
Erschreckend! Wie ich finde! Die Entwicklung in unserer Bestattungskultur. Den Satz " Der Mensch als Ware" ist uns mittlerweile geläufig genug. Austauschbar! Abwägen, wenn ich etwas Besseres finde, tausche ich einfach aus. Im Gesundheitswesen wird es schon lange deutlich. Was kostet eine Leber, Niere, Herz usw.usw. Organraub-Kriminalität! Was auch immer. Der Mensch als Ware.
Und nun das Ende. Der Tod als Ware! Was kostet eine Beerdigung! Der griechische Feldherr Perikles soll einmal gesagt haben:" Im Umgang mit den Toten zeigt sich die Kultur eines Volkes!" Das der Tod aus unserem Leben und somit auch aus unseren Häusern verdrängt wurde, hat sich schon seit längerer Zeit eingeschlichen. Selten wird noch zu Hause gestorben. Es geht auch nicht immer, je nachdem, welches Krankheitsbild damit in verbindung steht. Ich hab es ja selbst bei meiner Mutter gesehen. Die Pflege zu Hause ging nur bis zu einer bestimmten Grenze, dann war die medizinische Versorgung nicht mehr gewährleistet, um ihre Würde zu wahren. Da mußte es dann das Hospiz sein. Aber ich war jeden Tag dort, zu allen mir möglichen Zeiten. Als sie gestorben ist, hab ich sie gewaschen und sie schön gemacht und das Zimmer hergrichtet und dann eine lange Zeit bei ihr gesessen, der letzte Abschied.
Dann kam die Beerdigung. Wir waren damals schon erschrocken, mein Bruder und ich, wie teuer eine Beerdigung ist. Wir sind beide nicht reich, haben also schon geschaut, was möglich ist. Aber es war uns etwas Wert, auc wenn wir länger daran gezahlt haben. Ratenzahlung für den letzten Gang. Mir hat das nichts ausgemacht. Und es war eine schöne Beerdigung....mit allem, was dazu gehört. Jetzt hat sie ein schönes Grab, gestaltet durch meinen Bruder. Eigentlich wollte sie das gar nicht, aber ich glaub, sie würde sich freuen, wenn sie es sähe. Ich bin meinem Bruder dankbar dafür, dass er diesen Teil übernommen hat. So hat jeder seine Aufgabe gehabt, zu ihren Lebzeiten und nach ihrem Tod.
Der Tod ist teuer! Ist hier Vorsorge gefragt? Sterbeversicherung? Meine Mutter hatte eine kleine Versicherung dieser Art, aber sie gab nicht sehr viel her, längst nicht das, was es dann letztendlich gekostet hat. Wer sowieso zu Lebzeiten wenig hat, wird wohl kaum Geld haben, um Vorsorge für seine Bestattung treffen zu können. So mancher Anverwandte ist mit der Finanzierung einer Beerdigung überfordert.
Und genau in diese Situation treten jetzt Bestattungsunternehmer ein mit ihren Billig-Angeboten. Man stelle sich vor, man kommt an folgender Werbung vorbei:"Bestattungen 999,--€!" Billig-Bestatter, Bestattungs-Lidl, Sarg-Discount, so oder ähnlich, wird geworben. Erschreckend? Oder eine Antwort auf die allgemeine Finanzkrise oder ein Angebot an all die, denen die Beerdigung des Verstorbenen nichts mehr wert ist. Denn, so las ich in einem Begleitmagazin, es sind nicht unbedingt die ärmsten der Armen, die so wenig wie möglich für den letzten Schritt ausgeben wollen. Oftmals sind ander Gründe dafür maßgeblich. Sätze wie." Dem Toten ist es eh egal", "Der merkt ja nichts mehr" oder das Geld können wir für wichtige Dinge benutzen"....So sieht das aus!
Geht man in die Krankenhäuser, sieht man sehr schnell, wie mit den Verstorbenen umgegangen wird. Die letzte Würde! Beginn sie nicht auch damit, dass man einem Verstorbenen, der vorher noch gekrampft hatte, die Körperglieder wieder herrichtet.....oder ihm wenigstens die Injektionsnadel aus dem Arm zieht? Anscheinend nicht, denn so der Schreiber des Artikels, er habe auf seiner Recherche genau all diese Dinge gesehen. Der Mensch als Ware! Nur etwas wert, wenn er der Gesellschaft noch dienen kann, leisten kann....im Tod bringt er ja nichts mehr....
Daher auch die immer häufiger zunehmenden anonymen Bestattungen. Ich will grundsätzlich sagen, jedem soll das Recht zugestanden werden, wie er beerdigt werden soll. Es ist nicht meine Intention, anzuprangern. Ich respektiere jeden letzten Wunsch, wenn er denn so tatsächlich ein letzter Wunsch des Verstorbenen ist. In Zeiten der Familienverstreuung ist es heute ja auch nicht mehr einfach, gemeinsam eine Grabstelle von Vater oder Mutter zu pflegen...das muß man alles berücksichtigen.....
Mir geht es eigentlich nur um diesen letzten Abschied. So billig wie möglich! Auch wenn es anders gehn könnte. Wieviel ist einem der Tote noch wert?
Jess letzter Beitrag im Politikteil ist gar nicht so abwegig. Bestatter ein krisenfester Job. Gestorben wird immer. Und so wachsen sie im Moment wie Pilze aus dem Boden, die Bestattungs-discounter, angefeindet von altansässigen Unternehmen, die noch seelischen Beistand und mit allem Rat und Tat zur Seite standen. Sie müssen jetzt um ihre Existenz fürchten. Wie damals.....als die kleinen Tante-Emma-Läden ausstarben... Viel zu spät hat man gemerkt, was dadurch verloren gegangen ist. Lebensqualität, Athmosphäre, ein Stück Kultur ist dadurch verloren gegangen. Der Mensch steht nur noch Schlange in Supermärkten, ständig auf der Jagt nach Billigangeboten, manchmal für Dinge, die dann irgendwann im Mülleimer landen, weil zwar billig, gekauft, aber dann doch nicht gebraucht...
Aber ich sage...."Würde läßt sich nicht in Euro messen", im Leben schon nicht und im Tod erst recht nicht. Und so liegen sie da, die Toten, denen Niemand mehr Beachtung schenkt, die scheinbar wertlos geworden sind, mit ihren nackten Körpern, werden in einen der einfachsten Särge umgebettet, wenigstens da, so ein Satz eines Bestatters, achte er darauf, dass das vorsichtig geschieht.... aus Respekt vor dem Toten....aber dann geht es ab in die Billigmaschinerie und in das Krematorium, weil Verbrennungen kosten noch weniger...
Geiz ist nicht geil! Auch nicht am Ende! Wir verlieren immer mehr Lebenskultur und Tradition. Und wir verpassen die Chancen, auch auf dem letzten Weg, zu lernen und zu erkennen, was der Tod und der letzte Abschied bedeuten könnten......Eine seelenlose Welt, immer mehr, in die wir scheinbar hineinschlittern. Halten wir was dagegen....