Angst essen Seele auf! An den Film von FR.W. Faßbinder erinnere ich mich noch sehr genau, ich hab ihn mehrmals geschaut. Allein der Titel hat mich fasziniert, zeigten doch meine Erfahrungen im täglichen Leben, dass es genau so ist. Wer sich von Angst leiten läßt, hindert sich am Leben.
Heute Morgen fiel mir der Spruch wieder ein, beim Lesen eines Artikels im KSTA über eine Erfahrung einer jungen Frau, die nächstens durch Köln allein unterwegs ist, sei es mit der Bahn, mit dem Taxi oder zu Fuß.
Ich bin jetzt 52 Jahre alt und wenn ich auf mein Leben zurückblicke, gab es drei möglicherweise brenzlige Situationen diesbezüglich. Da ich als Kind und junges Mädchen Gewalt in vielfacher Weise im eigenen Elternhaus erfahren habe, hatte ich eigentlich alles erlebt, was einem an Furchtbarem zustoßen kann, daher war ich wohl etwas nüchterner und kühler gegenüber Situationen, in die ich mich unwissentlich begeben hatte, wenn ich nächstens unterwegs war.
Da gab es die eine Situation, als ich gegen 3.oo Uhr morgens an der Bahnhaltstelle Ebertplatz ausstieg, damals gab es die Ubahn noch nicht und mich auf den Nachhauseweg über den Theodor-Heuß-Ring begab. Plötzlich hörte ich Schritte hinter mir. Blieb ich stehen, ruhten die Schritte auch. Da war sie, die Angst, sie kroch ganz leise und langsam in meinem Inneren hervor und beschlagnahmte mich. Genau in diesem Moment dachte ich, das geht nicht, du darfst dich da jetzt nicht hineinfallen lassen! Also probierte ich es aus, blieb stehen, horchte, was passierte, ging weiter, blieb wieder stehen und da kam ich zu dem Schluß, jetzt muß ich handeln. Also drehte ich mich kurzerhand um, schaute einem Mann ins Gesicht, der mich grinsend ansah. Ich nahm all meinen Mut zusammen und sagte zu ihm:"Wenn DU jetzt nicht abhaust, dann nehm ich meine Pistole und glaub ja nicht, ich würde Spaß machen!" Ich weiß nicht, woher ich die Kraft nahm, aber es hat geholfen. Ich drehte mich um und auch er drehte sich um und verschwand in die andere Richtung.
Ein anderes Mal fuhr ich von der Altstadt aus einem Diskothekenbesuch, damals noch Townhill, mit einem Taxi nach Hause. Es war früher Morgen, 5.oo Uhr und ich fühlte mich sicher. Als ich aber dann am Theodor-Heuß-Ring aussteigen wollte, hielt der Fahrer mich fest und versuchte einen Übergriff, dem ich mich heftig zur Wehr setzte und ihm androhte, ich würde ihn melden. Daraufhin schmiß er mich aus dem Auto und ich ging mit zitternden Knien durch den Park in mein elterliches Wohnhaus.
Die dritte Begebenheit liegt noch nicht solange zurück, ungefähr ein halbes Jahr. Ich hatte mich mit Frauen, die ich in der Reha in St.Peter-Ording kennengelernt hatte, zu einem Wiedersehen in Sülz getroffen. Es war schön, fröhlich, aber auch spät. Ich, wie immer mit dem Fahrrad unterwegs. Gegen 1.3o Uhr trat ich die Heimfahrt an über den Gürtel Richtung Nippes. Auf der Höhe des Melatenfriedhofes überholte mich plötzlich auf der einsamen nächtlichen Straße, kein Auto mehr unterwegs, ein Radfahrer. Ich dachte mir zuerst nichts dabei, aber dann verringerte er seine Geschwindigkeit. Ich merkte es und wurde auch langsamer, beobachtete, was passierte. Als er dann plötzlich mitten auf dem Radweg zum Stoppen kam und sich quer über den Radweg postierte, überfiel mich dieses bekannte Angstgefühl. Aus der Panik heraus drehte ich sofort um und fuhr wieder zurück, den Weg suchend über die Aachener Straße Richtung Ringe, um dort meinen Heimweg weiter zu verfolgen. Ich muß schon sagen, mein Adrenalinspiegel war auf Hundert. Ich weiß nicht, ob es Zufall war, vielleicht wär auch gar nichts passiert, aber von da an, achte ich nun doch mehr darauf, dass ich, immer mit dem Fahrrad unterwegs, auf Straßen nach Hause fahren, die in irgerndeiner Weise noch belebt sind. Mein Handy hab ich immer dabei.
Trotzallem, ich muß der jungen Frau in dem Artikel Recht geben, mit der Bahn würd ich nachts nie allein nach Haus fahren. Vor kurzem wurde eine junge Frau an der Haltestelle Florastraße brutal überfallen und vergwaltigt. Den Täter hat man wohl nie gefaßt.
Höchstens ein Taxi, aber das auch nur auf Anruf über die Zentrale. Das sind m.E. Sicherheitsmaßnahmen, die unbedingt einzuhalten sind. Ansonsten fühle ich mich, wenn ich nachts unterwegs bin, grundsätzlich sicher und Herr meiner Lage.
Ich werde mich davor hüten, aus lauter Angst und Hysterie, verursacht durch die Medien, mich am Leben zu hindern. Da könnte ich ja direkt zuhause bleiben. Wie sollen wir am Leben teilnehmen, wenn wir uns von der Angst fesseln ließen. Ja, das Leben ist gefährlich, überall könnte jemand lauern. Aber ich wehre mich gegen diesen Pessimismus und werde verdammt nochmal mein Leben nicht davon bestimmen lassen. Ich werde weiter, trotz aller negativer Erfahrungen in meinem Leben, mich von guten Gedanken und meinem Vertrauen darauf, dass alles gut geht, leiten lassen und mich nicht mehr als nötig von Ängsten leiten lassen. Im Grunde ist Angst ja nicht negativ, sie zeigt uns auch, welche Maßnahmen wir ergreifen müssen, um uns zu wehren. Also, ein bißchen Angst ist schon in Ordnung, aber mehr auch nicht.
In diesem Sinne, lassen wir uns nicht verrückt machen. Die Welt ist Gut und Böse. Hoffen wir also weiter, dass uns in unserem normalen kleinen Alltag nur das Gute widerfährt.