Overblog
Folge diesem Blog Administration + Create my blog
24. Mai 2017 3 24 /05 /Mai /2017 15:57

Hip-Hop-Konzert. Auweia, dachte ich, als die Einladung kam von einer Freundin. Ist das noch was für mich. Also, nicht, dass ich auch einiges kenne und es gern ab und an höre, jedoch auf einem Konzert war ich noch nie.
 
In meinem Alter.... geht das noch, werd ich da nicht komisch angeguckt. Immerhin ist die Freundin 22 Jahre jünger, aber auch sie fragt sich schon manches mal, wenn sie den Altersdurchschnitt sieht, geht das. Natürlich geht das. Hab ich jetzt festgestellt.
 
Ich bekomme ja manchmal oft Dinge gesagt, die scheinbar nicht mehr zu meinem Alter passen. Es ist auch schwer, weil, wenn du älter wirst, bleibst viel allein, denn, erstens sind manchmal schon einige deiner Jugendfreunde verstorben und zweitens die anderen, die noch bleiben, leben so saturiert ihr Alltagsleben, da paß ich oft nicht mehr rein.
 
Neulich sagte mal wieder einer zu mir, schneid endlich mal deine Zöpfe ab, das geht gar nicht mehr. Pfff, dachte ich, mir doch egal, ich lauf mit den Zöpfen so lang herum, wies mir gefällt und ich mich darin wohl fühle.  Alte Zöpfe abschneiden, gut, manchmal ist das schon richtig und wichtig, ich jedenfalls will aber nicht ohne meine Vergangenheit leben. Wer nur in der Gegenwart lebt, dem ist doch schnell langweilig. Was wär der Mensch ohne seine schönen Erinnerungen, auch die nicht so schönen, denn sie zeigen uns ja auch auf, was wir gelernt haben im Leben. Und das ist gut so.
 
Also, nicht dass der Eindruck entsteht, ich mache mir keine Gedanken übers Älterwerden. Die kommen doch sowieso von alleine. Nix geht mehr so wie früher, aber das ist eigentlich auch ein doofer Gedanke, weil, das kannst du dir ja in jedem Alter denken. Mit 20 geht auch nix mehr so wie mit 10, ist doch so. Also eigentlich Blödsinn. Es ist der Lauf der Dinge, dass wir Menschen auf den Tod zu gehen und dass der Abbau nunmal im Programm steht. Ich weiß gar nicht, wieso sich die jüngeren Leuts immer so arrogant über das Alter äußern. Die sind blind für ihre eigene Wirklichkeit, sonst täten sie es nicht. Aber egal, ich will jetzt nicht schwadronieren über philosophische Betrachtungen des Älterwerdens, sondern ein wenig erzählen, wie es mir alter Jahrgang mit meiner Freundin auf dem Konzert von Käptn Peng ergangen ist.
 
Das Palladium, in dem das Konzert stattfinden sollte, liegt ein wenig am Nebenschauplatz von Köln-Mülheim auf einem jedoch sehr schönen Gelände, wie ich finde, direkt neben Schauspielhaus und Depot. Dort war ich nämlich auch vor einiger Zeit zum Theaterstück Adams Äpfel und sah die Anlage das erste mal, seit dem ich wieder in Köln lebe. Hat mir sehr gefallen, der ganze Bereich vor den Aufführungshäusern mit einigen Lokalitäten und einem Biergarten. Das lädt doch zum verweilen ein.
 
Angekommen am Palladium wollen wir eigentlich was trinken und eine rauchen. Fragten die Security ob wir,  nachdem wir drinnen ein Getränk erworben haben, wieder raus könnten, wegen Kippchen rauchen. Nö, geht gar nicht. Abgerissen die Karte, dann kannste nicht mehr rein. Blödsinn sagte ich. Wieso? Kannste doch nen Stempel geben. Hatten se nich. Na gut, typisch deutsche Organisation. Obwohl, später dann dachte ich, ist vielleicht auch schwierig wegen der Kontrolle im Hinblick auf den Terrorwahn. Verstehe. Alles gut. Drinnen gabs dann auch einen Ausgang zum Hof, wo wir noch Zeit hatten zu trinken und zu schmocken. Dort saßen schon einige Leute auf dem Boden herum. Junge Leute, Altersdurchschnitt 28 Jahre würd ich mal so sagen.
 
