Na so was! Ein Tag war das heute. Gar nicht nach meinem Geschmack. Nicht unbedingt der Frieden, den ich mir so wünsche. Kann man halt nicht immer selber was dran ändern. Hat mich aber schon beschäftigt, den ganzen Morgen. Mußte ich mal wieder aufpassen, nicht aus dem Gleichgewicht zu raten, bei mir zu bleiben.
Ja, dann noch die Arbeit, die ab Nachmittags auf mich wartete. Hatte nicht viel Lust heute, wo es drinnen so gemütlich war. Der Sohnemann noch kam, weil der FC ja heute spielte. War ich aber doch froh, dass ich das Spiel dann nicht geschaut habe, weil, sie haben ja mal wieder verloren. So was!
Jedenfalls bißchen verpeilt war ich dann doch, als ich mich mit dem Rädle auf den Weg zur Arbeit machte. Schon halbe Strecke hinter mich gebracht, da fiel mir ein, mensch Röschen, du hast deine Tracht vergessen, die Heinzelmännchen. Ab, wieder zurück, die Uhr zeigte schon 16.4o Uhr, 17.oo Uhr mußte ich da sein. Hektik, pur.
Am Dom erwarteten mich die Massen von Menschen. Total vergessen, heute war ja einkaufsoffener Sonntag. Wie konnte ich das vergessen. Wahrscheinlich nur, weil ich nix brauche. Na jedenfalls wühle ich mich so durch die Massen und komme endlich am Weihnachtsmarkt an. Stelle das Rad wie gewohnt an die Stelle hinter den Buden und will es abschließen. Shit happens, kein Schlüssel. Ohjeh, wo hab ich den denn gelassen. Panikattacke!
Hab ich den etwa verloren, als ich den I-Pod aus der Tasche zog, um die Musik leiser zu stellen? Bestimmt. So ein Mist. Naja, weiß ja keiner, dass er zu mir gehört. Ist er halt weg. Nur das Rad! Verdammt, ich kann es nicht abschließen. Was tun?
Schau mich um, nach rechts und links. Zurückfahren geht nicht, das wären nochmal 2o Minuten. Da würden meine Kollegen sauer sein. Die wollen schließlich jetzt nach Hause.
Ach was, stelle ich es einfach dahin. Vertraue ich einfach darauf, dass es nicht weggenommen wird. Na und? Wird schon gut gehn. Bin wohl ein hoffnungsloser Optimist? Oder? Vielleicht auch naiv, keine Ahnung. Ich hab´s getan!
Bißchen ddurch den Wind komme ich an den Stand und erzähle gleich los. Hektik, Streß, die ganzen Massen, ist ja furchtbar heute und dann noch den Schlüssel verloren, vergessen oder was auch immer. Wie? Du hast Dein Fahrrad nicht abgeschlossen? Nö, wat sollte ich denn anders machen. Na dann Nacht Mahlzeit. Kannste vergessen, meinen die Kollegen.
Ja, ich vergesse es, sowieso, der Rummel, die Leute, das Verkaufen, das Anbieten von kleinen Probierköstlichkeiten, die netten Gespräche und plötzlich 22.oo Uhr. Feierabend.
Ich geh dann schon mal, weil jetzt bin ich doch gespannt, ob es noch da steht, mein treues rotes Fahrrad!
Hab ich umsonst vertraut, gehofft? Ich renne förmlich um die Ecke, hechel, hechel, die Spannung steigt und da strahlt ein Leuchten über mein gesicht: Da steht es! Genauso, wie ich es abgestellt habe!
Sag ich doch! Die Welt ist gar nicht so schlecht. Oder Glück gehabt, oder so!
Ich freu mich jedenfalls und radle vergnügt heim.
Es geht doch, auch wenn man denkt, eigentlich geht es nicht!