Overblog
Folge diesem Blog Administration + Create my blog
10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:31
Es gibt ja immer wieder Wendepunkte im Leben, wo man sich entscheiden muss, welchen Weg man gehen will. Das ist im eigenen kleinen Leben nicht anders, wie in der großen Weltpolitik. Hier wie da sieht man immer an den Ergebnissen, ob die Entscheidungen, die getroffen wurden, richtig waren. Falsch getroffene Entscheidungen kann man meistens nicht mehr rückgängig machen und man zahlt Lehrgeld. Nun gut, da gibt es ja dann die These, gerade daraus lernt man für die Zukunft.
 
In der Kindheit- und Jugend ist das ja alles leicht. Da werden einem die Entscheidungen von den Eltern abgenommen. Man kann sich nicht selber entscheiden, in welchen Kindergarten oder in welche Schule man gehen wird.Und wie diese Entscheidungen Kinder und Jugendliche prägen kann, weißt man ja. Selbst die Eltern, die heute versuchen, ihren Kindern diesbezüglich etwas abzuverlangen, manipulieren sie meistens in ihre Richtung. Ich denke, so ziemlich die erste Entscheidung, die man im Leben für sich selber trifft, ist die, was mache ich nach der Schule, studiere ich oder mache ich eine Ausbildung. Sie allein ist schon so schwer, weil davon das ganze weitere Leben abhängig ist. Dann lernt man einen Mann kennen, und schon wieder muss man sich entscheiden, den oder keinen, oder vielleicht doch einen anderen. Heiraten oder nicht! Hat man die Entscheidung in Richtung Zusammenleben getroffen, geht es weiter. Wie will man das gemeinsame Leben gestalten. Familie gründen, oder nicht! Auch hier, hat man sich für Familie entschieden, muss man auch die Verantwortung tragen.
 
Selbst die Freizeit erfordert immer wieder Entscheidungen von uns. Geh ich ins Kino, oder in ein Konzert, treffe ich mich mit Freunden oder nicht, oder leg ich mich einfach früh ins Bett. Wie oft erlebt man auch hier, ach wäre ich doch zuhause geblieben, ach hätte ich doch lieber das andere gemacht.
 
Neben Familie, Arbeit und Freizeit überlegt man, will ich auch was am sozialen Leben verändern, mich einbringen und mitwirken. Wozu soll ich mich entscheiden, welche Form soll ich wählen, um mitzugestalten.
 
Wird ich krank, ernsthaft krank, bin ich auch schon wieder gefragt, welche Behandlung soll ich wählen. Viele Möglichkeiten werden aufgetan, woher soll ich wissen, welche die richtige ist. Aber entscheiden muss ich mich auch hier.
 
Selbst zu den letzten Dingen muß ich mich entscheiden. Will ich ins Grab geleget werden, oder besser verbrannt werden, oder sogar eine Seebestattung?
 
Ach, ich weiß es manchmal einfach nicht. Ich hätte oft so gerne jemanden , der mir die Entscheidungen abnimmt. Aber warum eigentlich? Hat das was mit der Verantwortung zu tun, die ich übernehmen muß und nicht will. Will ich es nicht aushalten, falsche Wege beschritten zu haben?
 
Ich wünsche mir so oft, das das Leben ein langsam fließender Fluss ist, der einfach ruhig und beschaulich dahinfließt, bis er irgendwann an das große Meer kommt.
 
Gerade jetzt bin ich ja in einem Alter, die Kinder erwachsen, nicht mehr fürsorgepflichtig, wo ich schon wieder eine Entscheidung treffen muss. Wie will ich das möglicherweise letzte Drittel meines Lebens führen! Will ich mich vielleicht noch selbständig machen, will ich arbeiten bis zur Rente oder will ich aussteigen! Manchesmal ist das ja auch tagesformabhängig. Aber eine Tagesform sollte von einer so wichtigen Entscheidung wohl nicht abhängen.
 
Und nun hab ich heute schon wieder eine Sache aufs Auge gedrückt bekommen, in der ich mich entscheiden muss. Ne halbe Stelle hatte ich bisher, Zusätzlich hab ich freiberuflich gearbeitet, konnte also selber bestimmen, wie viele Stunden ich arbeiten will. Grundsätzlich war ich eigentlich damit zufrieden. Doch hin und wieder hatte ich auch Sehnsucht nach einem geregelten Alltag, zu wissen, wann ich gehe und wann ich heimkomme. Und jetzt wird mir doch heute ein Arbeitsangebot gemacht in einer anderen Buchhandlung. Verlockend, wirklich. Feste Stundenzahl, gutes Sortiment, neue Aufgaben, denn ich könnte selbstständig, Reiseliteratur, Sach- und Kochbuch sowie Kölnliteratur führen. Was ich habe, weiß ich, aber was ich bekomme, weiß ich nur bedingt! Denn ich habe ein gut funktionierendes Team, eine nette Atmosphäre, nette Kunden, die sich an mich gewöhnt haben und ich mich an sie. Ich würde sie vermissen. Wir lachen viel, wo gibt es das denn noch im Arbeitsleben, kleine Fehlerchen werden nicht übel genommen, jeder vertritt den Standpunkt, wir machen alle Fehler. Das einzige was eben fehlt, ist mehr Stunden und ein bisschen mehr Geld, was wiederum wichtig für die Familie ist.
 
Das nun hab ich in der anderen Buchhandlung zugesagt bekommen. Und jetzt steh ich da, hab bis Montag Zeit, mich zu entscheiden. Die jetzige Chefin ist gerade gestern in Urlaub gefahren. Sie wird aus allen Wolken fallen, wenn sie nach Haus kommt und ich ihr sage, es tut mir so leid, aber ich werde wechseln. Ach Mensch, mir zieht sich jetzt schon das Herz zusammen bei dem Gedanken. Und was ist, wenn Gehalt und Stunden stimmen, aber die Stimmung unter den Mitarbeitern stimmt dort nicht. Bis jetzt hab ich ja immer fast nur mit einer Mitarbeiterin zusammengearbeitet. Gut, das hat gepasst, aber wie wird sich die neue Chefin dann im Alltag darstellen?
 
Und wenn ich mich dafür entscheide und es stellt sich heraus, dass ich mich dort nicht wohlfühle, zurück kann ich dann auch nicht mehr! Ach Mensch, ist dass alles schwer. Mein Sohn sagte heute zu mir, Mutter, denk doch nicht immer an die anderen, du musst jetzt wirklich wissen, was du willst, was für dich gut ist. Weise ist er, wirklich. Wenn ich doch bloß immer wüsste, was für mich gut ist.
 
Ach verdammt, ich hasse Entscheidungen treffen zu müssen, aber sie sind nun mal unumgänglich. Und sie sind nun mal so entscheidend für Weh und Ach, für Freud und Leid. Was tun, sprach Zeus, wie wahr, wie wahr! Das tröstet mich, dass auch er in diesem Zwiespalt stand!
Diesen Post teilen
Repost0
10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:26
Der Mensch will sein eigenes Leben immer kontrollieren. Er will es in der Hand haben, es steuern, festlegen, wohin es gehen soll, wie seine Zukunft auszusehen hat. Gerade in den letzten Monaten ist mir das wieder besonders klar geworden. Ich hab schon junge Leute erlebt, die dann älter geworden, mit einer riesigen Enttäuschung nicht zurecht gekommen sind, weil es nicht so gelaufen ist, wie sie sich das Leben angedacht haben. Da ist z.B. die Frau, sie hatte nach dem Abitur ihr Studium gemacht und dann einen Job in einer Marketingfirma bekommen. Sie ist relativ schnell aufgestiegen, hat Karriere gemacht, viel rumgekommen. Dann hatte sie „ihn“, den Mann ihrer Träume kennen gelernt und sie sind schnell zusammengezogen. Sie haben geplant und geplant. Wie lange noch der Job, dann das Häuschen, dann die Kinder. Die Kinder sollten mit Mitte dreißig kommen. Bis zu dieser Zeit lief alles genau nach Plan. Dann wurde sie schwanger, verlor das erste Kind und fiel in ein Loch. Nachdem sie es einigermaßen verarbeitet hatte, versuchte sie erneut schwanger zu werden. Es dauerte noch mal drei Jahre. Das Kind kam, aber sie kam nicht zurecht. Als die Kleine 2 Jahre alt war, verstarb ihr Mann ganz plötzlich an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Für sie ist in diesem Moment eine Welt zusammengebrochen. Sie ist jetzt 42 Jahre alt und kommt nicht mehr klar. Hat sich total zurückgezogen, lebt nur noch in den Tag hinein, ohne Sinn und Ziel. Das Kind wird teilweise von ihrer Mutter erzogen. Gerade an diesem Beispiel wurde mir sehr deutlich, dass man zwar planen kann, aber dass das Leben einem oft einen Strich durch die Rechnung macht und wie wir dann damit umgehen, ist die große Frage. Meistens entsteht ein Gefühl der Ohnmacht.
 
