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Ich schreibe einfach gern:)

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Meine kleine Insel!

Wünschen wir sie uns alle nicht einmal? EIne kleine Insel, auf die wir uns zurückziehen können! Irgendwo im Ozean, türkisblaues Wasser, traumhafter Strand, Palmen, eine kleine Hütte und nur nette, liebevolle Menschen um uns herum! Ja, wer hat nicht hin und wieder diesen Traum.

Äußern wir ihn, kommt sofort die Frage:"Was würdest Du mitnehmen?" Ich stutze dann immer für einen Moment, weiß es gar nicht so recht, aber nach längerem Hin- und Herüberlegen fallen mir dann meine Lieblingsbücher ein:"Aufzeichnungen aus einem Totenhause von Dostojewski, "Der Idiot", Dostojewskij "Ungeduld des Herzens", Stefan Zweig ach ja, noch vielmehr und natürlich ein Radio, am liebsten das alte, das vom Großvater, das heute noch in meiner Küche steht, ein altes Röhrenradio,dessen klang etwas dumpf und dunkel tönt und mir das Gefühl gibt, in einer anderen Zeit zu leben, wenn ich morgens die dicken Knöpfe runterdrücke, um dann mit dem kleinen Rad den Sender suche und das Zwitschen des Pegels ein Durcheinandergemurmel aus verschiedenen, sphärischen Klängen vermittelt. Ja, meine Bücher und das Radio, mehr brauch ich nicht. Ich würde dann einen kleinen Garten anlegen, aus dem ich mich selbst versorgen kann, was ich nicht hab, würd ich tauschen und an den Abenden würde ein kleines Feuer lustig vor meiner Hütte flackern, auf dem ich dann den gefangenen Fisch, eingerieben mit frischen Kräutern, die selbstverständlich auf der Insel wachsen, braten und auf einer anderen Feuerstelle köchelte der Topf mit dem geschmorten Gemüse, und in einem Erdloch, in dem die Glut verscharrt des letzten Feuers noch lodert, würde ich mein Bort selber backen, ohne Hefe, ohne Zusatzstoffe, Mehl, Wasser, Kräuter, Koreander, mehr braucht es nicht. Wenn alles fertig wäre, kämen die anderen Inselbewohner, brächten ihre Musikinstrumente mit, und nach dem Essen würden wir singen, erzählen, tanzen und uns einfach an der untergehenden Sonne über dem Ozean erfreuen. Ach! Wäre das herrlich, jedenfalls manchmal, nur manchmal!

Aber mal ehrlich, brauchen wir eigentlich gar nicht so weit zu reisen, oder? Hat nicht jeder seine kleine Insel auch vor der Haustüre? Schafft sich nicht jeder seine eigene kleine Insel, egal, wo er sich befindet. Sei es in dem Haus, in dem er lebt, bei der Arbeit, im Freundeskreis, bei unseren Hobbys.  Auch da gibt es immer ein Hintertürchen, wo die böse Außenwelt nicht unbedingt sofort hineinfindet.

Wenn ich manchmal in meine Vergangenheit schaue, dann sehe ich viele solcher Inseln, die ich mir für einen Zeitraum geschaffen habe. Da fällt mir sofort die Anthroposophie mit ihrer Waldorfpädagogik ein. Damals, als ich noch nicht so weit war, als ich noch nicht angeschaut hatte, was mich unfrei machte, wovor ich Angst hatte, was wie eine Zeitbombe in mir tickte, da wollte ich der Welt den Rücken kehren, mich versperren, aus Angst vor derselben. Da kam  die Waldorfschule mit ihrem pädagogischen Ansatz ganz recht und die Anthroposophie mit ihrem Idealbild vom menschlichen Sein, ja, das war mein Traum damals. Da hab ich mich zurückgezogen, die Kinder jeden Morgen hinter einer großen Hecke, in das schöne Kindergartengebäude abgeliefert. Jedesmal fühlte ich mich geborgen, wenn ich schon die Türe öffnete und mir der Duft von selbstgebackenem Brot, von eingeöltem Holz und Duftwässerchen entgegenkam. Ja, ich wollte geborgen sein, damals, weil ich keine Mittel hatte, mich gegen das Böse dieser Welt zu wehren, es machte mir Angst! Viel später entdeckte ich erst, dass es vielen Eltern so ging, dass fast jeder eine Geschichte hat, die ihn in diese Art von Pädagogik trieb. Sie waren zu schwach, um dem, was sie selber für gut hießen und wollten für ihre Kinder, im normalen Schulbetrieb durchzusetzen und auszuhalten. Na ja, das ist Schnee von gestern. Schön war es trotzdem, viel hab ich gerlernt in dieser Zeit, vieles, was mich weitergebracht hat. Aber auch auf dieser Insel war eben nicht alles schön. Gerade auch hier begegnete ich dem, vor dem ich eigentlich fliehen wollte. Menschlicher Fehlbarkeit, Bosheit, Ignoranz, Arroganz und vieles, vieles mehr.

