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25. Februar 2019 1 25 /02 /Februar /2019 12:50
Dieses Jahr wird es ein Jahr der alten Musiker. Am vergangenen Sonntag habe ich den Anfang mit Georg Ringswandl, der im letzten Jahr seinen 70.ten Geburtstag vollendet hat und m.E. nichts von seinem Charme und seinem Talent eingebüßt hat sein Publikum mit launigen Erzählungen und einer Formation excellenter Musiker einen vergnüglichen Abend zu bescheren. So wunderbar gemütlich, das es eigentlich kein Ende nehmen soll.
 
In Folge werd ich noch in diesem Jahr John Fogerty, der dieses Jahr schon 74 Lenze zählen wird, auf den ich mich ebenfalls wie jeck freue und natürlich legendär Nick Mason, dem Schlagzeuger der legendären Floyds, der im Januar  nun schon 75 Jahre auf dem Buckel hat. Musikalisch zwar breit gefächert sind mir die alten Herren in ihrer Musikleidenschaft immer noch die Liebsten. Ist so.
 
Aber nun zum Georg, dem Ringswandel. Hatte mich am Nachmittag bei sonnigem Wetter  mit meinem Rad aufgemacht. Bisserl herumschlendern auf zwei Rädern war meine Intention. Sonntags sind in einer Großstadt wie Köln immer drölfhundert Leuts überall wo du hinkommst zu finden. Das Rheinufer ist pickepackevoll und radeln heißt hier, Ausweichmanöver vom Feinsten, das mache ich gern hin- und wieder. Zwischendurch mal ein Bänkchen, auf dem ich sitzend dem Treiben der Vielfalt des Menschenzoos zuschauen kann. Ich sags aber gleich im voraus, nach so einem Happening bin ich dann aber auch wieder heilfroh in meine kleine Stille zurückkehren zu können. Genug ist genug.
 
Ab Dom bin ich durch die Innenstadt dann um zum Veranstaltungsort, dem Gloria. Auch hier Menschenrudel in Fülle. Ich fragte mich, was machen Leuts an einem sonnigen Nachmittag in einer Geschäftsstrase spazierend, wenn man nicht wie ich einfach nur zu einem bestimmten Ort finden muß. Tristesse ohne Ende, war mein Gedanke, an Geschäften, in denen dargeboten wird, was man nicht braucht, vorbeizuschlendern. Habe mein Rad, weil ich dann doch noch zu früh war, wie immer, in der Apostelstrasse abgestellt, um zu Fuß ein wenig das Umfeld zu begutachten. Es gibt schon auch noch kleine Geschäfte, bei denen es Spaß macht, mal stehenzubleiben, entdeckte ich dann. Eines, in dem es nur alles was mit Kämmen und Haarpflege und Rasiererei zu tun hat, oder einen Schumacher, bei dem man noch Schuhe nach Maß anfertigen lassen kann. Meine Nase aber festgedrückt an der Schaufensterscheibe hatte ich an einem Geschäft für kleinere und größere Kunstartikel. Dort schauten mir zwei wunderbare Schachbretter nebst Figuren aus wohl Metallmaterialien entgegen. Schach..eine Leidenschaft von mir.
 
An einem Kiosk kaufte ich mir eine Flasche Wasser und belauschte ein Gespräch zwischen dem Kioskbesitzer und einer jüngeren Frau. Es ging um wohl um Anspannung, Druck und Standhalten bei der Arbeit. Als die Frau sich verabschiedete und ich an der Reihe war, meinte ich zu ihm, sie machen hier wohl auch auf Lebensberatung in ihrem Kiosk. Er lachte, ja, das bleibt manchmal nicht aus. Menschen kommen, sind allein und wollen mal was loswerden. Ist ja wie beim Friseur, lachte ich zurück. Aber dann gings los.
 
Vor dem Gloria überlegte ich, wie lange ich in dieser Location nicht mehr gewesen bin. Mein letztes Konzert, dass ich dort sah, war Rufus Wainwright, das muss fast 15 Jahre her sein. Ich war dort mit meiner pubertierenden Tochter. Ein Konzert, dass mir ewig in Erinnerung bleiben wird. Dann gabs später nochmal eine Humba-Party in der närrischen Zeit, bei denen ich eine Zeit lang mein Vergnügen suchte, ausserhalb des mainstreamigen Karnevalsgetriebe und auf denen immer mächtig Stimmugn war, aber anders wie mit biervollgelaufenen Anmachpartytypen- und typinnen.
 
Beim Einlaß standen schon ne Menge Leuts. Durchschnittsalter zwischen 50 und 70. Das hatte ich so auch noch nie erlebt. Zumeist ist das Publikum doch sehr gemischt, auch bei den alten Haudegen des Musikgeschäftes sind immer viele junge Liebhaber zu finden. Vielleicht ist der Georg da dann doch zu speziell. Leider bin ich nie in die Gelegenheit gekommen, ihn mal in seinen jüngeren Jahren zu bestaunen und ihm zuzuhören bei Live-Auftritten. Ich hab das immer ein wenig bedauert, dieser Enfant-terrible-Energie nicht habe beiwohnen zu dürfen. Kannte es nur aus Mitschnitten von früheren Konzerten. Und wie sagt er so schön, es muß bei seinen Auftritten immer eine exessive Gaudi drin sein, die manchmal auch ein wenig an den Irrsinn heranreicht, einfach schräg halt. Das liebe ich. Nichts ist so wahr, was in einem Irrsinn des Menschen herauskommt. Und das hat er wohl auch auf der Bühne ausgelebt. Ein totaler Gegensatz zu seinem eigentlichen Beruf, in dem er nebenher gearbeitet hat. Und der über eine große Verantwortung zeugte als Kardiologe. Den Gesprächen seiner Kollegen nach zu urteilen, war er kein einfacher Mensch, aber ein großartiger Arzt. Aber was solls. Nicht einfache Menschen sind mir auch die liebsten, auf der Bühne und im Leben. Da hats in Begegnungen Reibungsflächen und gegenseitige Lerneffekte. Jasager gibts in Übermaß. Wie langweilig.
 
Dann die Überraschung. Es gab einen bestuhlten Raum. Oha...Sitzen beim *Wuide unterwegs*, denn so hieß sein Programm. Egal, dann ist das eben so, aufstehen geht ja immer. Noch fast eine Stunde bis zum Beginn des Konzertes. Sitze in der ersten Reihe, in die sich nur Wenige getraut haben. Erste Reihe muss sein, wenns irgendwie geht. Ein Ehepaar mit ihrer Tochter traut sich. Vater und Tochter begeben sich in die zweite Reihe, die Mutter setzt sich neben mich, was zu einem netten Gespräch zwischen uns Beiden führt. Sie kommt mit ihrem Mann aus Dresden. Hat ihm die Karte zu Weihnachten gesteckt, nachdem sie ihn dort einmal gesehen und ganz begeistert waren. Es hat sich angeboten, da die Tochter in Köln lebt. Wie so immer, erfahre ich einige privaten Dinge von ihr, dass sie z.B. eine Segeljolle besitzen, mit der sie auf der Elbe herumschippern, und davon soll es nicht viele geben, da man die Strömungen in der Elbe fürchtet. 8 Meter lang, die Jolle mit Kajüte, in der sie sich mit ihrem Mann den Sommer über vergnügt. Erzähle ihr, dass ich im kommenden Sommer den Elbe-Radweg entlang fahre, bis nach Dresden. Vielleicht gibts dort ein Wiedershen. So kanns gehen.
 
Dann kommt er mit seinen Musikern. Im grauen Anzug mit Hut spaziert er wackelig auf die Bühne hin zu seiner Zitter. Die Zitter hat ihm die Tante vererbt, wie er später erzählt. Die Arme. Verstorben. Vergiftet. In den USA. War bei einer Sekte. Und wegen des jüngsten Gerichts wollten sie vorgreifen. Mit Gift eben. Doch das ist gar nicht gekommen. Das jüngste Gericht. Son mist aber auch. Nun denn tot bleibt tot. Irgendwann hatte der Herr Papa nen Anruf bekommen, aus den USA wegen Geld zur Überführung des Restes der Leiche. War nicht mehr alles von da. Die lebten auf einem Berg. Die Sekte. Da kreisten die Geier. Son Oberschenkelknochen war schon wech. Den Rest wollte er nun auch nicht. Der Papa. Kein Geld, keine Tante. Aber die Zitter, die ist ihm geblieben. Nun bespielt er sie. Und so schön. Andacht und Randau heißt übrigens sein letztes Album. Und so wird auch der Abend. Mal geht es fetzig, mal heiter-besinnlich zu.
 
Ein bisschen ist sein Auftritt wie ein Helge Schneider-Event. Launige, derbe, humorvolle Einlagen mischen sich zwischen die musikalischen Darbietungen. Der Mann kennt sich aus. In Köln. Zwischen Bad Godesberg und Bonn könnt er sich vorstellen, sein Domizil aufzuschlagen., Alles so schön flach, keine Höhen. Im Zwölferrat hätte er auch Platz. Oder im Neunerrat in Euskirchen. Irgendwo tät sich schon was finden. Ist ja Jeckenzeit in Köln. Hat er festgestellt. unterwegs bei seinem Spaziergang durch Köln. Schlecht für ihn. Die Leuts haben bisserl was anderes vor. Selbst schuld denk ich. Und ja, Redner, Bütttenredner, die fehlen in Köln. Tät er gut reinpassen. Seine Band müßte aber noch einen Lehrgang machen, vorher. Vielleicht beim Hansi Hinterseer. Dann hauts vielleicht hin. Geld könnten se abräumen dann. In der närrischen Zeit. Ist aber was anderes wie Jazz. Wir wollen nicht wissen, in welchen tollen Bands die schon gespielt haben. Seine Musiker. Muß auch nicht sein. Es kann sich nur vorgestellt werden. Denn sie sind einfach irrsinnig gut. Eine Akkustik vom Feinsten. Transparent. Wunderbare Gitarrensolis. Einfach nur schön. Und ich sitze direkt davor.
 