Ich selber erlebe diese Ohnmacht auch gerade in der Beziehung zu meiner Mutter. Was macht man mit einem Menschen, der sterben wird, der nicht weiß, wie lange er noch zu leben hat, aber der trotzdem alles, was man ihm anbietet, ablehnt. Der sich verbarrikadiert hinter seiner Verstocktheit. Gerade jetzt wird mir wieder bewusst, wie viele Situationen es in meinem Leben gab, an denen ich ohnmächtig davor stand. Die ich nicht mit in meine Lebensplanungen mit hingenommen habe, die einfach auf mich zugekommen sind, ungewollt. Ich erinnere mich auch sehr genau an die Zeit, als meine Tochter flügge wurde. Sie die ersten Nächte spät nach haus kam, wie ich in irrationalen Ängsten nachts am Fenster gestanden habe, hinausgeschaut habe, sie versucht habe anzurufen, weil ich kontrollieren wollte, ob alles gut war. Das war ein Lernprozess damals für mich. Die Kontrolle aufzugeben und Vertrauen zu haben in das, was geschieht. Loszulassen und daran zu glauben, dass es Dinge gibt zwischen Himmel und Erde, die möglicherweise sogar vorbestimmt sind und auf die ich keinen Einfluss habe, sei es nun positiv oder negativ. Ich habe es gelernt und von da an ging es uns beiden besser, meiner Tochter und mir. Dann reiste sie alleine ein Jahr durch Australien, auch hier kam dann wieder ein ähnliches ängstliches Kontrollverhalten durch. Ich rief sie sehr oft an und auch hier wieder der erneute Lernprozess, zu akzeptieren, sie ist am anderen Ende der Welt und ich habe keinen Einfluss auf ihr Leben, außer dass ich ihr gute Gedanken und Vertrauen sende, daran, dass sie es meistern wird. Hat sie dann ja auch, Gott sei Dank und ist gereift und selbstbewusst nach Hause zurückgekommen.
 
In dem Falle meiner Mutter lerne ich es gerade auch. Es gibt Situationen, wo ich so verzweifelt bin, wenn ich sie am anderen Ende des Telefons höre, wenn sie weint, wenn alte Geschichten wieder aufbrechen und der Schmerz sich in meinem Körper breit macht. Ich will etwas tun, aber kann nichts tun, außer loslassen und vertrauen darauf, dass alles seinen Weg geht.
 
Auch mein Leben kann ich mit Plänen für die Zukunft bestücken, aber ich habe mittlerweile gelernt, dass es jeden Moment anders kommen kann. Ein Beispiel war der Montagabend, als ich von der Arbeit nach einem langen Tag, ich war vor der Arbeit noch in Bergheim bei der Mutter, mit dem Auto nach Hause fuhr. Ich muss zugeben, ich fühlte mich sehr schwer, von all den Dingen, die passiert waren in den letzten Wochen. Man versucht stark zu sein, nimmt auf, Gefühle, Worte und Gedanken, aber man funktioniert weiter, geht ja auch nicht anders. So fuhr ich also, endlich erleichtert, den Arbeitstag hinter mich zu lassen, Richtung Nippes. An der Ecke Weißenburgstrasse/Hülchratherstrasse fuhr ich geradeaus, ein bisschen verträumt muss ich zugeben. Und plötzlich quietschte es und ich sah nur noch, wie kurz vor meinem Auto ein schwarzer Mercedes zum Stehen kam. Mein ganzer Körper zitterte und ich war nicht fähig auszusteigen. Ich saß in Tränen ausgebrochen hinter dem Steuer und der Fahrer öffnete meine Türe und sprach mich, selber auch vom Schock gezeichnet, ganz leise an, gab mir die Hand und holte mich aus dem Wagen. Es war Gott sei dank nichts passiert, wir standen eine Weile und sprachen miteinander. Als ich mich wieder etwas gefestigt hatte, gab er mir noch seine Adresse, bat mich um meine. Gestern bekam ich einen Blumenstrauß von ihm, den er mir in die Buchhandlung brachte. Ich fand das sehr sehr nett. Er hatte einfach die rote Ampel überfahren, war selbst in seinen Träumen versunken. So kann es gehen, dachte ich auch dieses Mal wieder. Ich habe nichts unter Kontrolle, es ist alles eine Illusion. Man denkt nur, man sei Herr seines Lebens, vielleicht für Momente ist das ja auch so, aber im Großen und Ganzen sind wir immer ausgeliefert auch an eine höhere Gewalt.
 
Ich weiß jetzt auch, warum ich nicht so gerne Aufzug fahre. Ich kann es nicht ertragen in kleinen geschlossenen Räumen zu sitzen. Alte Kindheitsängste kommen dann immer wieder in mir durch. Daher laufe ich fast immer zu Fuß die Treppen hoch, selbst in den zehnten Stock. Aber gestern erlebte ich eine Situation, da war der Körper so müde, das ich wegen eines Buches, dass ich zu einem Kunden bringen musste und der im achten Stock eines Hochhauses wohnte, einen Aufzug nach langer Zeit wieder betreten habe. Ich erinnere mich genau an meine Gefühle. Ich drückte auf den Knopf, um den Aufzug runterzuholen. Ein kleiner Spalt an der Tür ließ mich sehen, dass er vor mir stand. Ich öffnete die Türe, meine Knie zitterten und ich betrat den wirklich sehr kleinen Raum. Die Tür ging zu und es zog sich noch mal eine kleine geschlossene Innentür davor. Ich musste einmal tief durchatmen und dann begann der Aufzug sich langsam zu bewegen. Zuerst gingen mir die alten Angstprojektionen wieder durch den Kopf, wenn der jetzt stecken bleibt, wenn jetzt ein Feuer ausbricht. Ich begann wieder durchzuatmen und ganz plötzlich lösten sich der Krampf und die Verspannung, weil ich innerlich aufgegeben habe. Ich hatte mich ganz bewusst dem übergeben, was passieren könnte. Na und, hab ich gedacht, wenn es jetzt passiert, dann kannst du auch nichts mehr machen. Dann ist das eben so. Von dieser Sekunde an, fühlte ich mich plötzlich sehr befreit, alle Ängste waren weg. Merkwürdigerweise habe ich mich in diesen Sekunden so sicher wie noch nie gefühlt. Im Gegenteil, es machte mir plötzlich sogar große Freude in diesem kleinen Raum zu stehen. Ein Gedanke überfiel mich, wie es jetzt wäre, wenn ich mich einfach in die Ecke kauern könnte, um mit dem Aufzug immer tiefer und tiefer und tiefer zu fahren. Ich mit mir allein. Niemand der an mich herankommt. Ich mir selber ausgesetzt, meinen Gedanken, meinen Gefühlen und meinem Denken. Das war ein so unbeschreibliches schönes Erlebnis, weil es mir zeigte, dass es stimmt, dass man die Kontrolle abgeben kann, sich vertrauensvoll an das, was geschehen soll, übergeben kann und weil es dann keine Kraft mehr kostet. Außerdem zeigte mir dieser Moment auch, wie sehr ich mich danach sehne, einmal wieder ganz bei mir sein zu dürfen, ohne die Ansprüche von außen und das was mir das Leben so schwer macht, was oft so kräftezehrend ist.
 
Wir haben keine Kontrolle über unser Leben, wir denken es nur. Alles hat seinen Plan im großen Weltenall, unser Schicksal verbunden mit den Schicksalen der Menschen, denen wir begegnen. Und ich betrachte es als momentanes Geschenk diese Haltung zu haben, ohnmächtig sein zu dürfen und dass die Zeit für mich arbeiten wird.
Diesen Post teilen
Repost0
10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:04
Letzte Woche schrieb mir jemand, dass ich wohl zu den ungewöhnlichen Menschen gehören, die noch Freude am Beruf und an der Arbeit haben. Da es stimmt und ich mir selten Gedanken darüber Gedanken mache, sondern diese Freude einfach lebe, fällt mir wohl manchmal gar nicht mehr auf, wie beschwert so manch einer sein Tagewerk verrichtet. Jeden Montag schon an den Freitag denkt, manchmal vielleicht auch morgens schon mit Bauchschmerzen zur Arbeit geht.
 