Hm..wieder kurz so ein Gedanke in mir, Roeschen, was machste hier. Aber wir waren in guter Stimmung, meine Freundin und ich. Hatten uns auch viel zu erzählen. Und überhaupt, dem Geist und dem Gefühl ist es doch wurscht, ob du ein paar Falten mehr oder weniger hast, irgendwo da an Stellen deines Körpers. Und wie jung ich letzten endes bin und mich fühle, ist total unabhängig von der Vergänglichkeit des Körpers. Stellte ich dann auch recht schnell mal wieder fest.
 
Wir kämpften uns durch bis zur Bühne. Ich muss vorne stehen bei Konzerten. War schon immer so. Und die Freundin ebenfalls. Das paßte ja prima. Die Vorband Pavlidis, zwei Typen, erschienen und legten sogleich los. Rap, Hip-Hop, teils mit orientalischem Instrumenteneinschlag. Gefiel mir auf Anhieb. Da ging ich direkt ab. Leider hab ich nicht herausbekommen können, was für ein Instrument einer der beiden Jungs spielte, aber es war wahnsinnig gut. Und die Texte sowieso. Es ist ja beim Hip-Hop so, dass es recht schwierig ist oft, auf Beides zu achten, den Text und das Musikarrangement. So wechselte ich zeitweise.
 
Ich blickte hin- und wieder um mich herum und bekam meinen Eindruck des Altersdurchschnitts der Konzertbesucher bestätigt. Hier zählte ich, aber auch meine Freundin tatsächlich zum alten Eisen, wie man so schön zu sagen pflegt. Alles junge Leute. Doch egal. Macht ja nix. Ich habs eh nicht so mit Eisen, liebe Holz viel mehr, es ist viel leichter zu be- und verarbeiten und strömt einen intensiven Duft aus und der ist noch ganz unterschiedlich, je nachdem von welchem Baum und Strauch er abstammt. Und eine Skultptur aus Holz, oder ein anderer Gegenstand, ja auch das Möbiliar aus Holz das strömt doch eine Wärme aus, ohne die ich gar nicht leben möchte. Aber schon wieder schweife ich ab.
 
Pavlidis spielen genau 1 Stunde, bevor der Käptn mit seiner Tentakelband auf die Bühne kommt. Das Publikum johlt und klatscht. Die freudiger Erwartung ist ihnen allen anzumerken. Die kennen sich aus. Haben ihn wohl schon mehrmals gesehen. Meine Freundin übrigens auch. Sie ist ihnen schon mehrfach hinterhergereist. Ich kenne das, hab ich auch oft gemacht, wenn mich die Begeisterung für eine Band oder eine Musik erwischt hat. Dann kann ich erstmal ganz lange nicht davon lassen. Begeisterungsfähigkeit für etwas im Leben ist für mich das Salz in der Suppe. Ich könnte gar nicht leben, ohne mich immer mal wieder für irgendetwas zu begeistern. Manchmal hab ich den Eindruck, dass das Begeisterungsgen bei den Menschen um mich herum erloschen ist. Alle leben in ihrem Hamsterrad und Trott und ggfs. wird etwas abgehakt, weil man ja schließlich irgendwas machen muss. Ich kenne das aus der Familie. Da gibt es so Leute, wenn du die triffst, dann erzählen  die ohne Punkt und Komma, wo sie jetzt wieder überrall waren, Tansania, Tokio, Dubai, London, Khuala Lumpur und das nächste Ziel ist schon ins Auge gefaßt. Aber ich habe bei ihren Erzählungen immer das Gefühl, dass sie eigentlich gar nicht da waren. Husch, husch, husch und weiter. Nun ja...mir solls wurscht sein.
 