Und ja Verkleidung für den Georg. Macht er ja nicht gern. Der 70jährige hats drauf. Gediegen im grauen Anzug, im Hip-Hop-Dress mit schwarzer Sonnenbrille. Geht doch.  Umwerfend. Ich tät ihn heiraten:) Aber er hat ja schon eine. Schade eigentlich. Aber ne Gute. Es sei ihm gegönnt. Therapeutin. Hat an Sylvester Stunden mit der Freundin-Therapeutin aus Krefeld telefoniert. Er hat derweil gezappt. Im Fernsehen. War so ne Sylvestershow. Da hat er sich was abgekuckt.
 
Sein Selbstbewußtsein, dass ihm manchmal fehlte, hat er wettgemacht mit Vorwärtsstürmen. Das ist ja auch eine gute Strategie. Manchmal. Auf der Bühne hat er das ausgelebt. Was die Leuts denken, war ihm scheißegal. Hat er auch nen Song draus gemacht. Ist ja auch richtig. Ein Vorzeigemensch, der Georg, so ists richtig. Mach dein Ding. Ein paar bleiben dir immer, die dich mögen. Wer will schon von allen geliebt werden. Der Doktor Georg Ringswandl, 10 Jahre lang war er Oberarzt in der Kardiologie in Gamisch Patenkirchen. Tagsüber Leben retten, abends den Gurkenkönig auf der Bühne machen. Sewin Doppelleben hat ihm anfangs schon zu schaffen gemacht. Kann er noch vernünftig arbeiten, wenn er des Abends so verrückte Sachen macht? Immerhin waren in seinem Metier die Leuts Streichquartetthörer. Da paßt doch so ein Tage Metal Dings gar nicht rein. Die Leuts werden immer in Schubladen gesteckt. Das konnte man mit ihm nie machen. Nach seinem Burnout in der Mitte des Lebens, mit 45, steigt er ganz aus und widmet sich nur der Musik. Viel Feinde soll er gehabt haben. Aber wie heißt es so schön, viel Feind, viel Ehr!
 
Ein stiller und guter Beobachter seiner Umwelt ist er. Was er denkt, sieht und fühlt, findet sich in seinen Songs wieder. Ob es das digitale Proletariat betrifft, oder aber die städtischen Bauprojekte, die eh nur Typen wie Zahnärzten sich leisten können.  Sein Gitarrenspiel hat er sich übrigens selbst beigebracht. Mit 18 Jahren in einem Sanatorium, in der er wegen Lungentuberkulose war. Seine Kindheit war nicht, wie sich eine Kindheit gewünscht wird. Sein Vater war schwer kriegsverletzt und psychisch labil und brutal. Mit 14 Jahren hatte er das erste Mal den Gedanken, er will seinen Vater umbringen. Erschreckend? Nein, überhaupt nicht. Vielleicht mag ich ihn auch deswegen so sehr, weil mich einige seiner Kindheits- und Jugendjahre an meine eigenen erinnern und ich weiß, wie schwer es ist, einen Weg zu finden, um das Erlebte zu verarbeiten. Und es ist ja so, wenn Du dich nicht wehrst, irgendwann, dann wirst du Opfer bleiben. Und wer will das schon. Um nicht Opfer zu werden, muss man möglicherweise auch zum Täter werden. Grenzen setzen. Damit es aufhört. Dazu braucht es Mut! Den hat er gehabt, nicht nur als Jugendlicher, sondern in jedweder Situation seines Lebens, das zu tun, was ihm taugt, zu sagen was er denkt und zu fühlen, was richtig ist.  Meinen Respekt vor solchen Menschen.
 
Während des ganzen Konzertes spürt man auch das Einvernehmen der Band mit ihm. Ich glaube, dass er stolz ist, eine solch gute Mannschaft um sich herum zu haben. Die Verständigung klappt super. Und während der Georg seine Geschichten zum Besten gibt, er scheint seine Pillen vergessen zu haben, wie er kurz andeutet, denn er redet sich manchmal  immer weiter hinein in eine wahnwitzig-humvorvoll-derbe Gedankenwelt, der man stundenlang zuhören möchte. Immer wieder der Wechsel zwischen energiegeladener rockiger, bluessiger Songs, dann wieder still auf einer Hockerprothese für Liedermacher, herrlich die Bezeichnung oder an der Zither sitzend. Eines meiner Lieblingsstücke an diesem Abend ist nicht der Fetzigste, sondern eiher ein stiller-melancholischer. *Nur ein paar alte Sachen* der Titel. Irgendwie geht mir bei dem Song das Herz auf. Da wendet sich ein Mensch alten Dingen zu, Briefe, Gegenstände, versinkt in Erinenrungen. Was soll bleiben, was kann nun endlich losgelassen werden. Irgendwann kommt der Mensch in ein Alter, in dem er solche Dinge tut. Einfach in den Tag leben und sich diesen Erinnerungsgegenständen zuzuwenden. Alles was gewesen ist, ist vorbei. Was bleibt der Trost der Dinge. Ein paar Tränchen kommen. Nicht aus Traurigkeit, sodnern aus einer Rührung oder Zärtlichkeit für das Leben. Ich glaube, dass trotz aller Derbheit seines Humors in seiner Welt- und Menschensicht ein tiefer Ernst, aber auch eine Zärtlichkeit auf alles steckt. Davon bin ich überzeugt, wenn ich ihn so anschaue und ihm zuhöre. Ich glaube, dass es wichtig ist, egal, welchen Weg man im Leben gewählt hat, was einem an Gutem und Schlechten geschehen ist, am Ende bleibt doch die Zärtlichkeit für das Leben. Anders kann es nicht sein, jedenfalls ist das auch meine Erfahrung.
 
Mein geneigter Leser merkt schon, es ist nicht nur das Musikalische, was mich an diesem wunderbaren Abend mit Ringswandl und seiner Band in den Bann gezogen hat, sondern auch all die Gedanken, die einen einfach überkommen beim Zuhören. Ein Abend mit Ringswandl ist mehr als nur Musik, es ist eine kleine Einführung in und über das Leben, an die er uns teilnehmen läßt und die zur eigenen Reflexion anregt. Das haben wohl auch die anderen so empfunden, denn es gab euphorischen Applaus und schöne Zugaben. Ich hätte auch noch weiter gewartet, aber die Leuts resignieren imemr so schnell, selbst beim Zugabe fordern. Schade. Naja, vielleicht ists auch so, wenns am Schönsten ist, soll gegangen werden.
 
Ich tät ihn gern nochmal wiedersehen. Vielleicht kommt er ja wieder. Ich glaub, er war mal wieder ganz gern in Köln,-) Und allen nah und fern, kann ich einen Abend mit ihm nur empfehlen. Eine Bekannte von mir ist gerade in Winterwacken gewesen. Und als ich mit meinem Rad nach Hause fuhr, dachte ich, wie gut, dass ich nicht in Wacken sein muß. Die Menschen sind halt verschieden, der eine ein Wackerer, der andere ein Ringdwandler:)
Und dem Georg und seiner Mannschaft wünsch ich viele, viele, ganz ganz viele schöne Konzerte mit treuen und neuem Publikum. Es lohnt sich.
 
Und noch was zum Schnuppern:   https://www.youtube.com/watch?v=h9PIgsJiWP8
https://www.youtube.com/watch?v=_07eq0VR5Y0
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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18. Januar 2018 4 18 /01 /Januar /2018 14:46

 

Musik... Musik... Musik. Und jede Musik erzeugt in mir eine Gänsehaut. Musik muss meine Gefühle ansprechen, sonst hat sie verloren. Musik muss die Lebensfreude pur sein.
 
Und heute Morgen sitze ich hier, höre die Musik von Alt-J, auf deren Konzert ich gestern Abend mit meinem Sohnemann war. Es war ein Geburtstagsgeschenk von mir an ihn. Geburtstagsgeschenke, die gemeinsame Zeit schenken, sind die schönsten. Fand er auch. Er mag Alt-J, so wie ich und ebenfalls meine Tochter.
 
Für mich war es insoweit noch etwas ganz Besonderes, all die weil ich jetzt drei Wochen wegen eines Infektes ans Haus gebunden war. Ich habe in dieser Zeit fast Niemanden gesehen und gesprochen. Hab ganz für mich gelebt, auf mich gehört und Antworten auf viele meiner Fragen, die für meinen weiteren Lebensweg entstanden sind, bekommen. Krankheit ist nicht immer schlimm. Du kannst die Auszeit auch genießen, selbst wenn du dich matt und schwach fühlst. Wenn das Leben jedoch wieder in dir erwacht, dann ist eine so große Zärtlichkeit in dir für dein Leben, für das Leben, auch wenn du die Augen nicht verschließt vor dem Unbill, dem Unguten, das tagtäglich geschieht. Du kannst ja nichts dran ändern, ausser die Augen offen zu halten für das Gute.
 
So hatten wir gestern erst einmal einen wunderbaren Nachmittag zu Zweit, der Sohnemann und ich. Auch er hatte eine lange Zeit an dem selben Infekt herumlaboriert. Wir waren beide auf dem Weg der Genesung. Und nun stand das Konzert an im Palladium. Draussen hagelte es, abwechselnd sich in Regen und Schnee verwandelt. Dick eingemummelt maschierten wir den Weg zum Paladium gemeinsam unterwegs ins Gespräch vertieft.
 
