Dann ist ja auch klar, warum man angeblich bei Vollmond agressiver sein soll. Logisch , wenn man nicht ausgeschlafen ist. Man bekommt es doch ein bißchen mit, beim Autofahren oder in den Geschäften beim Einkaufen. Viele sind dann ungeduldiger und nervöser. Manchen Menschen geht man bei Vollmond lieber aus dem Weg und verlegt Termine mit Ihnen lieber auf ein Datum danach. Auf jeden Fall fällt mir das immer auf. Das man bei Vollmond schlechter schläft, ist übrigens erwiesen. Auch soll die Kriminalität bei Vollmond statistisch gesehen höher sein. Auch wenn es nicht wirklich eine Erklärung dafür gibt. Also, wenn ich in den Nächten mit meinem Fahrrad bei Vollmond nach Hause komme, habe ich schon mal eher ein mulmiges und ängstlicheres Gefühl, wie sonst.
 
Das Wetter soll sich auch ändern bei Vollmond, Wahrheit, oder Mär? Angeblich sollen sich die Geburten in diesen Nächten häufen, obs stimmt? Ja, und falls man bei zunehmenden Mond eine Diät beginnt, ist man nicht so leicht zufrieden, denn angeblich soll man dann bis zu 2 kg zunehmen, da der Körper das Wasser länger speichern soll!
 
Eine Nacht bei Vollmond an der Nordsee ist sehr zu empfehlen. Zuschauen wie das Wasser kommt und geht. Ein Strandkorb und es sich gemütlich machen, schön eingepackt und sitzen, staunen und lauschen. Aber nicht an Vampire oder Werwölfe denken, dann wirds gespenstisch, denn die sollen ja wohl auch in der Vollmondnacht herumirren und nach ihren Opfern suchen!
 
Es gibt mittlerweile eine Menge Ratgeber zum Thema Vollmond, wie man sich verhalten soll, wann man säen und ernten soll , Körperpflege und Operationen durchführen soll, und vieles mehr. Man kann es ja mal ausprobieren, vielleicht ist ja was dran!
 
Jetzt ist auf jeden Fall Vollmond über Köln und es lohnt sich ab und zu mal den Blick zu heben und diesem wunderschönen Schauspiel beizuwohnen. Irgendwie ist Köln dann noch schöner.
Ach ja, und wenn man dann verliebt mit seiner Liebsten oder seinem Liebsten auf einer Parkbank sitzt.... Schon manch Treueschwur ist da gegeben worden. Nun, ist ja im Moment noch zu kalt, aber es gibt ja auch noch andere Orte, oder?
 
Lassen wir uns also verzaubern vom Vollmond und in zwei oder drei Tagen können wir dann auch wieder besser schlafen.

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 20:09

Sonntagsvormittags machen mein Mann und ich immer einen Spaziergang durch Köln. Wir gehen dann von Nippes aus zum Rhein runter und dann quer durch die Stadt! Da kommen wir manchmal durch Strassen, die wir vorher gar nicht kannten. Ich guck dann immer auf die Straßenschilder und frage mich, woher der Name der Strasse eigentlich kommt! Gut, bei manchen ist es ersichtlich, das wissen wir noch aus dem Geschichtsunterricht in der Schule. Aber bei manchen, weiß ich es nicht und es gibt mir immer wieder Rätsel auf! Warum heißt die „Breite Strasse“ eigentlich Breite Strasse oder warum heißt der „Eisenmarkt“ Eisenmarkt!
 
Als ich klein war, habe ich immer geglaubt, das z.B. in einer Strasse, die Burgstrasse hieß, eine Burg steht! Oder dass das Schwanentor so heißt, weil da im Wasser viele Schwäne herumschwimmen. Wenn wir dann dort spazieren gingen, habe ich immer Ausschau nach den Schwänen gehalten, war aber immer enttäuscht, wenn ich keine gesehen habe. Ich hab natürlich meine Eltern nie gefragt, das hat sich alles immer nur in meinem Kopf abgespielt.
 
Auch glaubte ich, dass Strassen, die mit Städtenamen bezeichnet waren, auch dorthin führten! Ja, die kindliche Sichtweise ist schon köstlich!
 
Die meisten Kinder heute, wissen übrigens insgesamt recht wenig von unsere Stadt. Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Eltern nie mit ihren Kindern durch Köln gehen und ihnen etwas über ihre Heimat erzählen. So war ich ganz verblüfft, als ein Nachbarjunge, der schon sechs Jahre alt war, mir erzählte, er wüßte nicht wo der Dom stehe, geschweige denn, dass er mal drin war.
 
Wenn wir also so durch die Kölner Strassen spazieren, schreibe ich mir manche Straßennamen auf und recherchiere danach ein bisschen. So habe ich schon sehr viel über die Kölner Stadtgeschichte erfahren. Denn jede Strasse erzählt eine Geschichte, wie alt sie ist, wie sie früher aussah und natürlich, woher sie ihren Namen hat!
 
So heißt die Clever Straße so, weil dort früher der Clevische Hof stand, der dem Herzog Adolf von Kleve-Mark gehörte. In der Clever Straße stand früher auch mal ein Kapuzinerkloster.
 