Gut, wenn ich am Morgen als Erste den Laden betrete, denke ich auch schon mal, ne, was wäre das jetzt schön, wenn es einen Mann im Geschäft gäbe. Das Schleppen der Kisten und Kartons und jeder weiß ja, wie schwer so ein Bücherkarton ist, macht mir schon sehr zu schaffen. Wir teilen uns den Flur mit einem angrenzenden Friseursalon! Gestern Morgen kam ich wie immer auf den Flur, um die Kartons reinzuholen. Da stand der Mann von der Friseurin im Flur um eine zu rauchen. Ich mühte mich schwerfällig mit dem ersten Karton ab und gab die Bemerkung von mir“ Ne, das ist das Blöde am Beruf, dass wir nur Frauen sind und nun mal körperlich das schwache Geschlecht sind“! Dass ließ sich doch der überaus nette Mann nicht nehmen, griff sofort zu und trug mir sämtliche Pakete rein und das waren nicht wenig. Heute Morgen kam er leider erst raus, als ich schon fertig war. So ein Pech aber auch!
 
Oder heute Nachmittag, wo ich eine ganze Wand mit Kalendern bestücken musste, was heißt Leiter rauf, Leiter runter, nun ja, da merke ich eben doch, dass die körperlichen Kapazitäten im fortschreitenden Alter nachlassen und diese Dinge beschwerlicher werden.
 
Aber wenn ich das mal alles außer Acht lasse, dann kann ich wirklich behaupten, ich habe einer der schönsten Berufe der Welt! Auch wenn er schlecht bezahlt ist, gemessen an der Arbeitszeit und an der Arbeitsleistung. Trotz allem, würde ich mit niemandem tauschen wollen.
 
Jeden Tag umgeben mich die vielen Bücher, meine besten Freunde und auch wenn ich viele nicht gelesen habe, allein das Wissen darum, dass viel Wissen und Weisheit, nach dem ich nur zu greifen brauche, mich umgibt, macht mich froh und irgendwie scheint es mir manches mal, als wenn dieses Wissen, die schönen Worte, auch ungelesen in mich hineinfließen.
 
Jeder Tag hat eine neue Herausforderung. Die Homepage muss auf den neusten Standpunkt gebracht werden. Das Geschäft muss neu umgestaltet werden, neue Auslagen präsentiert, das Schaufenster gestaltet werden, immer wieder stehe ich vor der Herausforderung, neue Ideen kreativ einfließen lassen zu müssen und zu können. Jeden Tag mehr oder weniger neue Kunden, die eine Beratung wünschen, mit denen ich mich dann über den Inhalt der Bücher austauschen kann, was mich ungeheuerlich befriedigt.
 
Und ich komme sogar in den Genuss, so manch einen Autor persönlich kennen zu lernen, wenn er die von mir oder der Kollegin vorbereitete Lesung in unserer Buchhandlung hält. Besonders glücklich bin ich immer, wenn ich einen Kunden hatte, der, so wie heute passiert, nur noch weiß, dass das Buch, dass er sucht, etwas mit dem Fundamentalismus des Islam zu tun hat und der Unterdrückung der Frau, die daraus resultiert. Wenn ich dann unter all den Büchern über den Islam das richtige finde und der Kunde mich glücklich anstrahlt und von dannen geht, dann fühle ich mich wie ein König.
 
So macht es mir gar nichts aus, wenn dann endlich Ladenschluss ist und ich noch zum Staubsauger greifen muss, das Kaffeegeschirr vom Tage wegspülen muss und den Laden wieder vorzeigefähig für den neuen Tag ordnen muss. Ist ja auch immer noch ne halbe Stunde, die man dann nicht bezahlt bekommt.
 
Trotz all diesem, was auch getan werden muss, damit eine schöne Atmosphäre im Laden herrscht, gehe ich zufrieden und glücklich nach Hause. Wer hat das schon! Und dazu noch eine gute Stimmung zwischen den Kollegen, was will man mehr. Ich bin wohl doch ein Glückskind!
Diesen Post teilen
Repost0
10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 19:00
So geht das also!
 
Seit einem Jahr geht meine Mutter nun auf ihren Tod zu. Zuerst die Auflehnung, das Nicht-Annehmen können, dann langsam aber sicher, das Siechhineinfinden in die unabänderliche Tatsache.
 
Auch von meiner Seite aus. Der Schock war einfach zu groß. Nun geht sie, dachte ich damals, obwohl ich sie nie gehabt hatte! Fremd waren wir uns geblieben. Ich konnte ihr Leben nicht verstehen, sie nahm nie Anteil an meinem Leben. Das wird auch nicht, sagten mir Freunde und Bekannte, in den meisten Fällen auf jeden Fall nicht. Das musst du so respektieren.
 
Musste ich das? In vielen Momenten habe ich gekämpft, geweint und gehadert, warum? Es hätte doch alles anders sein können!
 
Doch, ich muss jetzt, nach einem Jahr zugeben, dass ich trotz meines Alters, trotz dass ich gelernt hatte, in meinem Leben ohne Mutter auszukommen, das immer ein bisschen Hoffnung und Sehnsucht da war, dass sie endlich einmal ihren Arm um mich legte, endlich einmal meinen Arm annehmen konnte. Schon verrückt, nicht!
 
Aber es passierte nichts. Ich fuhr hin, ich erledigte für sie, fuhr sie, hörte ihren oft furchtbar langen Monologen über Fernsehsendungen, Katzenfutter, eigene Nahrungsaufnahme, Nachbartratsch usw.usw. zu. Manchmal mit innerer Abwehr, manchmal mit innerem Abstand, manchmal aber gelang es mir sogar, ihr trotz allem mit liebevollen Gefühlen zu begegnen, ganz da zu sein.
 
Ein Jahr ist jetzt vergangen! Vielleicht noch bis Weihnachten, sagte der Arzt vor einem zwei Monaten. SO endgültig! Ich sah ihr an, dass sie es annahm. Jetzt, dachte ich, jetzt kann ich vielleicht doch noch mehr tun für sie. Ich wollte, dass sie zu mir kommt, ich wollte nicht, dass sie allein blieb. Ich konnte das nicht respektieren. Ich dachte, wenn ich selber in der Situation wäre, hätte ich es sicher gerne anders. Aber sie lehnte alles ab, wollte in ihrem Haus verbleiben, wollte ihre „Freiheit“ behalten, bis zum letzten Moment, bis es nicht mehr geht, sagte sie mir heute noch. Ich verstand es nicht, bis vor zwei Wochen, da wurde es mir endlich klar.
 
Sie hat ihr Leben „selbstbestimmt“ gelebt, auch wenn ich es nicht verstanden hatte. Sie hatte sich abgeschottet, sich eingerichtet und war zufrieden. Ich hatte es ihr nie geglaubt, weil ich dachte, so könne man nicht zufrieden sein. Aber es waren meine eigenen Projektionen vom „Glück“ oder vom „Zufriedensein“. Das weiß ich aber heute erst.
 
Jetzt erst muss auch ich begreifen, dass ich ihr Unrecht getan habe, unbewusst, nicht gewollt, aber sie muss es wohl gefühlt haben, dass ich ihr Leben nie akzeptiert, respektiert hatte. SO ist das nun einmal. Warum weiß ich selber nicht. Ich wollte immer ein anderes Leben für sie!
 
Bis Weihnachten vielleicht noch! Und das Unmögliche geschieht ganz einfach still und leise. Die Hoffnung ist berechtigt gewesen, das Aushalten, Still werden, sich in Geduld üben, warten, schauen was ist und was wird, hat sich gelohnt! Wozu? Für diesen einen Moment!
 
Ich verabschiedete mich heute von ihr. Ich sagte zu ihr:“Komm Mama, lass Dich mal in den Arm nehmen“ Es gab schon ähnliche kleine Momente in den letzten Monaten. Eine zarte Hand von ihr, die mir flüchtig über den Arm streicht. Ein kleines Stillhalten, wenn ich ihr nur kurz den Arm um die Schulter legte. Ein Moment, in dem sie ihren Kopf in meinen Schoß legte und weinte. Ich musste das verarbeiten, das war immer so unverhofft.
 
