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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 20:07
Die Erinnerungen, die mir zu diesem Beitrag gekommen sind, haben ihre Anregung zum einen in der Anrede von Herrn Beuth an uns als Blogger: „Er spricht uns ja immer mit „Sehr geehrte Bloggergemeinschaft “ an! Das hat mir merkwürdigerweise immer einen kleinen Stich gegeben! „Bloggergemeinschaft ! Das Wort an sich ist es, was so manche Erinnerung an mein Leben geweckt hat. Zum anderen so manch kleiner Disput untereinander hier im Blog, der mich ein bisschen traurig macht. Darüber ist auch auch schon viel geschrieben worden.
 
Was ist Gemeinschaft, wie verhalte ich mich in Gemeinschaft, wie lebe ich Gemeinschaft. Unsere erste Gemeinschaft ist die, in wir hineingeboren werden, ohne dass wir Einfluss darauf haben, oder? Na ja, da gibt es ja viele religiöse, philosophische und esoterische Antworten drauf. Aber darauf will ich ja gar nicht hinaus! Dann kommt später die Gemeinschaft von Freunden, mit der man sich umgibt, die eigene Gemeinschaft, sprich Ehe und Familie, dann möglicherweise das Gemeinschaftsleben in Haus- und Nachbarschaft, Gemeinde und das alles ergibt dann ein Teil unserer Gesellschaft.Aber welche Erfahrungen macht man da so?
 
Ich erinnere mich an die Kindheit an eine Familiengemeinschaft, die keine war, geprägt von Verletzungen, Armut und Alleinsein in derselben. Als ich in die Pubertät kam und sah, was so auf dieser Welt passierte, habe ich mich verweigert! Bin radikal gegen Unrecht und Lieblosigkeit angegangen! Heiraten wollte ich eigentlich nie! Doch dann hat die Liebe gesiegt und da war sie dann plötzlich da, die erste kleine Gemeinschaft! Kinder sollten da nach meiner damaligen Auffassung nicht dazukommen. Zuviel Angst vor der Verantwortung, Angst, dass möglicherweise meine Kinder dasselbe erfuhren, wie ich! Aber auch hier hat es einen positiven Wandel gegeben. Das erste Kind verlor ich. Vielleicht war ich doch noch nicht reif. Aber dann klappte es und es kamen die Kinder mit zwei Jahren Unterschied zur Welt. Nun stand ich da, völlig hilflos und wusste nicht, wie ich diese Gemeinschaft leben sollte. Wie erziehe ich die Kinder, wie schaffe ich ein wirkliches „Familienleben“! Immer auf der Suche nach Werten und Idealen bin ich immer ein Stück weiter vorangekommen.
 
Die Familie zeigte mir meine eigenen Schwächen, vor allem die Kinder machten deutlich, wo es fehlte! Verzicht war angesagt, Rücksichtnahme und Disziplin! Die Rollen veränderten sich. Plötzlich war ich mehr Mutter, als Frau! Der Beruf wurde aufgegeben. Aber dadurch trat ich dann auch in Kontakt mit anderen Gemeinschaften! Sei es durch Kindergarten- und Schule, in Eltern- und Schulpflegschaften! Immer bemüht, auf der Suche nach meinem großen Ideal, Gemeinschaft zu leben, die sich auszeichnet durch ehrliche, offene und freundliche Kommunikation und Auseinandersetzung, bin ich ein Wanderer auf diesem Weg geblieben.
 
So kam es auch, dass ich hier in unserer Gemeinde in eine Glaubensgemeinschaft gegangen bin, um auf der Grundlage des christlichen Glaubens die für mich erstrebte und immer gesuchte ideale Gemeinschaft zu leben! Dort habe ich fast 15 Jahre gebraucht, dass auch das nur Illusion ist. Gegeben habe ich alles, meine Zeit, mein Geld, meine Kreativität, aber vor allem mein Herz. Als ich bemerkte, dass da einiges aus dem Ruder lief und hinterfragte, wurde ich immer mehr ins Abseits gedrängt. Es wurde keine Kritik erwünscht. Man hatte „gehorsam“ zu sein dem Wort des Katechisten gegenüber! Als es soweit kam, dass diese Gemeinschaft sich als die wahren Gläubigen präsentierten und ich da mit machen sollte und sogar missionieren sollte, habe ich mich verweigert. Ich bin kein Missionar. Ich wollte meinen Respekt und meine Hochachtung gegenüber allen Menschen und allen Religionen behalten. Ich hatte keinen Anspruch auf Alleingültigkeit. Wohin hat das geführt. Eines Tages wurde ich, mit drei weiteren Personen aus dieser Gemeinschaft verwiesen. Es hieß, die Gemeinschaft sei für uns gesperrt! Warum, außer, dass ich kritisch hinterfragt hatte, keine Kraft mehr hatte, den Leistungsanforderungen dieser Gemeinschaft zu entsprechen, habe ich mir nichts zu schulden kommen lassen. Man hatte mir auch vorgeworfen, zu offen, über die Probleme in dieser Gemeinschaft zu sprechen!
Von einem Tag auf den anderen, waren alle die, die 15 Jahre mit mir diesen Weg gegangen sind und deren Kinder ich gehütet und gepflegt hatte, nicht mehr für mich da. Sie ignorierten mich, wechselten die Straßenseite und hatten Angst ein Wort mit mir zu reden. Noch nicht mal den Mut hatten sie! Heute habe ich erkannt, dass ich es geschafft habe, aus einer sektenähnlichen Gemeinschaft innerhalb der katholischen Kirche herausgekommen zu sein und bin dankbar. Aber auch hier bin ich versöhnt, denn es war auch nicht alles schlecht, was ich dort erlebt hatte.
 
Geheilt bin ich aber trotzdem nicht! Immer noch strebe ich nach dem Ideal, dass eine Gemeinschaft ausmacht. Ich wünsche mir immer noch, dass Menschen, wenn sie sich begegnen, offen und freundlich aufeinander zugehen, dass sie sich bemühen, Missverständnisse und Unstimmigkeiten sofort zu klären. Dass immer alles aus dem Weg geräumt wird und sich keine Schulden anhäufen. Ich wünsche mir immer noch, dass jeder für den anderen da ist, ihm zur Seite steht, wenn er Hilfe braucht. Ich wünsche mir immer noch, dass man mit offenen Augen durch diese Welt geht, um wirklich zu sehen, wer mir begegnetund wie es ihm geht! Ich wünsche mir immer noch, ganz bei mir zu sein und nicht neidisch und missgünstig auf den anderen zu schauen. Ich wünsche mir genauso, dass der andere sich an meinem Erfolg freut, so wie ich mich an seinem Erfolg freue!
 
Aber eins habe ich trotz allem gelernt. An erster Stelle bin ich für mich selber verantwortlich und muss schauen, ob ich all das, was ich mir von anderen wünsche, auch selber in mir habe! Ich weiß heute, dass ich niemanden ändern kann, nur mich selber. Und manchmal besteht diese Änderung auch darin, anzunehmen, dass der andere mir nicht gut gesonnen ist, dass er kalt und hartherzig ist, dass es ihm nicht darum geht, in guter Kommunion mit mir zu sein. Und dann bin ich herausgefordert, ihn nicht zu urteilen und ihm immer wieder neu offen zu begegnen.
 
Allein bin ich nicht geblieben, ich hab ja die Familie und ich freue mich heute daran, dass ich all diese Werte, die ich mir hart erarbeitet und erkämpft habe, weitergeben konnte. Ein Leben in Gemeinschaft ist die größte Herausforderung überhaupt. Wenn wir nicht in unseren kleinen Gemeinschaften leben können, wie wollen wir dann die Welt verändern! Ich frage mich oft, wenn ich in Statistiken lese, dass immer mehr Menschen allein leben, sind wir zur Gemeinschaft nicht mehr fähig, sind wir zu sehr Egoisten geworden? Aber ich glaube, dass solche Statistiken auch ein verfälschtes Bild abgeben. Unser Flexilibitäts- und Mobilitätszwang, was den Arbeitsmarkt betrifft, erzwingt ja heute geradezu oft ein ungewolltes Alleinleben.
 
Gemeinschaft: miteinander leben, aufeinander zugehen, dem anderen den Vortritt lassen, sich aneinander und übereinander freuen. Das wünsch ich mir, auch hier: im Blog!
 