Das Palladium war wohl ausverkauft, so meiner Schätzung nach. Volles Haus. Und ein gemischtes Publikum. Jung und Alt. Schön war das, zu sehen, dass Musik einfach an kein Alter gebunden ist. Ich bin ja eher der Typ, der gerne in der ersten Reihe steht. Und so kam es zu einer kleinen Aushandelei zwischen uns wegen des einzunehmenden Platzes. Denn der Sohnemann schaut eher etwas weiter zurück in einer gewissen Distanz dem Geschehen auf der Bühne zu. Wir einigten uns also auf einen Platz an der Seite, ca. 4 Meter von der Bühne entfernt, von wo wir alles gut im Blick hatten. Das war in Ordnung für mich. Um uns herum gut gelaunte, in freudiger Erregung verharrende Besucher. Eine schöne Athmosphäre. Und unsere Sorge, dass wir möglicherweise das Konzert in zig hochgehaltenen smarthphones sehen müssen, zeigte sich im Nachhinein als nichtig. Nur ganz sporadisch tauchte mal eines in der Höhe auf, um einige Momente des Geschehens dort auf der Bühne festzuhalten. Ich gestehe, dass ich es auch ein Mal machte, um meiner Tochter, die gerade in London weilt und sich auf das selbe Konzert am kommenden Freitag in München freut, einen Eindruck zu schicken.
 
Ich gestehe, dir Vorband, Marita Hackmann, hackten wir ab. Sie erreichte uns nicht. Sehnsüchtig warteten wir auf Alt-J. Eine kleine Umbaupause, die wir nutzten um das muntere Treiben um uns herum zu betrachten und dann ging es los.
 
Die Bühne war in drei Teile, fast wie kleine Zellen, arrangiert. Jeder der drei Musiker, Joe Newman, Gitarre und Gesang, Gus.Unger Hamilton, Keybord und Thom Green, Schlagzeuger, der wohl die meiste Arbeit an diesem Abend verrichtete, mit seinen unzähligen kleinen Effekten am Schlagzeug und anderen Klangkörpern, die ich aus der Ferne gar nicht alle erkennen konnte, all die weil meine Brille nicht zur Hand war.  Er wirbelte und wirbelte, die wahre Pracht. Diese kleinen Zellen sahen fast aus wie ein Gefängnis, in dem sich jeder der Musiker befand. Jedenfalls kam mir der Gedanke. Allein, eingesperrt, getrennt von den anderen. Die Stäbe, die wie ein Gitter zur nächsten Zelle wirkten, waren natürlich große Lichtstäbe, deren Effekte während des gesamten Konzertes in verschiedenen Farben ihre Wirkung taten und zur Untermalung der teilweise fast sakralen Gesänge eine Athmosphäre schafften, wie im Himmel, aus einer anderen Welt. Wie ich das liebe. Das in einer Musik wegschwebende Element, dass mich von mir selber wegführt zu einem Ort, den ich nicht kenne, aber der durch die Musik in einen Raum verwandelt wird, zu dem ich hineintanzen kann.
 
Alt-J- wurde 2007 in Leeds gegründet. Dort studierten sie Kunst und Literatur. Das wirkt sich auch in ihrer Musik insbesondere in ihren Texten aus. In vielen Songs ist die Poesie und die Bezugnahme auf große Literaten wie Shakespeare, Richard Llewellyn u.a. zu entdecken, es wird von Liebe, Hoffnung, Entwurzelung, Suche und Glück gesungen.
 
2012 gewannen sie den renomierten Mercury-Prize. Ihr Bandname ist übrigens zurückzuführen auf eine Tastenkombination, die auf englischen Mac-Tastaturen mit einem Dreieck, das darunter mit einem waagerechten Strich untermalt ist. Für die Band hat das eine besondere Bedeutung wie ich in ihrer Kurzbiografie bei wiki las. Es ist das sogenannte Delta-Zeichen und wird in mathematischen Gleichungen als Differenz verwendet.
 
Oha, dachte ich. *Differenz* was ja nichts anderes, wie Unterschied, Verschiedenheit bedeutet. Also es ist nicht nur das eine zu erkennen, es gibt Vieles, so bunt wie die Welt, so wie kein Mensch einem andern gleicht, auch keine Blume einer anderen, einfach nichts gibt es genauso wie eines, irgendwo ist immer ein kleines Detail zu finden, dass das eine vom vom anderen unterscheidet.  Und ich finde, das paßt zu ihrer Musik. Jeder Song ist einzigartig.  Es gibt so viel zu entdecken, an Klangrythmen, Harmonien, Gesangsnuancen, von A-capella bis  spirituellem Chorgesang. Und auch die Gitarre wechselt mal ganz plötzlich von einer klassischen zu einer rockigen Variante.
 
Und wie ich war das gesamte Publikum verzaubert. Man wiegte sich im Takt mit der Musik und ließ sich von den bunten Lichtern, die wie ich meinte, nicht übermäßig eingesetzt wurden, sondern ganz harmonisch und leicht zur Untermalung, nur ab und zu ließ sie einen inneren Juchzer im Zusammenklang mit der Musik aufkommen. Alle waren wie gebannt. Wie schnell ein Konzert vergeht, in dem man ganz mit der Musik verschmolzen ist, ohne Ablenkung auf großes Theater auf der Bühne, empfand ich phänomenal. Man wünscht sich, anders wie bei der Vorband, es möge nie aufhören. Das dachte ich jedenfalls bei der Vorband, wann hören die endlich auf. Und auch von hinten hörte ich eine Stimme einer auch etwas älteren Frau, die sagte, Vorbands haben sie noch nie vom Hocker gerissen. Es ist wohl aber auch so, dass das nicht tunlich wäre, wenn die Vorband ähnliche Glücksgefühle und Euphorie hervorrufen würde. Das hat wohl System. Da hätte es dann die Hauptband tatsächlich schwerer. Nur einmal in meinem Leben habe ich so etwas erlebt. Es war bei einem Konzert von Supertramp. Natürlich waren die auch ganz großes Kino, sie mal live zu sehen, aber die Vorband damals, Gentle Giant, sprengte tatsächlich ihren Rahmen und ließen den Zuhörer gefangen nehmen.
 
In andere Welten verzaubert waren wir alle in dem Konzert. Jeder hoffte auf seinen Lieblingssong. Ich natürlich auch. Und als er kam, riefen im selben Moment eine ganz junge Frau und ich aus einem Munde, so wahnsinnig jetzt, so herrlich und wir schauten uns aus seligen Augen an. Vor lauter Glücksseligkeit bot sie mir ihr Bier an, das ich freundlich ablehnte. Ich kann bei einem Konzert weder was essen noch was trinken, Alles braucht meine ganze Aufmerksamkeit und Konzentration und das mich Hineinversenken in die Musik. Ich bin son Typ und bin fast immer ein ganz klein wenig genervt, wenn bei einem Konzert die Leute kwatschen und kwatschen über Themen, über die sie sich genauso gut irgendwann anders unterhalten können, oder gar ständig hin- und her rennen, um sich mit Bier nachzufüllen. Jedenfalls mein absoluter Lieblingssong kam *3WW* hach, so was Schönes. Überhaupt haben viele ihrer Songs etwas Sakrales, ich schrieb es vorweg ja schon, wie z.B. Pleader, man, ich könnte schreien vor lauter Glücksgefühl beim Hören dieser Songs.
 
Nach 1 3/4 Stunde jedoch war es zu Ende. Schnief. So traurig. Aber zufrieden und erfüllt strömte die Menge der Zuschauer zu den Ausgängen, was leider im Palladium immer etwas schwerlich geschieht, da der Vorraum zu den Eingängen recht schmal und klein ist, so daß ein Gedränge entsteht, bei dem ich mich nie ganz wohlfühle, aber da musste ich durch.
 
Wohlgestimmt und zufrieden begleitete mich mein Sohnemann noch nach Hause. Schließlich soll die Frau Mama sicher in ihrer Höhle ankommen. Unterwegs ein wenig reflektierend über das eben Erlebte. Aber auch das nicht im Übermaß. Weniger ist mehr. So dachte ich auch über mein Leben in diesem Moment auf dem Nachhauseweg. Welch wunderschöner Tag nach so langer Zeit. Und jetzt, während ich diesen kleinen Blog über das Konzert schreibe, höre ich natürlich Alt-J und bin noch ganz in dem Geschehen und Erlebtem. Das wird sich auch so schnell nicht ändern. Ich versuche mich immer in Menschen hineinzuversetzen, die ganz schnell zum Nächsten übergehen. Ich kann das einfach nicht, sondern harre erst mal lange bei dem aus, das ich erlebt und erfahren durfte.
 
Ein schönes Konzert, ich werde bei nächster Gelegenheit, die sich bieten würde, ganz sicher noch einmal in den Genuß verfallen. Auch Wiederholen wie das Widerkäuen ist einfach mein Art und Weise, wie ich durchs Leben gehe.
 
Also, falls irgendwo in der Nähe, es lohnt sich ein Besuch! Mein Töchterchen darf sich freuen. Und überhaupt, hab ich es schon geschrieben? Ich habe die wunderbarsten Kinder der Welt:)

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19. Juli 2017 3 19 /07 /Juli /2017 15:10
Ich werde früh wach wie immer. Auf das Dachlukenfestern tanzen die Regentropfen. Hoffentlich nicht heute den ganzen Tag mein erster Gedanke. Vielleicht klopft ja auch der, den ich so mag mit den Tropfen an mein Fenster. Ach, dann soll es weiter regnen, das wär mir egal. Draussen ist es grau in grau, aber meine Welt in mir ist bunt. Freude macht das Leben bunter. Leg mich noch mal hin und träume. Träumen kann so herrlich sein. Blicke mich im Zimmer um. Eigentlich alles schon entdeckt, gestern, dachte ich. Manchmal gibt es in Räumlichkeiten doch noch klitzekleine Dinge zu entdecken, die übersehen wurden. Da, auf meinem Nachtischchen steht eine Vase mit Kunstblumen. Herjeh...Wer findet denn so was schön. Ich nicht jedenfalls. Find die superhäßlich. Gab es nicht mal eine Zeit, in den 60ern, da war das angesagt? Also, nix gegen Nierentische, Schalensessel und Neonfarben, schrill und schräg, aber Kunstblumen, ne, das geht mir dann doch zu weit. Wozu stellt Jemand so was in ein Zimmer, heute, frag ich mich. Dann doch lieber gar nix. Vor allen Dingen, wenn der Inhaber des Zimmers, der Pension, ein Naturliebhaber ist und gerade in diesem Moment in den Bergen des Himalayas wandert, klettert oder sonst was macht. Komisch.
 