Die Christophstrasse z.B. heißt so, weil dort neben der Basilika St. Gereon und dem Gereonsstift früher die Pfarrkirche zum hl. Christopherus stand. Ganz früher hieß die Strasse „Hinter St. Gereon“ An ihrem Ende befand sich die Gereonstorburg und das war früher einmal ein recht finsteres Gefängnis.
 
Manches lässt sich aber auch nicht ganz aufklären, so z.B. bei der Straße „Hirschgässchen“! Den Namen hat sie, weil einer der mittelalterlichen Ritter- und Patriziergeschlechter in Köln „Hirzelin“ hieß. In ihrem Wappen führten sie ein rotes Hirschgeweih. Aber ob das Hirschgässchen zwischen Severinstraße und An der Eiche daran erinnert, weiß man nicht so genau.
 
Wenn man mal in eine andere Stadt fährt, so wie ich vor einigen Tagen , um einen Verwandten im Hospiz zu besuchen, fällt mir immer auf, wie wenig die Menschen daran interessiert sind, welche Straßen, außer der, in der sie selber wohnen und vielleicht noch ein oder zwei Straßen weiter, es in ihrer Umgebung gibt. Ich dreh die Scheibe von meinem Auto herunter, frage nach z.B. der Johannisstraße, drei, vier Mal, aber alle schüttelten verneinend den Kopf. Kannten sie nicht. Witzig war in diesem Zusammenhang, dass ich die meisten dann immer abwimmeln musste, weil sie mir gute Ratschläge gaben, wen ich fragen sollte, um es zu erfahren, den Taxistand, das nächstgelegene Geschäft usw. usw.. Da bin ich dann immer ein bisschen ungeduldig, weil ich das doch selber weiß. Trotzdem ist ihre Hilfsbereitschaft ja nett gemeint!
 
Auch habe ich auch in manchen Straßen persönliche Erinnerungen an bestimmte Dinge, die ich dort erlebt habe. So haben mein Mann und ich uns immer während unseres Spazierganges am Sonntagvormittag in der Elsa-Brandström-Strasse, die zum Rhein runtergeht, um Erziehungsfragen unserer Kinder gestritten! Als uns das dann mal auffiel, mussten wir beide lachen! Und manchmal sagen wir heute, wenn wir losgehen: „Wir gehen aber nicht durch die Elsa-Brandström-Strasse“! Und wenn es zuhause einen Disput gibt, dann halte ich inne und sage nur:"Elsa-Brandström-Strasse“! und schon ist die Luft ein bisschen raus.
 
Dann gibt es die Straßen, wo ich das xte Protokoll wegen Falschparken bekommen habe oder wo ich mit dem Fahrrad gefallen bin oder den Autounfall hatte. Und wenn ich dann durch diese Straßen gehe, fallen mir die Geschichten meines Lebens wieder ein!
 
Ja so ist das mit den Straßen und ihren Namen.
 
Übrigens wer sich interessiert und mehr wissen will über unsere Kölner Straßen, dem empfehle ich wärmstens ein Buch von Helmut Signon und Klaus Schmidt mit dem Titel
„Alle Straßen führen durch Köln“.
 
Es gibt auch eine Lesung dazu, und zwar im Antiquariat Dorothea Lehmann in der Weyerstraße 30, in 50937 Köln, am 22. März 2007. Der Eintritt kostet 5,-- ?. Dort werden im Zusammenhang mit Kölner Straßen Personen und Geschichtsereignisse lebendig wieder lebendig, z.B. auch eine Frau mit Namen Anna Maria Schürmann, nach der ein Weg benannt wurde. Sie war ein Jahrhundergenie, sprach 10 Sprachen fertigte Holzschnitte und Kupferstiche an, musizierte, war bewandert in Geographie, Astronomie und Theologie. Sie bekam aber, weil Protestantin, kein Bleiberecht in der Stadt. Die Kölner seien zwar freundlich, fromm und freigiebig, aber nur wenige wagen es, gegen den Strom zu schwimmen. So musste dieses Jahrhundergenie die Domstadt verlassen.

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:58
Endlich wieder Sonne! Wir schwingen uns aufs Rad und ab geht?s. Man, die Kölner sind anscheinend doch nicht nur unterwegs, wenn et Trömmelche jeht! Man kann förmlich spüren, wie alle danach gefiebert haben, endlich raus, mit Sack und Pack, nicht nach Spanien, aber in den nahgelegenen Park, in den Kleingarten oder sonst einen schönen Platz.
 
Ehrlich Köln ist mit Sonne netter. Wir fahren Richtung Blücherpark! Ich stelle fest, dass die Radwege gut in Schuss sind. Teilweise sind neue angelegt worden. Das freut den Radfahrer. Endlich Sonne! Körpererwärmung! Warum sollte das jetzt nicht immer so sein! Am Blücherpark sind die Kleingärten. Dort toben die Kinder. Sogar eines mit dem typisch weißen Kleidchen, denn ach ja, es ist ja Kommunionszeit. Weißer Sonntag! Und die Sonntage danach finden in den Pfarreien zu unterschiedlichen Zeiten die Kommunionen statt. Folklore pur! Haben die ein Glück mit dem Wetter. Müssen nicht in irgendwelchen Lokalitäten am Tisch sitzen und darauf warten, dass sie sich ein bisschen bewegen dürfen.
 