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, steht in der Bibel! Und es ist die größte Herausforderung unseres Lebens in Beziehung zum anderen zu treten. Vielleicht ist das ja schon der Sinn des Lebens!
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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 20:06
Komme gerade von der Arbeit. Erster Gang ist immer an den Briefkasten. Er ist mal wieder ziemlich voll, Werbung, aber auch viel an „Familienbürokratie“ Man denkt, endlich zuhause und dann geht es weiter, Finanzamt, Krankenkasse, Fragen beantworten. Puh, erstmal weglegen. Telefon bimmelt, soll ich ran gehen? Na ja, man weiß ja nie, kann ja wichtig sein! Mutter dran, ohne zu fragen, wie es mir geht, gleich die volle Ladung ihres Problems mit der toten Katze! Ich geh während des Telefonates durch die Wohnung, bin noch halb bei der Arbeit, halb erst wieder zuhause, halte immer noch einen Brief in der Hand. Telefongespräch endlich zu Ende! Dann schau ich auf den Brief, den ich in der Hand halte. Er ist von einer Organisation, die sich WWF nennt. Groß auf dem Briefumschlag ist ein Affe zu sehen und der Spruch:“Retten sie seine Welt! Ich setze mich auf den Stuhl und fühl mich wie erschlagen! Das auch noch! Die ganze Zeit bin ich schon mit all den Fragen, die hier im Blog so durch den Äther schwirren, was kann ich tun, wie kann ich etwas dazu beisteuern, dass meine, unsere Welt lebenswerter, gerechter und harmonischer wird.
 
Sitze da, denke und denke! Ich hab von Politik nicht den großen Durchblick! Ich bin auch in keiner Organisation, in der man sich für irgendetwas einsetzt. Gut, ich hab viel in der Gemeinde ehrenamtlich gemacht und wo ich Ungerechtigkeiten sehe, greife ich immer ein. Hilfsbereit bin ich sowieso, Familie, Freunde, Nachbarn und jedem gegenüber, der mir gegenübersteht. Aber gerade in diesem Moment fällt mir eine Geschichte ein.
 
Vor Weihnachten war ich in einem großen Elektro-Markt, der auch eine Fotoabteilung hat, um noch schnell die Fotos entwickeln zu lassen, die ich jemandem schenken möchte! Eine lange Schlange steht vor dem Schalter. Die Leute sind hektisch, ich spüre Aggression um mich herum! Ich stehe eine ganze Weile und sehe den Frauen zu, die die Kunden bedienen! Bilder scheinen nicht fertig geworden zu sein, falsch entwickelt worden zu sein, zu hell, zu dunkel, zu klein! Und da hör ich, wie ein Kunde eine Dame regelrecht verunglimpft! Seine Bilder sind anscheinend weg! Nach mehrmaligem Suchen unter der vergebenen Nummer tauchen sie trotzdem nicht auf! Der Kunde wird beleidigend, beschimpft die Dame mit den Worten:“ Sind sie zu blöd, ein paar Bilder richtig einzusortieren!“ Die Frau ist völlig fertigt. Ich sehe ihr an, dass sie Tränen in den Augen hat! Sie tut mir echt leid! Endlich bin ich dran, bei der gleichen Frau, gebe meine Bilder ab und bekomme mein Nümmerchen.
 
Drei Tage später mach ich mich auf den Weg zum selben Geschäft, um sie abzuholen. Unterwegs fällt mir wieder die Geschichte ein. Ich halte inne und statte zuerst einem Blumengeschäft einen Besuch ab. Kaufe eine schöne große Sonnenblume! Damit begebe ich mich dann zum besagten Geschäft.
 
Wieder eine Schlange, Wartezeit 10 Minuten. Endlich bin ich dran, gebe meinen Schein ab und bekomme sofort die entwickelten Bilder! Ich packe sie aus und bin voller Freude, sie sind gut geworden. Ich bedanke mich bei ihr, zahle meinen Obolus, sag ihr freundlich „Danke“ und übergebe ihr wortlos meine schöne leuchtende Sonnenblume! Sie fällt fast in Ohnmacht! Was ist das denn, will sie wissen? Ich antworte ihr:“Ach nur so, sie haben sicher schwere Tage hinter sich und noch vor sich. Außerdem habe ich vor drei Tagen mitbekommen, dass sie so furchtbar angeschimpft worden sind“! Sie erinnert sich und da schießen ihr doch tatsächlich Tränen in die Augen! „Ja, sagt sie, der Mann war wirklich furchtbar“! Er ist böse abgezogen und am anderen Tag wiedergekommen mit dem richtigen Zettel. Er hatte einen alten Zettel in der Tasche gehabt! Es war gar nicht ihre Schuld! Manoman, denk ich! „Hat er sich denn entschuldigt“, frag ich sie“? „Nee“, erklärt sie mir, hat seine Bilder genommen und ist wortlos gegangen"!
 

Mit der Blume in der Hand steht sie jetzt völlig überrascht, aber irgendwie glücklich vor mir und sagt noch:“Ach , wissen sie, das wäre ja alles gar nicht so tragisch, aber ich hab im Moment eine Menge privater Probleme mit den Kindern und der Mutter, und da bin ich halt so nah am Wasser gebaut“! Ich antworte ihr:“ Das kann ich verstehen, kenne ich auch“! Darauf verabschiede ich mich von Ihr und wünsche Ihr noch viel Kraft für den anstrengenden Dienst und ein frohes Weihnachtsfest“!
 
Auf dem Stuhl sitzend, nachdem mir die Geschichte eingefallen ist, denk ich drüber nach, ob ich damit die Welt verbessert habe! Ich weiß es nicht! Vielleicht nicht im großen ganzen Gefüge, aber ihre Freude habe ich ihr angemerkt und vielleicht hat sie die ja mit nach Hause genommen und sie hat noch ein bisschen angehalten. Ich hab sie halt einfach nur wahrgenommen, als „Mensch“!
 
Noch mal auf den Satz auf das Couvert schauend denke ich, ach ja, „Welt verbessern“! Große Worte, ich fang mal ganz klein damit an!
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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:58

Um 08.00 Uhr fahren wir los. Die Mama hinten im Auto. Seit wir auf der Autobahn sind, redet sie ununterbrochen. Warum? Will sie ihre Angst überspielen? Um 09.30 ist die Beerdigung. Eine Stunde Fahrzeit, wenn alles gut geht! Im Radio die Verkehrsdurchsage, Gott sei Dank Staus nur auf der Gegenfahrbahn. Wir fahren an den LKW´s vorbei, Fetzen von Musik tönen aus dem Lautsprecher und meine Mama hört immer noch nicht auf zu reden. Ich bin müde, will ruhig sein und mich auf die Beerdigung einstellen. Meine Gedanken schweifen zurück und ich werde nervös, merke dass ich ihr gegenüber gereizt werde. Ich will das nicht. Jetzt so kurz vor der Beerdigung. Im Angesicht des Todes will ich keine Auseinandersetzung mit der Mutter. Es lohnt auch nicht, weil sie es sowieso nicht versteht. Meine Gefühle sind meine Gefühle und meine Mutter ist meine Mutter, so wie sie ist.
 
Wir kommen an. Holen das Gesteck, das größer geworden ist, als ich beabsichtige, aus dem Kofferraum. Ein bisschen schäme ich mich sogar deswegen, was sollen wohl die anderen denken. Merkwürdige Gedanken vor einer Beerdigung. Kann mir doch egal sein. Ich will mich sammeln, aber da stehen schon einige Verwandten und Freunde vor der Kirche. Ich gehe erstmal rein und der Anblick der Urne schockt mich ein wenig. Ich hatte noch den Mensch vor Augen. Jetzt ist da nur noch ein Häufchen Asche übrig. Ich bin froh, dass seine Frau meinen Rat angenommen hat, ein Foto von ihm daneben zu stellen. Das hilft mir. Ich gehe wieder raus. Verkrampfte Gespräche werden begonnen. Niemand traut sich zu lächeln. Warum nicht. Ich spüre, dass die meisten weit weg sind vom Toten. Nur die Frau und der Sohn scheinen fast zu zerbrechen.
 
Meine Mutter hört nicht auf zu reden. Sie läuft auf alle zu und versucht ihre Unsicherheit und ihre Angst mit dem Reden zu übertönen. Dann gehen wir rein. Er war evangelisch. Kein Kreuzzeichen. Komisch, das gerade das mir jetzt fehlt. Es geht von einem Gebet ins nächste, wenig Worte zum Verstorbenen, nur das er für andere da war. Immer! Dann soll gesungen werden. Befiehl Du Deine Wege, ein Lied aus dem 16ten Jahrhundert. Die Orgel setzt ein und ich merke, dass mich das reizt. Es passt nicht. Niemand singt mit. Keiner kennt den Text. Wie immer. Warum hören die nicht auf damit, denke ich. Warum nicht was anderes, was zum Leben des Verstorbenen passt.Oder Hoffnungsvolles!
 