Jedenfalls, ich glaube nicht so richtig, dass es die Liebe zur Pflanzenwelt ist, die ihn daran hindert Frischblumen in ein Väschen zu stellen. Eher eine kleine lieblose Gleichgültigkeit. Empfinde das so. Schaut einfach nach nix aus. Leer. Ich liebe frische Blumen. Muss nicht die ganze Wohgnung voll davon sein. So ein kleiner Strauß auf dem Tisch, der Jahreszeit gemäß, erwärmt mein Herz jedenfalls. Es gibt auch Leuts, die jammern über abgeschnittenes Blumenwerk. Bei ihrem Anblick. Versteh ich nu nicht. Die selben Leuts jammern nicht, wenn ihnen ein geliebter Mensch stirbt oder es ihm schlecht geht. Da komm ich einfach nicht mit. Was soll´s, ist ja nicht mein Gefühlsleben. Jeder ist auf seine eigene Art komisch.
 
Frühstückshunger meldet sich. Das vegane Mettbrötchen vom Abend hat nicht lang vorgehalten. Unten im Frühstücksraum sind einige Tische gedeckt. Also, biste doch nicht allein hier Roeschen, obwohl ich Niemanden hörte oder anderswie wahrgenommen habe. Finde die Frau, die das alles managet, Frühstück und Räumlichkeiten, mit allem, was dazu gehört. Sympathisch ist sie. Kommt aus Berlin. Merke sofort, die Sympathie ist beidseitig, denn wir kommen sofort ins Gespräch. Frauen sind doch offener was das Erzählen über das Leben angeht. Besonders, wenn sich nicht gut gekannt wird. Einem neutralen Menschen etwas zu erzählen hat ein eigenes Geschmäckle. Du weißt genau, du siehst ihn nie wieder und er kann nichts gegen dich verwenden, ebenso umgekehrt.
 
Hat ne Trennung hinter sich, die sympathische Frau, wohl etwas jünger als wie ich. Wollte dann räumlichen Abstand und ist nach Leipzig gegangen. Räumlichkeit verschafft Abstand, das kann schon helfen, besser zu verarbeiten. Ich kann das bestätigen. War ja auch mein Weg, damals, vor Jahren, als ich mich in Frankfurt niederließ. Es war nicht einfach, sagt sie. Nun geht auch sie, wie ich, allein durchs Leben. Fühlt sich aber gut und in Ordnung an.
Gibt es gute und warmherzige Worte zwischen Menschen, schmeckt das Essen gleich viel besser, auch wenn es nix Besonderes ist. Satt macht dann doch Beides. Ob auch andere Gästen touristisch hier seien frag ich sie. Gemischt sei es, die einen kommen um Leipzig zu besuchen, die anderen, Monteure, kommen dann hier unter. Trinke meinen Kaffee, rauche meine Frühstückszigarette und mache mich auf den Weg in die Innenstadt. Will zu Fuß. Das ist aber weit, sagt sie, die Frau. Macht nix, ich hab ja erstens Zeit, zweitens  seh ich doch viel mehr. Immer wieder staune ich, dass zu Fuß gehen heute eine Sensation ist. Meistens siegt die Faulheit bei den Menschen. Ist so. Bequemlichkeit.
 
Der Mensch braucht Haltung, für das Leben, durch das er schreitet. Haltung haben heiß nix anderes, als zu dem, was man will und tut, zu stehen, und zwar nicht nur für einen Moment, weil irgendwas gerade angesagt ist und man sich gern in die Reihen der anderen stellt, sondern auch dann, wenn man allein damit steht. Meinungen findet man oft, aber die ändern sich ja stetig, wie der Wind gerade weht und dann ists meistens ja nicht mal die eigene. Egal, ich lauf los, genug der Gedanken in diese Richtung.
 
Es nieselt noch immer und die Luft kühl und frisch, fast schon herbstlich. Vor mir auf dem Boden liegend, schon braungefärbte Blätter, liegen da, wie bestätigend, dass dieser Sommer nicht so richtig Sommer ist. Laufe wieder den Weg vom gestrigen Abend, Connewitz, Richtung ganze südliche Vorstadt, die in den Innenstadtbereich führt. Finde alle meine gestrigen Eindrücke bestätigt. Es herrscht zwar etwas mehr Autoverkehr, aber ansonsten sind  Menschen, die die Strassen bevölkern, eher seltener anzutreffen.
 
Nachdem ich Connewitz hinter mir gelassen habe, komme ich an den Karli, wie die Leipziger liebevoll sagen, genauer gesagt, die Karl-Liebknecht Strasse, die sich hineinzieht in die City. Hier macht es richtig Spaß entlang zu flanieren. Kleine Geschäfte, Cafes, die hübsch anzusehen sind. Da macht es noch Freude, die Auslagen zu bestaunen. Hier gibt es keinen Pofel, der den Menschen ausgeteilt wird. Hier hat Kreatives und Indivudelles seinen Platz erobert. Komme an einen riesigen verschrobenen alten Plattenladen, der mein Herz frohlocken läßt. Hier kann ich stöbern, hier kann ich sein. Kauf aber nix, genug ist genug, Reisekosten, Konzertkarte und die Unterbringung. Auch bei den Klamottenläden staune und bewundere ich, ich muss ja nicht alles haben. Kleine schnuckelige Schnickschnackgeschäfte mit indischem oder asiatischen Devotionalien, Räucherwerk und anderem, Dampfläden für die nicht mehr richtigen Raucher, alles schön sortiert und ausgestellt. Macht Laune. Heutzutage ja nur noch selten zu finden in den gleichgestalteten Shoppingmeilen der Großstädte in denen gleichgeschaltete Menschen sich den Pofel zuteilen lassen, damit sie wie die anderen aussehen und sind. Unfiform gleich. Ist auch bequem nicht selber denken.
 
Komme an einem hübschen Cafe vorbei. Draussen sitzt Niemand. Es tröpfelt immer noch. Ich hab ja meine Mütze an, macht also nix. Will eigentlich nicht rein, doch fällt mein Blick auf das Namensschild des selben. Steh da: Hotel Seeblick! Hihi, denk ich. Geh mit nem Fragezeichen im Kopf weiter, aber nur ein Stück. Miss Marple, so nennt man mich auch, muss es jetzt wissen. Geh also wieder zurück, geh rein und frage, wieso? Hotel Seelblick. Dieser Name an einer großen Strasse mit Häuserzeile gegenüber. Ach, sagt sie, die Bedienung, einfach so, weil erstens, ist das hier kein Hotel, zweitens gibts auch keinen See. Lustig und schräg. Coole Idee. Hätte ja sein können, Ihr wißt schon vor drölfhundert Jahren hatte es hier mal, See und so. Sie will mir einen Kaffee anbieten, aber ich brauch jetzt keine koffeinhaltige Stimulation.Später dann. Wünsche noch einen guten Tag und zieh meines Weges weiter. Also, ich will mal was sagen, das hab ich schon im vorigen Jahr auf meiner Radtour Frankfurt-Berlin erfahren, die Leuts sind alle unglaublich freundlich. So freundlich, dass es schon ungewohnt ist für einen Großstädter der angenervte Leute da anzutreffen pflegt, wo eigentlich Dienstleistung sichtbar sein sollte. Lustlosigkeit und Abgespanntheit sind viel mehr die Tragsäulen des einsam dahinrotierenden Angestellten in Verkaufsläden. Ist so. Könnte ich Bücher drüber schreiben.
 
Die Geschäfte haben oft sehr einfalssreiche Namen, wie *Wörtersee* für eine Buchhandlung  *Unikaterie* für hübsch anzusehen und selbst geschneiderte schöne Frauensachen oder Sprachwohnzimmer für eine kleine Sprachschule. Gefallen hat mir auch der Spruch eines kleinen Geschäftes für Büromöbel, vorwiegend Schreibtische. Dort fand ich: "Der Schreibtisch, ein Ort, an dem sich die Welt entscheidet". Sehr schön und viel Wahrheit dran.
 
Erfrischend auch das nicht der Lebensmittelkonzern mit den vier Buchstaben seine Domizile hier errichtet hat. Gibts zwar schon, jedoch nur vereinzelt. Gut so. Find sowieso merkwürdig, dass das möglich ist und dass die dafür zuständige Behörde nicht endlich mal Einhalt gebietet. Hier gibt es noch Einkaufsparadiese, die *Konsum* heißen. Konsum, ein lustiger Name, erinnert mich auch zugleich an meine Kinderomazeit, als ich mit Oma in den naheliegenden Konsummarkt ging und schon voller freudiger Erwartung war, dass es an der Kasse nach dem Bezahlen anstatt für Pfennige immer ein paar buntleuchtender Bonbons gab. Süßigkeiten, damals, waren doch eher selten, in die ich in Genuß kam. Und ich hab die ewig gelutscht, diese sauer-süß schmeckenden Köstlichkeitzen, die das Leben, wohlgemerkt das Kinderleben so reich machten.
 