Aber heute, dieser Moment, diese Geste, hat mein Gefühlsleben durcheinander gebracht. Dieser Moment, wo ich beide Arme um sie geschlungen hatte und sie sich ganz vertrauensvoll in meine Arme geschmiegt hatte, ja sogar ihre eigenen Arme um mich legte, ihren Kopf an meine Schulter legte und einfach da blieb, für Sekunden, einfach da, ruhig, still, wie zuhause ankommend und dann zu mir sagte:“ Du riechst so gut Kind“! Das war der Moment, wo mir der Boden unter den Füßen wegbrach und ich nicht wusste, wann und wie und wo ich ankam.
 
Dann ging ich und sie rief mir noch hinterher:“ Bald komme ich, lass mich noch ein Weilchen, bis es wirklich gar nicht mehr geht“! Ich drehte mich um, sagte:“ Alles gut, Mama, mach es so, wie Du es willst und wie es für dich richtig ist“!
 
Ich stieg ins Auto, die Sonne leuchtete warm und golden über die Straße, das Herbstlaub leuchtete in allen Farbnuancen und ich war einfach glücklich, obwohl ich weinen musste. In diesem einen Moment erkannte ich, ich war wie sie und ich werde wie sie, wenn auch mit einem anderen Lebensanspruch, aber der unbedingte Freiheitsdrang, selbstbestimmt zu leben, ist genauso in mir, wie in ihr. Ich habe Respekt vor ihr. Endlich! Schön ist das
Diesen Post teilen
Repost0
10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 18:52

Als wenn wir es nicht schon immer gewusst haben. Da meint ein Professor aus Berlin beweisen zu wollen, dass die Gedanken der Menschen Macht und Einfluss haben können?
 
Na so was, kennen wir nicht diese täglichen kleinen Beispiele:
 
Du stehst in der Dusche, willst raus, und genau in diesem Moment fällt dir ein, sch…, du hast das Handtuch vergessen. Und du denkst, wenn doch jetzt einer käme und da öffnet sich wie von Zauberhand die Tür, ein Handtuch wird dir reingereicht und du fragst dich, wie hat er das gewusst?
 
Oder die berühmten kleinen Begebenheiten! Du sitzt mal wieder, denkst drüber nach, wen du unbedingt endlich mal wieder anrufen musst und in diesem Moment klingelt das Telefon und da ist der Mensch deiner Sehnsucht an der anderen Leitung!
 
Manchmal denkt man ganz intensiv an Menschen, die man lange nicht gesehen hat und plötzlich stehen sie vor Dir, wie vom Himmel gefallen. Also ich erlebe so etwas täglich!
 
Aber es geht ja bei der Macht mit den Gedanken nicht nur darum, sich etwas herbeizuwünschen, sondern vor allen Dingen darum, sich darüber bewusst zu werden, dass es möglich ist, mit Kraft der Gedanken im anderen Menschen etwas bewegen zu können.
 
Dieser Professor spricht z.B. an, dass gute Gedanken in die Richtung eines bestimmten Menschen auch Gutes bewirken kann, das Gegenteil ebenso.
 
Früher nannte man negative Gedanken aussenden, jemanden mit einem Fluch zu belegen, oder ist das nicht dasselbe? Ich selber habe nach 15 Jahren Zugehörigkeit in einer kath.religiösen Gemeinschaft erleben müssen, dass solche negativen Gedanken über mich/uns ausgeschüttet wurden. So sagte man z.B. damals, wenn ihr, gemeint waren wir und zwei andere Menschen, diese Gemeinschaft verlasst, werdet ihr vor die Hunde gehen.
 
Ein Jahr später ist tatsächlich ein einschneidendes Erlebnis in mein Leben eingetreten und ich hab mich oft gefragt, haben diese Menschen wirklich mit der Macht negativer Gedanken an mich, etwas dazu beigetragen? Sie waren so davon überzeugt, dass dieser Weg in der Kirche der einzige zum Heil des einzelnen Menschen dient, dass sie selber voller Ängste waren, jemals einen eigenverantwortlichen Weg einzuschlagen und sie waren überzeugt davon, dass sie scheitern werden, ohne ihn.
 
Aus der Auseinandersetzung mit meiner Krebserkrankung weiß ich zumindest, dass die eigenen Gedanken einen sehr großen Einfluss auf die Heilung haben. Auch in jeder anderen schwierigen, bedrohlichen und bedrückenden Situation weiß ich, dass es wichtig ist, positive Gedanken dagegenzusetzen, um nicht in eine innerliche Melancholie oder gar Depression zu verfallen. Auch bin ich fest davon überzeugt, dass die positiven Gedanken vieler Menschen während meiner Erkrankung mir geholfen haben.
 
Aber wenn man an sich selber schon die Erfahrung macht, das positive Gedanken eine Kraft haben, was kann man dann nicht alles bewirken, wenn man bewusst seine Gedanken auf andere Menschen projiziert und erlebt, dass sich im Miteinander eine Veränderung ergibt zum positiven, an die man schon nicht mehr geglaubt hat. Jedenfalls habe ich das auch schon sehr oft erlebt, ich nenne das „inneres Gebet“, wenn ich mit Taten nichts mehr erreichen kann!
 
Vielleicht hat der Professor Recht und es ist tatsächlich in unserer materialistischen, rationalen Welt wieder nötig, sich auf die eigenen Kräfte zu besinnen und daran zu glauben, dass zwischen den Menschen noch etwas anderes webt, als nur das, was sichtbar, greifbar ist. Vielleicht haben wir etwas verloren, was es wieder zu entdecken gibt.
 
Man kann es ja mal ausprobieren! Ich werde auf jeden Fall jetzt, bestätigt durch diesen kleinen Artikel, meine Gedanken vermehrt auf die Dinge richtn, von denen ich hoffe und wünsche, dass sie eintreten, für mich persönlich, aber auch und  für andere.

Diesen Post teilen
Repost0
10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 18:49
Einige Blogger haben mich intern angefragt, wie geht das denn so in einem Kloster? Was macht man da? Nun, so will ich ein bisschen darüber erzählen.
 
Ich fahre schon seit vielen Jahren immer mal wieder, um der Welt den Rücken zu kehren, für ein paar Tage ins Kloster. Am liebsten nach Mariendonk in der Nähe von b. Viersen. Dieses Mal hatte ich aber dort keinen Platz bekommen und bin auf der Suche nach einer Ausweichmöglichkeit auf das Kloster „Maria Heimsuchung“ in Kall/Steinfeld gekommen. Das Kloster Steinfeld, von Salvatorianern geleitet, ist wohl einigen bekannt, schon allein deswegen, weil dort ein recht gutes Internat unterhalten wird. Aber die kleine Benedektinnerinnen-Abtei steht ein wenig im Schatten des Klosters Steinfeld.
 
Warum fährt man in ein Kloster, ich meine nicht nur zur Besichtigung und zum Fotografieren? Nun, wie ich schon sagte, es tut gut, einmal dem ganz normalen Wahnsinn der Welt zu entfliehen. Kein Fernseher, keine Nachrichten, keine Musik, keine Erwartungen, die an einen gerichtet sind, einfach nur Stille.
 
Ich machte mich also am Samstagmorgen in der Früh auf den Weg und erreichte mein Ziel nach knapp 1 Stunde Autofahrt durch die von mir so geliebte Eifellandschaft. Steinfeld liegt ca. 52o m.ü.M. im deutsch-belgischen Nationalpark. Ein Ort der Heiligkeit wird er genant, weil es dort auf dem Berg schon seit ca. 1ooo Jahren klösterliches Leben gibt. 1954 kamen die Benediktinerinnen nach Steinfeld. Seitdem leben sie dort ihr monastisches Leben. Dieses ist bestimmt durch Arbeit, beten, Feier der Eucharistie und ihrer Suche Gott immer und überall und in allem zu finden. Die Regeln des klösterlichen Zusammenlebens sind gegründet auf den Regeln des heiligen Benedikts, Schweigen, arbeiten und beten. Einer der wichtigsten Aufnahmekriterien ist die absolute Sehnsucht nach Gott, die sich im Feiern des Gottesdienstes zeigen soll.
 