Am Ende des Gottesdienstes dann ein Lied, dass sich der Verstorbene gewünscht hat. Ich bin ein klein wenig überrascht, denn zuerst wollte die Pfarrerin das Lied wohl nicht. Ich dreh mich rum und sehe die verlorenen Gesichter der anderen. Staunendes Schweigen, Angst vor der eigenen Sterblichkeit, Tränen, die ihnen selber gelten. Ich weine nicht. Kann nicht! Das Lied erklingt. Ich bin geschockt. Das ist das Gegenteil von dem, was ich zuerst hinterfragt habe. Ein deutscher Schlager, er handelt von verlorener Liebe und dem Trotz es auch ohne zu schaffen. Ein blöder Schlager, und doch passt er. Ein Leben ohne Fundament der Mutterliebe und trotzdem gekämpft. Meine Interpretation, aber vielleicht lieg ich da falsch. Es ist zu Ende.
 
Kann ich eine gewisse Erleichterung spüren, ich weiß es nicht! Wir gehen hinter der Pfarrerin her. Der Bestatter trägt die Urne mit dem, was übrig geblieben ist. An der Grabesstelle bleiben alle zurück. Niemand will sich der Stelle nähern. Angst? Vor dem Blick in das Loch?
Die Pfarrerin spricht das Vater unser! Ich bin erstaunt. Das kennen noch alle! Was sich so jeder dabei denkt? Vergib uns unsere Schuld?, wie auch wir vergeben? und führe uns nicht in Versuchung? sondern erlöse uns. Glaubt das hier einer? Denkt da je einer darüber nach? Und wenn nicht, was soll das denn?
 
Seine Frau bricht zusammen. Einige gehen auf sie zu. Beileidsbekundungen werden gemacht. Ich nehme sie in den Arm, kann aber das Wort nicht aussprechen! Beileid? Heißt das ich bin bei Deinem Leid? Ich bleib stumm!
Selbst die Pfarrerin ist schnell verschwunden. Wir bleiben uns selbst überlassen.
 
Wir fahren zur Frau und Sohn nach Hause. „Leichenschmaus“ nennt man das. Merkwürdiges Wort! Der Kaffee duftet und Brötchen sind auch gemacht. Eigentlich ist es schön, bei ihm zu Haus zu sein. Aber keiner spricht von ihm. Der übliche Smal-Talk beginnt. Ich stelle einfach die Frage in den Raum: Warum gerade das Lied? Keine Antwort! Ich gebe meine Interpretation dazu. Ich werde angeschaut, als ob ich etwas Verwerfliches gesagt hätte. Nie gehabte Mutterliebe? Das will keiner hören. Jetzt doch nicht. Ich fühl mich mal wieder wie ein Störfaktor! Ich ärgere mich über mich selber! Ich würde gern Bilder sehen. Von ihm. Aber es sind wenig zur Hand. Es dauert eine halbe Stunde und dann ist der Tote erstmal vergessen.
 
Ich packe meine Mutter ein, die während der Fahrt weiterredet. Ich höre ihr nicht zu. Zuviel schwirrt in meinem Kopf. Ich setze sie vor der Türe ab, sie will nicht mehr, dass ich mit hineingehe. Zuhause angekommen, klingelt das Telefon. Meine Mutter aufgelöst. Eine ihrer Katzen liegt tot im Hausflur. Ich bin erschrocken. Hat sie nicht gesagt, sie kann erst sterben, wenn ihre Katzen tot sind. Zufall oder Vorbote? Ich brauch jetzt Zeit zum Nachdenken.
 
Eine Beerdigung, ganz normal, so wie sie eben ist mit all den Menschen und ihren Gefühlen, ihren Verdrängungen und ihren Ängsten vor dem eigenen Tod.

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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:54
Warum das so ist? Ich weiß es nicht! Ich weiß nur, dass ich nicht anders kann! Das Bild geht mir nicht mehr aus dem Kopf.
 
Heute Morgen lese ich im KSTA auf der Panoramaseite, ganz unten links, einen kleinen unscheinbaren Artikel über einen 59 Jahre alten Mann, der sieben Jahre tot im Bett gelegen hat. Unbemerkt! Von Niemandem!
 
Seit dem kann ich an nichts mehr anderes denken. Immer wieder taucht ein Bild vor meinen Augen auf. Von einem Menschen, denn ich nicht kannte. Ein Mann, nur sieben Jahre älter als ich. Nicht mehr jung, und auch noch nicht alt! Wie kann das sein? In meinem Bauch und in meinem Herzen sind Trauergefühle. Für Jemanden, den ich nicht kenne. Ich stelle mir vor, wie er gelebt haben muss. Unbemerkt! Von Niemandem! Keine Nachbarn? Klar, er muss doch Nachbarn gehabt haben. Keine Bekannten! Keine Freunde! Meine Mutter fällt mir ein. Wenn sie mich und meinen Bruder nicht hätte, würde es ihr sicher genau so ergehen!
 
Keine Freunde. Wie kann man keine Freunde haben? Niemanden, der einen wahrnimmt, keinen einzigen Menschen. Denn so ist das wohl bei ihm gewesen. Meine Gedanken rattern! Da leben andere Menschen neben ihm. Sie gehen an ihm vorbei. Sehen ihn nicht. Machen sich keine Gedanken darüber, wer dieser Mann wohl ist. Was er macht. Wovon er lebt. Bin ich allein mit solchen Gedanken?
 
Da wollen wir etwas verändern. Da beschäftigen wir uns mit Fragen wie Klimaschutz! Oder wir wissen Bescheid darüber, wie es jetzt wohl in Frankreich weiter gehen wird. Politisch. Mit dem neuen Präsidenten. Aber den Mann oder die Frau neben uns, sehen wir nicht. Wir sind Gefangene unseres eigenen Lebens. Unserer eigenen Ziele. Unserer eigenen Probleme.
 

Freunde! Wieso hatte der keine Freunde? Mit wird bewusst, wie schnell man das Wort „Freunde“ in den Mund nimmt. Wer ist mein Freund? Jemand denn ich lange kenne? Jemand den ich erst zwei Jahre kenne kann ich den schon Freund nennen? Was weiß ich schon vom anderen!
 
Sieben Jahre unentdeckt. Irgendwann hatte er keine Miete mehr bezahlt. Was war mit seinem Vermieter. Hatte der nicht versucht, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Und wieso hat das so lange gedauert. Also, wenn ich meine Miete drei Monate nicht mehr zahle, dann stünde mein Vermieter doch vor der Türe.
 
Als die Vollstreckungsbeamten nach sieben Jahre die Wohnung betraten, fanden sie einen Brief. Ein Letztes Zeichen des Kontakts zur Außenwelt. Zigaretten lagen da, eine aufgeschlagene Fernsehzeitung und etwas Kleingeld neben seinem Bett. Es waren noch D-Mark. Keine Anzeichen von Selbstmord oder einem Verbrechen. Keine Sensation!
Nur ein Mensch, ein Mann, nicht mehr jung, nicht mehr alt, der mittendrin in seinem einsamen Leben, einfach gestorben ist. Was wollte er sich wohl noch im Fernsehen anschauen. Was wollte er wohl noch mit dem verbliebenen Kleingeld kaufen?
 
Jetzt sitze ich hier und schreibe und denke an einen, den ich nicht kannte. Es beeinflusst auch mein Leben! Jawohl! So eine Nachricht hat etwas mit mir zu tun! Sehe ich meinen Nächsten? Interessiere ich mich für den Nachbarn? Für die Frau, die nebenan wohnt, deren Mann vor zwei Jahren an Krebs verstorben ist. Was muss in einem Leben eines Menschen passiert sein, der sich so zurückgezogen hat. Der von niemandem mehr beachtet wurde. Und was passiert im Leben der Menschen, die neben ihm hergegangen sind. Die ihn gesehen haben und doch nicht bemerkt haben. Gab es Hilfeschreie! Und warum hat sie niemand gehört.
 
Wieso muss ich weinen, um einen den ich nicht kenne. Wenn ich in mein Innerstes schaue, weiß ich warum ich weine. Einfach so. Nicht nur wegen dem Mann. Sondern wegen all der großen und kleinen Lieblosigkeiten. Wegen dem Hass, der einem manchmal entgegenkommt. Wegen dem Neid, der Respektlosigkeit und dem Egoismus, der in der Welt herrscht. Ich trauere darum, weil man sich so viel kümmern will. Aber nicht um das, was so nah liegt.
 
