Overblog Alle Blogs Top-Blogs People
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

Ich schreibe einfach gern:)

Werbung

Die guten Jahre waren vorbei!

Alles wurde plötzlich anders! Der Chef hatte gewechselt. Die guten alten Zeiten waren vorbei. Wehmütig waren die Erinnerungen, die Martin hatte, als er zurückblickte. Schöne Jahre waren es. 25 Jahre hatte er bei der Firma gearbeitet, einer kleinen chemischen Fabrik, die Klebstoffe herstellte. 25 Jahre mit Kollegen, die ebenfalls, wie er, niemals gewechselt hatten, es sei denn, aus Altersgründen, beruflicher Veränderung oder Standortwechsel. 25 Jahre ein gutes Miteinander, eine ausgewogene Bezahlung und ein objektives und gerechtes Handeln ihres Chefs, der nun leider verstorben war.
 
Seitdem hatte sich alles verändert! Ein amerikanischer Konzern übernahm die kleine Fabrik, ein Mann aus den eigenen Reihen eingesetzt. Gut, Martin hatte sich ein bißchen erhofft, er könne die leitende Position übernehmen. Da war er enttäuscht worden. Sicher hätte sie ihm sein Chef übergeben, wenn er noch gelebt hätte und sich zurückgezogen hätte. Das weiß er, dass hat dieser ihm immer wieder angedeutet.
 
Nun denn, er will nicht klagen, eine leitende Position bedeutete ihm weniger als das gute Miteinander mit den Kollegen, die immer eine produktive Arbeit beinhaltete. Das war jetzt anders.
 
Ein Jahr liegt nun seit dem Tod des ehemaligen Chefes zurück. Zwei seiner besten Kollegen sind gegangen! Oder gegangen worden, wie man so schön sagt. Er versuchte sich an die leisen Veränderungen zurückzuerinnern, die sich heimlich eingeschlichen haben, damals.
 
Der Neue war nicht mehr objektiv. Er hatte nicht die Gabe, persönliche Sympathien außen vor zu lassen. Da hatte doch der gute alte Chef ein anderes Händchen. Er hatte alles im Auge, konnte zwischen den Zeilen lesen und war niemals auf eine persönliche Meinungsverschiedenheit zweier Kollegen eingegangen. Er hat es zwar gesehen, aber auf seine Art, in dem er konstruktiv nach Lösungsmöglichkeiten suchte, ohne das Thema anzusprechen, ohne sich auf eine Seite der beiden Kollegen zu schlagen, die Konflikte gelöst, so dass letztendlich beide Parteien das Ergebnis annehmen konnte und keiner sich benachteiligt fühlte. Ja, er war ein außergewöhnlicher Mensch.
 
Martin erinnerte sich an ein Gespräch, in dem der Chef ihm mal ganz klar sagte, sicher, er habe auch Symapthien zu dem einen oder anderen, das wäre ja normal, aber gerade deswegen würde er den persönlichen Kontakt zu demjenigen möglichst umgehen, um keinen Neid oder Eifersucht aufkommen zu lassen. Ja, er hatte sein Geschäft beherrscht. Beruf ist Beruf und Privates muß man außen vor lassen!
 
Und trotzdem, er zeigte Herz immer wieder. Martin erinnerte sich noch sehr genau an die schwierige finanzielle Situation, in die einer seiner Kollegen einmal gekommen ist. Es war Gesprächsthema in der kleinen Fabrik. Jeder wußte es! Und da hat der Chef eingegriffen, ganz unproblematisch, aber klar und deutlich. Hat dem Kollegen auch finanziell ausgeholfen. Warum das keinen Neid erregte? Weil er, der Chef, das immer tat, wenn es die Möglichkeiten finanzieller Art zuließen. Er war nicht geizig. Verbuchte den Gewinn nicht nur allein auf sein Konto. Er ließ die Mitarbeiter, wenn möglich, daran teilhaben, ohne dass ihm selber dabei etwas abging. Das brachte ihm Respekt! Das schätzten die Mitarbeiter und konnten ohne Neid die eine oder andere Hilfe, die einem Kollegen entgegengebracht wurde, annehmen.
 
Sobald es die finanziellen Möglichkeiten zuließen, gab es für jeden Mitarbeiter ein Weihnachtsgeld, für alle gleich. Und das war schon sehr ungewöhnlich zu der Zeit! Von außen wurde das mit Staunen beobachtet. Martin erinnerte sich auch noch genau an das Jahr, als die kleine Firma einen großen Auftrag hatte und ein beträchtlicher Gewinn erzielt wurde, da war der Chef nicht kleinlich. Völlig unerwartet fanden die Mitarbeiter vor ihrem Urlaubsantritt plötzlich eine kleine Summe in ihrer Lohntüte. Das war eine Überraschung.
 