Die Menschen haben mittlerweile was von den Südländern gelernt. Nicht nur die Jungen. Auch die älteren sind unterwegs mit Kühltasche, Fässchen und Grill. Wo man hinschaut, haben sie es sich gemütlich gemacht. Gut, dass das in den Parks so möglich ist. Wenn die jetzt auch sauber gemacht werden beim Verlassen, ist alles gut!
 
Von Ossendorf fahren wir weiter Richtung Longerich und kommen durch ein Feld. Von weitem strahlt mich der knallgelbe Raps an. Was für eine Farbe! Leuchtend wie die Sonne. Mitten in Köln! Vor mir Begrenzungspfähle. Von vorne kommt ein Auto! Der Mann steigt aus. Er scheint zu schimpfen. Geht auf den Pöller zu, um ihn aufzuschließen, damit er mit seinem Auto durch kann. Er schimpft unentwegt. Niemand hört ihm zu. Wie kann man nur schlechte Laune haben, an so einem Tag! Guck mal, sag ich zu meinem Mann, der ist nicht gut drauf. Wo? Wie? Sagt er! Wat Du nicht alles siehst und hört. Frauen kriegen eben mehr mit! Ein kleiner Moment im Vorbeifahren! Und schon die Stimmung aufgefangen, die einem da entgegenkommt. Die arme Frau auf dem Beifahrersitz!
 
Wir fahren Richtung Fühlingen. Nettes Dorf! Kleine Einfamilienhäuser bis an den Rand zum Fühlinger See. Dort findet grade eine Regatta statt. Auf den Wiesen qualmen die Grille! Ein Kind weint. Es scheint in eine Scherbe getreten zu sein. Der Vater nimmt es auf den Arm und tröstet es.
 
Die Mädchen zeigen wieder Bauch. Auch Bikinis sind schon zu sehen. Sonnenbräune ist gefragt. Sieht halt gesund aus. Aber nóch lange nicht, was außen glänzt, ist innen frisch! Trotzdem, schöner Anblick.
 
Oh je, da kommen die Stöcke! Die Walkerstöcke. Klack, klack! Sport ist Mord! Für manche jedenfalls! Ein paar haben die Skater angeschnallt. Ganz langsam, die Balance suchend, versuchen sie sich auf den Rädern. Achtung aufgepasst, der konnte nicht bremsen. Ist nix passiert. Gott sei Dank.
 
Zurück über den Longericher Wald, am Trimmpfad vorbei. Auch hier, trotz der Wärme, sind die Sportler aktiv. Unterwegs fällt mir auf, dass an verschiedenen Stellen Kreisverkehre eingerichtet sind. Find ich gut. Es wird langsamer gefahren! Ein Sportwagenfahrer kommt mit offenem Verdeck an uns vorbei. Sie hat ein Kopftuch auf. Er ist stolz, sie an seiner Seite zu haben. Hinter Sonnenbrillen versteckt, gönnen sie sich den Luxus, trotz Auto Frischluft zu genießen.
 
Wollen wir nicht in einen Biergarten, fragt mein Mann. Nö, sag ich, lass uns Eis holen und es uns im eigenen Garten gemütlich machen. Die beste Eisdiele in Nippes, der Engeln, hat Hochkonjunktur. Eine Schlange wartet vorm Laden. Hm lecker, drei Bällchen, mit Sahne! Schoko, Nuß und Stracciatella! Gut eingepackt, in Zeitungspapier! Ab nach Hause. Ach ist dat schön. Gemütlich! Beine hoch. Buch raus! Ein bisschen Arbeit muss sein. Buchpräsentation muss vorbereitet werden. Aber an so einem Tag, macht sogar das arbeiten Spaß.
 
Der Sonntag neigt sich dem Ende zu. Ein schöner Tag im Frühling. Liebe Eisheilige wartet noch ein bisschen oder sucht euch einen anderen Ort, wo ihr Euch niederlassen könnt! Ich habe einen Bonus. Habe gekocht, dafür muss der „Liebe“ spülen. Daher kann ich jetzt hier schreiben. Ganz unspektakulär dieser Tag. Ich hoffe es kommen noch viele solcher Sonntage! Und jetzt wartet Schimanski. Muss sein! Denn ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett.
 
Köln ist einfach schöner an einem Frühlingstag!

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:42
Seit über dreißig Jahren, mit kurzer Unterbrechung, lebe ich jetzt in Nippes. Es ist mir tatsächlich in den letzten Jahren zur Heimat geworden. Hier hab ich meinen Mann kennen gelernt, Familie gegründet, in Gemeinde, Schulen und Gremien gearbeitet. Ich kenne so viele Menschen hier, dass es unmöglich ist, unerkannt durch die Straßen zu gehen. Das ist das besonders Schöne, ein kurzer Plausch beim Einkaufen auf dem Nippes Wochenmarkt, der immer mehr Multikulti geworden ist. Viele türkische, indische und deutsche Marktbestücker. Vom Billigfähnchen bis zum Schnäppchen, von Bioware, zwar nur noch wenig, bis zum Blumenhändler, ich kenne sie alle. Man geht morgens an ihnen vorbei, grüßt sich oder man nimmt Anteil an ihren Familiengeschichten. Zeit dafür ist immer! Wer sich also treiben lassen will, mediterranem Flair hingeben will, ist hier am rechten Platz!Einmal im Monat findet hier auch ein buntes Treiben der Flohmarkthändler statt!
 
