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Ich schreibe einfach gern:)

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Streichhölzer und Adventslicht

 

 

 

 

Heute war ich früh auf den Beinen. In schummriger Morgendämmerung erwachte ich. Mit langsamen Füßen schritt ich zur Balkontür, die ich langsam öffnete und ein feiner weißer Flaum von Schneeflöckchen und liegengebliebener weißer Pracht auf den Dächern verzauberte mich. In meinem Blumenkasten entdeckte ich eine vom Sommer übrig gebliebene aufgegangene gelbe Blüte, wie ein eigenes kleines Leuchten hinein in die weiße Winterwelt.  Ein Zeichen oder Mahnung, warte warte Winter, ich, der Frühling, komme wieder, du wirst nicht ewig hier verweilen.

Der Zauber verführte mich zu einem morgendlichen Lauf hinaus in die stille Welt. Schnell zog ich mir die Laufsachen an, nahm meine Stöcke in die Hand und schloss leise die Tür hinter mir. Niemand sollte von mir gestört werden, auch die Stille des Morgens nicht.

Mit sanften, dennoch schnellen Schritten lief ich los, hinein in die vor mir liegende Welt. Kahle Bäume schauten mich an, sagten  nichts. Alle Vögel hielten ihre Schnäbel. Hie und da hüpfte ein Eichhörnchen über die Straße. Die Einzigen, die wohl immer beschäftigt sind.

An den Fenstern manchmal bunte Lichterketten, die einen  großspurig, die anderen still und verschämt, wie wir Menschen auch oft, die einen laut und eitel, die anderen leise und zart,  ihr Wesen zum Leuchten bringen.

Ein warmes Herz und Winter am ersten Advent. Was kann es Schöneres geben.  Ich bin selig während all meiner Schritte im einsamen Morgen und nur das klack klack meiner Stöcke, das jedoch nicht entzaubert, ist das einzige Geräusch um mich herum.

Der Rhein plätschert still vor sich hin. Die Frachtschiffer hatten wohl auch keine Lust zu reisen, egal wohin. Einige seh ich ankern im Hafen weit vorne. Die Möwen sitzen friedlich auf den Brüstungen des Geländers und haben ihre Köpfe weit ins Gefieder gesteckt. Sind wohl nicht mal morgenhungrig.

Es wird nur eine kleine Runde heute Morgen, mir hats jedoch gereicht. Wohlig durchwärmt vom Lauf und von der Vorfreude aufs Anzünden gleich der ersten Kerze trabe ich heim durch die Verlassenheit der Welt. Von mir aus könnte sie so bleiben.

Da sitze ich an meinem Tisch, der schon so viel erlebt hat. Vor mir der Kranz mit den roten Kerzen, zart geschmückt. Feierlich ist mir zumute. Ganz herrlich still und friedlich ist es in mir.

Die Streichholzschachtel beäugend, innerlich vorgenießend, wenn ich sie zur Hand nehme und das Kästchen öffne über das Geräusch, dass sie macht, wenn ich sie öffne.  Sandig ist der Klang des Öffnens. Ein chrrrrr ganz leise, macht es, als ich die Lade herausziehe. Ich mache sie noch einmal zu, um es noch einmal zu hören. Den Klang,  chrrrr,  wie er sich da lang durch die Stille meiner Wohnung zieht.

Ich habe mir das gar nicht vorgenommen, es war ganz einfach plötzlich da. Die Welt steht noch mal mehr still, wenn du sie still stehen läßt. Nur jede kleine Bewegung, jeden Handgriff langsam vollziehen,  alles spüren, alles wahrnehmen.

Da lagen sie in der geöffneten Lade vor mir. Prall gefüllt, kleine Hölzer mit roten Köpfen. Manche Menschen müßten solche roten Köpfe beim Lügen und Betrügen bekommen, damit sie besser erkennbar sind, schon von weitem.

