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Ich schreibe einfach gern:)

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Musik wischt den Staub von der Seele...

Musik wischt den Staub aus der Seele.......Dieser Satz hat mich gefangen genommen, als ich eine Einladung von einem iranischen Kollegen annahm, der mit mir zusammen die Englisch-Fortbildung besuchte. Röschen, sagte er, da mußt du hingehen, dass ist etwas für dich, wo du Musik liebst. Und überhaupt, es würde zu Dir passen.

Vorweg, wie ich schon oft bemerkt habe, Musik ist mein Lebenselexier. Musik läßt mich träumen, erweckt neue Inspirationen in mir,  schenkt mir gute Gefühle, wenn schlechte aufkommen oder mich runterziehen wollen, ich an einem Problem arbeite, oder gerade mal wieder eines über mich hergefallen ist.Höre ich Musik, höre ich den Ozean, sehe die Weite, sehe den Sternenhimmel und die Größe unseres Universums. Musik schenkt mir das Gefühl, ganz leicht zu sein, wie ein Vogel, zu fliegen über alle Hindernisse hinweg. Der Rhythmus ergreift meinen Körper und ich fange an zu tanzen, egal, wo ich mich gerade befinde, beim Putzen, spülen, kochen, einfach so, mal eben ganz kurz ein paar Schritte auf der Straße und wenn es sein muß auch mit dem Rädle, mal ein paar Schlenker, nach recht oder nach links. Musik beflügelt mich, jawohl.  Musik schafft es immer, dass ich mich groß, stark und mutig fühle und manchmal ist sie so schön, dass ich sterben möchte.

Daher, wie ihr lest, Musik ist zumindestens eines, was ich brauche, um zu leben. Wie heißt es so schön in dem Lied:" Ich brauche keine Millionen, ich brauch keinen Pfennig zum Glück, ich brauche weiter nichts, als nur Musik, Musik, Musik.....

Ich hab mich nie festgelegt. Man wird schon mal gefragt, welche Musik hörst du am liebsten. Da kann ich meistens keine Antwort drauf geben. Es kommt, wie gesagt, auf meine Stimmung an und dann paßt es schon. Rock- Blues, Jazz, Klassik , einfach alles. Und vor allen Dingen, ich liebe Weltmusik. Musik aus verschiedenen Kulturen,  gespielt von Musikern, deren Namen man manchmal gar nicht kennt, die in ihren Lieder von ihrer Heimat erzählen, hören lassen, was bewegt die Menschen dort, woran leiden sie, was lieben sie.

Nun denn.... so hab ich mich verführen lassen von der Einladung und hab mich gestern Abend aufgemacht in die Philharmonie. Ich bin einfach gern dort. Die Philharmonie ist für mich wie eine kleine Oase, Insel oder Meditationsraum. Ich mag das Ambiente. Auf allen Plätzen sieht und hört man gut. Daher, da ich nicht so große finanzielle Mittel zur Verfügung habe, kaufe ich mir meistens eine 1o,--€-Karte und warte ab. Wenn die Türen schließen, und ein Platz ist nicht besetzt, darf ich meinen Stehplatz verlassen und ihn besetzen. Ich hab bisher immer Glück gehabt. Am Anfang dachte ich, so was macht man nicht. Mittlerweile hab ich kein Problem mehr damit. Warum denn auch nicht. Ich hab schließlich auch bezahlt. Und warum soll ein Platz leer bleiben.

Schon beim Warten habe ich eine nette Begegnung mit einer unglaublich freundlichen, älteren Dame. Wir kommen schnell ins Gespräch. Sie erzählt mir, es sei ihr erster Abend, dass sie mal wieder ausgeht. Ihr Mann sei schwer erkrankt, sie habe ihn in den letzten Wochen pflegen müssen. Aber heute könne er mal ein paar Stunden allein bleiben. Sie kommt aus Rhondorf. Ist fast 80 Jahre alt. Hat früher beim Deutschlandfunk gearbeitet und erzählt mir, wie die Welt sich für sie verändert hat, in jeder Beziehung. Ich mag sie auf Anhieb, diese ältere Dame. Sie erzählt mir, dass sie in einem Lesekreis ist, einmal im Monat und dass sie zur Zeit die holländischen Autoren lesen. Es sind Menschen zwischen 65 und 90 Jahren in dieem Lesekreis und von einer älteren Dame, 90 Jahre alt, ist sie ganz begeistert. Ich höre gern den Erzählungen anderer Menschen zu, genauso wie der Musik.

Leider klappt es nicht mit einem gemeinsamen Platz, aber neben mich setzt sich eine Frau meines Alters, ebenfalls mit 10,--€-Karte, Sozialarbeiterin, die eigentlich mit einer iranischen Freundin kommen wollte, die aber kurz abgesagt hat und so vertiefen wir beide uns ins Gespräch. Keine Kölnerin, frag ich sie, weil ich höre es, am Dialekt. Wohl aus dem Hessenland, meine ich und sie bestätigt es, aus Worms komme sie.

