Ob es anderen wohl auch so geht? Also, beim Lesen der Tageszeitungen! Ich schau ja jeden Tag mal rein in die aktuellen Berichterstattungen. Meistens bin ich schnell müde ob der Pressemitteilungen. Alles ist so schwer zu durchschauen, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Finde ich jedenfalls. Jeder sagt was anderes, jeder weiss etwas, was der andere noch nicht wusste, dazu die Beurteilungen und Vermutungen. Also, mir passiert es dann oft, dass ich müde werde beim Lesen all dieser Berichterstattungen. Ich hör dann schnell auf, überfliege oft nur noch und suche nach dem geschriebenen Wort, das noch eine Überraschung darstellt.
Überraschungen im geschriebenen Wort sind, für mich jedenfalls, Dinge, die über das Leben erzählt werden oder über Bücher, Musik oder Kunst. Da hab ich dann ganz schnell einen Klick gemacht, um zu staunen, was dort hervorgebracht wird und worüber erzählt wird.
Heute Morgen hab ich mal wieder so einen kleinen Schatz des geschriebenen Wortes entdeckt. Einen kleinen Artikel bzw. ein Gespräch mit einem Mann namens Luca Bendandi. Dieser unterhält einen Laden mit Schreibwaren. Also, als ich es las, wurde mir ganz warm ums Herz. Ich bin son Typ. Solche altbackenen Geschichten über Dinge, die treffen mich mitten ins Herz. Warum? Weil ich ebenfalls diese Dinge so mag und nutze, immer noch.
Bendandi sammelt jedenfalls in seinem Laden Bürountensilien, vorwiegend Bleistifte. Bleistifte, Stifte, frag heut mal einen Menschen, wenn du irgendwo bist und gerade kein Schreibgerät zur Hand hast, nach den selben. Da wird dann erstmal geguckt und gesucht und irgendwo in einer hintersten Ecke oder Schublade wird meist eins gefunden. Nach langem Suchen. Jedenfalls, ich hab das schon oft erlebt so.
Bei mir ist das anders. Ich bin zwar kein Sammler in dem Sinn, jedoch besitze ich einen Haufen solcher Schreib- und Malgeräte. Sie liegen bei mir oder stehen überall herum, wo ich gehe und stehe. Ich kann immer sofort einen zur Hand nehmen. Ebenso auch, wie Bendandi, hab ich Notizheftchen, Blöcke und Kladden immer irgendwo herumliegen. Ich musste ein wenig schmunzeln, als ich las, dass Bendandi ebenso wie ich es tue, Gewohnheit, Nachlässigkeit, wie auch immer, ebenfalls eine Menge dieser persönlichen Heftchen, in denen er seine Gedanken und das Gesehene notiert, bei sich trägt. Oft nur halbvoll geschrieben, wie bei mir, ungewollt, es ergibt sich einfach so weil, diese Heftchen eben überall bei mir zu finden sind, in den wechselnden Taschen, die ich beim in die Welt gehen mit mir herumtrage oder an den verschiedenen Orten in meiner kleinen Behausung. Wo ich sitze oder stehe, ich kann sofort notieren, was da plötzlich aus meinem Kopf herausfällt,-)
Bendandini sammelt jedoch all diese Dinge, abgesehen von seinem eigenen persönlichen Gebrauch davon. Er erzählt z.B. dass es in New York ein Geschäft gibt, dass nur Bleistifte führt. Unvorstellbar für mich. Ich hab es zwar versucht, mir in Gedanken auszumalen, wie dieser Laden wohl ausschaut, wie er riecht und wie er strukturmässig gestaltet ist, damit das Auge des Betrachters nicht ertrinkt in all den Stiften jedweder Art. Jedenfalls, ich bin son Typ, wenn andere nach New York reisen, um das große Spektakuläre zu bestaunen, würde ich ja viel viel lieber in dieses kleine Geschäft hineinspazieren. Aus Liebe zum Stift und zu verschrobenen Menschen, die Dinge tun, die sonst ausser ihnen kaum noch ein anderer tut.