Schade, dass dieser Artikel so klein, so unscheinbar neben dem anscheinend so viel wichtigeren Thema des Eurovision Song Contests steht. Mal wieder ein Zeichen, was für die meisten wichtig ist. Mal wieder ein Zeichen, dass wirkliches Leben nicht interessiert. Aber nur diese Geschichten bringen uns zum Nachdenken, oder! Nur diese Ereignisse spiegeln unser eigenes Verhalten. Der Song Contest will nur unseren Blick stehlen, auf das, was wirklich wichtig ist im Leben und wohin wir oft nicht schauen wollen.
 
Sind wir alle zu Stein geworden, dass wir den Nächsten nicht mehr sehen?
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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:47
Herr Müller spricht mit seinem Nachbarn seit langem kein Wort mehr: Nicht mal ein Gruß ist möglich. Sie gehen sich aus dem Wege, wann immer sie sich sehen. Die Vorgeschichte:“ Der Nachbar hatte in Unkenntnis die Blume von Herrn Müller, die im Hof stand, mit Pflanzenschutzmittel besprüht. Daraufhin ist sie eingegangen. Der Nachbar konnte ihm nicht verzeihen. Auch eine Entschuldigung hat er nicht angenommen. Man lebt seither als Feinde nebeneinander. Eine relativ harmlose Variante menschlicher Unfähigkeit Frieden zu schließen wegen eines m.E. nichtigen Vorfalls.
 
In meiner Familie gab es häufig beleidigende Verletzungen dem Anderen gegenüber! Das Resultat: Auch hier spricht man nicht mehr miteinander!
 
Vor einigen Jahren las ich die Geschichte einer Mutter, deren Sohn von einem Mann in der Nacht überfallen wurde und der ihn dabei getötet hat. Es kam zum Prozess! Der Mann zeigte keinerlei Reue! Trotz allem hatte die Mutter, obwohl sie noch immer unter dem Verlust heftigste litt, dem Mörder vergeben! Ich weiß noch, dass mich das damals sehr bewegte! Der Täter wiederum wurde einige Zeit später von Reue überwältigt und konnte sich bei der Mutter entschuldigen. Man konnte später sogar Bilder in den Medien sehen, wo sich beide umarmten.
 
In einer Beilage der Zeit las ich vor einige Zeit eine Geschichte über den Völkermord der Tutsi und Hutus. Nachbarn beider Völkergruppen, die friedlich nebeneinander lebten, ermordeten sich gegenseitig. Als der Frieden geschlossen wurden, lebten die Menschen wieder als Nachbarn zusammen, zwar noch zögerlich aber der Alltag kehrte wieder ein. Ein Hutu wiederum hat dann später der Frau seines ehemaligen Nachbars, ein Tutsi, unter Reue gestanden, dass in diesem schrecklichen Völkermord, er es gewesen sei, der ihren Mann ermordet hatte. Unfassbar! Trotz allem hatte die Frau ihm eines Tages vergeben können. Und das weitere Unglaubliche an dieser Geschichte war, dass sie ihn später sogar geheiratet hat.
 
Ich habe mir über beide Geschichten sehr viel Gedanken gemacht. Hat dieses Gebaren etwas in dieser Welt verändert?
 
Sehr schnell erkannte ich, Ja! Etwas Unglaubliches ist möglich! Es hat mir gezeigt, dass es eine Art der Freiheit gibt, die anders ist, als dass, was man normalerweise unter Freiheit versteht.
 
Luise Rinser, hat das das einmal in einem ihrer Bücher mit „den Wolf umarmen“ beschrieben. Sie schrieb von ihren Auseinandersetzungen mit dem Vater und den erlittenen Verletzungen, die sie erlitten hat. Dieses Buch hatte mich sehr berührt, denn auch ich kann von solchen Verletzungen erzählen.
 
Unsere Welt und unser Miteinander ist geprägt von gegenseitigem Verletzen und verletzt werden. Meistens ist es so, dass der, der verletzt wurde, dem anderen nicht verzeihen kann, nicht mit ihm ins Gespräch kommen kann, weil er sich selber in der Position sieht, dass er das nie tun könne und würde.Zu stark ist er von seinen Gefühlen beherrscht. Der Haß, kann nicht überwunden werden.
 
Aber das ist ein Irrtum. Mit ist klar geworden, dass wir alle die gleichen Menschen sind. Mit den gleichen Neigungen zu guten und bösen Handlungen. Sehr schnell wurde mir dann auch klar, dass letztendlich die bösen Taten aus dieser Welt nicht verschwinden werden, sondern dass sich etwas anderes ändern muss im Miteinander der Menschen.
 

Aber was? Wieder und wieder dachte ich über die Motivation der beiden Menschen nach, in den oben genannten Beispielen! Zuerst einmal musste in ihnen wohl der Prozess entstanden sein, dass die Wunde, aus der Verletzung resultierend, aufgehört hatte, zu bluten. Dann wiederum mussten sie erkennen, dass sie ebenfalls an anderen Stellen andere Menschen verletzt haben. Dann weiter musste ihnen klar geworden sein, dass auch in ihnen ein Aggressionspotential solcher Art wohnte, die sie genau so handeln lässt, wie sie es selber erfahren haben. Dass sie in eine Situation kommen könnten, wo sie sich nicht mehr unter Kontrolle haben. Denn, abgesehen von wirklich anderen psychischen Störungen und Verwahrlosungen, kann jeder Mensch in die Lage kommen, etwas zu tun, was er niemals für möglich gehalten hätte.
 
Der Mensch kann fremdbestimmt und fremdgesteuert zu Handlungen fähig sein, wie es die Geschichte immer wieder gezeigt hat, die uns immer wieder erschrecken. Aber wir machen einen großen Fehler, zu denken, dass das woanders passiert, weit weg, außerhalb von uns. Nichts mit uns zu tun hat.
 
Das ist der Irrtum! Der Mensch an sich ist gut und böse, kann Leben retten und kann Leben nehmen. Er kann im ganz normalen Alltagsleben andere verletzen und verletzt werden. SO einfach ist das!
 
In Anbetracht dieser Erkenntnis ist es dann wohl eher möglich, dem anderen zu vergeben! Sich darum zu bemühen, mit dem Feind ins Gespräch zu kommen, sogar einen Frieden zu schließen. Sogar wieder miteinander einen respektvollen Umgang zu pflegen. Fr mich hat in diesem Zusammenhang ein Wort eine große Bedeutung bekommen: das Wort „DEMUT“!
 
Mut zu haben, dem anderen zu sagen, wie weh seine Verletzung getan hat und wie sehr sie ihn leiden lässt. Aber auch Mut zu haben, ihm zu vergeben, einen neuen Anfang zu machen. Mut zu haben, auch mit der Perspektive, dass es immer wieder zu neuen Verletzungen kommen kann, ihm trotzdem nicht aus dem Wege zu gehen, sondern sich immer wieder neu vertrauensvoll auf ihn zu zubewegen. In der Hoffnung, dass diese nicht enttäuscht wird.
 
Nur so, ist mir klar geworden, verändert sich etwas in dieser Welt. Vielleicht nicht im Großen und Ganzen, aber in der kleinen Welt in der ich mich bewege. Auch wenn ich dafür dumm und naiv gehänselt werde.
 
Ein Wolf flößt uns in der Regel Angst ein! Er wird mit Aggression und Angriff in Verbindung gebracht. Daher ist er ein gutes Bild für den Menschen. Auch wir haben Aggressionen in uns und unsere Beziehungen sind davon geprägt. Aber wir ändern etwas, wenn wir in der Lage sind, den Wolf zu umarmen!
 
Und vor allen Dingen ernten wir eines: Inneren Frieden!
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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:46
Seit 12 Jahren begegne ich ihr immer wieder. Eine kleine, dicke Frau. Alter? Ich kann es schlecht einschätzen! Vielleicht Mitte 50, Anfang 60. Wo sie wohnt, weiß ich! Mal hier mal dort!
 
Hauptsächlich im Sommer hat sie aber einen kleinen Bereich in einem Grünstreifen am Hansaring gegenüber des dort gelegenen kleinen Parkes! Direkt an der Straße! Das erste Mal, als ich sie sah, kam ich mit dem Rad an ihr vorbei! Ich hielt kurz, sprach sie an, um sie zu fragen, was sie da mache! Aber sie verstand mich nicht!
 