Die ersten Jahre habe ich im so genannten Sechzig-Veedel gelebt. Es ist heute leider überaltert, wie man so schön sagt. Die jüngere Generation ist weggezogen. Das merkt man an jeder Ecke. Wo früher noch reges Geschäftstreiben war, mehrere Metzger, Käse- und Blumenläden, sogar Feinkost, muss man sich mit einem Metzger und einem Bäcker zufrieden geben. Alles andere haben die Supermärkte rundum übernommen! Trotz allem ist es immer noch eine wunderschöne Gegend. Ich hatte in der Krüthstraße gelebt, sie ist die letzte Straße, von deren Häusern aus man hinten hinaus auf den großen Park im Grüngürtel schauen kann. Dieser ist gesäumt von vielen Kleingartenanlagen, in der auch ich stolze Besitzerin eines Gärtchens bin! Viele bauen dort noch immer ihren Obst- und Gemüsevorrat an, vor allen Dingen die ältere Generation. In den letzten Jahren sind aber auch viele junge Familien hinzugekommen, die den Garten als kleines Alltags-Urlaubs-Paradies nutzen. Es waren schöne Jahre mit den Kindern dort. Man brauchte keine Sorge zu haben. Die Kinder konnten quer durch die Gärten toben, waren überall gern gesehen! Ich hatte immer das Glück, trotz meines recht unkonventionellen Umgangs mit der Gartenarbeit gute Nachbarschaft dort zu pflegen!
 
Das Sechzig-Veedel ist geprägt durch ihre früheren Eisenbahnersiedlungen. Sie wurde 1871 unter dem Namen Eisenbahnstrasse angelegt, 1892 unbenannt in Sechzigstrasse. Die Siebachstrasse wiederum wurde 1873 angelegt und benannt nach den Familien Siepen und Selbach, die eine Zuckerfabrik an der Hartwichstrasse/Ecke Ullrich-Zell-Strasse führten. In der Werkstattstrasse gab es früher ein Kriegsgefangenenlager, so um 1941 rum. Dann kann man dort noch heute den ehemaligen Bunker sehen, in denen sich die Bewohner während der Luftangriffe flüchteten. Daneben das Jugendheim der evangelischen Kirche, kurz „OT“ genannt, dass in den siebziger Jahren berühmt berüchtigt war, in dem ich auch meinen Mann kennengelernt habe. In diesem Viertel habe ich also die ersten Jahre mit der Familie gelebt. Auf dem ehemaligen Bundesbahngelände ist heute eine große autofreie Siedlung für ideal für Familien gebaut worden.
 
Später zogen wir in eine größere Wohnung, in der wir bis heute leben in die Nähe des Wilhelmplatzes, die Viersener Strasse. Dort gibt es, man staune nicht schlecht, sogar heute noch ein relativ gut ausgebautes Hotel, das Hotel Viersen! Es hatte jetzt vor kurzem 5ojähriges Bestehen.
 
In diesem Teil von Nippes, haben sich die jüngeren Generationen angesiedelt. Hier ist das Leben bunt, schillernd und farbig. Hier mischen sich Italiener, Türken, Griechen, Inder und eben Deutsche Mitbürger, reden, helfen einander, nehmen sich wahr. Die Kinder besuchen gemeinsame Schulen. Mein Sohn hatte viele Freunde aus anderen Kulturen mit nach Hause gebracht, sie haben zusammen Fußball gespielt und sich am Nachmittag, wenn der Wilhelmplatz leer war, dort zum Fußballspielen getroffen. Nun ja, leider ist der Wilhelmplatz zum Opfer eines meines Erachtens Kölschen Klüngels geworden. Denn niemand kann heute verstehen, wieso dieser einst wunderschöne, von Bäumen umsäumte Marktplatz, zu einer Betonwüste umgebaut wurde, der nun wirklich nicht anschaulich ist. Wie sagt man so schön, Hässliches zieht Hässliches an!
 
Geht man durch Turm- Schill-, Einheit- und Baudristrasse findet man zum geselligen Zweck alles, was das Herz begehrt. Cafes, Restaurants, die wunderbare Weinstube Moriot, die auch auf dem Schillplatz ihre Außengastronomie betreibt, in der auch meine Kinder arbeiten. Man kennt sich, ist zuhause. Hier kann man sitzen, schauen, dem bunten Treiben zuschauen. Viele Frauen mit ihren Kleinkindern versammeln sich dort an den Nachmittagen zum Plausch untereinander, während die Kinder dort toben und spielen können. Leider nicht immer zur Freude der Anwohner. Besonders zu erwähnen ist das „Rosenrot“ in der Turmstraße. Dort trifft sich alles, was Rang und Namen hat. Sogar Frank Plasberg hat dort schon des öfteren gespeist. Von Kleinigkeiten bis zu leckeen Pastas, alles was das Herz begehrt.
 