Bevor also der anscheinend legendäre Käptn die Bühne betrat ergab sich aber noch ein kurzes Geplänkel, was mir nachhaltig zu denken gibt. Eine wirklich aggressive Situation. Da kam wohl eine Konzertbesucherin, die sich ein Getränk geholt hat, wieder an ihren Platz zurück und wurde von einer anderen dermaßen aggressiv attackiert und das nicht nur wörtlich, sondern auch körperlich. Bisserl schmunzeln musste ich ja, denn die Attackiererin war deutlich körperlich kleiner als die Attackierte. Sie solle sich gefälligst nicht vordrängeln oder so ähnlich, ganz genau hab ich das auf die Schnelle gar nicht erfassen können und daß sie ihren Hut abnehmen solle. Hehe, ich war fassungslos. So was hab ich in all meinen alten Festival- und Konzertbesuchszeiten noch nie erlebt. Also damals, 1970, da war ich dabei auf der Insel Fehrman, gerade mal 15 Jahre alt, heimlich abgehauen und per Anhalter mich durchgebracht, um dann mit Kniffs und Tricks auf das Gelände zu kommen, Hatte auch geklappt. Da gab es Unruhen, jedoch hatte ich null komma nix davon mitbekommen. War so. Hatte es erst später erfahren.
 
Ansonsten hab ich nie agressvie Situationen bei ähnlichen Events erlebt und schon gar nicht so hautnah. Fühlte mich fast ein wenig hilflos, mischte mich ein und versuchte die Situation irgendwie zu schlichten und zu besänftigen. Aber die Agression dieser kleinen Konzertbesucherin war so heftig und schien nicht ruhen zu wollen. Ich war heilfroh, dass erstmal Stille herrschte dann für eine gewisse Zeit. Ich bot ihr auch an, dass sie nach vorne, vor mir den Platz einnehmen solle. Das lehnte sie jedoch ab mit dem Hiwneis, sie wolle schließlich bei ihren Leuten bleiben. Bisserl Unmut hatte ich da schon und sagte ihr das dann auch, nun ja, alles kann man eben nicht haben wollen und gut ist.
 
Dann endlich ging es los, eine gewaltige Inszenierung da vorne auf der Bühne mit Lichtshowelementen, die nicht zu stark ins Gewicht fielen, aber dennoch dem ganzen ein gewisses Etwas verliehen. Der Käptn, übrigens mit richtigem Namen Robert Gwisdek und Sohn von Schauspielereltern, Peter Gwisdek und Corinna Harfouch oder wie die heißt, sorry, die kann ich gar nicht ab, aber da kann der Sohn ja nix dafür.  Wie ich dann im Vorfeld schon gelesen hatte, war er publikumsmäßig nicht unbekannt. Hatte schon nach der Schauspielschule in einigen Filmen im Fernsehen mitgewirkt und war auch wohl bei Hörspielen gut unterwegs. Seine Filmographie ist schon recht beachtlich. Nun ja, ich bin zumeist ein wenig weltfremd, mir war er bis dato nicht bekannt. Er erinnerte mich auch an meinen Sohnemann, die junge Generation halt, die wach und aufmerksam die Welt betrachtet und wenn sie einmal loslegt mit dem Reden unglaublich viel Reflektiertes herauskommt, dem ich gerne zuhöre. Ich bin froh, dass es solche Menschen gibt, die da in die Zukunft weiter hineinwachsen und anderes hoffentlich mitgeben können.
 
Endlich begann aber das Szenario. Ja Szenario, Vorstellung, Projekt, Kunst, Musik, alles zusammengefügt, war das Bild, das sich vor meinen Augen bot. Die Menge hinter mir tobte. Ich spürte noch immer diese negativen Energien hinter mir. Ich bin son Typ. Ich konnte das auch nicht ganz ausschalten. Dennoch war ich in Bann gezogen. Während ich noch bei Pavlidis mit tanzte und hüpfte, obwohl auch ihre Texte sehr nachdenklich waren und mir alle gefielen, war ich beim Käptn und dem Tentakel von Delphi eher hypnotisiert. Das teilweise Rezitieren von Texten verschlang mich regelrecht und ich musste auch aufpassen, alles zu verstehen, die Musik und die Lautstärke verschluckte einiges. Aber ich höre es nach, während ich diesen kleinen Blog schreibe, ganz still hier an meinem PC.
 
