Ich schreibe einfach gern:)
Zufriedenheit scheint ein Zustand zu sein, der davon abhängig ist, dass das Leben immer so läuft, wie man es haben möchte, oder? Jedenfalls scheinen manche Menschen ihren Zustand nur so definieren zu können, wenn alles in Butter ist, wie man so schön sagt! Aber kann man nicht auch zufrieden sein, wenn nicht immer alles stimmt, nicht immer alles so ist, wie es sein soll. Vielleicht gibt es Probleme in der Ehe, was ja auch im Laufe der Jahre immer wieder mal vorkommt, ganz normal also, oder es gibt vorübergehende Engpässe im finanziellen Bereich oder Streitigkeiten mit den Nachbarn oder im größeren Umfeld der Familie, oder, oder, oder. Es gibt eine ganze Palette von Problemen im Leben, die einen vom Zustand der Zufriedenheit abbringen können.
Ich kenne das auch, vielfach in meinem Leben sind Dinge passiert, haben sich entwickelt, die mir nicht gefallen haben, die es mir schwer gemacht haben. Ja regelrecht schwer, auszuhalten, zu verändern, manche Dinge haben sich auch noch gar nicht verändert, daran arbeite ich immer noch, wie an einer ewigen Baustelle.
Was ich bei anderen oft beobachte ist, wenn es einen Punkt in ihrem Leben gibt, der wider den eigenen Erwartungen läuft, zieht sich eine Unzufriedenheit in ihrer Haltung, die alle anderen Lebensbereiche mit einschließen. Will sagen, man hat irgendeinen Ärger, und schon hängen die Mundwinkel runter, man kann nicht sortieren, sagen, klar, hier hab ich jetzt ne Baustelle, aber das muß mich noch lange nicht davon abhalten, die anderen Dinge, die positiv verlaufen, zu sehen und mich daran zu erfreuen. Denn das gibt es doch gar nicht, dass es immer und überall im Leben ganz nach den eigenen Wünschen verläuft. Der Mensch unterliegt ständig Veränderungen im innen und im außen, oder?
Was also hindert einen Menschen daran, nicht zufrieden zu sein, mit dem was ist, auch wenn es mal ein kleineres oder größeres Problem gibt? Wieso kann man nicht im inneren neutral und klar bleiben, das Problem anschauen, den Verlust wahrnehmen, aber dann einfach weitergehen, alles andere weiter so tun, wie man es immer gemacht hat und an dem besagten Problem arbeiten? Ist doch eigentlich ganz einfach, oder.
Meine Erfahrungen in den letzten Jahren haben gezeigt, dass es unglaublich wichtig ist, wahrzunehmen, dass es ein Problem gibt, aber sich nicht davon beirren zu lassen. Man kann zufrieden sein, auch wenn nicht alles so ist, wie man es sich vorstellt. Ein klarer, nüchterner Geist, kann einem dazu verhelfen, ohne dass man sich von seinen Gefühlen leiten läßt, innerlich Abstand von einem Problem zu gewinnen, ohne dass man die Flucht nach hinten antritt, im Gegenteil, in dem Moment, wo man sich einfach einmal neben sich stellt, bekommt man eine andere Perspektive und kann aus dieser heraus mit Kraft und Energie, aber auch Willenskraft, das Problem angehen.
Also, ist doch alles ganz einfach, Problem erkennen, daran arbeiten und einfach weitermachen an den anderen Baustellen des Lebens.
Das Leben ist halt eine ständige Baustelle, immer im Wandel, immer im Fluß, man selber wandelt sich, das Gegenüber wandelt sich, die materiellen Dinge ändern sich. Was man heute liebt, kann morgen verloren gegangen sein, man weiß zwar manchmal nicht warum, aber es kann passieren, was man heute besitzt, kann morgen genommen werden, schuldhaft oder ohne eigenes Zutun, und das Gegenüber ist plötzlich auch ein anderer, als er gestern noch war.
Wenn man das alles immer im Blick hat, wenn diese Erkenntnis im inneren nicht verloren geht dann schaut man anders auf die Probleme. Dann sind es gar keine Probleme mehr, sondern nur Möglichkeiten, etwas zu verändern und an Erfahrungen reicher zu werden.
Ich bin ja ein Praktizierender des Zen und ich bin davon überzeugt, dass mir die Zen-Meditationen sehr dazu verholfen haben, die Dinge immer aus der Ferne zu betrachten, mich nicht von ihnen emotional verführen zu lassen. Ich schaue sie mir einfach an und dann tue ich und versuche ganz bei dem zu sein, was ich in diesem einen Moment tue, wenn ich arbeite, arbeite ich, wenn ich lese, lese ich, wenn ich koche, koche ich. Ich versuche es, es ist schwer, man wird schnell abgelenkt. Aber schon das Bewußtsein, darauf zu achten, sich nicht ablenken zu lassen, schafft Wachsamkeit. Wenn es also ein Problem gibt in meinem Leben, dann setze ich mich damit auseinander, aber schon im nächsten Moment, wo ich etwas anderes tue, ist das Problem vergessen, weil es einfach da nicht hingehört. Ich glaube, man muß sortieren können, in seinem inneren. Man hat viele Möglichkeiten, Probleme einfach einmal in ein Fach zu legen und sich dem Nächsten zuzuwenden. Das Verharren in einer Problematik bringt einen nie weiter. Abstand tut gut!
Jedenfalls, es ist möglich, Probleme zu haben und dabei zufrieden zu bleiben, weil man das Problem als Möglichkeit der Weiterentwicklung sieht. Ein Problem ist doch nicht mehr als ein Stein, der sich einem in den Weg legt und der nur weggeräumt gehört. Und es gibt soviele Steine im Leben, manche werden einem einfach entgegengeworfen! 