Hervorzuheben ist auch der Altenberger Hof im Nippesser Tälchen, eine kleine Grünanlage für Nippesser Erholungssuchende. Hier trifft man sich zum Grillen, spielt mit den Kindern oder einfach mal zum Ausruhen. Im Altenberger Hof ist ein sehr schöner Biergarten angelegt, von dem aus man auf das Tälchen schauen kann! Dort steht übrigens noch eine alte eiserne Lokomotive, die früher immer zum begehrten Anlaufplatz der Kinder war. Heute ist es leider verboten darauf herumzuklettern. Der Altenberger Hof, in dem auch das Bürgerzentrum Nippes angesiedelt ist, bietet viele schöne Möglichkeiten für alt und jung. Besonders sind die karnevalistischen Veranstaltungen hervorzuheben, aber auch sonst gibt es immer wieder kulturelle Angebote und natürlich Kurse für Jedermann! Hier trifft sich auch der „runde Tisch“ der Senioren dieses Stadtteils!
 
Kommen wir zur Neußer Strasse. Sie hat schon Federn gelassen in all den Jahren. Hier sieht man deutlich, dass die Menschen in Nippes nicht reich sind. Immer mehr Billiglädchen haben schöne, alt eingesessene Läden abgelöst. Ich erinnere mich noch an einen Hutmacher, kleine Boutiquen, Haushaltswaren- und Dekogeschäfte sowie einen Süßwarenladen. Auch der alte Tabakladen ist nicht mehr da! Vieles reduziert sich auf Handy-Läden, Bäckereien, Optiker, Banken, Metzger und Drogerien. Der Kaufhof hat in all den Jahren standgehalten, wurde aber auch immer wieder umstrukturiert. Seit einiger Zeit gibt es einen sehr schönen Bio-Supermarkt, in dem man herrliche Dinge finden kann. Also zum Shoppen oder Bummeln lädt sie nicht wirklich ein. Aber ich brauch das nicht!
 
Am schönsten ist für mich Nippes bei Nacht! Ist das Wetter sonnig und warm, wie in den letzten Tagen, trifft man sich eben auf dem Schillplatz, entweder um bei Gernots noch nett zu essen oder bei Moriot, um noch einen Wein zu trinken und zu plauschen. Leider muss die Außengastronomie schon um 23.00 Uhr schließen. In südlichen Ländern unvorstellbar! Aber man kann ja weiterziehen. Wer richtig durchmachen will oder noch spät aus der Stadt kommt, kann im Machet in der Einheitstrasse oder in der ¼ Bar immer noch ein Plätzchen finden, um den letzten Absacker zu sich zu nehmen. Läuft immer gute Musik und die Leute sind durchweg nett!
 
Zu vergessen ist auch nicht das schöne Cafe Eichhörnchen, das direkt hinter der Kirche St. Marien ihren Platz gefunden hat. Auch hier immer viele junge Familien mit Kindern, auch im Winter, da es absolut rauchfrei ist! Es gibt belgische Schokolade und andere Delikatessen. Auf dem Gelände der Kirche St. Marien wohnt der „Meister“, wie wir hier zu sagen pflegen. Ein Obdachloser, der jetzt schon seit zehn Jahren von der Pfarrei geduldet wird. Auch oft sehr zum Ärger der Anwohner! Aber ich könnt ihn mir auch nicht mehr weg vorstellen!
 
Ja, das war so mein kleiner Spaziergang durch Nippes. Ich hab ne Menge nicht erzählt, das würde ja den Rahmen sprengen! Aber der Mattes hat ja zum selben Thema geschrieben und ich hoffe, wir ergänzen uns!
 
Wenn ich dann nach einem langen Tag in mein Bett versinke, das Fenster geöffnet, zeigt zum Hinterhof und die Nachbarn von rechts und links noch feiern höre, leise Musik läuft im Hintergrund, oder gegenüber in den Häusern zur Wilhelmstraße ertönt das nächtliche Gebet einiger Muslimen, die dort wohnen, bin ich glücklich! Oft hört man natürlich auch Streitigkeiten aus den Nachbarnhäusern. Oft hab ich gedacht, was passiert da wohl jetzt, wenn ich wach lag! So manches Mal hat mein Herz geschmerzt. Das ist Leben in Nippes, bunt, laut, fröhlich und gesellig. Ich käme nie auf die Idee mich wegen des Lärms zu beschweren. Dieser Lärm ist für mich Musik.
 
Also lernen sie es mal kennen, mein Nippes! Es findet sich immer eine Gelegenheit!

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:03
In 2:29:33 schaffte es eine Kölnerin, den Marathon zu gewinnen! Ich bin beeindruckt!
Obwohl, wenn ich sehe, wie sie sich am Ende kaum noch auf den Beinen halten konnte, während sie auf dem Siegerpodest stand, frage ich misch schon, warum tut ein Mensch so etwas? Nun ja, sie ist eine Profi-Läuferin, verdient ja auch Geld damit, aber das wird es wohl nicht nur sein, oder?
 