Dort also angelangt, stellte ich mein Auto ab, nahm meinen Rucksack und genau in dem Moment, wo sich die Klosterpforte hinter mir schloss, ich die liebevolle Begrüßung der Schwester entgegennahm, kämpfte ich mit meinen Tränen. Das geht mir jedes Mal so, wenn ich die Klosterschwelle überschreite. Warum? Nun, da gibt es viele Gründe, aber vor allen Dingen ist es wohl der Augenblick, der Moment, dieses Gefühl, einen anderen, bis zum Rande voll gepackten Rucksack draußen stehen lassen zu können. Die Leichtigkeit, die ich in diesem Moment empfinde, diese Entkrampfung, Entspannung lassen mich einfach weinen. Von der Schwester, die einfach versteht, wurde ich dann auf mein Zimmer geführt. Das erste Gebot der Schwestern ist übrigens, jeden Gast so aufzunehmen, als wenn er Christus selber wäre.
 
Als ich die Tür zu meinem mir zugewiesenen Zimmer öffnete, mein Blick in den kleinen Raum fiel, die Schwester mich erwartungsvoll anschaute, um zu sehen, welche Reaktion er hervorrief, waren meine Worte nur:“Sehr schön, das reicht vollkommen!“ Es standen ein Bett, ein Stuhl und ein kleiner Tisch, auf dem liebevoll in einer Vase zwei kleine Alpenveilchen standen. Dann schloss sie die Tür und tiefe Stille umfing mich. Nun war ich allein mit mir, mir selber ausgeliefert, allen meinen Gedanken, Gefühlen und meinem Schweigen. Genau das war es, was ich mir in den letzten Wochen so sehnlichst gewünscht hatte, einmal nicht agieren, keine Verantwortung übernehmen zu müssen.
 
Die erste Stunde saß ich einfach ganz still auf meinem Bett, schaute aus dem Fenster und beobachtete die Gedanken, die sich wie Berge in mir auftürmten und mich bedrängten. Das Loslassen des Zurückgelassenen ist nicht so einfach. Ein ständiger Kampf. Ruhigwerden, den Kopf frei bekommen. Immer wieder innere Anfragen: „Wie es der Mutter wohl geht? Konnte ich sie alleinlassen? Wie geht es mit der Arbeit? Wie klären sich zuhause die Probleme. Man erkennt sehr schnell, wie wichtig man sich selber im Alltag nimmt.
 
Wie sieht also der Klosteralltag nun aus. Der Morgen beginnt mit den Laudes, dem Morgengebet der Kirche, um 06.4o Uhr. Um o7.3o Uhr dann die tägliche Eucharistie, danach gibt es Frühstück. Um 12.15 Uhr findet die Mittagshore statt, danach Mittagessen, Schweigen, gegen 15.3o Uhr Kaffeetrinken, wenn man will. 17. oo Uhr wird die Vesper gebetet, 18.3o Uhr Abendessen, 19.4o Uhr Komplet und um 2o.oo Uhr die Matutin. Die Gebetszeiten sind ein Geschenk der Schwestern an die Gäste, man muss nicht teilnehmen. Jeder kann so wie er will. Manche meinen, sie müssten, aber ich habe mir die Freiheit genommen, nur wenn mir wirklich danach war. Ich liebe diese Stundengebete normalerweise, denn in den Versen der Psalmen finde ich mein eigenes Leben wieder. Hier jedoch störte mich, dass die Schwestern in Latein beteten. Ich fühlte mich ein wenig ausgegrenzt, außen vor. Es dauerte ein wenig, bis ich es akzeptieren konnte. Das hatte halt mit meiner Erwartung zu tun, weil ich es von Mariendonk her anders kannte. Aber hier wurde mir mal wieder bewusst, wie Erwartungen auch im Alltag blockieren konnten, wenn nicht alles so läuft, wie ich es mir vorstelle. Erwartungen sind sehr oft ein Hindernis, sie erzeugen Unmut, Ärger und Unwillen und man verliert die Offenheit für das ganz andere, Neue.
 
Die Mahlzeiten sind schlicht und einfach, aber es reicht absolut. Währenddessen ist man nicht alleine, denn man sitzt mit anderen Gästen zusammen. Nun gut, die kann man sich nicht aussuchen. Mal hat man Glück und lernt interessante, offene Menschen kennen. Mal hat man Pech, so wie ich dieses mal und sitzt in einem Kreis von gut-katholischen, grau-schwarz gekleideten Frauen, Haare zum grauen Zopf gewunden, demütig-gehorsam-gläubig der Kirche gegenüber. Ja Mensch, wie konnte ich auch so blöde Anmerkungen von mir geben, was bedeutet der Volkstrauertag, den wir ja am Wochenende hatten, hier in der Eifel dadurch auffällig, weil nach der Messe, die freiwillige Feuerwehr mit ihrer Blaskapelle zum Friedhof zogen um den im Krieg gefallen Helden die Ehre zu erweisen. Wie konnte ich nur einwerfen, dass meine Helden die waren, die sich verweigert hatten. Und wie konnte ich einfach sagen, dass ich das erzwungene Zölibat in der kath. Kirche nicht akzeptieren kann. Und wie ich bloß auf die Idee kommen konnte, lateinische Messen für elitär zu halten, die nicht unbedingt dazu angetan sind, junge Menschen für die Kirche zu gewinnen. Man kennt das ja, schnell ist man im Abseits und die anderen schließen sich zu einem Verbund zusammen und mit kleinen Gesten, Lächeln untereinander, Blicke austauschend, fühlt man, dass man allein ist. Na gut, dachte ich mir, bist du halt ein „Alleiner“, sowieso. Gut, dass es auch „Schweige-Mahlzeiten“ gab.
 
Zwischen all diesen Zeiten des Gebetes und der Mahlzeiten unternahm ich längere Spaziergänge durch die Felder. Es hatte geschneit am Wochenende. Die Wege waren leicht mit Schnee bedeckt und kleine gefrorene Eiskristalle knirschten unter meinen Schritten. Das heruntergewehte Herbstlaub war rutschig, und da es hier und da recht steil bergab ging, musste ich sehr auf meine Schritte achten. Hierbei fällt mir auf, wie wichtig Achtsamkeit im Alltag, für alles, was wir sagen, tun und denken, nötig ist. Der Mensch ist ein zerbrechliches Gefäß, zu schnell werden unbedacht Worte gesagt, die den anderen verletzen. Und ausgesprochene Worte haben natürlich immer einen Vater, den der Gedanken, daher ist eine Hygiene der Gedanken von Vorteil. Der Mensch ist, was er denkt. Meistens sind wir Sklaven unserer Gedanken, merken gar nicht, wie sie unser Handeln beeinflussen.
 
Die Luft macht schnell müde, aber vielleicht merke ich die Müdigkeit im Alltag auch nicht und übergehe sie in ständiger Aktion. Jedenfalls passiert es mir an diesem Wochenende zweimal, dass ich im Sessel sitzend über einem Buch einfach einnicke. Unfassbar, wann ist mir das in den letzen Wochen zuhause passiert!
 
Von den Schwestern selber bin ich immer wieder angetan. Sie strahlen eine innere Gelassenheit und eine Freude aus, die mich sehr berührt. Für jeden ein freundliches Wort. Der Geist der Welt scheint ihnen nichts anzuhaben, sie lassen sich nicht beirren. Und sie hören und sehen viel Leid. Tagein, tagaus leben sie in ihrem Rhythmus, beten, arbeiten, schweigen. Beneidenswert! Oder? Nun in jungen Jahren hatte ich oft den Wunsch, einem Orden beizutreten. Heute könnte ich mir das nicht mehr vorstellen. Einsamkeit, Rückzug ja, aber immer nur für eine gewisse Zeit, sozusagen als Kraftspender, für die Dinge, die getan werden müssen und die mir grundsätzlich ja auch Freude machen.
 
Zwischendurch bekomme ich mit, wie eine Frau an der Pforte klingelt und um Nahrungsmitteln und Almosen bettelt. Die Schwester erzählt mir, dass ca. 15 unterschiedliche Menschen über das Jahr hinweg an der Klosterpforte um Almosen bitten. Jeder geht mit einem Paket weg. Unter anderem erzählt sie mir von einer syrisch-aramäischen Familie, die von ihnen betreut wird. Die Familie mit drei Kindern verfügen über keine Aufenthaltsgenehmigung, haben keine deutschen Pässe, sind nur geduldet, das schon über Jahre und müssen von 64o,--? im Monat leben. Das muss man sich mal vorstellen.
 