Wer mag sie sein! Jeden Tag fuhr ich an ihr vorbei! Was mir auffiel, sie pflegte ihren kleinen Platz. Sie hat so einen kleinen abgetrennten Reisigbesen, der in ihrer Tasche steckte, mit dem fegte sie ihr kleines Areal sauber.
 
Oft sah ich sie dort beim Häkeln sitzen. Manchmal strickte sie. Auf dem kleinen Mauerchen war manchmal ein Tuch ausgebreitet, darauf hatte sie ein wenig zu essen. Fuhr ich abends an ihr vorbei, hatte sie sich mit ihrer JAcke bedeckt und schlief. Ob sie keine Angst hat, fragte ich mich oft? Ob ihr schon mal jemand was getan hat?
 
Wenn dann der Winter erbarmungslos seinen Einmarsch hielt, war sie plötzlich verschwunden. Vor allem bei Regen und Schnee. War es aber trocken, war sie wieder da. Dick eingewickelt!
 
So geht das jetzt schon seit 12 Jahren. Ich frage mich, ob sie wohl mal krank war, zwischendurch? Ob ihr dann geholfen wird? Ich hab den Eindruck, sie macht alles mit sich alleine aus! Vielleicht wird sie ja auch nicht krank. Immer dem Wind und Wetter ausgesetzt, ist sie vielleicht abgehärteter als so mancher Zeitgenosse!
 
Ich frage mich, ob sie glücklich ist? Ich frage mich, ob sie noch jemand außer mir einmal angesprochen hat? Ob möglicherweise Sozialarbeiter der Stadt oder andere Hilfsorganisationen auf sie aufmerksam geworden sind! Hat sie denn keine Wünsche an das Leben?
 
Hat sie wirklich niemand bemerkt, außer mir? Oder will sie gar keine Hilfe. Was tut sie den ganzen Tag? Wenn ich sie sehe, tut sie das, was ich oben beschrieben habe. Manchmal sitzt sie auch nur da und schaut. Was denkt sie wohl? Über sich und die Welt, die sie wahrnimmt.
 
Ob sie wohl geliebt wird. Von irgendjemanden! Und wenn nicht? Wie kann man ohne Liebe leben, ohne Zuneigung, Anerkennung und freundliche Worte.
 
Sind ihre Gefühle abgestumpft, verdrängt, nicht mehr zu finden? Sie macht auf mich den Eindruck, als wenn sie völlig in ihrer eigenen Welt lebt. Das Geschehen um sie herum, nimmt sie nicht war! Sie wird nichts wissen, von den Kriegen auf der Welt, oder doch? Sie wird nicht wissen, welche Partei zurzeit die Regierung bildet. Sie war bestimmt noch nie im Kino! Ob sie Musik liebt?
 
Aber vielleicht irre ich mich, mit all meinen Gedanken und Fragen über sie. Vielleicht ist sie einfach nur eine Frau. Gestrandet! Aus dem Leben hinausgeworfen. Welches Schicksal sie hierhin geführt hat, an diesen Ort, wo sie sich häuslich eingerichtet hat.
 
Manchmal entdecke ich in mir sogar eine Sehnsucht! Vielleicht ist das ja auch eine Art von Freiheit. Einfach Leben! Sich um nichts kümmern müssen. Kein Gepäck mit sich herumschleppen. Keine Miete, kein Stromrechnung, kein Telefon, keine Versicherungen. Doch, ehrlich, wenn ich mich so hinterfrage, kommt so eine kleine Sehnsucht auch in mir hoch.
 
Nur das zu haben, was ich anhabe, vielleicht eine zweite Garnitur. Und dann einfach losmarschieren und irgendwo Halt zu machen! Kurz zu bleiben, mich umschauen, sehen was ist und was nicht . Damit zufrieden sein! Ich kann ja doch nichts ändern.
 
Eine alte, kleine dicke Frau. Anscheinend heimatlos. Aber sie bedeutet mir viel. Vor ein paar Tagen habe ich sie sogar in Nippes gesehen. An der inneren Kanalstraße. Manchmal steht sie am Container und holt Flaschen raus. Oder sie wühlt in einer Mülltonne!
 
Die Frau und ich, haben etwas gemeinsam! Ich versuche dem auf die Spur zu kommen. Es ist nicht nur meine eigene Sehnsucht nach mehr Freiheit von all den Alltagslasten, dem für mich manchmal sinnlosen Koffer, den ich mit mir rum trage und der mir oft viel zu schwer wird! Es ist noch etwas anderes!
 
Die alte Frau und ich haben auf jeden Fall eines gemeinsam! Wir leben zwar in anderen Welten, aber die Würde, die wir mit unserem Leben ausstrahlen, ist die gleiche. Denn dass ist das Verwunderlichste an ihr: Sie strahlt eine Würde aus, die mich sehr fasziniert. Sie macht auf mich den Eindruck, als wenn sie in sich ruht. Sie lässt sich nicht ablenken. Geht einfach durch den Tag!
 
Vielleicht fällt Sie Ihnen ja auch mal auf, diese kleine alte Frau! Vielleicht hat Sie Ihnen ja auch was zu sagen!
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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:45
Es ist immer wieder die gleiche Frage, die ich mir stelle in Situationen, wo es nicht mehr weitergeht, wo ich den Eindruck habe, ich werde nicht verstanden, es hat doch alles keinen Zweck mehr:“Soll ich mich da noch einbringen“? Hat das überhaupt einen Zweck? Soll ich mich weiteren Verletzungen stellen? Oder gar in Kauf nehmen, durch Ärger, Missmut selber Verletzungen zu zu fügen?
 
Wenn ich in die Welt schaue, in meine nähere Umgebung, sehe ich sehr viel Rückzug! Man hat sich aufgegeben, dann auch den Nächsten. Man bleibt für sich.
Ein gutes Beispiel war immer meine Mutter. Mein Vater starb mit 48 Jahren. Sie hat viel erleiden müssen! Als er starb hätte sie alle Möglichkeiten der Welt gehabt, ein ganz anderes Leben zu führen. Sie war noch jung! Aber die Verletzungen waren so schwer, dass sie aus Angst vor allen anderen Menschen, die sie möglicherweise verletzen könnten, den Rückzug angetreten hat in eine Welt, in der nur noch der Fernseher, ihre Katzen und sie selber existierte. Mich, ihre Tochter, nimmt sie jetzt erst in den letzten Jahren wahr. Sie ist jetzt sehr krank und weiß, dass es zu Ende geht. Vor ein paar Tagen sagte sie mir:“Wenn der Papa nicht so gewesen wäre, hätte ich mich nicht so zurückgezogen“! Erkennt sie jetzt, dass sie sich von einem Dämon beherrschen hat lassen, der sie am Leben hindern wollte!
Solche Beispiele gibt es an der Vielzahl.
 
Auch ich hab ja selber so viele einschlägige Erfahrungen gemacht in Gemeinschaften, mich eingebracht, alles gegeben, mein Herz, mein Wort, meine Gedanken, meine Gefühle und das Materielle und immer wieder ist es zu Enttäuschungen gekommen! Ich kenne solche Situationen, in denen man innerlich zusammenzuckt und denkt:“Schluß! aus! Das war?s jetzt! Ich mach das nicht mehr, hat ja keinen Zweck“!
 
Auch hier im Blog, der sich ja „Community“ nennt, also Gemeinschaftsanspruch erhebt! Zum Thema „Gemeinschaft“ hab ich ja schon mal geschrieben. In dieser virtuellen Gemeinschaftswelt ist aber alles noch einmal anders! Man sieht den Menschen nicht, begegnet ihm nicht im realen Alltag. Man sieht nur seine Worte, Vermutungen, Projektionen, die man an den Menschen, der dahinter steht, anwendet, erfahren auch hier oft eine Täuschung! Nun ist das ja sowieso schwer, aus einem Wort die wirkliche Gesinnung herauszulesen. Hat derjenige jetzt aufgewühlt, verärgert oder enttäuscht diesen oder jenen Kommentar geschrieben? Will er mich möglicherweise angreifen!? Wenn ja, warum?
 
Ich stelle immer wieder fest, dass es nichts anderes gibt, um dem Anderen näher zu kommen, ihn kennen zu lernen, wenn man nicht mit ihm ins Gespräch kommt. Mich nicht zurückzuziehen, auch wenn es schwer fällt. Was hatte ich dann gedacht? Am Anfang, als ich in den Blog kam? Das die Bloggerwelt eine fairere ist, als die, die ich im Alltag erlebe. Mein Sohn hat mich vielfach gewarnt. Mutter, du kannst da nicht einfach schreiben, wenn du nicht damit rechnest angegriffen, nicht verstanden zu werden! Es laufen einfach zu viel Spinner durch das Netz!
 