Als ich vor zwei Wochen bei meiner Friseurin war, erzählte sie mir, nachdem ich sie gefragt hatte, was sie denn am letzten Sonntag morgens um 7.3o Uhr auf dem Wilhelmplatz gemacht habe, dass sie sich dort mit anderen getroffen hat, um ins Bergische zu fahren, wo sie für den Lauf trainieren wollte. Weiter erzählte sie mir, dass sie in der Nacht erst gegen 03.30 Uhr ins Bett gekommen sei und mit rasenden Kopfschmerzen aufgestanden wäre. Dagegen habe sie sage und schreibe 6 Tabletten eingenommen und ist dann ohne Frühstück zu diesem Training gegangen. Es sei ihrer 1o. Marathon und in drei Wochen liefe sie einen weiteren in Istanbul. So gesehen ist sie also sehr erfahren, aber immerhin Laie, verdient also kein Geld damit. Ihre beste Zeit war bisher 3.58 Minuten. Warum tut sich also ein Laie, der nichts daran verdient, so was an?
 
Ich laufe ja auch, zwei bis dreimal die Woche, insgesamt eine Strecke von 15 km. Das reicht mir auch. Noch nie bin ich auf die Idee gekommen, eine solche Strecke zu laufen. Und wenn, würde ich das wohl doch eher nur für mich alleine machen, ungesehen.
 
Aber das war genau der Punkt, denn als wir ein bisschen darüber diskutierten, warum sie das mache, sagte sie mir, du kannst dir das nicht vorstellen, was für ein Gefühl das ist, wenn man den eigenen Körper überwindet, wenn man links und rechts vom Straßenrand angespornt wird, wie der Stolz unter den bewundernden Blicken der Zuschauer in einem hochkommt, der Beifall in den Ohren wie Musik erklingt! Nein, sagte ich ihr, dass kann ich mir nicht vorstellen, ich brauche das aber auch nicht.
 
Daher bin ich wie jedes Jahr mal wieder nur Zuschauer gewesen und hab mir die Gesichter der Vorbeilaufenden angeschaut, nein eigentlich war ich ja nicht nur Zuschauer, denn ich war ja mit der Samba-Gruppe dort, und wir haben ihnen tüchtig eingeheizt. Nicht nur den Läufern, auch den Zuschauern, die wir mit unseren Rhythmen mitgerissen haben.
 
Was das für eine Freude war. Für den Kölner an sich sind solche Aktivitäten ja immer ein bisschen wie Karneval. Überall stehen die Bierbuden, die Gastronomen haben ihre Musikanlage nach draußen beschallt und unter kölschen Karnevalsliedern war allgemein eine gute Stimmung zu spüren. Die einen feiern, die anderen quälen sich!
 
Ehrlich, ich gehöre zu denen, die dann doch lieber feiern! Aber wenn ich so Bilanz ziehe, nach diesem Tag, ist die Motivation des Läufers und meiner gar nicht so weit voneinander entfernt. Gut, ich verdiene leider auch kein Geld mit der Samba-Band, aber ich habe es genossen,mich selber beim Spielen zu vergessen, den Körper zu überwinden, denn der meldet sich auch beim Trommeln. So eine Trommel wiegt 6 kg und das Schlagen ist auf Dauer auch sehr anstrengend. Aber genau so wie die Läufer nehme ich diese Strapaze auf mich! Warum? Genau aus ähnlichem Grunde! Wenn ich sehe, wie die Menschen uns anspornen, nach Zugabe rufen und sich sogar hinreißen lassen, zu tanzen, die Läufer sogar innehalten, bei uns kurz stehen bleiben, sich verbeugen und sich darüber freuen, dass wir für sie spielen, dann haben wir doch eins gemeinsam, wir genießen es einfach, jeder in seiner Disziplin.
 
So hat wohl jeder seine Art sich ein bisschen zu quälen, aber dafür Freude und Adrenalin pur verbunden mit Glücksgefühlen zu erfahren. Aber ehrlich, mir ist die Trommel lieber.
 
Schön war’s, nur dass wir am Ende nicht auf dem Sieger-Podest standen, sondern gemütlich beim Bierchen auf dem Schillplatz saßen, noch einmal Rückschau gehalten haben, uns die lustigsten Läufer in Erinnerung gerufen haben, die barfuß oder mit witzigen Kostümen an uns vorbeigelaufen sind. Und auch hier haben wir wohl etwas mit den Läufern gemeinsam, langsam kroch die Müdigkeit in unsere Glieder und zufrieden und abgekämpt gingen wir nach Hause.
 
Übrigens, zuhause steht jetzt die Original-Trinkflasche des zweiten Gewinners, Daniel Too aus Kenia, wie eine Reliquie in unserer Küche, hatte er sie doch meinem Mann kurz vor dem Ziel zugeworfen! Eine schöne Erinnerung an diesen Tag!

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 18:51
Jeder hat beim Anblick einer Kirche ein anderes Empfinden. Für den einen ist es ein sakraler, spiritueller Raum der Einkehr, der Stille, ein Heraustreten aus der Hektik unseres Alltages, ein Ort des Betens und der inneren Einkehr. Für den anderen wiederum löst der Anblick einer Kirche ungute Erinnerungen aus, an die Kindheit, an negative Erfahrungen, und niemals würde er einen Fuß wieder über die Schwelle setzen. Wiederum für andere ist eine Kirche eher ein Ort, wo er Kunst begegnen kann, die mit Fotoapparaten festgehalten werden will.
 