Das Kloster trägt sich aus den Einnahmen der Gästebewirtschaftung. Über andere Einnahmen verfüge sie nicht.
 
Ja, das war es schon. Nichts Spektakuläres. Zwei Tage sind schnell vorüber, obwohl man nichts tut. Ein letzter Rundgang ums Kloster Steinfeld und schon muss ich wieder die Heimfahrt antreten. Ich fühle mich ein wenig gestärkt, doch habe ich auf viele Fragen immer noch keine Antworten. Ich weiß, was ich nicht will, aber immer noch nicht, was ich will. Damit muss ich wohl noch eine Weile leben, es in Geduld tragen. Türen öffnen sich wohl erst, wenn man es nicht mit Gewalt versucht. Aber es war schön, mal wieder zu sehen, was wirklich wichtig ist und was unwichtig ist. Die Spreu vom Weizen trennen, dafür braucht man einen klaren Kopf!
 
Klöster sind Orte zur Besinnung. Es tut gut, zu wissen, dass es Menschen an Orten gibt, die für die Belange der Welt beten. Manchmal hilft wenigstens das!
 
Als ich im Auto sitze, geht das Radio an und ich höre die Nachricht vom Amoklauf in einer Kölner Schule.
Diesen Post teilen
Repost0
10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 18:46
Lebensmitte nennen die meisten diese Zeit zwischen 4o und 5o, obwohl mit 5o hat man sie ja meistens schon überschritten, wenn man nicht, wie kürzlich Johannes Heesters 1o4 Jahre alt wird. Jedenfalls in der Mitte meines Lebens fühle ich mich ein bißchen wie ein Sandwich, eingequetscht von der Vergangenheit, wo man allerhand bewältigt hat. Mensch was hat man nicht alles erreicht, sich befreit von dem, was man aus dem eigenen Elternhaus mitbekommen hat, eine eigene Familie gegründet, Kinder großzgezogen, dazu erfolgreich. Man könnte sich zurücklehnen. man hat es geschafft.
 
Die ersten Zukunftperspektiven deuten sich möglicherweise an, Wünsche und Träume kommen auf, aber dann wird man ganz schnell auf den Boden der Tatsachen komplimentiert. Denn die eigenen Eltern bedürfen der AUfmerksamkeit und Pflege. Gehört man nicht zu denen, die die These vertreten, jetzt bin ich dran und schickt die Alten ins Pflegeheim oder Altenheim, dann war das nix mit den eigenen Wünschen und Träumen, die müssen erstmal wieder vertagt werden.
 
Gestern ist mein letztes Kind, der Sohn, nun endlich ausgezopgen. Ich geb es zu, ein bißchen hab ich ihn angestupst, aber der Kopf sagt mir, das war gut so, aber die Gefühle und das Herz weinen jetzt doch ein bißchen. Mein Blick fällt in sein ehemaliges Zimmer, leer geräumt. Die schönen Gespräche mit ihm jeden Tag, sein Nachhausekommen und in die Töpfe gucken, was Mama gekocht hat, seine Frage, ob ich diess oder jenes Hemd von ihm gewaschen und gebügelt habe, bleiben aus. Ich muß mich tatsächlich von der Gemütlichkeit eines Familienlebens verabschieden, das fällt schwer. Schwere jedoch fallen mir die Antworten, die ich von anderen darauf bekomme."Ist doch gut so!" "Mir hat das gar nichts ausgemacht!"
 
Aha, denk ich, bin ich nur so merkwürdig veranlagt? Hänge ich nur zu sehr, an dem was war? Und mal wieder muß ich mich selbst bestätigen, in dem ich mir sage, Röschen, dat ist alles richtig so, ist doch klar, dass man vermißt, was man geliebt und gewollt hat.
 
Man läßt ja nicht nur die Kinder los, sondern auch sein eigenes Ideal, das wofür man gelebt hat und eine neue Perspektive ist ja noch nicht in Sicht. Es sei denn die, jetzt die Eltern zu pflegen.
 
Geht dann auch noch das letzte Elternteil, so wie bei mir, die Mutter, dann steht man urplötzlich vor der Wahrheit:" Jetzt gehörst du zu den "Alten".
 
Oft sagen Kinder, die das mittlere von Dreien waren, ich hab mich gefühlt wie ein Sandwich-Kind. Immer hatten nur die ersten und die letzten die volle Aufmerksamkeit, ich fühlte mich ein bißchen benachteiligt.
 
Genau so ist es wohl auch mit der Lebensmitte, man hegt und pflegt die schöne Vergangenheit, sieht mit Wünschen und Träumen begehrlich auf die Zukunft, aber der Moment, in dem man gerade lebt, hindert einen, das zu tun, was man gerne möchte. Verzicht ist angesagt. Kommt jetzt nur darauf an, wie mna damit umgeht. Ich hoffe, ich schaffe es und komme doch irgendwann einmal dazu, meine eigenen, ganz persönlichen Lebensträume wahrzumachen.
Diesen Post teilen
Repost0
10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 18:41
Jetzt ziehen sie wieder durch die Straßen, die Kinder als Boten und Zeichen der Heiligen Drei Könige, die das Kind suchten und es in einer Krippe fanden, und ihm ihre Geschenke dar brachten, Weihrauch als Zeichen dafür, dass der Mensch Geist und Seele ist, so wird er in der heiligen Messe als Erinnerung an die Anwesenheit des Heiligen Geistes eingesetzt. Dann die Myrhe, das Kraut aus dem auch Salbe hergestellt wurde und Könige gesalbt wurden. Und zum Schluß das Gold, auch dies ein Zeichen für die Königswürde.
 
Ich erinnere mich mit Wehmut an die Zeiten, als ich in meiner Arbeit als Kommunionbegleiterin mit den Kindern durch die Straßen gezogen bin und Geschenke und Gaben für die Bedürftigen dieser Welt gesammelt habe. Jedes Jahr wurde ein anderes Projekt unterstützt.
 
Ach, was war das für ein Spaß, wenn auch jedesmal aufwendig die Mühen. Doch die gute Erfahrung mit den Kindern, die Gemeinschaft, die sie in dieser Zeit erfahren haben, war immer eine tausendfache Belohnung.
 
Jedesmal hatten wir eine kleine Liturgie mit den Kindern gefeiert, in denen wir ihnen die Zeichen erklärten, die Projekte nahe brachten, wofür sie sammelten und dass es eine ganz besondere Aufgabe für sie war, an einem guten Werk teilzunehmen. Und dann ging es los. Nie hatten wir eine negative Erfahrung gemacht. Von allen Menschen, die, die uns aufgefordert hatten, zu kommen, aber auch ganz unverhoffte, die uns auf den Straßen sahen und uns hereingebeten haben, ist nur Frohes und Freudiges zu berichten. Die einen standen andächtig vor der Türe, hörten den Liedern der Kinder zu und gaben ihren Beitrag in ein eigenes dafür verziertes Schmuckkästchen. Die anderen baten uns herein, bewirteten uns freundlich und man erzählte dies und das. In den Wohnungen, wo die Krippen aufgebaut waren, durften wir diese bestaunen, war es schon später Nachmittag und es dunkelte draußen, dann wurden die Kerzen am Baum angezündet und die Kinder standen ehrfürchtig davor. Dann am Ende mit Kreide das Zeichen "C* M * B*, Christus mansionem benedicat“ (= „Christus segne dieses Haus“). Wer kann den Segen nicht gebrauchen?
 
Für einige meiner Kinder war es oftmals eine erste Erfahrung von gemeinschaftlichem Tun. Das schweißte zusammen. Da waren, da wir in Nippes auch Kinder aus Brennpunkten dabei hatten, so manche dabei, die besonderer Aufmerksamkeit und Fürsorge bedurften, um überhaupt zu lernen, sich sozial und gemeinschaftlich zu verhalten, zu teilen und dem anderen auch schon mal den Vortritt zu lassen. Jeder war angenommen, ich glaube, das war eine der wichtigsten Erfahrungen für die Kinder.
 