Dem Hölzchen in meinen Fingern spüre ich seiner Beschaffenheit nach. Ganz rauh fühlt es sich an, ein wenig splittrig an manchen Stellen. Gibt es wohl einen Qualitätsunterschied bei Streichhölzern?  Gibt es gute und schlechte? Diese hier, die vor mir liegen, habe ich noch von meinem verstorbenen Freund. Sie sind bedruckt mit der Anschrift des Ratskellers in Kronberg im Taunus, der seinen Eltern gehörte.  Er hat sie mir geschenkt zum Abschied als Erinnerung. Ich habe nicht mehr viel von ihnen. Sie neigen sich dem Ende zu. Habe sie alle verbraucht, weil ich das Anzünden mit Streichhölzern seit längerer Zeit dem Klicken eines Feuerzeuges vorziehe.

Auch mein Zigarettchen zünde ich mir gern mit einem Streichholz an. Die Zigarettchen, sparsam über den Tag verteilt, genieße ich dann. Es hat ein ganz anderes Geschmäckle, das Zigarettchen mit einem Streichholz anzuzünden. Es hat etwas Sinnliches,  ja so empfinde ich es. Es zeugt von Weile, nicht von Eile,  von Genuß und nicht von Muß.

Jetzt aber will ich nicht rauchen, sondern das Streichholz anzünden, um die erste Kerze an meinem Adventskranz leuchten zu sehen. Ich reibe es mit einem langsamen, aber doch starkem ratsch an der rauhen Reibungsfläche ab und zack hab ich eine kleine Flamme am Hölzchen. Mit langsamer Hand führe ich es zu meinem Kerzchen und sofort ist sie da, die Flamme des ersten Adventslichts. Dann ziehe ich die Hand zurück, halte die Flamme vor meinen Mund und blase sie langsam aus. Ein leichter würziger Brandgeruch steigt in meine Nase, den ich aufsauge. Mir ist es wohlig zumute. Die kleine Streichholzzeremonie hat etwas heimeliges, etwas, was nur mir gehört, was die Zeit hat still stehen lassen. So ist es.

Jetzt sitze ich da vor meinem Lichtlein und bin ganz still. Wieder still. Immer noch still. Schön ist das. Auf meinem kleinen Smarthphone summen die Nachrichten von denen, die ich kenne. Ich verspüre keine große Lust zu antworten.  Wie ich das oft nicht zugleich tue. Manchmal nicht, weil ich nicht will, sondern weil ich nicht kann. Sofort immer eine Antwort parat haben. Erst viel später schaue ich nach.

Die Streichholzschachtel liegt da, obenauf das abgebrannte Hölzchen. Oft lasse ich es dort liegen. Ich mag es, wenn es da noch etwas verweilt und mich erinnert, an das, was da vorher war.  Manchmal auch an gelebtes Leben, meines, Vergangenes. Auch an Menschen, die ich vermisse, die nicht mehr da sind, plötzlich oder erwartungsgemäß.

Und so bleibt es heut den ganzen Tag in und bei mir. Still und friedlich. Schon ist der Tag fast rum. Das Buch, liegt jetzt neben dem Adventskranz. Es ist ausgelesen. Alle Worte herausgenommen hab ich und wieder ein Stückchen reicher geworden.

Das nächste wartet schon auf mich. Die Bücher, meine allerbesten Freunde. Während ich sitze und meinen Gedanken hier dem virtuellen Äther überlasse kommt die Frage in mir auf: Hast du heute schon was erlebt Roeschen? Ich weiß nicht, woher sie plötzlich kam, diese Frage in mir.

Vielleicht weil ich am Morgen von einem lieben Schachemailpartner eine Antwort auf eine kleine Erzählung meinerseits bekam, die da lautete: "Da hast Du mal wieder sehr viel erlebt"

Und sofort kann ich die Frage mit Ja beantworten, auch wenn gar nix passiert ist und doch so viel. Das verstehe, wer kann! Erleben kann so Vieles sein.

Eine friedliche und stille Adventszeit, so gut wie es geht, wünsche ich allen meinen geneigten Lesern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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