Nach ca. 7 km Fussmarsch von meiner Pension aus, gelange ich endlich in die Innenstadt. Sie präsentiert sich ebenso wie die Vororte in gross und weit angelegten Plätzen, breiten Strassen und wenig Menschen. Kaum zu glauben. Ich flaniere durch die Straßen, entdecke kleine Passagen in den Straßen, erinnert mich ein wenig an Paris. In diesen Passagen wiederum hübsche kleine Lokalitäten oder Lädchen. Herrlich. Wirkt alles so beschaulich und gemütlich. Ich mache ein Foto nach dem anderen. Will mitnehmen, die bildhaften Eindrücke. Immer wieder auch kleine Parks und Grünflächen, teils sind sie zwar verwildert, das hat aber auch seinen Reiz. Mir gefällt das, muß nicht immer alles so wohlfeil geordnet und zurecht gestutzt sein. Wo der deutsche Ordnungssinn uns schon überall hingeführt hat, wissen wir ja und da krieg ich immer das Schaudern. Auch im privaten häuslichen Rahmen ist er manchmal schon eine fast trostlose, gar beängstigende Angelegenheit. Denk dann immer, auweia, wenn die Fassade mal bröckelt.Dann lieber so und gut ist.
 
Jetzt soll ein kleines zweites Frühstück her, erstmal. Finde auch ein recht hübsches, fast schräg gegenüber von der Niccolaikirche, an einem Platz, der weite Aussicht hat und mach es mir unter einem großen Schirm gemütlich. Ingwertee, der durchwärmt, Müsli, das den Bauch füllt. Da sitz ich wieder und gucke doof in die Welt hinein, staune, freue mich an allem. Und was soll ich sagen:
 
Da sitzt er plötzlich neben mir, so wie ich, verträumt um sich schauend. Der olle Brian Setzer himself. Schaut zu mir herüber, ich zu ihm. Sage, nice to see you. Come from Cologne to see you und admire her great guitar playing. Wow. Er lächelt ein wenig geschmeichelt, aber freut sich. Ich wußte einfach, dass er ein cooler Typ ist. Er kommt zu mir an den Tisch und erzählt von den Erlebnissen seiner Tour, fragt mich, ob Rockabilly in Deutschland noch ein Thema ist. Klar sag ich ihm, es gibt Festivals und coole Bands, die ihn pflegen. Da freut er sich. Und sage ihm, das sicher alle, so wie ich, die ihn leider noch nie live gesehen habe, voller Erwartung und Vorfreude auf das Konzert heute Abend sind. Er erzählt noch ein wenig aus dem Vorleben seiner Jugendjahre und den wilden Zeiten. Ruhiger sei er geworden, aber der Rock´n Roll ist immer noch voll da und das werd ich ja dann auch am Abend erleben dürfen. Dann verabschiedet er sich und sagt, seine Leuts warten, Soundchecks und so. Alles klar, er gibt mir einen Kuß auf meine Wange und sagt, very nice und geht.
 
Ach herrlich...Ich schaue ihm nach und ja, Ihr habt es Euch sicherlich gedacht...Alles nur ein Traum, hihi. Aber ein schöner Röschen-Traum. Wohl einfach dahergekommen. Wahrscheinlich, weil die beiden Ehepaare an meinem Nebentisch einfach nur schrecklich anzusehen und anzuhören waren. Ich bin son Typ. Von doofen Sachen träum ich mich einfach weg. Ich kann das wie nix. Aber ewig kann der Mensch ja nicht träumen. Irgendwann muss er sich der Realität stellen. Und das sind nun mal diese beiden Ehepaare, die ich noch eine Weile beobachte aus den Augenwinkeln und ihren Gesprächen ungewollter Weise zuhören muß. Die sind so Mitte 60 wohl. Die Frauen unscheinbar adrett-nett gekleidet, Haare kurz und zweckmäßig, Birkenstock an den Füßen, Brille und verkniffenem Mund dasitzend. Die Herren immer wieder zurückkehrend zu des Mannes Lieblingsthema, das Auto. Klar, was sonst. Die Frauen blicken derweil stumm um sich, gelangweilt. Die Herren übrigens auch zweckmässig in Jeans und Turnschuhen mit Freizeithemd und Freizeitblick.
 
Also ich kann mich dessen oft nicht erwehren, darüber nachzudenken, was solche Ehepaare noch verbindet. Ehrlich. Ich kann da nix für. So wie die da sitzen und eher gelangweilt dreinschauen und versuchen das Gemeinsame zu schaffen, das aber doch scheinbar nicht die Nähe gibt, die sie sich vielleicht wünschen. Was führen die wohl für eine Ehe nach langer Zeit. Haben die noch Verlangen aneinander? Auweia...ich will das jetzt gar nicht vertiefen, aber ist halt so, dass ich es manchmal denke, bei einigen. Ist ja auch nicht immer so. Weiß jetzt auch nicht, ob ich mich dieser Gedanken schämen muss.
 
Ich gehe mal einfach weiter, gedacht und getan. Geh mal zur Thomaskirche und bestaune das Wunderwerk der neuen Bachorgel. Würd sie gern mal anhören, aber zu dieser Zeit geht da nix. Auf dem großen Platz vor der Thomaskirche gibt es eine Ausstellung. Dort findet man ausgestellt große jüdische Sportler, die maßgebend waren für die Entwicklung des Sports in Deutschland. Diese Ausstellung soll sie nachhaltig würdigen, auch weil sie zum großen Teil im Nationalsozialimsus, verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Unter ihnen finde ich auch Emanuel Lasker, einer der größten Schachspieler aller Zeiten. Muss sagen, viele andere darunter waren mir kein Begriff. Es war daher interessant dort ein wenig zu stöbern.
 
Das Bachmuseum hätte ich ebenso gern besucht, da es Montag ist, was ich zuerst gar nicht so im Kopf hatte, entdeckte ich vor der Türe erst, war es leider geschlossen, wie alle Museen in ganz Europa. Kann sich eigentlich gut gemerkt werden.
 
Irgendwann hatte ich keine Lust mehr, genug Seightseeing. Ich wollte mich nun mal schon langsam auf den Weg zur Parkbühne machen. Da das Wetter mittlerweile regnerisch beruhigt war, kam mir der Gedanke in dem Park einfach zu warten. Vielleicht bekomme ich was vom Soundchek mit. Gedacht, also getan. Ungefähr die Richtung kannte ich. Aber irgendwie habe ich mich dann doch verlaufen. Passiert halt. Sehe da zwei Männer mit ner Karte herumschlendern, dachte, sprichst die mal an. Mach ich auch. In diesem Falle zögere ich dann nicht lange. Wohin ich wöllte, fragen sie mich. Parkbühne! Ahhh Brian Setzer, da wollen wir auch hin. Cool sagte ich. Da sie jedoch nicht direkt, meinten, sei doch noch viel zu früh, ich aber, ich will halt schon gucken, erklärten sie mir den Weg ihres Wissens nach. Herausgestellt hat sich im Nachhinein, der war total falsch. So sinds die Leuts, meinen etwas zu wissen, was sie doch nicht wissen. Kann man auch auf jeden Lebensbereich anwenden, diese Erkenntnis. Aber ich bin ja nicht doof, auch wenn ich mal doof in die Welt gucke, ich finde meinen Weg immer, selbst im fernsten Hindukusch. Ich frag dann eifnach weiter und irgendeine Antwort wird dann schon stimmen. Hats auch am Ende. Hat gar nicht so lang gedauert. Da find ich den Park. Schön ists, von weitem hör ich tatsächlich schon nen kleinen Soundcheck. Krieg ich Gänsehaut. Man, was freu ich mich auf den Abend.
 
Es gibt verschiedene gemütliche Lokalitäten, in denen ich mir einen Platz suche und mir ein kleines Eis genehmige. Sitze da, schaue, schreibe in mein Tagebuch und da kommen die beiden Herren vom Mittag auch angewatschelt. Entschuldigen sich gleich vielmals, dass es der falsche Weg gewesen sei, den sie mir gezeigt haben. Macht nix, ich bin ja da und ihr auch. Die zwei setzen sich zu mir und wir teilen ein wenig unsere Vorfreude und unsere Leidenschaft für Brian. Die beiden sind echt lustig, Gitarrenfreaks auch. Haben einige zuhause, u.a. hatten sie sich erst am vergangenen Samstag eine Gretschgitarre, wie auch Brian sie spielt, in Hannover in einem exclusiven Gitarrenhandelt gekauft. Sagen aber, sie spielten zwar, jedoch stümperhaft. Tja, was soll man auch sonst sagen angesichts der Gitrrenkünste vom ollen Brian sagen. Ein Songtextheft vom Brian hatte einer auch mitgebracht und hoffte, dass er am Abend nach dem Konzert seine Unterschrift gäbe. Die Beiden waren auch hin- und weg. Waren absolute 50er-Jahre-Freaks. Und dann war es endlich soweit. Einlaß. Vor dem Eingang standen einige Besucher, die wohl noch Karten wollten. Ich habe das gar nicht so mitbekommen, jedenfalls, es war ausverkauft, als ich dann später erfuhr und es mussten einige draussen bleiben. Aber hören konnte man überall gut. Es war eine kleine Bühne mit Fassungsvermögen von ca. 1000  Leuten. Hat mich ein wenig an den Palmengarten in Frankfurt erinnert, wo ich ebenfalls einmal die legendären Omer & The Howlers bewundern durfte. Im Gegensatz zu Brian jedoch, war der damals nicht so richtig in Spiellaune. Hat eher so ein wenig akurat und geschäftlich seinen Auftritt damals abgerissen. Dennoch war er natürlich gut. Aber ein Brian in Spiellaune ist da schon was anderes. Jedenfalls, das durfte ich zwei Stunden später dann erfahren, hören und sehen, so daß mir buchstäblich Hören und Sehen verging. Wahnsinn.
 
Beim Leutegucken entdecke ich auch ein paar irre fein gekleidete Rockabillyladys- und herren. Ein echter Hingucker und Highlight. Mache ein paar Fotos von ihnen, was sie gern zulassen, denn, wer sich so fein herausputzt, der will ja auch festgehalten werden. Schöne Klamotten einfach.
 