Alle Songs sind mit Texten ausgestattet, die intelligent und gesellschaftskritisch waren. Auch fehlte die eigene Beleuchtung des Seins nicht. Ich mag so etwas einfach. Ich fragte mich, während ich mich hin.- und wieder umschaute und der Menge zusah, ob da etwas rüberkommt. Denn, viele, die da so mithüpften und begeistert waren, erschienen mir vom äußeren Bild her eher wie Gefangene ihres Lebens, obwohl sie noch so jung waren. Ob sie eigentlich damit etwas anfangen konnten, mit dem Inhalt der Songs. Mitsingen ist ja einfach, denn textsicher schienen fast alle zu sein. Aber ob da etwas bei ihnen ankam, was ihrem Leben vielleicht einen Schubs geben könnte oder so was wie Hoffnung. Ich bin jedenfalls schon davon ausgegangen, dass die Band um den Käptn herum diese Intention hatten. Sie wollten nicht einfach nur ihr Ding machen, sie haben eine Botschaft an ihre Zuhörer. Ich empfand teilweise die Zuhörer gegenüber des starken Ausdrucks der Performance mit ihren Texten als Widerspruch. Meine Freundin erzählte mir auch nach dem Konzert, dass dieses Konzert das größte bisher war, dass sie von der Band gesehen hatte. Bisher waren die Location doch wesentlich kleiner und die Zahl der Zuhörer somit auch kleiner. Vielleicht war die Band ja selber überwältigt von dem Zustrom ihrer Besucher. Vorab sollte das Konzert ja auch in einer kleineren Halle stattfinden, jedoch ging der Vorverkauf so rasant von statten, dass in eine größere Halle gewechselt werden musste.  Was für ein Lebensgefühl hatten diese jungen Leute da wohl? Ich versuchte mich in sie hineinzuversetzen. Wie wäre es, wenn ich in diesem Alter wäre und in und mit dieser Zeit leben müßte, noch alles vor mir.
 
Wenn ich mich so durch verschiedene Hip-Hop Interpreten hindurch suche und mir es anhöre, dann fällt mir auf, dass die Musik die gemacht wird, also ihr Ausdruck, wie eine Litanei daherkommt, also nicht nur der Rap, der Sprechgesang, fast schon eine Unterhaltung mit sich selbst oder einem der Bandmitglieder. Das Geschmäckle des Beats, des Rhythmusses ist eher wie eine desillusionierte Wolke, die mir entgegenschwebt. Aber vielleicht auch ein wenig wie ein Klagen, so hab ich es jedenfalls empfunden.
 
Wenn das eine Weile so ging, sah ich mit tiefem Ernst zu, niemals hätte ich da mit hüpfen  oder mich gar zu großen Tanzbewegungen einfinden können. Alles klang doch auch wie ein heiliger Ernst. Ich war froh, wenn dann mal zwischendurch ganz plötzlich, wie ein Gewitter, eine Explosion, ein Unterbrechen dieser Lethargie des Beats und des Textes hervorbrach und der Käptn wie ein Dilldopp über die Bühne lief, sprang, tanzte. Auch in mir wollte es dann, wie eine Befreiiung herausbrechen. Ich kenne das ja auch im Leben. Du gehst durch die Tage, nimmst auf, viel zu viel Reize oft und dann plötzlich gibt es eine Situation wo all das, was in dir aufgefangen wird, sich einen Weg herausbannen will und ich drücke es dann auf verschiedene Weise aus. Manchmal muss ich mir einfach Luft machen und dann muss ich laufen oder radeln oder einfach nur springen und mich bewegen, manchmal kann es passieren, dass ich an einer bestimmten Aussage eines andern Menschen, die vielleicht besonders lustig war, einfach mit meinem Lachen herausplatze, weil sich so Vieles in mir gesammelt hat. Mir ist bewußt, dass da manchmal ein Mensch nicht mit klarkommt und denkt, huch, was ist denn mit dem Roeschen los, so doll war der Witz oder das Gesagte ja nun auch nicht. Aber sie wissen ja nicht, was in mir ist. Wie wir alle nicht wissen, warum, wieso ein Mensch plötzlich so handelt wie er handelt oder warum er sagt, was er sagt. Wenn keine große Nähe zum Anderen besteht und er nicht ein wenig begriffen hat vom Wesen dieses Menschen, ist das eben auch schwer. Daher denk ich immer, wir Menschen müssen alle vorsichtig sein mit unseren Urteilen, Vorurteilen und Verurteilungen. Besser ist es, wenn es einem wichtig ist, zu versuchen, den anderen zu verstehen. Und was ist schon schlimm an einer kleinen Explosion. Im Gegenteil sie zeugt ja auch von einem immensen Potential an Lebenskraft und Energie. Das ist ja schön.
 