Dann endlich beginnt es. Auf der halbrund ausgestatteten Bühne betreten die Musiker, allen voran Sima Bima, die Sängerin, Ali Reza Shirvani, Dotar-Spieler. Eine Dotar besitzt nur zwei Seiten , aber es ist erstaunlich welche Töne sie zaubern kann. Dann Jamal Mohammed , Lalewa, Kemantche und Ney-Spieler. Lalewa bzw. Ney ist ein langes flötenartiges Blasinstrument,  ähnlich einem offenen Blasrohr, die in der iranischen Musik sehr oft zu hören ist und auch sie, trotz ihrer Einfachheit,  kann unglaublich verschiedenartige Töne hervorzaubern. Es folgt Amir Abbas Zare, Daf, Dayere und Percussion-Spieler, Hanif Shahmirzadi, Barbat-Spieler. Barbat oder auch einfach Oud genannt, ist ein lautenartiges Musikinstrument, das sehr oft auch im Jazz vorzufinden ist.  Dann last but not least Dabasish Battacharjee, Tabblas. Ich kenne ihn, weil er als Tabblaspieler die indische Musikgruppe Anubhab leitet. Er kommt aus Indien und da brauch ich ja nichts zu sagen. Ich liebe Indien und indische Musik.

Es passiert nichts aber auch gar nichts Äußerliches an diesem Abend, keine Bewegung des Körpers. Die Musiker sitzen still und ruhig auf ihren Plätzen. Sima Bina bewegt nur flüchtig ihre Arme und Hände, nur um anzudeuten, hinzuweisen, zu vertiefen, was ihre wunderschöne Stimme zum Ausdruck bringt. Hin- und wieder weisen sie auf die Musiker hin, die immer mal wieder ein kurzes Solo geben. Und ich bin hin- und weg als Battacharjee ein Einlage auf einem riesigen tamburinähnlichen Instrument hinlegt. Ich denke, wie geht das. Es ist so groß, er muß es mit zwei Händen halten, und dennoch schlägt er unermüdlich den Rhythmus und bewegt es in einer Geschwindigkeit, dass ich nur staunen kann.

So versenke ich mich, nehme nichts mehr um mich herum wahr und lausche der Musik und dem Gesang. Ein wenig enttäuscht bin ich, das Sima Bina keine kurze Andeutung auf deutsch gibt, was sie gerade singt, wovon das Lied spricht, denn es sind doch auch sehr viele deutsche Zuhörer im Saal. So bin ich darauf angewiesen, mir meine eigenen Inspirationen anhand der Stimme, des Klangs der Musikinstrumente, zu machen und es fällt eigentlich nicht schwer. Denn Musik erzählt soviel, wie ich oben beschrieb. Und da ich ein bißchen vorinformiert war, denn meine iranische Freund ist ein großer Fan von Sima, die übrigens längere Zeiten auch hier in Köln lebt, hat mir schon erzählt, dass alle ihre Lieder poetische Texte aufweisen. Musik, so hat Bima einmal gesagt, sei für sie göttliche Vollendung, heilige Kunst. Sie hat die Gabe, dass der Mensch in direkten Kontakt mit der Schöpfung eintreten kann.

Das spricht mir aus dem Herzen. Musik, jedenfalls bei mir ist es so, gibt mir das einmalige Gefühl, mich völlig auflösen zu können, mich zu verschmelzen mit all dem, was um mich herum ist.

Es ist übrigens nicht an der Tagesordnung gewesen, dass Frauen in der iranischen Musik einen Platz hatten. Erst in den letzen Jahren wurden die Beschränkungen etwas gelockert. Die allzu weibliche Stimme wurde als verführerisch angesehen.  Möglichkeiten, musikalisch die Kultur weiterzugeben, bestanden oft nur im Exil. So wie Bima, die jedoch immer wieder in ihre Heimat zurückkehrt, um in den entferntesten Regionen neue Inspirationen zu bekommen, ähnlich wie Alan Lomax, der im amerikanischen Süden den Ursprüngen des Blues nachgespürt hat, überliefert sie Volkslieder, um sie dann mit der eigenen Interpretation zu umhüllen.  Sie läßt sich ebenfalls von den iranischen Mystikern inspirieren. deren wichtigste Gelehrte unter den Sufis zu finden sind. Sie erinnern sich....Sufis, das sind u.a. auch die, die sich Stunden, oder besser gesagt, Ewigkeiten mit erhobenen Händen tranceähnlich im Kreise drehen können. Schon mal ausprobiert?:-) Keine leichte Übung, sehr schnell kommt man aus dem Gleichgewicht.

Ich hab es mal geschafft ein und eine halbe Stunde lang, wie ein Sufi....Es ist eine unglaubliche Konzentration erforderlich. Das denkt man gar nicht. In dem Moment, wo die Konzentration vom inneren abgelenkt wird, verliert man den Trittrhythmus und kommt ins Schwanken.  Man muß also ganz bei sich sein, darf sich nicht ablenken lassen. Und dann kommt der Punkt des Schlusses, langsamer werdend und dann zu stehen. Es ist eine wunderbare Erfahrung aus dieser mal schnellen, mal langsamen Rotation plötzlich einfach zu stehen, nicht zu wanken, sondern klar und gerade stehen zu bleiben, so als, wäre nichts geschehen, als hätte man sich nicht um sich selbst und die Welt gedreht. Ein tolles Gefühl. Versuchen sie es mal und machen es wie die Sufis.:-)

In diesem Sinne, Ihr seht  bzw. lest, ich hatte einen wunderschönen Abend mit Musik einer fremden Kultur, aus einem fernen Land, dass ganz sicher, abgesehen von der politischen Situation, ein wunderschöner Platz auf dieser Welt ist und der natürlich, wie immer, in mir Sehnsucht weckt, es einmal selber sehen zu dürfen. Im Raum stand es ja schon, mal sehen, vielleicht wird es ja doch noch was, in naher oder ferner Zukunft.

Musik wischt den Staub aus der Seele...... Da gibt es nichts zu entgegnen.....
 

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