Die Vorband, Miss Mary Ann, zwar weichgespült, aber machten gut Stimmung als Vorprogramm.  Aber dann...aber dann kam er..und alles war wie im Taumel, jedenfalls ich. 58 Jahre ist er nun alt der olle Brian, aber noch frisch wie ein Jungstar. Er rockte und wirbelte über die Bühne, wechselte seine Gitarren wie andere Leuts Hemden und zeigte was er drauf hatte. Ganz sicher hat er ab und an ein wenig mit seinem Können kokettiert. Er wollts halt mal richtig zeigen. Na und..Soll er doch. Mir gefiel das. Finds herrlich wenn die älteren Herren noch mal zeigen, was abgeht und was sie beherrschen. Warum denn auch nicht. Die Zuschauer tobten und tatsächlich wie von mir erträumt fragte Brian doch einmal das Publikum, Deutschland mag Rockabilly oder? Alles brüllte, war eigentlich nicht nötig, denn man sah es. Die Fans gingen ab wie nur was, es wurde getanzt und enthusiastisch mitgesungen zum Teil und immer wieder Sympathiebekundungen für Brian, aber auch für seine Band, die hervorragend spielte. Der Schlagzeuger arbeitete wie jeck, man sah es ihm an und haute die Beats raus wie nur was. Brian spielte Brandbreite, nicht nur die Rockabilly Riot Songs sondern auch die  alten  Stray Cats Sachen. Natürlich Stray Cats Strut, Rumble, wer konnt e da noch still stehen bleiben. Ich jedenfalls nicht. Und das alles so virtuos, dennoch spielerisch mit Freuden. Ja, man sah dem ollen Brian seine Spiellaune einfach an. Er sah dass er vom Publikum eine Antwort bekam, in dem es mitging, sich über jeden Song freute und seine generöse Art und Weise die Gitarren zum Klingen zu bringen euphorisch feierte. Was für ein Gitarrensound da erschallte an diesem Abend, das ist doch live noch mal anders als wie auf einer Schallplatte. Und ihm dabei zu sehen, wie er da sich nach einer halben Stunde von seinem Nadelstreifenjacket verabschieden musste, aber im weißen Hemd nicht genau so toll aussah, wie mit, ließ mich fast an Teenagerzeiten des ohnmächtig werdens erinnern. Nein, nein, so schlimm wars bei mir nun nicht, aber ich war selbstvergessen, hin- und weg, einfach nur mich noch taumelnd fühlend. Man, dachte ich, vielleicht war das das nicht nur das erste sondern auch das letzte Mal dass ich ihn live erleben durfte. Weiß mans. Jedenfalls, so ich könnte, selbst mit Rollator, würd ich hin. Das ist doch wohl mal klar.
 
Fast 2 Stunden dauerte sein Auftritt. Und ich glaube ja, er hätte auch noch weitergespielt, wenn es da nicht die Zeitbeschränkung wegen der umstehenden Wohnhäuser gegeben hätte. Das war im Palmengarten auch immer so. Spätestens ab 22.oo Uhr musste schluss sein. Kann ich ja auch verstehen, dennoch war es so traurig. Zwei Zugaben gab es. Sleepwalk..einfach nur herrlich, wie er dann bei der vorletzten Zugabe in seinem chwarzen Riot-t-shirt da saß und es einfach hin zauberte. Oh man, ich war den Tränen nah, ehrlich, isch schwöre, es war einfach nicht zu beschreiben, dieser Moment. Er hätte das Ewigkeiten weiterspielen können, mir wär nicht langweilig davon geworden. Man ich bin so verrückt, ich glaub es selber manchmal kaum. Aber es kam wie es nun mal kommen musste. Die Bandmitglieder kamen ebenfalls nochmal auf die Bühne und spielten Rock his town. Rock Leipzig, Rock das Leben, Rock die Welt. Yeah Rockn´Roll ist die Revolution immer noch. Man muss sich nur davon erfassen lassen.
 
Hach ne, Rock his town im Ohr so ging ich in den dunklen Park. Fand meine zwei Herren wieder, die mich freundlicherweise bis zur Innenstadt begleiteten, damit ich nicht allein durch die fremde Stadt spazieren musste. Ich fand das sehr nett. In einer Pizzeria fragte ich, ob man mir ein Taxi rufen könne, was sie auch freundlich und bereitwillig taten. Wunderbar! Ein wunderbarer Brian-Setzer Abend. Unvergeßlich! Aber auch eine schöne Begegnung mit der Stadt Leipzig. Ich werde Beides gut in Erinenrung behalten.

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:59
Wahrnehmung ist Gott sei dank sehr unterschiedlich! Menschen können im selben Moment am gleichen Erlebnis teilnehmen und es mit eigenen Augen sehen und doch sagt jeder etwas anderes, wie er es gesehen und empfunden hat. So ist es wahrscheinlich auch jedem beim Sehen und Hören des Roger Waters Konzert in der Köln-Arena gegangen. Auch ich war als bekennender und hängen gebliebener Pink-Floyd-Fan mit Freunden dort.
 
Wir waren schon die ganzen Tage in heller Aufregung und Vorfreude! Um 18.30 Uhr machten wir uns auf den mühseligen Weg mit der KVB! Kamen um 19.30 Uhr endlich an und fieberten dem Ereignis entgegen. Die Konzertbesucher waren ausschließlich überwiegend in meinem Alter, so zwischen 45 Jahre und 60 Jahre.
Der Anblick der Bühne war wie immer gigantisch. Eine Riesenleinwand, auf der eine Whiskyflasche, ein Radio und ein Glas zu sehen waren. Dazwischen sah man immer eine Hand, die nach dem Glas griff, am Radio drehte und anscheinend sitzend rauchte und zuhörte.
 
Ich versank mittlerweile innerlich in alte Zeiten zurück. Sah mich auf meinem Bett 14jährig liegen, die Ummagumma hörend und meine Gedanken und Träume katapultierten sich aus dieser Welt, in der ich mich nicht heimisch fühlte. Ich dachte an all die verrückten Sachen, die ich damals gemacht habe. Beim Rundherumschauen, neben mir saß ein außerordentlich sympathisch erscheinendes Ehepaar, denen man auf den ersten Anblick nicht angesehen hätte, dass sie Floyd-Fans wären, und schienen mir genau so wie ich in ihren Gedanken versunken. Ab und zu schauten wir uns an und lächelten uns zu. Wir wussten, um was es ging!
 
Dann endlich, wummernde Bässe, die Band erschien. Waters erschien im Designer-Look auf der Bühne. Enttäuschung! Kühl, nüchtern, ohne Herz erschien er mir. Beim zweiten Stück schon hatte ich das Gefühl, die Band stehe hinter einem riesigen Fenster und der Kontakt zum Publikum sprang einfach nicht rüber. Dazu die Lautstärke. Ich weiß nicht, wo Herr Thorsten Keller gesessen hat und das Konzert mit verfolgt hatte. Wir saßen im Unterrang, Block 207, Reihe 12, Plätze 3usw. Ich war überwältigt! Aber nicht vom Sound, sondern wegen der furchtbaren Lautstärke. Ich drehe mich zur Tochter meiner verstorbenen Freundin um und empfing den gleichen Blick. Ich bin nicht empfindlich, gehe oft auf Konzerte und stehe auch schon mal vor der Bühne neben den Boxen, aber so was habe ich lange nicht mehr erlebt. Vom Gesang von Waters konnte man kein Wort verstehen, und der ganze Bandsound verschwamm in einem einzigen Gewummer! Vor und neben mir sah ich, wie Besucher sich die Ohren zuhielten.
 
Dazu kam das ewige bei Konzerten zu beobachtende Verhalten der Besucher. Karten für 95,--? gekauft, hingesetzt, und dann aber während des Konzerts mehrere Male aufstehen, Fritten holen, Bier holen, WC aufsuchen, gut, kann ja mal passieren. Aber diese Unruhe machte mich zusätzlich ganz kirre und oft standen irgendwelche Leute vor mir herum, die ihre Plätze nicht mehr fanden und versperrten die Sicht. Das wiederum führte zu Murren der anderen Besucher.
 
Shine on you crazy diamonds begann, auf der Leinwand, Planeten und Sterne, die sich umkreisten. Mein Gedanken gingen zur Beate, meiner Freundin, die sich gewünscht hatte, dieses Stück auf ihrer Beerdigung zu hören. Alles lief wieder wie ein Film vor mir ab. Aber die Ehrung an Syd Barret, dem dieses Stück zugedacht wurde, kam einfach nicht rüber. Dem Konzert fehlte die Seele. Mir war das Schwein, das plötzlich über uns hinwegsegelte, ehrlich gesagt zu albern. Ein Wiederauflebenlassen einzelner Momente aus früheren heroischen Floyd-Konzerten. Die politischen Messages gegenüber Amerika, Krieg, Bush fand ich einfach aufgesetzt. Zuviel dieser Bilder im Hintergrund. Es passte allerdings nicht zum Ausdruck der Band. Zwischendurch immer wieder alte Bilder der Floyd, durchs Gras gehen, rauchend Rumliegen, innere Verweigerung zeigend, in seinen Träumen lebend! Auch sie passten nicht zum Konzert. Ein Abklatsch an Vergangenes. Roger Waters im Designerlook demgegenüber. Ich wartete auf ein Lächeln seinerseits, irgendeine Gefühlsregung, aber er irrte starr und unbeweglich über die Bühne.
 
Nach der Pause verschwanden einige Besucher und kamen nicht mehr in den Saal zurück auch das sympathische Ehepaar. Die zweite Hälfte entwickelte sich ähnlich wie die erste. Die leiseren Stücke wurden etwas hörbarer, aber das war?s dann auch. Adieu Herr Waters. Das war nicht Pink-Floyd gestern und schon gar nicht heute.
 