Dann ging ich, es war Zeit. Genug. Ein Abschnitt des Lebens beendet. Und weiter ging die Suche. Wieder merkte ich nicht, dass ich nur eine Insel suchte. Es kam die Zeit in der katholisch-fundamentalistischen Gemeinschaft des Neokatechumenates. 15 Jahre meines Lebens.  War ebenso ein Rückzug aus der Welt, mit eigener Ideologie, mit eigenen Riten und Vorstellungen, wie ein Christ zu leben hat. Lange hat es auch hier gebraucht, bis ich es durchschaut hatte. Spätestens in dem Moment, wo man mich unter Druck setzen wollte, so nach dem Motto:" Gott hat Dir viel geschenkt, also gib ihm zurück!" Das war ein Schock, damals, diese Haltung, die mir da entgegenkam! Wieso mußte ich einem Gott etwas geben? Und dann der Ansatz, dass man eine eigene Schule bauen wollte, eine katechumenale Schule, in der nur Kinder vom Weg waren. Hilfe!! Ich war erschrocken, damals, ich wachte auf, ja man muß es so sagen, ich erwachte aus einem bösen Traum! Endlich hatte ich es kapiert. Alle Inseln, die man sich hinter irgendwelchen ideologischen Gemeinschaften aufbauen will, stellen sich irgendwann als Fallen heraus.  Man denkt an Freiheit, wenn man an die "Insel" denkt, aber man bekommt das Gegenteil "Unfreiheit!"

So hab ich aufgehört, nach Inseln zu suchen in meinem Leben. Ich schaue höchstens noch mal hier und da rein, höre interessiert hin, wenn es etwas gibt, einen Ansatz, der mir helfen kann oder mich in meiner Erkenntnis weiterbringen würde und dann schließe ich ganz leise die Tür hinter mir und gehe meinen eigenen Weg!

Nach so vielen Inseln, auf denen ich gelebt habe in der Vergangenheit, habe ich wohl endlich den Mut gefunden, in Freiheit meinen Weg zu gehen, zwar zu schauen, was es rechts und links des Weges gibt, aber mein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und mich von anderen Menschen nicht mehr abbringen zu lassen. Natürlich gehörte da auch dazu, die eigene Kindheitsgeschichte anzuschauen, auszuhalten und heilen zu lassen. Lange ist es her. Heute fühl ich mich stark, sehr stark, nichts mehr kann mich aus meinem Konzept bringen. Ich halte es aus, letztendlich auch allein dazustehen, mit meiner Meinung, meinem Leben und meiner Warheit.

Nur manchmal, wenn es wirklich gar zu arg wird, das Außen, die Bedrängnis, die Problematiken, dann mache ich mir doch noch eine kleine Insel, hier bei mir zuhause, auf meinem Sofa, mit einer schönen Musik, den Räucherstäbchen, einem schönen Buch und ziehe mich zurück von dieser schnöden und doch so schönen Welt.

Aber Fakt ist, manchmal braucht man halt größere Inseln im Leben, weil man noch nicht erkannt hat, weil man noch weit von sich entfernt ist, weil man noch von Angst besetzt ist, von Unsicherheit, von Unfreiheit. Auf Inseln kann man verweilen, eine Zeitlang, aber dann sollte man wieder gehen!

In diesem Sinne gönne ich jedem seine Inseln. Nur nicht vergessen, ein Schiff frühzeitig zu mieten, das einen wieder zurückbringt ins Leben, ins wirkliche, harte, dafür aber um so interessanter, bunter, erkenntnisreicher.
 

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