In der Zeit, in der Menschen noch eher im Glauben fest verwurzelt waren, entstanden viele kirchliche Bauten, Kathedralen und Dome! Heute stehen Kirchen teilweise leer, es finden sich zu Gottesdienstzeiten nur noch eine Handvoll Menschen in ihnen. Die Diözesen müssen sich damit beschäftigen, wohin mit dem Kirchenraum, wie ihn finanzieren! In Leverkusen hörte ich von einem Pfarrer, dass dort nun eine Kirche verkauft worden ist. Wussten sie, dass eine Kirche bei Übergabe in den Privatbesitz sozusagen entheiligt werden muss? Kirchenträger beider Konfessionen sind als damit beschäftigt, was machen wir mit unseren Kirchen!
 
So entstand hier in Nippes in der evangelischen Luther-Gemeinde die Idee, die Kirche nicht mehr nur noch für Gottesdienste zu nutzen, sondern sie für Kulturangebote jeder Art zu öffnen. Seitdem gibt es in Nippes die „Kulturkirche“!
 
Seit Jahren finden hier Veranstaltungen musikalischer Art statt und werden Lesungen abgehalten. AM vergangenen Samstag durfte ich mal wieder an einer dieser Veranstaltungen teilnehmen. Lydie Auvray, Akkoredonspielerin, gab dort ein Jubiläumskonzert mit geladenen Gästen, moderiert und eingeleitet von Elke Heidenreich und mit zwei Musikern, die sie auf ihrem musikalischen Weg begleitet haben, Hannes Wader und Stoppok! Da ich selber ein ganz klein wenig Akkordeon spiele, aber mich sehr lange nicht mehr damit beschäftigt hatte, war ich äußert gespannt, was da kommen würde. Ich muss gestehen, ich hatte von Lydie Auvray bisher nie etwas gehört, umso größer war meine Neugier!
 
Und was soll ich sagen, es war einer der schönsten Abende, die ich seit längerem erlebt habe. Elke Heidenreich, die wohl schon seit Jahren mit Lydie befreundet war und aus dem Nähkästchen der Erinnerungen plauderte, sehr sympathisch und überzeugend von ihrer Freundschaft sprach und die musikalischen Qualitäten derselben auf eine uneitle Art rüberbrachte und die mich sofort überzeugte.
 
Und dann begann das Konzert und vom ersten Augenblick an, war ich von der Musik und von dem Charisma Lydie Auvrays gebannt. Ihre wunderbare, melancholische, leise und zärtliche Tangomusik erzählte von einem Leben, das irgendwie an eine andere Welt erinnerte. An Menschen, die zusammen kamen, um miteinander zu tanzen, zu erzählen, mitzusingen. Jedes ihrer Lieder erzählte eine Geschichte. Lydie leitete jedes Lied mit einer ungewöhnlich überzeugenden, mitreißenden Erzählung ein. So hieß ein musikalisches Stück „Lavendel“ und in dem Moment, wo die Musiker es anstimmten, schloss ich die Augen, roch den Duft des Lavendel, fühlte ich das zarte Streicheln des Windes über ein ganzes Lavendelfeld, ich wurde schlicht in eine andere Welt versetzt. Wenn Lydie in einem äußerst temperamentvollen Stück, in dem sie mit ihrem Akkordeon förmlich in der Luft schwebte, konnte man einfach nicht sitzen bleiben, man musste sich den Rhythmen hingeben und eine beschwingte Fröhlichkeit ergriff einen im Innersten. Jedenfalls bei mir und einigen anderen war das so. Diese wunderschöne Frau zog die Menschen mit ihrer Musik und ihrer Ausstrahlung in den Bann, wie man es nur noch selten erfährt.
 
Musiker wie Hannes Wader und Stoppok, mit denen sie jahrelange musikalische Verbundenheit geteilt hat, bereicherten den Abend auf ihre Weise. Wem kamen da nicht Erinnerungen hoch, wenn Wader alte Weisen anstimmte, wie „Heute hier, morgen dort…“?
Das Publikum, Altersdurchschnitt ca. 45 bis 6o Jahre, honorierte es mit tosendem Applaus.
 
Irgendwann schaute ích auf die Uhr und sie sagte mir, 24.oo Uhr! Lange hatte ich nicht mehr einen so wunderschönen Abend verbracht. Alle Alltagssorgen waren vergessen, untergetaucht in eine Welt voller Poesie, Träumen und Fröhlichkeiten vergingen die Stunden wie im Flug. Ich kann nur sagen, es lohnt sich einmal in die Musik von Lydie Auvray hineinzuhören und sich in eine andere Welt mit hineinnehmen zu lassen!
 
Und am Ende dachte ich, schön, dass es diese Kulturkirche gibt, dessen Pfarrer es sich zur Aufgabe gemacht hat, und nicht nur aus finanziellen Nöten heraus, die Menschen auf eine ganz andere Art in die Kirche zu locken. Und aus den Gesprächsfetzen und kleinen Unterhaltungen während der Pause bei einem Bier, erfuhr ich, dass wiederum viele das erste Mal seit langem wieder einen Kirchenraum betreten hatten.
 
Wenn das nicht auch eine Art der Verkündigung ist, dann weiß ich es nicht. Gehören doch Musik und Kunst zu einem der schönsten Dinge, die die Schöpfung Mensch hervorbrachte.
 