Gut ich war David Gilmore verwöhnt. Im letzten Jahr sah ich ihn in München auf einem unglaublich guten Konzert. Im Gegenteil von Waters, hatte dieser es geschafft, die Floyd-Stimmung aufleben zu lassen, sie weiterzubringen und ein neues Gefühl entstehen zu lassen. Das Publikum damals war gemischt. Er hatte es geschafft auch die jüngere Generation an sich zu binden und ihnen Pink-Floyd-Geschichte zu vermitteln. Das war auch in Gesprächen mit jungen Leuten herauszuhören, die uns immer wieder auf unsere alten erlebten Floyd-Zeiten ansprachen. Gilmore hat es geschafft die Musik weiterzuentwickeln und doch Neues zu schaffen. Wer sich ein Bild davon machen möchte, dem empfehle ich seine CD“On An Island“. Ein Soloalbum und doch ein Pink-Floyd-Album, eines der besten. Gilmore selbst beseelt von der Musik einfach und lässig in Jeans und Turnschuhen brachte einfach eine andere Stimmung mit. Natürlich waren auch andere Bandmitglieder der Spitzenklasse dabei, z.B. Phil Manzanera.
 
Etwas ernüchternd gingen wir alle nach Hause. Es war kein Erlebnis. Aber vielleicht war auch die Vorprojektion zu groß! Herr Keller hat es anscheinend anders erlebt. Mich würde interessieren, wie alt er ist? Vielleicht ist es etwas anderes, nicht aus der Generation zu stammen und seine Erinnerungen mit Pink-Floyd zu verbinden.
 
Dies war eine andere Sichtweise zum Konzert für die, die es interessier

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:44

Diese Woche hatte ich einen fieberhaften Infekt. Nun, Fieber hat ja so gesehen auch immer etwas Positives. Der Körper setzt sich auseinander und die Seele reinigt sich ebenfalls.
 
Seit Donnerstag kam dann aber noch ein anderes Fieber dazu! Das Peter Gabriel-Fieber. Zu spät hatte ich die Ankündigung seines Konzertes in Gelsenkirchen gesehen. Es war ausverkauft! Dann plötzlich erschien die Benachrichtigung, dass es ein Zusatzkonzert gibt. Aber irgendwie wollte es nicht so richtig klappen! Montag hab ich mich noch mit letzter Kraft auf den Weg zu Köln Ticket gemacht, um die Karten zu besorgen. Es waren noch genau 100 Karten da! Als sie ausgedruckt waren und ich bezahlen wollte, stellte ich fest, dass ich die Geldbörse vergessen hatte! So ein Mist! Wieder aufs Rad und nach Hause. Dort angekommen, war nix mehr drin. War so schlapp, dass ich es nicht mehr geschafft hätte, nochmals zurückzufahren. Traurigkeit und Unmut überfielen mich. Na ja, das war es dann wohl, dachte ich!
 
Als mein Mann nach Hause kam und ich es ihm erzählte, meinte er, er ginge sowieso noch spazieren, er könne sie ja dann besorgen! Das fand ich sehr nett!
 
Seit Donnerstag nun bin ich in einem absoluten Gabriel-Rausch. Den ganzen Tag hatte ich sämtliche Genesis und Gabriel CD´s gehört. Mich in die Texte vertieft und war nur noch „Peter“! Alte Erinnerungen wurden wach von Konzerten aus den Siebzigern. „The Lambs lies down on Broadway“! Das war einfach gigantisch! Oder „The Musical-Box“!
 
Und Freitag war es dann soweit. Ich habe mir erlaubt, trotz immer noch vorhandener Schwäche mich auf den Weg zu machen. Den ganzen Morgen schon spielen meine Nerven vor Vorfreude verrückt. Wann ist es endlich 16.00 Uhr und Dieter, ein Freund von mir, holt mich ab? Endlich nach Gelsenkirchen.
 
Auf der Fahrt die alten Genesis gehört. Ich drehe total ab! Bin voller Erwartung. Der Verkehr ist zähflüssig an manchen Stellen, aber wir kommen relativ gut durch! Das übliche Parkplatzprocedere am Eingang. Aber wir finden einen guten direkt am Anfang. Natürlich gegen Gebühr 3,-00! Aber ist o.k. Wir stellen uns in die Schlange, die sich schon lange vor Beginn des Konzertes gebildet hat. Und dann! Ich bekomme eine Gänsehaut, plötzlich ertönt der Bass von Tony Levin, ein wahnsinniger Typ und dann, ich bin einfach weg! Peters Stimme! Immer noch unverbraucht! Immer noch in allen Facetten zu hören. Sound-Scheck! Wir dürfen daran teilnehmen! Nach einer Stunde Wartezeit sind wir endlich im Gelände. Das Amphittheater liegt großartig. Ich kannte es vorher nicht. Direkt am Rhein-Herne-Kanal. Platz für ca. 10.000 Leute, schätze ich mal. Es war ein Zusatzkonzert und nicht ausverkauft! Nachdem wir das Procedere der Taschendurchsuchung überstanden hatten, kamen wir erstmal in die so genannte Sauf- und Fressmeile. Natürlich will hier jeder auch sein Geschäft machen. Wieder anstehen inmitten von Bratwurstduft und anderen Gerüchen. Ich bekomme doch jetzt nix runter vor lauter Aufregung.
 
Dann endlich Einlass in die Arena! Wow! Die Bühne liegt direkt hinter dem Rhein-Herne-Kanal! Die Leute strömen teils auf die Sitzplätze, teils nach vorne zur Bühne. Die Freunde wollen sitzen, weiter weg. Ich nicht! Wir verabreden uns nach dem Konzert an einem bestimmten Platz und ich presche zur Bühne vor! Ca. 4. Reihe, ist o.k. Jetzt wieder warten. Es ist genau 19.00 Uhr! Ich komme mit den Leuten vor und neben mir ins Gespräch. Mit Hans, den ich näher kennen lerne, tausche ich mich aus, über alle Genesis und Gabriel CDs, Videos und DVD´s. Auch er hatte schon am Vortag alle Foren durchgezappt. Dann kommt das ungeheuerliche. Er hat eine Liste vom Set, auf der alle Stücke stehen, die Peter spielen wird. Ich bin begeistert. Sehe die Titel, I don´t Remember, No self Control, Big Time usw.. Schön ist, dass wir dann auch über persönliche Dinge ins Gespräch kommen. Wir entdecken beide die Liebe zum Fahrradfahren. Ich erzähl ihm von meiner bevorstehenden Fahrradtour im Sommer in Ostfriesland. Er kommt aus Wilhelmshaven. Gibt mir noch einen super Tipp von wegen Heuhotels, in denen man billig übernachten kann. Ach ist das alles schön!
 
Dann endlich die Vorgruppe. Charlie Winston! Hab ich noch nie was von gehört. Aber sind mächtig gestylt, Charlie kommt mit einem Riesenmegaphon auf die Bühne, die seine Stimme verzerrt. Das ärgert mich ein bisschen, denn das hat er gekupfert. Das macht ja Wayne Coyne von „Flaming Lips“ auch immer. Na ja, das Publikum ist günstig eingestellt. Sie versuchen ein bisschen Stimmung zu machen, aber man findet sich nicht in ihrem Stil! Zu unruhig! Ach Mensch, alle warten doch auf Peter!
 
Und dann endlich 21.10 Uhr die Band betritt die Bühne. Ein Brausen geht durch das Publikum. Peter mit seiner Tochter Melanie, eine wunderschöne junge Frau mit feinen sensiblen Stimme, Tony Levin, der Bassist, David Rhodes, Gitarrist, Ged Lynch, Schlagzeuger, Richard Adams Gitarrist und Bassist und Angie Pollock an den Keyboards. Alle Musiker insgesamt eine unglaublich charismatische Ausstrahlung. Die Stammleute sind schon lange mit Peter zusammen. Man spürt das gute Einvernehmen!
 
In den 2 Stunden, die jetzt folgen, bin ich einfach nur die Musik und Peters Stimme geht mir bis in die Zehenspitzen. Der Altersdurchschnitt der Zuhörer liegt so ca. bei 35 Jahren bis 55 Jahren! Alles eingeschworene Gabriel-Fans. Und so ist auch die Stimmung, schon fast familiär. Peter macht sämtliche Ansprachen in Deutsch. Ich bin überrascht. Gut, er liest sie teilweise vom Zettel, aber ich finde dass eine sehr schöne Geste von ihm. Dann das erste Stück „Rhythm of the Heat! Der Sound ist einfach klasse! Wie auf CD! Ich bin zwischendurch mal nach oben gegangen, um zu hören, wie es dort ist, aber von überall einfach super ausgesteuert! Peter hatte bewusst auf allen Schnickschnack und Showeffekte verzichtet. An diesem Abend zählt die Musik! Und es braucht auch nichts Weiteres.
 
Das Stück „I hav the Touch“ leitet er ein, mit einer Studie, die gemacht worden ist. Es geht um Körperkontakt. Er erzählt, dass z.B. die Menschen in Puerto Rico am Tag ca. 170 mal direkten Körperkontakt miteinander haben, hingegen in Deutschland nur 2 mal! Guten Tag und Auf Wiedersehen! Alle schmunzeln. Ja so sind´s halt die Deutschen. Ich fühle mich nicht angesprochen, hatte ich nicht grade den Hans mal liebevoll auf die Schulter geklopft, weil ich mich geographisch etwas vertan hatte.
 
Peter hatte im Vorfeld die Besucher via Internet dazu aufgefordert, ihre Lieblingstitel zu benennen, die 20 Tops hat er dann an diesem Abend gespielt. Auch das fand ich sehr berührend. Das ganze Konzert war wirklich ein Geschenk für seine Fans! Nur das schien für ihn wichtig zu sein. Das spürte man bei jedem Stück!
 