Ach, was waren das schöne Jahre in der Firma. Die Mitarbeiter setzten sich für den Betrieb ein, als sei es ihr eigener. Krankheitsrate? Gleich Null! MAn kam mit dem Kopf unter dem Arm! Das sah auch der Chef, das honorierte er. Aber nie hat er es ausgenutzt. Wenn es einmal zu arg war, schickte er den betroffenen Mitarbeiter einfach nach Hause, ohne Ressentiments.
 
Und jetzt! Was ist aus der Firma geworden. Umsatzeinbußen in den letzten Monaten! Er spürte deutlich die weniger werdende Motivation der Mitarbeiter. Die Krankmeldungen waren erstaunlich. Nie zuvor hat es das gegeben. Das erste MAl gab es in diesem Jahr kein Weihnachtsgeld! Es gab Probleme bei den chemischen Zusammensetzungen der Klebstoffe und die Abnehmer reichten Beschwerden über Beschwerden ein.
 
Sicher, es gab auch in den vergangenen Jahren immer mal wieder eine Flaute. Das hat man durchgestanden, da hielten sie alle zusammen. Aber der neue, der teilte aus. Rief Konferenzen zusammen, in denen er jeden Verantwortlichen nur zusammenstauchte, keine konstruktiven Diskussionen mehr, kein Entgegenkommen, kein Appell an den Zusammenhalt. Früher, da konnte man einen Fehler eingestehen, weil man erfuhr, es ging weiter, jeder bekam eine neue Chance. Jetzt traute sich niemand mehr, die Verantwortung für einen Fehler zu übernehmen, weil er Angst um seinen Arbeitsplatz hatte. Zwei Kollegen wurden gegangen,. Zwei außerordentlich kompetente Kollegen, die über Jahre hinweg gute Arbeit geleistet hatten und die jetzt ein ALter überschritten hatten, das es ihnen erschwerte, jemals wieder eine neue Anstellung zu finden. Martin sah das Desaster, in denen die beiden sich befanden.
 
Martin sah das Desaster, in dem sich die kleine Fabrik nun befand, ein Jahr, nach der Übernahme des Neuen. Plötzlich gab es Tratsch und Klatsch. Der Neue hatte ein Techtelmechel mit der Kollegin. Es gab plötzlich Betriebsfeiern ganz anderer Art.
Was waren die Betriebsausflüge mit dem alten Chef immer schön. Der Chef suche jedes Jahr einen anderen schönen Ort aus, an dem sie gemeinsam mit einem gemieteten Bus hinfuhren, eine Wanderung unternahmen und am Abend dann ein Abschlußessen, bei dem die Gespräche über die Arbeit und die Problematiken, die vielleicht gerade anstanden, außen vor gelassen wurden. Jeder fühlte sich wohl! Und man spürte förmlich am nächsten Tag die Energie, mit denen die Mitarbeiter wieder ans Tageswerk gingen.
 
Und nun gab es sogar unterschiedliche Löhne für die gleiche Arbeit. Sollte natürlich niemand wissen, aber es schimmerte durch. Klatsch und Tratsch eben. Gab es früher nicht. Worüber auch? Alles war geordnet, gerecht und gleich verteilt! Jeder hat das akzeptiert. Kein Murren!
 
Schöne Jahre waren das. Und nun! Alles vorbei. Er spürte, auch ihm fiel es schwer, jeden Morgen, die Firma zu betreten. Er spürte die eisige Stimmung, wenn er die Tür zu seinem Büro öffnete. Er hörte die mißgelaunte Stimme des Chefs, er sah die Unzufriedenheit seiner Kollegen.
 
Nachdenklich schüttelte er den Kopf, wie konnte ein Mensch eine Firma in einem Jahr nur finanziell und menschlich so herunterwirtschaften? Es gab ein Wort, dass er jetzt immer öfters hörte."Mobbing"
Einer spielt den einen gegen den anderen aus. Traurig, wehmütig und irgendwie desillusioniert stand Martin auf, nahm seine Aktentasche und machte sich auf den Weg zur Arbeit. 5 Jahre noch, er hatte noch fünf Jahre durchzustehen. Niemals hätte er gedacht, das er so auf sein Ende blicken würde.
 
So ist es wohl. Er mußte es so annehmen. Er glaubte nicht mehr an eine positive Veränderung! Die Kälte ist eingezogen in ihrem kleinen Betrieb. Der Neue hatte die menschlichen Qualitäten nicht, ihm fehlte es an Distanz, Objektivität und Menschlichkeit. Wie sollte man das ändern können? Es war jetzt so, wie fast überall, in den Betrieben. Sie waren keine Ausnahme mehr. Damit mußte er leben! Die guten Jahre waren vorbei!
Werbung
Zurück zu Home
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post