Ca. nach einem Drittel des begonnen Konzertes schaute ich mich mal wieder nach hinten um, weil es immer noch dieses Geplänkel zwischen den hinter mir Stehenden gab, wenn auch nicht mehr mit großen Worten, um so mehr aber mit giftigen und unfreundlichen Blicken. Ich faßte mir ein Herz und sprach den Freund des agressiven Mädchens an und sagte ihm, er solle doch mit ihr zusammen zu mir nach vorne kommen, sich vor mich stellen, dann hätten sie direkt einen freien Blick auf die Bühne. Dieses mal hat es geholfen. Ohne Worte zog er seine Freundin an der Hand nach vorne und endlich war Ruhe und ich hatte nun auch nicht mehr diese ungute Strömung von hinten im Rücken. Ich fühlte mich direkt befreiter, denn immer noch schwelte da eine Sorge, da könne etwas eskalieren.
 
Und so ging das Konzert auch friedlich zu Ende. Zwei Stunden volles Programm. Die Uhr zeigte 23.00 Uhr an. Schade, für mich war diese Zeit wie im Flug vergangen. Es ist sicherlich nicht das letzte Mal, dass ich diese Band mit ihrer in Bann ziehenden Show gesehen habe. Ich werde mich auf jeden Fall weiter mit ihnen beschäftigen. Meine Freundin sagte mir zu, sie würde mir alle ihre CD für mich brennen. Ich weiß, ich weiß, die Musiker müssen auch Geld verdienen. Aber ich bin ja nun eine arme Kirchenmaus und ich glaube, das würde die Band verstehen und auch wollen. Schließlich geht es ihnen nicht nur ums Geld verdienen, wenn ich glauben darf, dass das, was sie da singen und tun, nicht nur vom Kopf her kommt, sondern auch vom Herzen. Daher werd ich ganz sicher kein schlechtes Gefühl haben, wenn ich diese gebrannten CD´s annehme.
 
Noch voll vom Gesehenen und Gehörten maschierten wir im Strom der Anderen mit hinaus. Die agressive Zuhörerin war schon weit vor Ende des Konzerts weg. Ganz plötzlich sah ich sie verschwinden. Huch, dachte ich noch, wieso geht sie denn nun. Dann kam mir der Gedanke, sie sah nun wirklich sehr jung aus, vielleicht musste sie früh daheim sein oder ihr Zug fuhr, der einzige, den sie hätte nehmen müssen, um nach Hause zu kommen. Vielleicht war das ja auch schon ihr ganzer Ärger, den sie mitbrachte und die Fremde mit dem Hut nur ein Auslöser ihrer Unfreundlichkeit und aggressiven Verhaltensweise. Manchmal ist das ja oft der Grund für Zwistigkeiten zwischen Menschen. Es hat sich schon was aufgestaut und plötzlich bekommt es einer ab, der gar nichts dafür kann. Seelig der, der dann einen kühlen Kopf bewahrt.
 
Wir maschierten durch die nun spürbar kühler gewordene Nachtluft Richtung Mülheimer Bahnhof, wo ich die Freundin verabschiedete, die am nächsten Tag wieder früh aus den Federn musste, um ihrer Arbeit nachzugehen. Wir umarmten uns, freuten uns, dass wir uns endlich mal wieder gesehen hatten und überhaupt, dass wir uns in diesem Leben gefunden haben, trotz des Altersunterschiedes. Wie wir nun auch wieder erfahren durften, es gibt so Vieles was Menschen auch unetrschiedlichen Alters verbindet und das ist auf jeden Fall die Musik.
 