Hinter jedem Musiker gab es riesige Leuchten und schmale Projektionsflächen, auf denen sich bei jedem Song die Lichteffekte abwechselten. Peter überwiegend hinter seinem Keyboard auf der linken Bühnenseite, von wo aus er seine Band im Auge hatte und Anweisungen geben konnte. Bei wenigen Stücken kam er an den Bühnenrand. La-Ola-Wellen immer wieder zwischendurch. Jeder sang fast alle Texte mit.
 
Nach ca. 90 Minuten war das Konzert erstmal beendet. Natürlich ließen sie nicht lange auf sich warten mit der Zugabe. Es folgten „Solsburry Hill, gut den kann ich nicht mehr wirklich so gut hören, für mich eher eine schwache Nummer, dann Sledgehammer und dann, ach und dann:“In blue Eyes“!
 
Ein letztes Mal drehe ich mich im Kreis, versinke in Peters Stimme, in die wunderbare Musik und bin einfach glücklich, dass es Peter gibt, der mich schon in so vielen Situationen meines Lebens mit seiner Musik getragen hat. Seine Texte, in denen ich mich oft wieder gefunden habe und natürlich all die vielen Konzerte, die ich auch schon in seiner Besetzung mit Genesis gesehen habe.
 
Der Abend endet! Das Publikum macht sich auf den Nachhauseweg. Es geht alles ziemlich reibungslos vonstatten. Ich finde die Freunde wieder. Draußen sind fliegende Händler und ja, ich kaufe mir ein T-Shirt für einen Zehner. Muss sein. Eine kleine Erinnerung!
 
Wir steigen ins Auto und ab gehts wieder nach Köln. Ich hoffe, er kommt bald wieder!

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 18:47
Ich hatte mich gefreut, schon seit Monaten! Worauf? Auf das Konzert mit den Fantastischen 4. Aber eigentlich ging es mir darum, endlich mal wieder was mit Anouk zu unternehmen. Ich hatte sie seit Monaten nicht mehr gesehen. Die Karte hatte ich ihr zum Geburtstag geschenkt. Es war die Freude, ihr eine Freude zu machen, weil ich weiß, wie sehr sie die Fantas mag. Ich persönlich hatte sie noch nie live gesehen in all den Jahren. Bin nie dazu gekommen. Aber ich mag ihre Musik und ihre Texte, ihren Esprit. Anpouk hatte sie das letzute Mal vor knapp drei Jahren gesehen, mit Mundschutz während einer Chemo! Da kamen Erinnerungen für uns beide hoch!
 
Als es auf den Konzertabend zuging, verdichteten sich die Wolken über meinem Zeithimmel. Denn ich sollte am Sonntag arbeiten. Wir hatten eine Buchpräsentation mit geladenen Gästen. Das war nicht eingeplant, denn ich hatte die Stelle ja noch nicht, als ich die Karten kaufte. Da half auch kein Bitten und Flehen an die Chefin, mich außen vor zu lassen, an diesem Sonntag. Es ginge nicht, meinte sie, gerade an dieser Aktion sei es unbedingt nötig, dass ich an ihrer Seite stand. Was willst du machen, Röschen, dachte ich, Pflicht ist Pflicht. Arbeit ist mein Broterwerb. So hatte ich mich mit dem Gedanken abgefunden, Anouk kontaktiert und sie gebeten, sich jemanden an ihre Seite zu nehmen, mit dem sie ebenso gern auf das Konzert ginge. Aber, im Nachhinein bin ich sehr dankbar, Anouk hat nicht locker gelassen. Hat mich bestürmt, versuch es noch mal, wir können doch auch später dort erscheinen. Das wird schon alles gehen.
 
So hab ich wieder mit der Chefin verhandelt und sie machte mir das Zugeständnis, sobald es möglich wäre, gäbe sie mir ein Zeichen und dann könnte ich verschwinden. So kam Anouk dann am Sonntagnachmittag nach Köln, nahm an unserer Veranstaltung teil und gegen 19.3o Uhr saßen wir im Auto und düsten Richtung Deutz, Köln-Arena. Es regnete in Strömen, aber wir hatten Glück und bekamen im Parkhaus, das übrigens eine riesige Abzocke ist, einen Platz. Innerhalb von 2o Minuten liefen wir in der Arena ein. Wir genehmigten uns ein Sektchen und gingen in die schon dunkle Arena, wo die Vorgruppe das Publikum mächtig einheizte. Wir tasteten uns die Treppen herunter unseren Platz suchend, fanden ihn aber nicht. Sonst bin ich ja eher der, ist doch egal, wir gehen- einfach- irgendwo -rein, aber an diesem Abend nahm Anouk das Zepter in die Hand und wir setzten uns auf Plätze, die eigentlich nicht unsere, aber ganz hervorragend waren, in der Hoffnung, die wirklichen Kartenbesitzer der Plätze würden nicht erscheinen. Es ist eigentlich nicht mein Ding, während eines Konzertes dieser Art zu sitzen, aber die Stehplätze waren längst ausverkauft, als ich mich dazu entschloss Karten zu erwerben.
 
Ach, ich/wir waren froh es geschafft zu haben und sahen voller Erwartung den Fantas entgegen. Und dann ging es endlich los. Die Bühne noch dunkel, geheimnisvolle, sphärische Musik erklang und da waren sie plötzlich, in ihrer ganzen Präsenz. Genau in dem Moment stand alles. Niemand blieb sitzen, das hatte ich noch nie erlebt bei einem Konzert in der Köln-Arena, ob jung oder alt, niemand beschwerte sich, es ging gar nicht anders. Wenn ich heute morgen im KSTA vom Älterwerden einer Branche und ihres Publikums und deren Bewahrung ihrer Jugendlichkeit lese, musste ich doch schmunzeln.
 
Also es ist auf keinen Fall so dass ich meine Jugendlichkeit bewahren will, ich stehe zu meinem Alter, finde es sehr schön, aber warum soll eine 52jährige Frau nicht hüpfen, tanzen und springen! Hat das wirklich was mit unbedingter Jugendlichkeitsbewahrung zu tun? Ich glaube nicht! Ich jedenfalls bin noch genau so begeistert bei einem Konzert dabei, wie vor zwanzig Jahren und da macht auch mein Körper nicht halt. Die Musik erfasst mich und ich muss mich bewegen und das ist gut so. Nur wer sich nicht bewegt, wird wirklich alt. Beobachte ich doch sonst in meiner Altersklasse bei Konzerte einen Hang zur Bequemlichkeit. Erst vor einigen Tagen beim Konzert von Köster, regten sich einige im Publikum auf, weil es zu voll war, und Zuhörer sich vor sie stellen mussten, weil sie nicht wohin wussten. Mir völlig unverständlich, wie man bei einem Konzert, wo es abgeht, sitzen bleiben kann. Musik erzeugt Bewegung, so ist das nun einmal. Wer sich nicht mehr bewegen will und kann hat irgendwie abgeschlossen, oder?
 
Nun, Anouk und ich waren hin und weg. Die Fantas gaben alles. Sie vermarkten sich prima, na und! Hauptsache es macht Spaß. Letztendlich machen sie ihren Job, den Menschen einen Abend zu bescheren, der sie rausholt aus dem täglichen Einerlei und die Kraft, die man aus so einem Abend mitnimmt, trägt einen über Wochen.
 
So lassen wir uns also fallen, in die Musik, die Texte, denken innerlich dabei auch an unsere Erfahrungen mit dem Leben der vergangenen Jahre. Ist doch egal, ob Smudo mittlerweile einen Bauch hat, Hauptsache, es geht was! Die Fantas zogen ihr Konzept durch, ihre Auswahl aus dem Songkatalog war genial . Heute Morgen las ich im KSTA, sie hätten es mit jeder Menge Haltung und Bravour gemeistert. Richtig, genau so ist es. Das Wort „Haltung“ in diesem Zusammenhang hat mich aufhören lassen! Dass in dem Wort „Unterhaltung“ Haltung steckt, hatte ich nämlich gerade am Wochenende in der Süddeutschen in einem Artikel über Udo Jürgens gelesen, der genau das sagte! Unterhaltung hat etwas mit Haltung zu tun.
 
Hatte ich so vorher noch nie drüber nachgedacht. Wenn wir uns umschauen in unserer Spaß- und Unterhaltungswelt, kann man sehr genau sehen, welche Haltung die Künstler, die Initiatoren und die Zuschauer haben. Man kann wohl den Menschen an der Art, welcher Unterhaltung er sich stellt, eine gewisse Lebenshaltung erkennen, oder nicht?
 
Jedenfalls kam ne Menge guter Haltung der Fantas rüber und vom Publikum sowieso. Als die Fantas das Viva Colonia in Hip-Hop-Version brachte, tobte der Saal und er erschien uns plötzlich gar nicht mehr so groß. Nach eineinviertel Stunde machten sie Schluss. Ein leichter Unmut machte sich in uns breit, soll es das schon gewesen sein. Die Bühne verdunkelte sich und dann sah man plötzlich, wie Smudo, Michi und Thomas D. durch den Innenraum Schreiteten und auf die von oben, wo sonst der große Videowürfel hängt, heruntergelassene kleine Bühne trat und zum Abschluss den absoluten M f G-Song brachten. Danach Troy, juchhu, war das ein Spaß. Klar, wir, Anouk und ich, bleiben ihnen troy, gar keine Frage. Und beim nächsten Mal sind wir wieder dabei, oder Anouk?
 
Und sicher wird den Fantas zur nächsten Tour etwas einfallen, wie sie Smudo gefahrlos durch das Publikum crowdsurfen lassen. Was man will, geht immer.
 
Erfüllt fuhren wir beide nach Hause, saßen in der Küche, erzählten noch dies und das, die Uhr zeigte mittlerweile o.3o Uhr und wir gingen selig zu Bett.
 
Ein schöner gemeinsamer Abend, endlich mal wieder! Freundschaft, beginnend oder schon lange während, lebt einfach doch aus der Begegnung, nur telefonieren und schreiben reicht einfach nicht.
 
Ich lieb Dich Anouk Das Leben ist schön!

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