Manchmal war es naß und kalt, die Gewänder, extra von ehrenamtlichen Helfern für diesen Zweck mit Liebe genäht und verziert, durchgeweicht, aber nie, obwohl wir manchesmal sechs oder sieben Stunden unterwegs waren, gab es eine Klage. Wir machten zusammen eine Mittagspause, in der wir das von anderen Gemeindemitgliedern liebevoll zubereitete Essen zu uns nahmen. Natürlich immer die Lieblingsgerichte der Kiddys. Auch das war, wenn man die Kinder nachher fragte, was denn das Schönste war, einer der Erfahrungen, die sie besonders betonten, das gemeinsame Essen, den Spaß und die Freude, das Erzählen und Zuhören im Miteinander. Viele kannten das gar nicht.Und natürlich dann am Ende der Aktion der Stolz über den zusammengebrachten Betrag!
 
So hatten wir jedes Jahr viele, viele freiwillige kleine Helfer, sie sich darum rissen, in ihren Ferien diesen Dienst zu tun. Natürlich bekamen auch die Kinder neben den Spenden Tüten von Keksen, Schokolade und Obst geschenkt. Was haben wir nicht alles geschleppt auf diesen Wegen. Ich muß heute noch lächeln, denn, wenn ich mit den Kindern ging, die ja in ihren Händen die Gefäße mit den drei Gaben hielten, mußte ich immer hinterdrein und die Geschenke schleppen. Einmal sagten sie, die arme Frau L... muß alles für uns schleppen. Nun sagte ich immer, ich bin eben euer Kamel. Und von da an hatten sie ihren Spaß mit dem "Kamel".
 
Nach getaner Arbeit dann am Abend das Verteilen der Geschenke. Jeder kam zu seinem Recht, nie wurde darauf geschielt, was der andere bekam und dann zogen sie seelig wieder nach Hause, um am nächsten Morgen wieder in aller Frühe gestiefelt und gespornt bereit zu stehen.
 
Ein großes Ereignis war natürlich die Aussendung im Dom, wenn sich tausende kleine Könige, einer schöner wie der andere zusammenfanden. Sie sahen, dass sie nicht alleine waren, knüpften Kontake, erfuhren, dass es ein Netz gemeinsamen Einstehens, der Anteilnahme und Hilfe für andere gab.
 
Was kann schöner sein, als das Kinder eine solche Erfahrung machen, ein leuchtender Stern für andere zu sein.
 
So wäre ich gern noch einmal "Kamel"!
Diesen Post teilen
Repost0
10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 18:39

Jeder stirbt anders, das ist mir in meiner momentanen Situation mit meiner Mutter wieder sehr bewußt. Das Sterben kann sich lange hinziehen. Ich selber fühle mich, als wenn die Welt um mich herum stillsteht. Das Leben geht ohne einen weiter. Du schaust aus dem Fenster, siehst die Hektik, hörst das Dröhnen der Motoren der Autos, hörst die Sirenen vorbeifahrender Kranken- und Polizeiwagen, liest die Nachrichten in den Zeitungen, ab und zu schaust Du mal in den Fernseher und doch geht irgendwie alles an dir vorbei. Es erreicht Dich nicht mehr. Dazu kommt das eigene Funktionieren, du kannst nicht bei der Arbeit Deinem Schmerz Ausdruck geben und doch gibt es immer wieder den einen oder anderen, der es bemerkt, das man anders ist wie sonst. Du versuchst zu funktionieren, abends dann, fällst du erschöpft ins Bett, spürst deinen Körper nur noch über den eigenen Schmerz und die Erschöpfung.
 
Eines aber ist gewiss, und diese Erfahrung hab ich nun zum wiederholten Male gemacht. Alles, aber auch alles, was im Leben passiert ist, sei es positiv oder negativ, kommt in den letzten Stunden wieder zum Vorschein. Wieder darf ich Zeuge sein, diesmal bei der eigenen Mutter, wie Versöhnung, Aussöhnung und Nähe auch noch im letzten Moment entstehen kann. Dafür bin ich dankbar.
 
Was mir jedoch, wie jedesmal, wieder auffällt, ist das Viele den Umgang mit Sterbenden nicht gewöhnt sind, nicht gelernt haben, nicht erahnen und erspüren, was sie dazu beitragen können, wie sie sich verhalten sollten, um dem Sterbenden die Würde und den nötigen Respekt entgegenzubringen. Ich muß die Mutter oft regelrecht beschützen vor so viel Ungeist, vor soviel sich selber in den Mittelpunkt stellen, vor so viel Drauflosreden, ohne zu überlegen, wie es bei dem Sterbenden ankommt und was es mit ihm macht. Das ist wirklich schlimm und bestürtzt mich außerordentlich. Dabei brauch man bloß still dabei zu sitzen. Der Sterbende möchte einfach nur wissen und spüren, dass Jemand da ist. Auch gibt er Zeichen, wann es ihm genug ist, man muß es nur sensibel wahrnehmen, aber die Meisten haben diese Sensibilität verloren.
 
Als ich vor ein paar Tagen so still bei meiner Mutter saß und in einem Buch las, fielen mir diese Zehn Gebote im Umgang mit Sterbenden in die Hand! Ich schreib sie nun hier einfach nieder, und vielleicht kann es ja der eine oder andere selber einmal gebrauchen!
 
1) Laß nicht zu, dass ich in den letzten Augenblicken entwürdigt werde. Das heißt, laß mich, wenn es irgendwie einzurichten ist, in der vertrauten Umgebung sterben. Das ist schwerer für dich. Aber es wird dich bereichern, Sterbebegleiter zu sein.
 
2) Bleibe bei mir, wenn mich jetzt Zorn, Angst, Traurigkeit und Verzweiflung heimsuchen. Hilf mir, zum Frieden hindurchzugelangen.
 
3) Denke dann nicht, wenn es soweit ist und du hier ratlos an meinem Bett sitzt, daß ich tot sei. Das Leben dauert länger, als die Ärzte sagen. Der Übergang ist langwieriger, als wir bisher wußten. Ich höre alles, was du sagst, auch wenn ich schweige und meine Augen gebrochen scheinen. Drum sage jetzt nicht irgendwas, sondern das Richtige. Du beleidigst nicht mich, sondern dich selbst, wenn du jetzt mit deinen Freunden belanglosen Trost erörterst und mir zeigst, dass du in Wahrheit nicht mich, sondern dich selbst bedauerst, wenn du nun zu trauern beginnst. So vieles, fast alles ist jetzt nicht mehr wichtig.
 
4) Das Richtige, was du mir jetzt sagen möchtest, wenn ich dich auch nicht mehr darum bitten kann, wäre zum ersten das, was es mir nicht schwer macht, sondern leichter macht, mich zu trennen. Denn das muß ich. Ich wußte es auch längst, bevor du oder der Arzt es mir mit euren verlegenen Worten eröffnet hat. Also sag mir, daß ihr ohne mich fertig werdet. Zeig mir den Mut, der sich abfindet, nicht den haltlosen Schmerz. Mitleid ist nicht angebracht. Jetzt leide ich nicht mehr. Sag mir, daß du das und das mit den Kindern vorhast und wie du dein Leben ohne mich einrichten wirst. Glaub nicht, es sei herzlos, das jetzt zu erörtern. Es macht mich freier.
 
5) Das Richtige, was du mir jetzt sagen möchtest, wenn ich dich auch vielleicht nicht mehr bitten kann, wäre das Wort, aus dem ich gelebt habe. Wenn nichts bleibt vom Leben auf Erden, so sind es doch diese Worte. Und wenn sie nie Wort geworden wären in unserem Leben, so mußt du jetzt versuchen, sie zu finden. Hat sie es nicht gehabt, so hat unsere Liebe doch immer auf ihr Wort gehofft. Vielleicht war es ein einziger Bibelvers, aus dem wir lebten ein Leben lang, ein einziger, der unser Suchen zusammenfaßt, oder irgendein anderer Satz, der mir etwas bedeutet hat. Versuch ihn zu finden und ihn mir ins Ohr zu sagen. Ich höre.
 
6) Ich höre, obwohl ich schweigen muß und nun auch schweigen will. Halte meine Hand. Ich will es mit der Hand sagen. Wisch mir den Schweiß von der Stirn. Streich die Decke glatt. Bleib bei mir. Wir sind miteinander verbunden. Das ist das Sakrament des Sterbestands. Wenn nur noch die Zeichen sprechen können, so laß sie sprechen.
 
7) Dann wird auch das Wort zum Zeichen. Jetzt hättest du mehr von mir zu lernen als ich von Dir. Ich blicke schon durch die Tür. Jetzt, da ich davongehe, wünsche ich, das daß du beten kannst, das heißt, das Gute erkennst, dass uns geschickt wird, für den der glaubt, von unserem Gott. Klage nicht an - es gibt keinen Grund. Sage Dank - ich werde Gott schauen. Und dir wird es auch geschenkt werden.
 