Aber wie gehe ich jetzt weiter damit um? Stellen wir uns nicht alle immer wieder vor die Frage, gehe ich auf den Nächsten noch ein? Ich gebe zu, mich erfasst immer ein kleiner Tod, eine Traurigkeit, wenn ich sehe, dass so vieles an „nicht wirklich Wichtigem“, dazu führt, dass Menschen nicht mehr miteinander sprechen, sich zurückziehen. Auf ihrem Recht beharren! Den Standpunkt des anderen nicht durchleuchten, zu versuchen in seinen Schuhen zu gehen, Vielleicht ist das ja das Wichtigste überhaupt, der Versuch sich in die Gefühlswelt, die Gedanken und in sein Leben zu versetzen, um ihm und sich selber ein Stück näher zu kommen! Sich neu zu erfinden! Warum muss ich jemand ablehnen, nur weil er eine andere Meinung hat? Warum muss ich aggressiv werden, wenn er die meinige nicht annimmt.
 
Genau das ist doch der Grund von entweder Rückzug oder Cliquenbildung. Ich such mir halt vermeintlich „Gleichgesinnte“ die mir den Rücken stärken, dann hab ich möglicherweise die Kraft, gegen den ganz „Andren“ anzugehen!
 
Das Leben in einer Gemeinschaft, ob real oder virtuell, ist sehr zerbrechlich und ich hab mal wieder erneut festgestellt, dass der Tod einer Gemeinschaft mit dem Rückzug beginnt. Ich weiß aber auch, dass es eine große Seelen- und Geisteskraft braucht, um dem standzuhalten! Und wie oft hab ich nicht im Leben erfahren, dass aus vermeintlichen Feinden „Freunde“ geworden sind. Und dass diese Beziehungen mit mehr wert sind als alles andere! Weil ich sie mir erkämpft habe, nicht aufgegeben habe!
 
Vielleicht ist der Kampfgeist im Menschen in der heutigen Zeit erloschen, dem Anderen zu begegnen. Gibt es doch nichts Schöneres, als jeden Tag ein Stückchen mehr vom anderen zu verstehen! Daher ist es nach meiner Meinung nach das Wichtigste überhaupt, ihn nicht zu verurteilen, ihn in eine Schublade zu stecken, sondern immer wieder neu auf ihn zuzugehen! Sonst bleiben wir alle Egoisten, gefangen in uns selber, gut darauf bedacht, in der Deckung nicht verletzt zu werden, aber aus der Deckung heraus den anderen zu bekämpfen!
 
Ich stelle mir das immer als Bild vor. Wir hocken in unserer Höhle, dann klingelt es, jemand steht vor der Tür. Ich schaue ihn an, höre was er zu sagen hat! Je nachdem, ob es mir gefällt, bitte ich ihn herein! Ansonsten Tür zu, auf Wiedersehen, das war?s. Klingel doch woanders. Aber ist nicht jeder Mensch für den anderen eine Herausforderung? Können wir uns nicht nur so weiterentwickeln im Geiste und im Herzen, wenn wir jedem die Türe öffnen.
 
Verletzungen heilen, hab ich gelernt im Leben! Ich möchte nicht ohne diese Verletzungen leben, sie haben mich letztendlich weitergebracht. Nur aus Angst vor Verletzungen mich zurückzuziehen, schaffe ich nicht, höchstens ein paar Tage. Dann regt sich wieder mein Herz und sagt mir, Röschen, das ist nicht der richtige Weg!
Ich weiß, ich werde dafür belächelt, aber das Leben für mich ist nur so schön, alles gehört dazu, Leben und Tod, beides ist nah beieinander!
 
Wenn ich wieder an diesen Punkt gekommen bin, kann ich tatsächlich ja sagen zu dem, wie es ist, das vermeintlich Negative mit einschließen! Es muss immer wieder der Moment geschehen, in dem ich auf den anderen zugehen kann und alles was war, in eine Grube werfen kann! Erst dann öffnet sich der Himmel für mich! Ich wünsche uns das allen hier im Blog und im Real-Life
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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:38
In der letzten Zeit beschäftige ich mich mehr denn je mit dem Thema „Heuchelei“! Der Gegensatz zur Heuchelei ist meiner Meinung nach „authentisch“ sein, d.h. in aller Wahrhaftigkeit zu seinen Gefühlen, seinem Denken, seinem Handeln und seiner jeweiligen Problematiken zu stehen. Erst dann kann es zu einem regen Austausch zwischen Menschen kommen, das positiv und hilfreich wäre. Natürlich gibt es immer wieder Situationen, wo wir abwägen, ehrlich zu sein, weil es uns möglicherweise Nachteile bringt. Dazu gehören dann eben solche kleinen Notlügen, aber wenn man sich dessen bewusst ist, ist dies durchaus entschuldbar und nachvollziehbar.
 
Es wird Freude geheuchelt über ein Geschenk, mit dem wir eigentlich gar nichts anfangen können, Anteilnahme, obwohl unsere Gefühle dafür gar nicht da sind, in der Politik wird geheuchelt, um Macht zu gewinnen, Wertschätzung anderen gegenüber aus egoistischen Motiven heraus, Liebe aus Angst vor der Wahrheit, Freundschaft aus Angst vor dem Alleinsein, usw.usw.
 
Leider habe ich aber schon mein Leben lang beobachtet, dass sich Menschen mit ihrem gesamten Leben in einem Zustand der Heuchelei befinden, aus Bequemlichkeit, aus Ängsten oder anderen Motiven. Im Bekanntenkreis haben wir ein Paar, das jetzt seit fast 3o Jahren verheiratet ist. Der Mann ist, schon seit ich denken kann, Alkoholiker. Dieses Thema wurde aber immer verschwiegen. Was man sah, war eine Heile-Welt-Fassade, mit extrem geputztem Haus, schönsten Dekorationen und ein unglaublicher Familienzusammenhalt. Man lächelte, traf sich mit den Nachbarn zu geselligen Anlässen, die mittlerweile erwachsenen Kinder, selber schon Eltern, fügten sich total in dieses Konzept mit ein. Nun aber ist diese Fassade zerbrochen! Wie oft habe ich selber an mir gezweifelt, wenn ich sah, dass bei mir immer wieder mal so einiges aus dem Ruder lief! Stand in der Gefahr mich mit anderen zu vergleichen.
 
Ein anderes Pärchen, super heilig katholisch, jeden Sonntag die Kirche, aber hinter ihren Mauern herrscht der Mann wie ein Despot über seine Familie, die ihm unterwürfig entgegenkommt, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt, um ihm die Tasche abzunehmen! Nach außen hin wurde aber immer mit der wunderbaren Ehe aufgewartet. Manchmal habe ich in ihrer Anwesenheit regelrechte Agressionen bekommen.
 
Oder Dir kommt jemand entgegen, mit dem Du gar nicht konform gehst, der Dir das Leben schwer macht und lächelst ihm freundlich ins Gesicht. Wer sagt denn schon, geh mir aus dem Weg, mit Dir kann ich es grad gar nicht.
 
Vor einiger Zeit hatte ich selber so eine Situation erlebt mit einem Menschen, den ich als absolut liebenswert empfand und der sich mir aber plötzlich ganz anders darstellte. In mir war eine solche Blockade, über die zwischen uns stehende Thematik hinwegzusehen, dass es mir nicht möglich war, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Ich habe mich verweigert und leider dadurch auch in Kauf genommen, dass ich denjenigen verletzt habe. Aber ich habe es ausgesessen und gewartet, bis meine Gefühle und mein Denken wieder klarer geworden sind. Mittlerweile haben wir das Thema ausgesprochen und wieder zueinander gefunden und die Liebe zu dem Menschen ist so klar wie vorher. Im Nachhinein bin ich sehr dankbar für diese Situation, weil sie unsere Freundschaft bewährt hat. Ich bin ein absoluter Verfechter für die Wahrheit untereinander. Manchmal dauert es allerdings, bis man selber die Wahrheit in den jeweiligen Beziehungen zum anderen erkennt und zulassen will. Jedenfalls bei mir ist das so. Ich weiß, dass dafür eine Gewissens- und Herzensspiegelung jeden Tag von Nöten ist und davor laufen doch die meisten weg.
 