Ich fühlte mich beschwingt und wirklich ganz jung an diesem Abend. Kaum zu glauben, dass es nur mein Körper ist, der die Altersspuren vor sich herträgt. Es ist einfach schön, sich auch mit jungen Leuten zu verstehen. Meine jüngste Freundin ist gerade mal 28 Jahre, jünger noch als meine Kinder. Es geht alles, wenn wir offen bleiben, wir Älteren und uns nicht in unseren Vorhof des immer näher rückenden Todes verstecken, sondern das Leben mit jedem Moment, mit jedem Tag aus voller Freude leben und niemals die Neugier verlieren, für das was sich unseren Sinnen bietet. Nein, ich habe auch keinen Jugendneid, auf keinen Fall, denn auch das beobachte ich oft zwischen Alten und Jungen. Sie sagen, sie könnten die Jugend nicht ausstehen, obwohl sie etwas anderes meinen. Sie sind nur zu feige zu sagen, dass sie es nicht annehmen können, älter zu werden und eben nicht mehr die großen Heros sind. Der Glanz der Jugend geht irgendwann allen verloren. Es ist doch aber auch nur eine ganz kleine Zeitepoche. Das Leben ist mehr wie diese.
 
Allen, denen ich beim Lesen ein bisschen Appetit auf Käptn Peng gemacht habe, sind sie wärmstens ans Herz gelegt. Nicht nur auf you tube oder einer CD, sondern geht mal hin, zu einem Konzert, so es sich in Eurer Nähe ergibt. Traut Euch, auch wenn ihr nicht mehr zur Jugend gehört. Was ich auch nicht gewußt habe, dass das Wort *Jugend* erst im 18.ten Jahrhundert entstanden ist und es nichts anderes bedeutete als * Jugend ist Trunkenheit ohne Wein ... Da kann man direkt ins Grübeln kommen. Jedenfalls Trunkenheit ohne Wein, das find ich nicht schlecht, eine Trunkenheit vor Glück und Seeligkeit ob der Natur oder all dem Schönen im eigenen Leben, das gerade erfahren werden kann. Das hat doch was. Wobei ich einem Gläschen Wein oder einem Bierchen ganz sicher nicht abgeneigt bin, wenn auch sehr selten. Mir reicht das Trunkensein von den Wundern der Welt oder auch vom Betrachten des bunten Menschenzoos:)
 

Und hier noch ein Link vom jungen ollen Käptn und den Tentakeln:)

https://www.youtube.com/watch?v=wNEqsI0AsF0

 

Diesen Post teilen

Repost0
29. Oktober 2008 3 29 /10 /Oktober /2008 00:19

Träume sind Schäume. Träume sind Botschaften aus dem Unterbewußtsein. Träume spiegeln die Seele. All das sagt man. Manche erinnern sich an ihre nächtlichen Träume gar nicht mehr. Andere wiederum wachen auf aus einem Alptraum, der immer wiederkehrt. Aus manchen Träumen möchte man gar nicht mehr aufwachen. Träume sind immer verbunden mit dem Schlaf. Selten noch spricht man vom Tagträumen.

Es fällt immer schwerer, Abstand zu gewinnen, zu all dem, was um einen herum geschieht. Selten schafft man es, einfach still zu sein, den Blick schweifen zu lassen und von den Dingen zu träumen, die man gerade sieht oder auch hört. Versenkung ist vielleicht ein anderes Wort. Ich will mich versenken in das, was ich sehe. Aber dazu braucht es Muße, Ruhe und ja, man kann es sogar schaffen, mitten im Trubel, irgendwo, auf einer Parkbank, sogar in einem Supermarkt, an der Kasse. Du stehst in der Schlange, wartest, du hast Geduld und läßt den Blick schweifen, bis er sich an etwas festmacht, vielleicht dem Menschen, der an der nächsten Kasse steht. Und du fängst einfach an zu träumen, von seinem Leben, was er so macht, wie er sein Leben wohl gestaltet. Oder du schaust auf die Blumen, die so herrlich leuchtend vor der Eingangstür ausgestellt sind und erinnerst dich plötzlich an Sonne und Wärme, und Bilder von letzten Sommerabenden treten dir vor die Augen. Tagträume sind erfrischend, geben Kraft. EInfach wegtauchen, manchmal nur für ein paar Minuten.

Aber am besten gelingt es, wenn man Musik hört. Es gibt Musik, die ist einfach zum Träumen. Da leg ich mich aufs Sofa, stelle den Cd-Player an und lege sie auf.  Eine Musik, die mich jedesmal verzaubert, sind die Klänge von Sigur ros.

