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Ich schreibe einfach gern:)

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Der Abschiedsbrief!

Rudi hatte mal wieder länger gearbeitet. Als er auf die Uhr schaute, war es schon nach 19.00 Uhr. Verdammt, er hatte vergessen ein kleines Geschenk für ihren gemeinsamen Hochzeitstag zu kaufen. Marita erwartet dass von ihm. Verdammt, was macht er jetzt? Er hetzte zum Bahnhof und kaufte dort einen großen Strauß Rosen, 20 an der Zahl. 20 Jahre waren sie nun verheiratet. Er war überzeugt davon, sie noch zu lieben! Er meinte es jedenfalls! Er packte eine große Glasvase dazu und darin versteckt einen Gutschein für ein gemeinsames Essen in ihrem Liebslingslokal.

Rudi packte alles ins Auto und fuhr durch die regennaßen Sraßen nach Hause. Mist! Der Scheibenwischer tat es mal wieder nicht richtig. Das Auto muß unbedingt in die Werkstatt! Aber ohne Auto kam er nicht zur Arbeit. Es dauerte viel zu lang mit der Bahn und überhaupt, wenn er zu spät kam, weil die Bahn mal wieder Verspätung hatte, bekam er Ärger mit seinem Chef. Das konnte er sich nicht leisten.

Rudi parkte das Auto mal wieder im Parkverbot. Was sonst auch! Es regte ihn jedes mal auf, dass die Stadt die Parkplatzsituation nicht änderte. Egal! Rudi fingerte nervös in seiner Tasche, um den Schlüssel herauszuholen. Endlich fand er ihn, schloß auf und hechtete die Treppe hinauf!

Als er die Tür öffnete, kam ihm ein angenehmer Duft gebratenen Fleisches entgegen. Ach, Marita hatte gekocht. Wie aufmerksam, wie immer! Er schämte sich wegen seiner Vergeßlichkeit. Er zog den Mantel aus,  warf ihn nachlässig auf den Stuhl neben der Garderobe, jaja, er wußte es, er war einfach zu nachlässig in manchen Dingen. Das gab wieder Ärger, bestimmt!

Er versuchte zu lächeln und ging in die Küche. Das war eine Überraschung! Der Tisch war wunderschön gedeckt! Er nahm alles zu Notiz, ihm fiel zuerst nicht auf, dass nur ein Gedeck auf dem Tisch stand. Was war das? "Marita!", rief er durch die Wohnung. Er ging auf den Tisch zu, da sah er auf seinem Teller ein kleines Briefchen, darauf eine Rose, rot, Marita liebte rote Rosen. Er merkte, wie er unruhig wurde, sein Herz pochte nervös, seine Hände zitterten, als er den Brief in die Hände nahm!

Schweigend und erschöpft ließ er sich auf den Stuhl fallen, seine Hände wurden feucht, als er den Briefumschlag öffnete. Er versuchte es noch einmal:" Marita?" Keine Antwort. Er legte den Brief wieder weg, stand auf und ging durch die Wohnung. Sie war tatsächlich nicht da! Was sollte das bedeuten?

Er ging zurück in die Küche, setzte sich wieder auf den Stuhl, nahm den Brief erneut in die Hand und begann nun ihn zu öffnen! Er zog den Brief heraus, aus dessen Umschlag ihm der Duft von Maritas Parfum entgegenschlug!

Als er die Zeilen las, die ihm durch seine tränenverschleierten Augen entgegen rollten, wann hatte er eigentlich das letzte Mal geweint, brach eine Welt für ihn zusammen:

"Lieber!

Es tut mir leid! Aber ich kann nicht mehr! Es ist unser Hochzeitstag! Ich weiß! Es ist gemein von mir und feige, es Dir an diesem Tage zu sagen! Aber ich konnte nicht anders, verzeih mir!

Ich bin fort! Für immer! Nein! Nicht, was Du denkst! Ich habe niemanden anderen, nie gehabt! Ich suche auch nach keinem Anderen! Ich bin es nur einfach leid! Nein, leiden, ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Ich kann es nicht mehr aushalten! Das Unglücklichsein überschattete mich jeden Tag und ich hatte nicht mehr die Kraft es auszugleichen!

Ich war es satt, hinter Dir hergezogen zu werden, wie ein Möbelstück, dass zu alt und nicht mehr ansehnlich ist.
Ich habe es nicht mehr ertragen, dass Du mich nicht anschaust, wenn Du mit mir redest! Ich konnte es nicht mehr aushalten, dass Du mir nichts mehr mitzuteilen hattest. Das Schweigen, während wir zusammen saßen, hat mich mehr und mehr erdrückt. Ich weiß, Du kannst nicht anders! Aber ich auch nicht.

Die letzten zwei Jahre wurden immer unerträglicher für mich. Die geöffnete Zahnpasta-Tube jeden Morgen, Deine Kleider, die Du überall herum verstreut hast liegen gelassen, so als wäre ich Deine Putzfrau, die Dir Großreine macht, Dein Desinteresse an meinem Interesse für das, was um mich herum passiert, Deine Arroganz, mit der Du jede Kritik, jedes Gespräch, hast im Sand verlaufen lassen, Deine stoische Haltung, all das und vieles mehr, ich könnte noch hundert Dinge aufzählen, Rudi, aber ich konnte es nicht mehr ertragen. Am schlimmsten war es, zu sehen, dass Du in Dir keine Freude am Leben trägst, dass Du die Dinge tust in Deinem Leben, als seien es Pflichten, die in Deinem Kalender abgehackt werden müssen, ohne Seele, ohne Gefühl.

Ja, das Furchtbarste war, keine Freude mehr in Dir, für Dich, für das Leben zu sehen. Ich konnte es nicht mehr aushalten, ständig an Dir abzuprallen, als wäre ich mit Höchstgeschwindigkeit gegen eine Mauer gefahren.

Verzeih! Rudi! Such mich nicht! Ich brauche Abstand! Verzeih! Vielleicht ist es auch so, dass mir die Liebe fehlt zum Annehmen, was ist und wie es ist. Es mag sein. Aber ich kann es einfach nicht ändern!

Deine Marita!

P.S. Die Kinder wissen Bescheid!


Rudi blieb reglos sitzen, die Tränen hatten aufgehört über sein Gesicht zu rollen, aber ein Schluchzen ergriff seinen Körper, tränenlos nun. Sein Kopf sank auf den Tisch, er wußte später nicht mehr, wie lange er so dagesessen hatte. Als er auf die Uhr schaute, war es 1.00 Uhr nachts! Er war um 20.00 Uhr nach Hause gekommen. Er schwankte ins Bett, leer und ausgepumpt und ließ sich in die Kissen fallen. Er schlief sofort ein, tief und traumlos.

Als er am anderen Morgen erwachte, ging er ins Bad, wusch sich, rasierte sich, putzte sich die Zähne und schloß sorgfältig die Zahnpastatube, ging in die Küche, machte sich einen Kaffee, den er hastig trank. Sein Körper war steif, fühlte sich hart an und schwer. Seine Schritte schleppten sich zur Garderobe, an der er seinen Mantel abnahm, ihn anzog und durch die Tür hinausging. Ein kalter Wind kam ihm entgegen, er zog den Kragen seines Mantels hoch und stieg in sein Auto.

Das Leben ging weiter, nur anders! Aber er wußte nicht wie!


 

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