Für mich ist Heuchelei ein negatives Verhalten. Ein Mensch, der nicht zu sich selber steht, ist sehr zu bedauern. Warum wollen Menschen eigentlich immer etwas zur Schau stellen, was sie selber gar nicht sind? Wollen sie dadurch andere manipulieren, oder haben sie nur Angst vor sich selber, fehlt ihnen das Selbstbewusstsein, zu sich selber zu stehen?
 
Heuchelei hat viele Facetten, z.B. Empörung über eine Situation, die man zur Schau stellt, die aber gar nicht in einem ist. Sollte man dann nicht lieber dazu stehen, keine Meinung zu haben. Oder Heuchelei ist auch, eine Meinung zu äußern, die gar nicht die eigene ist, sondern irgendwo schon mal gehört wurde, abgekupfert wurde.
 
Aber vielleicht liegt es auch daran, dass die Menschen allesamt zu Heuchlern werden, weil sie sich unter Konventionen und Moralismus von Gesetzen, sei es aus religiösen Motiven oder Traditionen, stellen, denen sie selber in ihrem tiefsten Inneren gar nicht zustimmen, aber da sie selber keinen Schneid haben, zu leben, was in ihnen ist, werden sie zu Selbstverleugnern. Man kennt doch die Sätze zu Genüge:“ Das darf man nicht, das tut man nicht, dass passt nicht mehr, da bist du schon zu alt für, usw.usw! Wieso überlassen sich Menschen eigentlich solchen Gesetze! Wieso leben Menschen an ihrem Leben vorbei.
 
Ich denke in diesem Zusammenhang kommt das Wort Würde als Gegenteil von Heuchelei zum Tragen. Die Würde eines Menschen ist unantastbar. Aber was heißt das dann! Für mich jedenfalls, meinen eigenen Weg im Leben zu gehen, das zu tun, was in mir ist, was ich mir wünsche und wonach ich mich sehne, auch wenn es sich zu einem späteren Zeitpunkt als Irrtum herausstellt. Aber dann bin ich um eine Erfahrung reicher. Menschen, die sich anpassen, machen sich arm an Erfahrungen.
 
Menschen, die in jeder Minute zu all ihren Träumen, ihrem Leben stehen, egal, wie es von außen betrachtet wird, sind mir allesamt lieber. Wenn mir jemand sagt, er hat gestohlen, na und, wenigstens ist er ehrlich. Er wird seine Gründe dafür gehabt haben. Wenn mir jemand sagt, er hat seinen Partner betrogen, na und! Ist mir lieber, als wenn er andere wegen dieses Vergehens heruntermacht, es selber tut, oder vielleicht nicht in Taten tut, aber tausendmal in Gedanken seinen Partner hintergangen hat.
 
Im religiösen Sinne spricht man von der Heuchelei auch von „Scheinheiligkeit“ So ist für mich der Mensch, der sich nach außen hin immer als „sauberer“ angepasster Mensch darstellt, ein Mensch, der aus lauter Schwachheit vor seinen eigenen Fehlern, vor seinen Fehlverhalten davon läuft, weil er nicht den Mut dazu hat, ja zu sagen, zu dem, was er getan hat.
 
Ich weiß es doch selber aus meiner Kindheitserfahrung, was es heißt in einer scheinheiligen bürgerlichen Welt aufzuwachsen, und im inneren tobt der Abgrund. Die Gabe, zu Abgründen im Inneren und Äußeren des Lebens zu stehen, ist für mich eine Stärke, ohne sie beurteilen zu wollen, und die Gabe, so zu tun, als wenn man alles im Griff hat, als wenn alles stimmt, lieber reden wir mal über die Weltprobleme, aber wie es in meinem inneren aussieht, geht keinen etwas an, ist für mich eine Schwäche!
 
Das ganze verdammte Verurteilen meiner Mitmenschen kommt doch nur daher, weil viele in einer Doppelmoral leben. Meinen, anderen sagen zu müssen wie es langgeht, können aber selber all die Richtlinien, die sie anderen geben, nicht einhalten. Sie predigen, wie man so schön sagt“ Wasser, trinken aber selber Wein“
 
Für mich ist Heuchelei eines der schlimmsten Vergehen der Menschheit. Man schürt dadurch Unehrlichkeit und Urteile über andere und ich wünsch mir nichts mehr in meinem Leben, immer authentisch zu bleiben und Menschen, die es mir sagen, wenn es mir mal nicht gelungen sein sollte!
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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:38
Umstellen, Flexibillität ist erwünscht. Gott sei Dank hab ich ne Chefin, wo das geht. Anruf von der Mutter heute morgen, jetzt doch wieder Kernspindtomographie. Aber nicht im Krankenhaus. Bei einem Radiologen in Bergheim. Die Unterlagen noch in der Uniklinik. Dort sollte ich sie lassen, bis sie zu dem Entschluss kommt, sich doch hier einweisen zu lassen. Jetzt wieder Unterlagen zurückfordern. Also Arbeit umdisponiert. Hab mich aufs Fahrrad gesetzt und bin zur Klinik gefahren!
 
Wiederholung des eigenen Traumata.Wieso denken immer alle, es ist vorbei. Wieso versteht niemand, dass eine solche Krankheit so prägend ist, dass man sie nie vergessen kann! 5. Stock, Bettenhaus! Jedes Mal, wenn ich in die Klinik gehe, fange ich an zu transpirieren. Erinnerungen werden wieder wach, sind so klar und deutlich vor meinen Augen, dass mir der Atem stock. Ich sehe die Menschen den Flur entlanglaufen, Besucher, Kranke, Pflegepersonal!
 
Ich laufe zum Aufzug. Warte, sehe in die Gesichter um mich herum. Spüre meine eigenen Gefühle! Der Aufzug kommt. Der Hals schnürt sich mir zu. Ich fahre sonst selten Aufzug. Die Angst vor geschlossenen Räumen ist immer noch groß. Die Tür öffnet sich, es stehen einige Leute drin. Ich mache einen vorsichtigen Schritt in den kleinen, dicht gefüllten Raum. Die Tür schließt sich, ich drücke 5. Etage. Der Aufzug bewegt sich langsam. Schwindel erfasst mich, einmal kräftig durchatmen. Mir positiv zureden, es passiert schon nichts. Warum sollte der gerade jetzt stehen bleiben. Ich versuche den möglichsten Abstand zu den anderen zu nehmen, der machbar ist.
 
Endlich, Stillstand. Die Tür öffnet sich. Ich laufe auf eine Wand zu! Dort steht:“ Helfen Sie im Kampf gegen Krebs“! Die Worte schlagen mir ins Gesicht! Mir soll geholfen werden. Ich war betroffen! Krebs? Kranke Zellen hatten sich in meinem Körper ausgebreitet, ohne einen Einfluss, den ich nehmen konnte, oder doch?
 
Ich laufe durch die langen Flure, suche das Zimmer Nr. 36. Schmale, enge Korridore, viele Türen, hinter denen sich Schicksale abspielen. Noch dreimal um die Ecke. Wie gespenstisch leer es ist. Stille, die mich bewegt, anders als eine Stille im Wald oder in einem Kloster. Stille, die mir sagt, dass hier, ist eine Parallelwelt. Draußen ist das Leben, hier ist es gestoppt. Endlich erreiche ich die Station! Glatzen kommen mir entgegen. Gesichter mit Augen, die mich anschauen. Hoffnungen, die noch nicht gestorben sind. Wahrheiten, die endgültig sind. Ein Arzt schlendert an mir vorbei, ich sehe ihm nach! Er geht langsam, seine Hand streift die Wand, ganz zart. Er will etwas fühlen. Was er wohl denkt? Vielleicht steht er wieder vor einem Gespräch, das entscheidend ist über Leben und Tod. Ich wünsche ihm innerlich viel Kraft! Was müssen die nicht alles auf ihren Schultern tragen. Ich bin endlich dran. Die Ärztin kommt und fragt mich, was ich wünsche. Ich erkläre ihr die Situation. Warten sie einen Moment, antwortet sie mir. Ich setze mich auf einen Stuhl, mein Blick geht durch eine geöffnete Tür hindurch und ich sehe auf ein großes Fenster. Kann den Himmel sehen.. Wolken ziehen ihre Wege. Alles wird mir wieder so bewusst. Du bekommst die Diagnose und alles ist plötzlich anders. Die Welt steht still. Das Leben geht weiter, nur dein eigenes möglicherweise nicht mehr. Ist hier Ende? Du wirst einfach raus genommen aus deinem Alltag! Alles, was vorher wichtig war, zählt nicht mehr. Spielt keine Rolle. Hat seine Bedeutung verloren. Ein Moment, wo man ganz bei sich ist und nur noch du selber zählst. Meine Gefühle, meine Gedanken, meine Gesundheit. Ich fühlte mich, als wenn ich nur noch allein auf dieser Welt bin. Niemand konnte mich mehr erreichen. Eine junge Frau setzt sich neben mich. Eine Perücke auf dem Kopf. Manche können es nicht ertragen, diese Leere auf dem Kopf. Die Seelen der Menschen ohne Haare liegen blank und man kann ihnen in den Augen bis auf den Grund schauen.
 