Sigur Ros ist mit meiner Liebe zu Island verbunden, wo ich  leider noch nie war. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, hoffe ich doch. Jedenfalls Sigurs kommen aus Island und wer ihre Musik hört, kann sich alle Schönheit der Natur Islands in seinem Inneren zusammenträumen, Weite, Kargheit, Vulkane, Gletscher, Seen, ach ihre Musik ist einfach zum Träumen.
 
Sigur Ros heißt ins Deutsche übersetzt die "Siegesrose":-) Also, wenn ich einfach nur dasitze und träumen will, lege ich Sigur Ros auf. Im Moment hör ich sie übrigens auch.
 
Die Band wurde 1994 von Jon Por Birgisson, Georg Holm und Agüst AEvar Gunnarsson gegründet. Den Namen bekamm sie von einem zur Gründungszeit geborenen Töchterchen eines Musikermitglieder Sigurros.
 
Ihr Debutalbum "Von" (zu deutsch: Hoffnung) wurde 1997 veröffentlicht. Die Musik von Sigur war anfangs schwer, düster, entwickelte sich aber später immer zu weicheren Klängen und Melodien, teils wurde Orchester mit in die Aufnahmen eingebaut. Sigur Ros trat im übrigen bei der EXPO 2000 in Hannover aus. Die Sprache ist übrigens der Phantasie des Sängers entsprungen, will sagen, er singt weder in seiner Heimatsprache noch englisch. Das find ich besonders beeindruckend. Man kann alles hineinlegen, alles ist offen, seine eigenen Vorstellungen, Interpretationen, Worte, Sehnsüchte, alles was man selber gerne in die Musik unterbringen möchte, kann hineingenommen werden.
 
Ein gang besonderer Ohren- und Augenschmaus ist die neuste auf den Markt gekommene DVD "Heima", ein abendfüllender Traum. Wunderschöne Musik verbunden mit unglaublich schönen Aufnahmen der isländischen Landschaft. Sigurs haben für diese Aufnahme das Land bereist und unterwegs überall gespielt, in alten Höhlen, in den Bergen, in kleinen Kneipen, irgendwo zuhause bei Freunden. EInfach nur schön. Ich empfehle sie von Herzen. Schaut und hört einfach mal rein!

Einfach bei google sigur ros und you tube eingeben. Dann findet es mann leicht und kann einige Aufnahmen anhören, dazu auch schöne Videos ansehen. Viel Spaß!

Diesen Post teilen

Repost0
22. Oktober 2008 3 22 /10 /Oktober /2008 09:07

Heute ist so ein Tag. Es regnet, eine Erkältung hat mich erwischt, der Kopf brummt, der Hals kratzt und die Nase läuft. Ein Tag also, um sich in seiner Höhle zu verkriechen. So kleine Schwächlichkeiten sind doch schon was Feines! Man muß sich um sich selber kümmern, sich hegen und pflegen. Ja, man ist ganz bei sich!
 
Es ist Niemand da, der stört. Auf das Sofa gelegt, ein Buch zur Hand, den CD-Player angestellt und mal wieder etwas ganz anderes eingelegt! Eine Musik, die schon seit vielen Jahren mein Leben begleitet und die ich ganz bewußt in den Momenten höre, wo ich mich ebenso fühle! Von welcher Musik, von welchem Komponisten spreche ich?
 
Es ist Friedrick Rückert und wie ich immer wieder feststelle, einer der weniger bekannteren Komponisten selbst auch bei Liebhabern klassischer Musik und Opernliebhaber. Daher bin ich um so dankbarer, ihn vor vielen Jahren, in einem Opernkreis entdeckt zu haben.
 
Die Lieder Friedrich Rückerts, der am 16. Mai 1788 in Schweinfurth geboren wurde, sind u.a. vertont worden von Robert Schumann, Franz Schubert, Clara Schumann, Johannes Brahms und Richard Strauß. Seine Lieder sind voll von menschlichen Gefühlen, Wahrnehmungen, von der Liebe, von den Enttäuschungen, vom Betrug, kurz von all dem, was in zwischenmenschlichen Beziehungen geschieht. Die wohl bekanntesten sind die Kindertotenlieder, in denen er den Tod zweier seiner Kinder verarbeitete und betrauerte und die fünf Rückertlieder von Gustav Mahler vertont.
 
