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Köln feiert! Na und!

Köln hat mal wieder gefeiert. Kölner sind bekannt für ihre fröhliche Gesinnung! Alles kann ein Fest werden! Na und?
 
Dieses mal war es der Marathon. Klar, es waren einige weniger wie im letzten Jahr. Das Wetter! Haben sich auch einige Läufer abgemeldet oder gar nicht erst angemeldet. Wegen des Wetters. Aber der Rest? Hat sich nicht beirren lassen. Stand am Straßenrand, Regenschirm auf, Regenklamotten an und ab ging die Post!
 
So jedenfalls hab ich es erlebt! War ja auch dabei. Mit der Samba-Band. Schon früh am Morgen trafen wir uns im Proberaum, um uns einzustimmen und dann los. Auch bei uns gab es einige Ausfälle, Krankheit, Arbeit und *das Wetter!*
 
Die jedenfalls, die es gewagt haben, hatten ihren Spaß und ihre Freude! Was ist denn eigentlich so furchtbar an der Feiermentalität. Menschenskind, sind wir doch froh, dass wir noch feiern können. Der Alltag st oft belastend genug, man sehnt sich nach ein bißchen "vergessen", Ablenkung, sich einfach einmal anderen Dingen zuzuwenden, nicht nachdenken, nichts überdenken, nichts zu entscheiden. Einfach nur da sein, Freude empfinden und Freude geben.
 
Mich hat der Regen nicht abgehalten. Die Trommel naß, die Regentropfen im Gesicht, vergaß ich mich und alles, was an Problemen zu bewältigen ist.
 
Und ich hab es gespürt und gesehen, die Menschen sind mitgegangen. Die Läufer haben auch alles vergessen für diese kurze Zeit des Laufes. Die "schnellen", die als erster das Ziel erreicht haben, waren in ihrer Geschwindigkeit, haben an nichts anderes gedacht, als als erste(r) das Ziel zu erreichen. Die weniger "schnellen" haben an nichts anderes gedacht, als es einfach in einer guten Zeit zu schaffen. Die noch weniger schnellen haben alles vergessen, weil sie einfach dabei sein wollten, sich einmal im Leben beweisen wollten, etwas durchzuhalten und waren am Ende stolz auf sich. Und dann die langsamen und die ganz langsamen, die, die alles vergessen haben, weil sie einfach Spaß an der Freude hatten, verkleidet in verrückten Kostümen liefen sie die Strecke entlang, winkten dem ein oder andern zu, das Lachen in ihren Gesichtern. Hörten auf zu laufen und tanzten ein paar Takte zur Sambamusik. Wir trommelten wie verrückt, Blasen an den Fingern, vergessen die Tapes zu benutzen, aber war doch egal. Zu sehen, wie es ankam, wie die Menschen mitgingen, das allein schon genügte.
 
Und dann die, die anderen, die einfach am Straßenrand standen, vergaßen auch alles, feuerten an, versuchten den ein oder anderen zu entdecken, den sie kannten, um sich mit ihm oder ihr zu freuen. Manche wiegten sich in unserem Sambatakt, freuten sich an der Stimmung. Ein Bierchen in der Hand und schon war war der Alltag für ein Moment vergessen.
 
Und warum auch nicht? Stellt Euch vor, Köln wäre ein Dorf von nur 2000 Einwohnern. In jedem kleinen Dorf, egal wo, ob in der Eifel oder im Sauerland, hat man seine Festivitäten, bei denen man sich trifft um einfach beieinander zu sein, sich Musik, Tanz und auch dem ein oder anderen Kölsch hinzugeben. Ist das denn so schlimm? Ich höre manchmal diese Stimmen, jaja, die Kölner mit ihrer Feiermentalität. Alles wird abgefeiert. Gott sei dank, kann ich nur sagen. Gut, ich bin auch nicht auf jedem Fest dabei, aber hin und wieder, tut das doch so richtig gut.
 
Und wirklich, wir haben doch einen Grund zu feiern. Klar, es gibt Probleme in unserer Stadt, in unserem Land, auch schwerwiegende. Aber wo gibt es die nicht. Gerade auf meinen Reisen jetzt bin ich mit ganz anderen Problemen der Menschen konfrontiert worden, Armut, Elend, politische, schwerwiegende Situationen. Und? Hat das den Menschen den Spaß an der Freud verdorben? Nein! Im Gegenteil! Nie hab ich so fröhliche, freundliche Menschen miteinander feiern sehen. Und wie die feiern können, da gibt es noch Zuwendung zum anderen, wirkliche Zu- und Hinwendung. Eine Freude daran, dass man lebt, auch wenn der nächste Tag wieder schwer wird, weil man schauen muß, wie man den Lebensunterhalt für den Tag verdient. So einfach leben die Menschen an manchen Orten auf dieser Welt, aber sie haben eine Freude und eine Lust am gemeinsamen Feiern, dass man schon neidisch werden kann. Und wir, wir müssen uns manchmal die Häme anhören, ach ja, Köln hat mal wieder gefeiert.
 
Ich find es schön, nein, ich find es klasse.
Man soll die Feste feiern, wie sie fallen, es gibt keine anderen. Und wer nicht feiern kann, der hat halt was verpaßt. Ein kleines oder ein großes Fest, ist immer eine Möglichkeit, mal aus sich herauszugehen und dem Alltag ein Schnippchen zu schlagen. Und wer das nicht kann, der hat ein Problem! Was anderes ist, wenn er nicht will. Das ist ja auch in Ordnung. Aber dann sollte derjenige nicht mit dem Finger auf die zeigen, die es noch können, die die pure Lust am Leben und an der Freude empfinden.
 
In diesem Sinne, die Kölner haben den Marathon gefeiert, die Menschen, die sich dem Wagnis ausgesetzt haben, sich einmal bis an ihre Grenzen bringen zu lassen, sich einmal dem Adrenalin auszusetzen, den dieser Marathonlauf in ihren Körper pumpt. Und ein Kenianer hat gewonnen, in einer sensationellen Zeit: 2,1o,34, manoman. Muß man sich mal vorstellen. Ist doch ein Grund zur Freude, dass Mensch eine solche Leistung bringen kann! Auch wenn danach Erschöpfung wartet. Schön war es!
 
Auch wir, von der Sambatruppe waren am Ende erschöpft, vom stundenlangen spielen, aber wir waren froh, dass wir es gewagt hatten, trotz des Regens. Eine dicke Portion Freude ist auf uns zurückgefallen. Die Freude an der Musik, am Rhythmus und an den Menschen, denen wir ein bißchen Freude schenken konnten und an den Läufern, die unser Spiel dankbar als Anfeuerung angenommen hatten.
 
Ich freue mich schon auf den nächsten Marathon oder auf das nächste Fest. Da bin ich wieder dabei. Und das ist prima!
 
Morgen ist Montag, da bin ich auch wieder dabei, bei all dem, was der Alltag so fordert und ich sag euch, ich bin "ganz" dabei, weil ich aus der Freude die Kraft schöpfe für alle Unwegbarkeiten.
 
Also, wer dieses mal nicht dabei war, hat ja im nächsten Jahr eine neue Chance!

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