8) Morgen, wenn sie dich nicht mehr allein lassen mit mir, sorge dafür, daß der Ton dieser Stunde zwischen uns nicht verlorengeht. Laß die ehrenden Worte auf der Anzeige, den Aufwand auf dem Friedhof. Das alles erreicht mich nicht mehr.
 
9) Und wenn dir mein Sterben ferner und ferner rückt, die letzten Kondolenzen beantwortet sind und du, wie es jedermann erwartet, in Trauer zurückfallen sollst, so wehre dich mit aller Kraft. Das viele Trauern in der Welt ist nur die andere Seite des Unglaubens, und das schlimmste ist, dass gerade die meisten Christen Ernst und Traurigkeit verwechseln und von der Sonne singen, ohne sie zu leben. Du sollst von mir nur wissen, das ich der Auferstehung näher bin als du selbst.
 
1o) Nimm mit dir mit, was wir zusammen erlebt haben, als ein kostbares Vermächtnis. Laß mein Sterben dein Gewinn sein, wie das Sterben unseres Gottes Gewinn ist. Leb dein Leben fortan ein wenig bewußter als dein Leben vor dem Tod. Es wird schöner, reifer und tiefer, inniger und freudiger sein, als es zuvor war, vor meiner letzten Stunde, die meine erste ist.
 
Mir haben sie sehr gefallen, diese Worte und ich hab mich an vielen Punkten wiedergefunden. Ich kann sie alle bestätigen aus den Situationen und Erfahrungen, die ich im Moment erlebe.
 
Ach ja, gestern sagte meine Mutter zu mir:" Du, Kind, ich stand vor der Türe!"
 
Wir haben uns lachend verabschiedet, wie zu jeder Nachtstunde!

Diesen Post teilen
Repost0
10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 18:39
Angst essen Seele auf! An den Film von FR.W. Faßbinder erinnere ich mich noch sehr genau, ich hab ihn mehrmals geschaut. Allein der Titel hat mich fasziniert, zeigten doch meine Erfahrungen im täglichen Leben, dass es genau so ist. Wer sich von Angst leiten läßt, hindert sich am Leben.
 
Heute Morgen fiel mir der Spruch wieder ein, beim Lesen eines Artikels im KSTA über eine Erfahrung einer jungen Frau, die nächstens durch Köln allein unterwegs ist, sei es mit der Bahn, mit dem Taxi oder zu Fuß.
 
Ich bin jetzt 52 Jahre alt und wenn ich auf mein Leben zurückblicke, gab es drei möglicherweise brenzlige Situationen diesbezüglich. Da ich als Kind und junges Mädchen Gewalt in vielfacher Weise im eigenen Elternhaus erfahren habe, hatte ich eigentlich alles erlebt, was einem an Furchtbarem zustoßen kann, daher war ich wohl etwas nüchterner und kühler gegenüber Situationen, in die ich mich unwissentlich begeben hatte, wenn ich nächstens unterwegs war.
 
Da gab es die eine Situation, als ich gegen 3.oo Uhr morgens an der Bahnhaltstelle Ebertplatz ausstieg, damals gab es die Ubahn noch nicht und mich auf den Nachhauseweg über den Theodor-Heuß-Ring begab. Plötzlich hörte ich Schritte hinter mir. Blieb ich stehen, ruhten die Schritte auch. Da war sie, die Angst, sie kroch ganz leise und langsam in meinem Inneren hervor und beschlagnahmte mich. Genau in diesem Moment dachte ich, das geht nicht, du darfst dich da jetzt nicht hineinfallen lassen! Also probierte ich es aus, blieb stehen, horchte, was passierte, ging weiter, blieb wieder stehen und da kam ich zu dem Schluß, jetzt muß ich handeln. Also drehte ich mich kurzerhand um, schaute einem Mann ins Gesicht, der mich grinsend ansah. Ich nahm all meinen Mut zusammen und sagte zu ihm:"Wenn DU jetzt nicht abhaust, dann nehm ich meine Pistole und glaub ja nicht, ich würde Spaß machen!" Ich weiß nicht, woher ich die Kraft nahm, aber es hat geholfen. Ich drehte mich um und auch er drehte sich um und verschwand in die andere Richtung.
 
Ein anderes Mal fuhr ich von der Altstadt aus einem Diskothekenbesuch, damals noch Townhill, mit einem Taxi nach Hause. Es war früher Morgen, 5.oo Uhr und ich fühlte mich sicher. Als ich aber dann am Theodor-Heuß-Ring aussteigen wollte, hielt der Fahrer mich fest und versuchte einen Übergriff, dem ich mich heftig zur Wehr setzte und ihm androhte, ich würde ihn melden. Daraufhin schmiß er mich aus dem Auto und ich ging mit zitternden Knien durch den Park in mein elterliches Wohnhaus.
 
Die dritte Begebenheit liegt noch nicht solange zurück, ungefähr ein halbes Jahr. Ich hatte mich mit Frauen, die ich in der Reha in St.Peter-Ording kennengelernt hatte, zu einem Wiedersehen in Sülz getroffen. Es war schön, fröhlich, aber auch spät. Ich, wie immer mit dem Fahrrad unterwegs. Gegen 1.3o Uhr trat ich die Heimfahrt an über den Gürtel Richtung Nippes. Auf der Höhe des Melatenfriedhofes überholte mich plötzlich auf der einsamen nächtlichen Straße, kein Auto mehr unterwegs, ein Radfahrer. Ich dachte mir zuerst nichts dabei, aber dann verringerte er seine Geschwindigkeit. Ich merkte es und wurde auch langsamer, beobachtete, was passierte. Als er dann plötzlich mitten auf dem Radweg zum Stoppen kam und sich quer über den Radweg postierte, überfiel mich dieses bekannte Angstgefühl. Aus der Panik heraus drehte ich sofort um und fuhr wieder zurück, den Weg suchend über die Aachener Straße Richtung Ringe, um dort meinen Heimweg weiter zu verfolgen. Ich muß schon sagen, mein Adrenalinspiegel war auf Hundert. Ich weiß nicht, ob es Zufall war, vielleicht wär auch gar nichts passiert, aber von da an, achte ich nun doch mehr darauf, dass ich, immer mit dem Fahrrad unterwegs, auf Straßen nach Hause fahren, die in irgerndeiner Weise noch belebt sind. Mein Handy hab ich immer dabei.
 
Trotzallem, ich muß der jungen Frau in dem Artikel Recht geben, mit der Bahn würd ich nachts nie allein nach Haus fahren. Vor kurzem wurde eine junge Frau an der Haltestelle Florastraße brutal überfallen und vergwaltigt. Den Täter hat man wohl nie gefaßt.
 
Höchstens ein Taxi, aber das auch nur auf Anruf über die Zentrale. Das sind m.E. Sicherheitsmaßnahmen, die unbedingt einzuhalten sind. Ansonsten fühle ich mich, wenn ich nachts unterwegs bin, grundsätzlich sicher und Herr meiner Lage.
 
Ich werde mich davor hüten, aus lauter Angst und Hysterie, verursacht durch die Medien, mich am Leben zu hindern. Da könnte ich ja direkt zuhause bleiben. Wie sollen wir am Leben teilnehmen, wenn wir uns von der Angst fesseln ließen. Ja, das Leben ist gefährlich, überall könnte jemand lauern. Aber ich wehre mich gegen diesen Pessimismus und werde verdammt nochmal mein Leben nicht davon bestimmen lassen. Ich werde weiter, trotz aller negativer Erfahrungen in meinem Leben, mich von guten Gedanken und meinem Vertrauen darauf, dass alles gut geht, leiten lassen und mich nicht mehr als nötig von Ängsten leiten lassen. Im Grunde ist Angst ja nicht negativ, sie zeigt uns auch, welche Maßnahmen wir ergreifen müssen, um uns zu wehren. Also, ein bißchen Angst ist schon in Ordnung, aber mehr auch nicht.
 
In diesem Sinne, lassen wir uns nicht verrückt machen. Die Welt ist Gut und Böse. Hoffen wir also weiter, dass uns in unserem normalen kleinen Alltag nur das Gute widerfährt.
Diesen Post teilen
Repost0