In Städten seiner Lebensstationen sind ihm viele Denkmäler gesetzt worden, so in Schweinfurth, Coburg und Erlangen. In diesem Zusammenhang frage ich mich mal wieder, was nutzen Denkmäler, wenn sie nicht mehr beachtet werden. Ich meine, wer interessiert sich heute noch für einen Mann, einen Musiker, einen gebildeten und feinfühligen Geist, der in längst vergangener Zeit den Menschen mit seinen Texten die Welt und das Seelenleben des Menschen erklärt hat?
 
Rückert studierte Rechtswissenschaften, Philologie und Ästhetik. Er war ein rastloser Geist, wechselte oft seinen Wohnort. Bekannt wurde Rückert allerdings durch seine Geharnischten Sonetten, die er damals unter einem Pseudonym namens Freimund Reimar veröffentlich hatte. Er lebte ebenfalls eine Zeitlang in Rom, wo er zusammen mit anderen Künstlern arbeitete. In Erlangen unterrichtete er als Professor an der Universität orientalische Sprachen, beschäftigte sich mit dem Koran. Auch in Berlin lebte er eine lange Zeit, komponierte und arbeitete im Dienst der Regierung unter Friedrich Wilhelm IV. Seine Familie zählte 10 Kinder, was ja zur damaligen Zeit durchaus normal war.
Friedrich Rückert starb am 31.Januar 1866 in Neuss, also ganz in unserer Nähe. Dort kann man heute noch ein ihm gewidmetes Museum, das ehemals sein Wohnhaus war, besuchen und sich über Leben und Werke eingehend informieren. Es lohnt sich!
 
Aber nun möchte ich eines meiner Lieblingsstücke Rückerts vorstellen. Es hat den Titel "Ich bin der Welt abhanden gekommen!"
 
Ich bin der Welt abhanden gekommen,
Mit der ich sonst viele Zeit verdorben.
Sie hat so lange von mir nichts vernommen,
Sie mag wohl glauben, ich sei gestorben.
 
Es ist mir auch gar nichts daran gelegen,
Ob sie mich für gestorben hält;
Ich kann auch gar nichts sagen dagegen,
Denn wirklich bin ich gestorben der Welt.
 
Ich bin gestorben dem Weltgewimmel
Und ruh' in einem stillen Gebiet.
Ich leb' in mir und meinem Himmel,
In meinem Lieben, in meinem Lied.

 

 
Ich liebe dieses Lied, gesungen von Kathleen Ferrier, weil es mir die Botschaft vermittelt, dass es wirklich möglich ist, sich nicht nur äußerlich von der Welt zurückzuziehen, sondern auch innerlich. Dass es möglich ist, sich nicht mehr angreifbar zu machen, von all dem, was geschieht. Das man schaut, was passiert, aber trotz allem still bleiben kann, besonnen und ruhig. Die Welt kann einem nichts mehr anhaben. Die Welt und das Leben in ihr ist wie sie ist und es war nie anders. Die Methoden der Bosheit haben sich verändert, sind raffinierter und ausgefeilter geworden, aber das Fundament, auf dem sie entsteht, ist das gleiche geblieben, der Mensch selbst, der nach wie vor nicht zurückschreckt, die größten Greueltaten zu verüben, auch wenn uns die Geschichte gezeigt hat, wohin es führt. Es wiederholt sich alles, immer wieder, in einem ewigen Kreislauf. Was man an einem Ende geschafft hat, wo man verhindert hat, dass Dummheit, Hass und Aggression wüten, fängt es an einem anderen Ende wieder an.
 
Es tut gut, mit Rückert zu singen:"Ich bin der Welt abhanden" gekommen!" Still und allein. Nur für einen Moment, eine Stunde, einen Tag oder auch eine länger Zeit, um wieder mit neuen Kräften sich der Welt entgegenzustellen.
 
Ich bin der Welt abhanden gekommen, gesungen von Kathleen Ferreireinfach mal reinhören und träumen. Das Wetter lädt ja heute dazu ein!

Diesen Post teilen

Repost0