So kann man es auch machen! Bevor man Kirchen leer stehen lässt, lädt man Menschen ein in ihnen Stunden der Entspannung, des Losgelöstsein vom Alltag zu ermöglichen, ohne dass es der Heiligkeit einen Abbruch tut, im Gegenteil. Leider versperren sich gerade die katholischen Kirchen vor dieser Art der Nutzung ihrer Kirchen. Lieber lassen sie sie leer stehen und die Kosten gehen zu Lasten der Kirchenzahler!

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 18:48
Die Zeiten ändern sich, Gott sei dank, jedenfalls hier in Nippes. Es ist noch nicht so lange her, dass es auf der Hauptgeschäftsstraße, der Neußer Straße, nur noch Billig-Läden, Supermärkte der Großkonzerne, Handyläden, Optiker und Bäckereiketten gab. Wer hat nicht schmerzlich an vergangene Zeiten gedacht, als das Einkaufen in kleinen Läden noch bestimmt war, mit einem persönlichen Plausch, man kannte sich, nahm Anteil am Leben der anderen.
 
Seit ungefähr einem Jahr jedoch kann man in Nippes kleine Veränderungen wahrnehmen. Menschen trauen sich wieder, trotz hohen Risikos, kleine Geschäfte zu eröffnen. Da ist z.B. der kleine Teeladen mit seinem überaus reichhaltigen Angebot an diversen Teesorten, eine gemütliche Atmosphäre, die dazu einlädt, zu verweilen, von diesem oder jenem Tee zu probieren, kleine Speisen werden dazu gereicht.
 
Oder der Obst- und Gemüseladen, der jetzt von jüngeren Leuten übernommen wurde und die einen ganz neuen Schwung hineinbringen. Jung und alt kaufen dort mittlerweile ein und scheuen den Weg nicht. Jedes Mal, wenn ich dort bin, gibt es was Nettes zu erzählen, zu scherzen, mit dem Inhaber, aber auch mit den Kunden. Es scheint so, als wenn hier alle einfach besser drauf wären, als in dem Geschubse im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt, wo niemand mehr Qualität vorfindet. Wenn die Gemüsefrau dann ihre drei verschiedenen Sorten Weintrauben, mir normaler Anbau, biologischer Anbau und biologisch-ökologisch-therapierten Anbau anpreist, dann muss man einfach lachen.
 
Dann der Italiener, der köstliche Delikatessen , erlesene Weine aus Italien, selbstgemachte Pasta und Gnocci anbietet und bei dem man schnell noch einen wunderbaren Espresso trinken kann.
 
Der Vollkornbäcker ist ebenfalls eine Bereicherung, hier kann man sich aufklären lassen, über verschiedene Backtechniken und Inhaltsstoffe. Und der kleine Malerladen, da findet man alles, was man zur tätigen häuslichen Kreativität braucht.
 
Ein Kinderbuchladen mit Spielzeug hat Einzug in der Baudristraße gehalten und ein netter Kinder-Second-Hand Laden auf der Neußer Straße.
 
Es scheint ein neuer Geist zu wehen in Nippes. Die Menschen sind es leid, die Großhandelsketten aufzusuchen, in der Anonymität zu verschwinden. Veedelathmosphäre ist wieder zu schnuppern. Jeder kennt jeden, man sieht sich beim Bäcker, Metzger und hat auch wieder mehr Zugang zu dem, was angeboten wird. Man kann sich davon erzählen lassen und danach auswählen. Es wird gemütlicher in Nippes. Und ich finde wirklich, dass man Respekt vor der Leistung der kleinen Geschäftsinhaber haben muss, die es sich wagten, dieses Risiko gegen die „Ketten“ und gegen den „Billigtrend“ anzugehen. Denn auch das ist eine gute Erfahrung, man kauft tatsächlich nur noch das, was auf dem Einkaufszettel steht und lässt sich nicht von der überdimensionalen Vielfalt eines Supermarktes ablenken. Weniger ist mehr! Kleine Geschäfte haben weniger Auswahl, dafür aber bessere Qualität und der Kunde ist nicht überfordert! Und gerade die alten Menschen kommen gerne in diese kleinen Läden. Diese Erfahrung mache ich ja selber auch in unserem Buchladen. Wie oft erzählen sie beim Kauf oder Bestellen eines Buches ihre persönlichen Anliegen, fühlen sich wahrgenommen, oft die einzige Möglichkeit Kontakte nach Außen zu haben.
 
Ja und eins muss ebenfalls erwähnt werden. Seit einigen Jahren gibt es einen eigenen kleinen Weihnachtsmarkt, in dem sich die Menschen aus dem Veedel beim Glühwein, ausgeschenkt von der Weinstube Morio, noch selbstgemacht und wirklich lecker, und leckeren Delikatessen zum Verzällchen treffen. Es ist ungemein urig an diesen Abenden. Er findet immer von Nikolaus bis zum nächsten Sonntag statt. Und nette Kleinigkeiten kann man hier ebenfalls erwerben. Und natürlich viel hörbares zum Verweilen, Chöre, Musikkapellen und vieles mehr!Es sind ausschließlich Geschäftsleute aus Nippes, die hier ausstellen.
 
Vielleicht kann man ja doch noch Hoffnung haben, dass sich Vieles auch weiterhin zum positiven ändert.

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