Endlich, die Ärztin kommt. Die Unterlagen sind nicht auffindbar. Ich muss wiederkommen. Wieder und wieder in dieses Haus, wieder und wieder Konfrontation. Damit ich es nicht vergesse? Warum? Wieder und wieder! Wie ein Schlafwandler verlasse ich die Station. Krebs, so dachte ich früher immer, ist das Ende. Nicht immer! Manchmal ist es auch ein neuanfang. Im Rückblick bin ich merkwürdigerweise sogar dankbar, denn diese verdammte Krankheit hat mein Leben weiter positiv verändert, und verändert es noch weiter. Krebs eine Station in meinem Leben, die mich viel gelehrt hat. Ich habe die Chance genutzt. Ein unbändiger Lebenswillen ist in mir und doch ist manchmal die Angst da, wie lange Zeit habe ich noch, dass zu leben, was ich leben will. Wie viel Glück wird mir noch geschenkt. Wie viel Glück kann ich mir nehmen!
 
Krebs kann eine Gnade sein, auch wenn sich das verrückt anhört. Um wie viel noch sensibler hat es mich gemacht, für mich, für meine Mitmenschen für das Leben an sich. Die Farben der Welt sind klarer und kräftiger geworden, die Freude intensiver und das Fühlen aller Erlebnisse ist ein großes Geschenk, das ich nicht missen möchte. Ich hoffe, und glaube, dass mir noch etwas Zeit bleibt, allein, oder zu zweit, um glücklich zu sein.
 
Morgen, ja morgen gehe ich wieder hin und dieses Mal werde ich mich nicht erschrecken lassen!
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10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:37
Der Mensch unserer Zeit sucht anscheinend die Extreme! Vor ein paar Tagen habe ich im Radio gehört, dass es einen Reiseveranstalter gibt, der Reisen in Elendsviertel organisiert. Man wird in das jeweilige Viertel gebracht, z.B. in ein nahe liegendes Hotel, und kann dann von dort aus, z.B. auf dem Dach in die Straßen herunterschauen und darauf warten, dass etwas passiert! Ich dachte, ich traue meinen Ohren nicht! Ich konnte es einfach nicht glauben, dass es Menschen gibt, die so etwas tun. Sind sie so von Langeweile in ihrem Leben geprägt, dass sie das brauchen?
 
Mitte der Woche bin ich nach Bergheim gefahren, um Zeit zu sparen, weil ich meine Mutter abholen musste, um sie zu Kernspindtomographie nach Köln zu bringen. Ehrlich, ich bin ziemlich schnell gefahren, aber trotzdem, auf der Aachener Straße Richtung Königsdorf hatte ich eine Geschwindigkeit von ca. 8o.km/h drauf, viel zu schnell, aber trotzdem überholte mich ein Auto, das mindestens 1oo km/h gefahren haben musste. Ich hab mich richtig erschrocken! Ist das vielleicht auch ne Möglichkeit, die Extreme herauszufordern! Also ich gebe zu, auf der Landstraße bin ich dann auch selber schneller gewesen!
 
Während der Fahrt wurde auf 1 Live ein Bericht gebracht, von zwei jungen Männern, die den Plan haben, die Insel Mallorca zu umschwimmen! Ich wurde hellhörig. Sie wurden im Gespräch gefragt, warum sie das täten. Ihre Antwort war:“ Wir wollen unsere Grenzen kennen lernen, wollen sehen, was möglich ist“! Ach so ist, das, dachte ich, wahrscheinlich bietet ihnen das ganz normale Leben keine Möglichkeit, an ihre Grenzen zu kommen. Es hat also etwas damit zu tun, Extreme auszuüben, weil man in diesen Momenten sich am meisten spüren kann! Na, ja das ist eben ein Zeichen eines Teils unserer Gesellschaft von Menschen, die in ihrem Alltag anscheinend eine Leichtigkeit leben, die sehr schnell zu Langeweile führt. Oder was ist es anderes? Ich habe keine Antwort darauf. Beim Hören dieses Berichtes fiel mir der Film ein, den ich vor ein paar Wochen im Kino gesehen haben. Er hieß „Am Limit“ und handelte von den Huber-Brüdern! Die Huber-Buben sind sozusagen die „Helden der Berge“. Sie gehören zu den weltbesten Extremkletterern. Der Regisseur des Films, Pepe Danquart, begleitet die zwei Brüder auf ihren Touren. Sie sind natürlich keine normalen Kletterer, sondern Speedkletterer, ohne große Sicherungsaktionen, d.h., sie üben sich darin, Höhenunterschiede so schnell wie möglich zu zu klettern. Ihr größtes Ziel ist der „El Capitan“ im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien. Danquart begleitet die beiden Brüder in diesem Film auf ihren Strecken und führt fantastische Gespräche. Beide sprechen davon, dass das Klettern für sie eine Droge ist! Auch hier wird sehr deutlich, der Hang danach, Extremes zu leisten, und sich darin zu finden. Aber es wird sehr viel darüber gesprochen, dass es wichtig ist, seine Träume zu realisieren und seinen eigenen Weg zu gehen. Der Film hat viele philosophische Antworten, die für das Leben im Allgemeinen zutrifft. Alexander Huber sagt z.B. in einer Szene, dass die Angst, die er manchmal beim Bergsteigen hat, so groß ist und dass er diese Angst noch nie in seinem Leben irgendwo anders erlebt hat. Ich hab mich schon gefragt, ist es tatsächlich so, dass Menschen, die absolut frei und harmonisch aufgewachsen sind, ohne Probleme, ohne Bedrängnisse, wirklich diese Herausforderung suchen müssen, um sich dieser Urangst stellen zu müssen. Allerdings sagen sie auch ganz deutlich, in dem Moment, wo sie diese Angst spüren, wird ihnen klar, dass das ganze Leben von Angst geprägt ist, Schritte zu tun, egal in welche Richtung. Die Dinge des Lebens, die Verantwortung, die zu tragen ist, machen eben auch Angst und es gilt immer sie zu überwinden. Schritte in die Freiheit zu tun, bedeutet immer mit der Angst zu kämpfen. Das hat mich sehr fasziniert, denn es passt tatsächlich! Daher ist es auch wohl so, dass viele Menschen in ihren Behausungen bleiben, weil sie sich genau dieser Angst nicht stellen wollen, oder? Oder sie trauen sich nicht, ihre Träume zu leben, aus Angst sie nicht realisieren zu können oder vielleicht auch davor, etwas anderes zu verlieren.
 
Grenzerfahrungen im Sport, heißt ja nichts anderes, als höher, weiter, schneller. Sportler wollen ihren Körper austesten, diese möglicherweise sogar überwinden. Sie setzen sich dabei aber auch oft der Selbstverletzung aus. Auch die Huber-Brüder haben immer wieder Rückschläge hinnehmen müssen und doch nicht aufgegeben. Ist es nicht im ganz normalen Leben auch so. Man geht zwei Schritte vor, einen zurück und wieder drei vor.
 
So sind diese Formen vom Herausfordern der Extreme tatsächlich nur was für Menschen, die möglicherweise in ihrem Alltag keine Herausforderungen haben! Wenn das Leben schon voll mit Problemen, die es zu bewältigen gilt, hat man ja gar keine Zeit dazu, sich mit derartigen Dingen zu beschäftigen, Ist es vielleicht so, dass manchen Menschen die Extreme im Alltag gegeben werden, seien es Krankheiten, Unfälle, Armut usw.usw., um sie zu überwinden, und denen, die sich auf der sicheren Seite des Lebens befinden, suchen eben diese Art der Herausforderung in solchen Momenten.
 
Auf jeden Fall ist es sehenswert, sich einmal mit den Huber-Brüdern zu beschäftigen und den Film anzuschauen, Antworten für das ganz normale Alltagsleben gibt es derer viele in ihren Aussagen!
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